Wie steht Ihr zu dieser Aussage: >Der Kapitalismus muss überwunden werden<?

 - (Politik, Arbeit, Wirtschaft und Finanzen)

25 Antworten

Nun ja, das Problem ist das die Alternativen eher mau sind. Der Kapitalismus steckt in uns tief drin (leistungsloser unendlicher Reichtum ist halt verführerisch) und die Alternativsysteme setzen einen anderen Menschen voraus. Ich denke unsere Ansatz eines regulierten Kapitalismus der sich höheren Ordnungsinstanzen unterwerfen muss ich schon eine ganz gute Lösung, wir müssen "nur" verhindern das im Zuge der Globalisierung sich die Nationen der Welt sich für die Interessen einer reichen Elite gegeneinander ausspielen lassen.

Wie steht Ihr zu dieser Aussage: >Der Kapitalismus muss überwunden werden<?

Dazu müsste man dann erstmal näher definieren, was "Kapitalismus" meint, da ja seit einigen Jahrzehnten in Teilen der Bevölkerung die unsinnige Ansicht besteht, dass für ein Synonym für "Marktwirtschaft" zu halten.

Für mich bedeutet Kapitalismus in diesem Sinne die direkte oder indirekte Herrschaft einer Klasse von Kapitalbesitzern, die ihren Lebensunterhalt einzig durch das Verleihen von Geld oder aus Besitzanteilen an an Unternehmen und den daraus eingehenden Einkünften bestreiten ohne selbst einer wie auch immer gearteten, gesellschaftlich notwenigen Arbeit nachzugehen.

Darüber ob eine solche Herrschaft nun qua der Organisation des Löwenanteils der Bevölkerung im Modell der Lohnarbeit und im Hinblick auf die Verteilung der politischen Macht besteht oder nicht, könnte man fleißig und kontrovers disktuieren.

Käme man dabei zu dem Ergebnis, dass ein solches Berhältnis besteht, gehörte es abgeschafft, weil anachronistisch und aus sich selbst heraus eine Gefahr für die Demokratie.

Ob man unsere Gesellschaft allerdings in diesem Sinne als kapitalistisch bezeichnen kann, da bin ich mir so sicher nicht.

Im 19. und 20. Jahrhundert machte die Losung sicherlich sinn, allerdings meine ich, kann man in der heutigen Zeit durchaus darüber debattieren, inwiefern diese Verhältnisse bereits abgeschaft sind, denn Klassengegensätze der Schärfe des vergangenen Jahrhunderts hat es innerhalb unserer Gesellschaft derzeit jedenfalls nicht.

Der Kapitalismus in der heutigen ungehemmten Form muss sicher überwunden werden. Es geht bei ihm hauptsächlich darum, Geld zu verdienen, große Gewinne zu machen und schließlich marktbeherrschend zu werden.

Die Erfüllung natürlicher und kultureller Bedürfnisse in nachhaltiger Form, im Einklang mit der Natur, tritt völlig zurück hinter der Gier nach immer mehr, immer protziger, immer komplizierter, denn dahinter steht der primäre Antrieb, etwas auf den Markt zu werfen und damit Kohle zu machen.

Die Wirtschaft soll aber den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Daher braucht es ein Regelwerk, eine Art Grundgesetz, was die Wirtschaft dazu verpflichtet, ihre eigentlichen Aufgaben zu erfüllen. Das Wertesystem sollte darüber stehen und die wirtschaftliche Praxis sich nach ihm richten.

Das kann weiterhin in Form einer überwiegenden Privatwirtschaft erfolgen, denn die hat sich im Gegensatz zu sogenannten sozialistischen Systemen bewährt. Diese sind meistens diktatorisch und unterbinden zu sehr die Eigeninitiative und kreative Ideen. Die Innovationskraft soll aber sozial und kulturell nützlichen Produktionen und Arbeitsweisen zugute kommen.

Wie gut so etwas möglich ist, zeigt die regionale Versorgung mit Lebensmitteln aus der Bio-Landwirtschaft. Die Betriebe sind wirtschaftlich erfolgreich im Sinne von lebensfähig und nachhaltig, und sie erzeugen gesunde und wohlschmeckende Naturprodukte, die man zum Leben braucht.

Marktwirtschaftliche Privatwirtschaft ohne Ausbeutung, ohne Umweltzerstörung usw. ist aber schon aus logischen Gründen unmöglich. Denn Privatwirtschaft bedeutet: aus Geld mehr Geld zu machen. Niemand steckt Geld in einen Betrieb, wenn er nicht mehr Geld zurück bekommt. Das ist die zwingende Logik, wenn man mit Geld wirtschaftet. Der Geldwirtschaft hat also einen absoluten inneren Wachstumszwang. Wenn ich 1000,- Euro investiere, erwarte ich, dass ich 1.200, Euro zurück bekomme. Wenn ich diese 1.200,- Euro neu investiere, erwarte ich, das ich 1.400,- Euro zurück bekomme usw. Würde ich nur das zurück bekommen können, was ich investiert habe, wäre ich ja schön dumm, mein Geld überhaupt dem Risiko auszusetzen.

0
@Roland Sperling

Dann ist Geld das Problem, nicht der Kapitalismus?

Warum soll einer für seine Arbeit 1000 € bekommen und ein anderer 1 000 000€?

Wer legt fest, welche Arbeit, welchen Wert hat?

0
@Roland Sperling

Viele erstreben nur Selbständigkeit und die schwarze 0. Nachdem sie investiert haben, leben sie von der Hand in den Mund.

0
@Grautvornix

Kapitalismus IST eine auf Geldbeziehungen beruhende Produktionsweise. Das Wesensmerkmal des Kapitalismus ist einer Definition von Marx zufolge, dass alle Arbeitsprodukte die Eigenschaften von Waren haben (also gegen Geld verkauft werden), und selbst die Arbeitskraft zur Ware wird.

Der Wert der Arbeit definiert sich wie jeder andere Wert über die Kosten seiner Reproduktion. Diese Wertdefinition ist aber nicht rein naturwissenschaftlich, vielmehr spielen auch traditionelle Überzeugungen eine Rolle.

0

Auch ein Bio-Bauer ist bestrebt mit seinen Produkten den höchstmöglichen Gewinn zu erzielen. Es ist unsinnig zu glauben, dass Bio-Bauern anders denken als Bauern die konventionell ihre Landwirtschaft betreiben.

Sicher kann man darüber nachdenken, ob es angebracht ist, einem Managerteam welches eine Bank an den Rand des Ruins manövrierte, mit satten Abfindungen in Millionenhöhe ,zu verabschieden. Das sind leider Ausuferungen die oft zu beobachten sind. Die werden millionenschwer abgefunden und wechseln dann in andere Unternehmen und betreiben ihr Unwesen dort weiter.

Das Unternehmertum muss erhalten bleiben, wenn es weiterhin Arbeitsplätze geben soll. Dass dabei viele Unternehmer einen gewissen Reichtum erlangen, verdient eben deren Risikobereitschaft.

Es gibt leider kein System welches nur Vorteile hat. Jedes privatwirtschaftlich betriebene Unternehmen muss Gewinne erzielen, wenn es Bestand haben soll.

Viele Reglementierungen hemmen die Entfaltung und sind kontraproduktiv.

Ich bin in der Bauwirtschaft tätig..Viele Schulen und Kindergärten sind sanierungsbedürftig. Geld stünde für die Sanierungen zur Verfügung.. Doch manche Gemeinden sehen sich nicht in der Lage, die Gelder abzurufen, weil sie nicht über das notwendige Personal verfügen, um den mit den Zuschüssen .einhergehenden bürokratischen Aufwand zu bewältigen.

Bei uns ufert die Bürokratie immer mehr aus, was sich als Hemmschuh erweist.

Doch wer will dieses System abschaffen oder umstrukturieren ? Wer das Geld hat, hat die Macht. Die Politik folgt dem Geld , was reichlich Spenden einbringt.

Stahlwerke bei uns sind Umweltverschmutzer erster Güte. Der CO2 Ausstoß ist immens. Hört man da etwas davon durch die Medien oder den GRÜNEN ? Nein, man versucht eine CO2 Steuer einzuführen, um den Bürgern weiter Geld abzuknüpfen, weil das einfacher ist, als einem Stahlgiganten Auflagen zu machen. Man hätte sich längst Gedanken darüber machen müssen, wie man Wasserstoff bei den Stahlwerken einsetzen kann. Das wäre praktizierter Umweltschutz.

Schau dir die Entwicklung der Discounter an. Die haben vielerorts die sog. Tante Emma Läden vertrieben. Es gibt viele Ortschaften in denen es keinerlei Einkaufsmöglichkeiten mehr gibt. Diese Leute müssen dann zur nächsten Einkaufsmöglichkeit fahren, was eine gewisse Mobilität voraussetzt.

Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Viele bestellen via Internet ihre Artikel, was auf Dauer den Einzelhändlern große Probleme bereiten wird. Das ist derzeit nur der Anfang, ähnlich wie sich das mit der Entwicklung bei den Discountern zeigt.

Die Kleinen werden verschwinden und die Großen werden immer größer.

Das Rad zurückdrehen wird wohl niemand schaffen.

0

Die Aussage ist dumm.

Die Überwindung des Kapitalismus ist keine Frage des Müssens, sondern allenfalls der Möglichkeit, also des Könnens.

Und offensichtlich kann niemand den Kapitalismus überwinden, weil niemand eine besser funktionsfähige Gesellschaftsordnung mit höherer Lösungskapazität aus dem Hut zaubern kann.

Die kommunistische Spaltung der Arbeiterbewegung und der Kampf gegen den Sozialreformismus war ein schwerer und extrem dümmlicher Fehler, der nutzlos Millionen Menschen das Leben und Zeit bei der sozialen und ökologischen Ausgestaltung des Kapitalismus gekostet hat.

Gute Idee, den Kapitalismus überwinden!

Aber was soll ihn ersetzen?

Jetzt haben wir einen Kapitalismus der entfesselt ist. Es zählt nur noch der Gewinn an Geld. Es wird virtuelles Geld an den Börsen gehandelt, das zehn mal so hoch ist wie das Geld, welches mit Waren und Dienstleistungen erwirtschaftet wird.

Davon weg zu kommen ist fast unmöglich, ohne eine vorherige Katastrophe.

Zu viele profitieren von dem System, als das sie es freiwillig hergeben, für etwas von dem sie nicht einmal wissen wie es aussehen soll.. könnte.... würde.

Es werden E- Autos gebaut die den CO2 Ausstoß aufheben sollen. Als wenn das alles wäre, was unsere Probleme sind.

Die Erderwärmung ist nur ein Problem, vielleicht das dringendste, neben vielen anderen dringenden.

Unser Planet steuert auf ein Multiorganversagen hin... Klimawandel, Artensterben, Umweltverschmutzung, Ressourcenerschöpfung etc.

An allem hat der Kapitalismus einen großen Anteil, aber nicht einen alleinigen. China ist Kommunismus aber bei denen zählt auch nur Geld und damit Macht.

Die Zeit etwas einzusehen ist denkbar schlecht, wo doch viele eine Weltverschwörung wittern und ein kleines Mädchen von einem Zettel ablesen lassen, das sie sich wie Anne Frank fühlt, weil sie ihren Geburtstag nicht mit allen Freundinnen feiern darf, da wir gerade eine Pandemie haben.

Ich denke ohne Katastrophe ist da nichts zu machen, einen Wandel herbei zu führen.

Was möchtest Du wissen?