Wie steht es um den Datenschutz bei online-Bewerbungen?

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5 Antworten

Bei Bewerberdaten ist derzeit der § 32 Absatz 1 Satz 1 BDSG maßgeblich. Danach dürfen Bewerberdaten nur in dem Umfang verwendet werden, wie es für die Begründung des Beschäftigtenverhältnisses erforderlich ist. Das bedeutet beispielsweise, dass die Bewerbung auch an weitere Entscheidungsträger innerhalb des Unternehmens weitergeleitet werden kann. Bewirbt man sich auf eine Stelle innerhalb eines Konzernverbundes, könnte man auch vertreten, dass die Bewerberdaten auch hier an die jeweiligen Entscheidungsträger weitergeleitet werden.

Sofern Bewerberdaten per E-Mail verschickt, muss man sich als Bewerbender darüber im Klaren sein, dass eine unverschlüsselte Versendung theoretisch von Jedermann mitgelesen werden kann. Unternehmen müssen einem hierzu auch Möglichkeiten bieten, wie man auf sicherem Wege die Daten übermitteln kann. Beispielsweise durch direkten Upload auf den Server des Unternehmens etc.

Nach derzeitiger Rechtslage dürfen sowohl digitale als auch physische Bewerberdaten zwischen 3 und 6 Monaten aufbewahrt werden. Die dreimonatige Frist ergibt sich aus den Regelungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Abgwiesene Bewerber haben danach die Möglichkeit sich innerhalb von drei Monaten in die Stelle "reinzuklagen", wenn sie beispielsweise in dem Bewerbungsgespräch oder der nachträglichen Auswahl benachteiligt wurden. Aufsichtsbehörden lassen hier jedoch auch eine Frist von 6 Monaten gelten. Im Anschluss müssen die Daten dann vollständig gelöscht werden.

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen weiterhelfen. Als Datenschutzbeauftragter verschiedenster Unternehmen durfte ich mich mit dieser Problematik schon häufiger befassen.

viele Grüße David Oberbeck

Die Rechtslage ist kompliziert:

Fangen wir beim E-Mail-Versand an: Dieser unterliegt nicht dem Briefgeheimnis. Unabhängig davon, dass es technisch für dazwischenliegende Knotenpunkte möglich ist, unverschlüsselte Mails zu lesen, sind Mails rechtlich nicht so stark geschützt wie Briefe. Und für den Weg bis zur Firma bist Du für die Sicherheit verantwortlich.

Ab Eingang bei der Firma ist die Firma in gleichem Maße für den Datenschutz zuständig wie bei einer schriftlichen Bewerbung. D.h., lediglich diejenigen, die über die Bewerbung entscheiden, dürfen Einblick haben oder sonstwie Informationen erhalten. Eine Weitergabe z.B. an potenzielle Kollegen ist nicht statthaft.

Allerdings wird mit E-Mail-Bewerbungen oft leichtfertiger umgegangen - schließlich ist es ja viel einfacher, sie zu kopieren bzw. weiterzuleiten. Insofern würde ich in E-Mail-Bewerbungen nicht ganz so viel persönlichen Kram reinschreiben. Man kann auch eine Mailbewerbungen mit einem Kurz-Lebenslauf verschicken und die Unterlagen dann zum Vorstellungsgespräch mitbringen.

Man sollte hier nicht paranoisch werden. Dass jemand die Webverbindung oder deine Mails abfängt, um deine Bewerbung heruaszufischen, ist technisch möglich, aber sowas von unwahrscheinlich ... wer so einen Aufwand betreibt will anderes erhalten als Bewerbungen.

Datenschutzrechtlich sind die Unternehmen natürlich an das BDSG gebunden. Zum Beispiel müssen sie sie nach einer Absage nach einer gewissen Zeit löschen, außer ggf. der Information, DASS und WANN du dich beworben hast.

Wenn du deine Daten dahin schickst, dürfen sie sie aber natürlich intern an alle Personen verteilen, die die Bewerbung prüfen müssen. Wie sonst soll das funtkionieren?

Also wir haben manche Bewerbungen wirklich kreuz und quer verschickt, nicht nur intern. Das lag daran, daß mehrere Firmen in ein Projekt eingebunden waren und man sich ja "kannte" . Da hat sich keiner einen Kopp um den Datenschutz des Bewerbers gemacht.

Wenn die Firma die geltenden Datenschutzrichtlinien ernst nimmt, hast du genauso viel zu "befürchten" wie bei einer schriftlichen Bewerbung.

Leider ist das - wie du ja auch schon selbst geschrieben hast - nicht in überall der Fall.

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