Wie stelle ich im Theater eine kleine/unscheinbare Rolle dar?

4 Antworten

Hüre dich vor "Over Acting". Wenn er nun einmal ein stiller unauffälliger Charakter ist, musst auch du dich zurückhalten. Versuch nicht, ihn durch "Marotten" zu charakterisieren und damit den auffälligeren Figuren die Schau zu stehlen. Also, wenig Gestik, wenig beteiligter Gesichtsausdruck, schau den jeweiligen Sprecher an.

Danke für den Hinweis. So habe ich es auch versucht umzusetzen. Ich verfolge das Geschehen auf der Bühne. Reagiere auf die Handlung aber nehme mich zurück. Ich versuche den stillen aber aufmerksamen Beobachter zu mimen.

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Eigentlich müsste dir dein Regisseur hier helfen: Er muss eine Handlung finden, die du ausführen kannst. Ohne Handlung findet kein Theater statt. Und das gilt für absolut jede Figur, die sich auf der Bühne befindet.

Diese Handlung muss in die Szene passen, sie muss dem Ziel der gespielten Szene dienen und die Handlung der Stückes voranbringen.

Ein Schauspieler, der auf der Bühne nicht ganz genau weiß, was er dort zu tun hat, muss sich zwangsläufig verloren und unsicher fühlen. Die Anweisung, rumzustehen und jemanden anzuschauen, reicht hier nicht. Wenn er nur die Anweisung hat: Du kommst mit den anderen rein, die geraten in Streit und du siehst dabei zu, ist das keine Handlung. Wenn er aber weiß: Sobald der Streit beginnt, gehst du drei Schritte zur Seite, drehst dich leicht vom Geschehen weg, schaust auf deine Schuhspitzen, dann zu den Streitenden, dann nimmst du deine Brille aus der Jackentasche, beginnst diese zu putzen, setzt sie auf und wieder ab…dann ist das Handlung.

Was passiert in dieser Szene? Als Beispiel: Was würde Horster tun, wenn z.B. andere in seiner Gegenwart streiten? Ist ihm das unangenehm? Was tut man, wenn einem etwas unangenehm ist? (Sich bewusst mit etwas anderem beschäftigen, sich verstecken, zum Fenster hinaussehen, seine Schuhe binden…). Kein Mensch würde sich hinstellen und einfach nur zusehen. Und das macht man im Detail Szene für Szene.

Ein Regisseur, der Figuren ohne konkrete Aufgabe auf der Bühne hat, macht etwas falsch. Vielleicht musst du ihm also ein wenig auf die Sprünge helfen :).

Ohne das Stück und die besagte Rolle zu kennen: Vielleicht musst du dich erstmal innerlich noch ein bisschen besser damit anfreunden eine "kleinere" oder "normalere" Rolle zu spielen. Interessant finde ich, dass das Wort "unscheinbar" nur in deiner Überschrift vorkommt. Im Text schreibst du aber von "sehr normal" und "bodenständig". Ich denke ein ruhigerer, bodenständigerer Charakter muss nicht unscheinbar sein, auch der kann doch Ausstrahlung besitzen, wirken...

Es sei denn er soll tatsächlich auch unscheinbar sein... allerdings musst du dir dann doch keine Sorgen machen :) ?

Wenn er "normal" und "bodenständig" sein soll UND eine gewisse Aussdrucksstärke haben soll, hilft es vielleicht auch sich in eine bekannte Person, auf die dies zutrifft, hineinzuversetzen. Oder zu üben, sich in das Gegenteil deiner bisherigen Rollen reinzuversetzen - um wieder ein bisschen "runter zu kommen" sozusagen ;) ... oder eben davon weg zu kommen - also in eine eher schüchterne, ängstliche Person die nicht auffallen möchte... Wenn das dann gelingt, fällt es vielleicht leichter einen Zugang zu der aktuellen Rolle zu kriegen (weil man von einer anderen Richtung rangeht).

Vielen Dank für deine Antwort. Vielleicht habe ich die Überschrift schlecht gewählt. Ich habe auch lange nach den richtigen Worten gesucht. Unscheinbar erscheint mir im Nachhinein auch unpassend. Der Kapitän ist nur im Vergleich zu den anderen Rollen im Stück unscheinbar. Die anderen Rollen sind auffälliger. Sie sind überzeichneter. Der Kapitän ist vor allem im direkten Vergleich zu meinen vorherigen Rollen sehr "normal"

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