Wie steht Russland momentan zur Tuerkei?

... komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Also, emotional wird das Erdogan mit absoluter Sicherheit nicht sehen. Das ist rein strategische Machtpolitik, man neigt dazu, da viel zu viel emotional-persönlichen Hintergrund reinzuinterpretieren. Sie arbeiten zusammen, weil sie beide davon profitieren. Vor ca. einem Jahr, nach dem (vermutlich, aber nicht sicher absichtlichen) Abschuss des russischen Kampfjets an der türkisch-syrischen Grenze, haben beide eine Feindseligkeit inszeniert oder wirklich gehabt (kann man schwer sagen), weil es da gerade ins öffentliche Bild der Selbstinszenierung des "starken Mannes" gepasst hat.

Sowohl Erdogan als auch Putin haben einen großen Rückhalt in der Bevölkerung ihres eigenen Landes, auch wenn sie mit der Opposition und kritischem Journalismus alles andere als demokratisch umgehen.

Beide sehen das kritisch angesehene Europa sowie die USA kriseln und profitieren deshalb von einem geografisch vorteilhaften Bündnis, mit dem sie ihren außenpolitschen Einfluss erweitern und Optimismus für die Zukunft ihrer Person und Parteien begründen können.

Sowohl die Bevölkerung der Türkei, als auch Russlands steht zu einem nicht unerheblichen Teil hinter ihrem Präsidenten und eine solche Partnerschaft mit einem ideologisch ähnlich denkenden Land festigt diese Position.

Aus deutscher Perspektive bedeutet das eine Schwächung unseres Einflusses (z.B. der Wirkung unserer Sanktionen) sowie einen weiteren Seitenhieb für unser Verständnis von Demokratie und Pressefreiheit. Allerdings ist dieses in der Welt sowieso nicht mehr so populär, wie es einmal war, zur Zeit gibt es eher einen Trend zur niedrigeren Bewertung von Freiheit zugunsten einer Erhöhung der subjektiven "Sicherheit" (so wie in der Türkei). Diesen Trend gibt es bei uns ebenso wie in der Türkei und in Russland, allerdings ist dort die individuelle Wahrnehmung der eigenen Krisensituation (z.B. in der Türkei durch tatsächlich ständige Anschläge und den Putschversuch, in Russland eher durch Propaganda der Staatsmedien und ständige Hervorhebung der terroristischen Bedrohung) tendenziell höher.

Dementsprechend neigen noch mehr Menschen dazu, härteres Durchgreifen (also "Sicherheit") auf Kosten der Freiheit zu befürworten. Wenn es bei uns ähnlich viele Anschläge wie in der Türkei gäbe, würde mit Sicherheit auch hier das politische sich weiter nach rechts verschieben.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von fiwaldi
28.11.2016, 16:29

Gibt es die Anschläge in der Türkri trotz oder wegen der "Sicherheitspolitik?

0

Die beiden sind auf Kuschelkurs. Das ist allerdings eher symbolischer Natur. Denn wirtschaftlich haben die beiden sich eigentlich nicht zu bieten.

Deshalb darf Erdogan die EU am Ende nicht allzu sehr verärgern.

  1. gebraucht er das Geld aus dem Flüchtlingsdeal
  2. ist der Deal das einzige Druckmittel, das er hat, und das wird er nicht leichtfertig auf Spiel setzen
  3. hat die EU noch etwas großkalibriges im Köcher, nämlich die EU-Zollunion, aus der sie die Türkei ausschließen könnte. Und das ist Basis der türkischen Wohlstands der letzten Jahre. Und den Flurschaden würden weder die Russen geschweige die Chinesen ausgleichen. Letztere interessieren sich nämlich überhaupt nicht für dien Türkei.
Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von fiwaldi
28.11.2016, 16:31

Diese Einschätzung führt aber stramm an der Realität vorbei

0

Die Türkei braucht Russland, die Russen fahren gern zum Urlaub machen in die Türkei und wo die Türkei ein Flugzeug der Russen abgeschossen hat, da waren die Hotels der Türken leer und von den Türken sind Milliarden an Verluste gemacht worden.
Es gibt außerdem keine Freunde in der Politik, es wird immer zwischen den Ländern gegensätzliche Positionen geben, also da verträgt sich Niemand, es sind nur Vernunftlösungen, die dort stattfinden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von fiwaldi
28.11.2016, 16:21

Wie viele Russen machen jetzt Urlaub in der Türkei?

0

Beide Länder gehen wirtschaftlich am Stock und bemühen sich daher um eine Annäherunng, um am jeweils anderen zu verdienen. Die Türkei erhofft sich neue Touristenströme, die Russen Absatz für ihr Gas und Erdöl.

Aber wenn zwei Penner miteinander Geschäfte machen, werden die deshalb auch keine Millionäre. :-)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von fiwaldi
28.11.2016, 16:23

Der Witz ist, dass sie die Millionen scheffeln (Putin Milliarden) ohne (saubere) Geschäfte zu machen

1

Falls du die russische Politik meinst so ist diese einfach pragmatisch. Es gibt in der Politik keine Freunde und Feinde. Es gibt Interessen und Interdependenzen.

Und von normalen von beidesitgem Interesse bestmmten Beziehungen profitiert jedes Paar Länder dieser Welt.

Was der türkischen Politik entgegenkonnt ist, dass Russland nichts davon hält sich in innere Angelegenheiten anderer Länder einzumischen im Gegensatz zur EU, die versucht Türkei Vorschriften zu machen obwohl die Türkei garnicht in der EU ist. Im Türkei-EU Deal habdelt die EU so als äre das kein Vertrag zeier gelichberechtigter Partner.

Russland und Türkei haben sehr unterschiedliche Interessen. In manchen gibt es Überenstimmung, in manchen eben nicht.Ich verstehe nicht warum Europäer so verbohrt die Welt in Schwaez und Weiss teilen wollen. Wer nicht mit uns ist gegen uns funktioniert nicht.

Wenn die Türkei in Syrien etwas bombardiert, dann müssen Putin und Erdogan hinterher Klartext reden. Wenn aber beim Bau der Pipline Einigkeit herrscht ist ja alles gut. Und die South Stream Pipeline haben die Europäer sich selbst zu verdanken. Hätten sie nicht faschstische, antirussische Marionetten in Polen, Ukraine und baltischen Staaten geduldet gäbe es keine Probleme bei Lieferungen durch diese Länder.

Und die westliche Berichterstattung über die Türkei und über Russland erst kann man sch an den Hut stecken aber nicht als Quelle von verlässlichen Informationen nehmen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?