Wie stehen Linke (die "normalen" und radikale und alle dazwischen) zu uniformierten (Bundeswehr)soldaten?

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8 Antworten

Das ist generell schwer zu sagen. Es gibt innerhalb der Linken sehr viele Bewegungen, die sehr viele verschiedene Ansichtspunkte haben. Bei hundert Linken hat man schnell mal hundert unterschiedliche Meinungen. Auch muss man unterscheiden zwischen der "alten" Linken und der modernen. 

Ganz allgemein lässt sich aber noch festhalten, dass Linke durchaus eher kritisch dem Militär und dessen Einsatz gegenüber stehen. Gerade die gegenwärtigen Auslandseinsätze werden von fast allen Linken geschlossen abgelehnt - sowohl von der politischen Partei, wie auch von den nicht partei-organisierten Linken.

Unter den Linken lehnen besonders Anarchisten und Pazifisten das Militär ab. Es geht ihnen dabei darum, dass man militärische Mittel nicht länger als politische Maßnahme (bzw. wie es mal formuliert wurde: "der Fortführung der Politik mit anderen Mitteln") akzeptiert und somit für eine vollständige Entmilitarisierung ist. Auch die Uniformierung wird dabei abgelehnt, da sie Menschen, die ja eigentlich individuell sind, vereinheitlicht und vor allem - und das können besonders die Anarchisten gar nicht ab - symbolisiert, dass man sich einer Autorität bzw. einer Herrschaftsstruktur beugt.

Die politische Linke dagegen, also die Linkspartei, spricht sich grundsätzlich für ein stehendes Heer aus (trotzdem kontra Wehrpflicht), ist aber gegen jegliche Angriffskriege (Angriffskriege sind verfassungsrechtlich ohnehin verboten, allerdings gibt es kritische Stimmen, die darauf hinweisen, dass dieser Umstand in Afghanistan- und im Syrienkrieg mehr oder minder bewusst ignoriert wurde). Die Linkspartei ist also nur für den Einsatz als defensive Truppe, wobei aber für sie nichts grundsätzlich gegen die Streitkräfte spricht.

Ich persönlich, der sich eher als Sozialist sieht, stimme da der Linkspartei z.B. größtenteils zu, auch wenn ich mich viel mehr für eine allgemeine und globale Abrüstung einsetzen würde. Wobei allerdings m.M.n. vorerst eine entmilitarisierte Welt nicht funktionieren würde (s. ISIS, Al-Qaida, etc.), entsprechend sind unter Umständen in meinen Augen militärische Mittel leider notwendig. Dazu folgendes:

Gleichzeitig gibt es aber auch eine sehr große Anzahl von Linken, die sich aktiv in internationalen Konflikten beteiligen. Hier spricht man von internationalistischen Truppen - früher wurden die auch von sowjetischen Organen mitorganisiert (https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Brigaden) - heute ist das eher ein Synonym für einen grober Zusammenschluss aller bewaffneter Linker. Organisiert wird das nicht mehr von Staaten, sondern von den Linken selbst. Beispiele für diese Menschen findest du bspw. in Kurdistan. Die YPG, Peschmerga (Streitkräfte Kurdistans und militärischer Arm der PKK) und PKK (kurdische Arbeiterpartei, wird von der BRD als terroristische Organisation angesehen) verstehen sich auch als sozialistisch/kommunistisch und werden mitunter auch von kämpfenden Linken aus Deutschland (und aller Welt) unterstützt. Es gibt somit auch eine recht große Anzahl von Linksorientierten, die im Zweifelsfall auch an bewaffneten Auseinandersetzungen teilnehmen. 

Die "radikalen Linken" sind also auch nicht so einheitlich festzulegen. Es gibt sehr krasse Gegner der Bundeswehr, es gibt aber genauso Linke, die man wohl als "radikal" bezeichnen würde, die trotzdem an Kämpfen teilnehmen. Zum Teil richtet sich die Kritik einiger Radikaler auch nicht konkret gegen die militärische Gewalt, sondern speziell gegen die militärische Gewalt in den Händen des Staates. 

Das wäre die momentane Lage unter der modernen Linken.

Um zum Unterschied zwischen alten und neuen Linken zu kommen: Die "Alt-Linken" lehnten das Militär mehrheitlich nicht ab, das konnte man an den paramilitärische Truppen innerhalb der Weimarer Republik (-> Rotfrontkämpferbund oder RFB), anhand der Roten Armee Fraktion (RAF) oder an der Roten Armee selbst sehen. Lange Zeit war der antimilitärische Teil der Linken eher in der Minderheit, es hat allerdings wohl ein Sinneswandel stattgefunden. Gerade von der Sowjetunion und von der RAF distanzieren sich so gut wie alle, die sich heute als links verstehen - vor allem auch, weil fragwürdig ist, wie viel Sozialismus und Kommunismus wirklich in den genannten Beispielen drin steckt. 

Der RFB ist für viele, einschließlich mich, eine eher kritische Sache. Er war zwar einerseits durch die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands (seit 1956 verboten)) leider unter sehr starkem Einfluss von Sowjetrussland, allerdings war es zeitgleich die größte Kampftruppe, die sich Hitlers SA und SS in den Weg gestellt haben. Daran kann man sich ein Beispiel nehmen, wobei man trotzdem eine kritische Distanz beibehalten sollte.

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Parteipolitisch geantwortet lehnt die Linke als Partei Waffenproduktion, Waffenhandel und seine Nutzung ab. Hier ist allerdings zu beachten dass es sich um ein gesellschaftspolitisches Fernziel handelt. 

Es schadet keiner Partei Fernziele zu benennen und zu formulieren. Sie verhindern immerhin ein Rumgestochere im Nebel wie wir es seit Jahrzehnten von deutschen Politikern erleben. 

Persönlich gewaltfrei zu werden ist eine sehr mühsame Arbeit an sich selbst in einer Gesellschaft deren Geschichte den Nachweis erbringt dass in den letzten 2.000 Jahren durchschnittlich alle 50 Jahre ein als Krieg bezeichneter Blutrausch gelebt wurde. 

Das ist jetzt eine pauschale Antwort. Sie blendet Tatsachen aus. Es gibt sogenannte linke Splittergruppen die fest davon überzeugt sind ohne Aggression ginge es nicht. Sie sind ebenso Lernresistent wie manche rechten Deppen. Im Grunde kannst Du sie in einem Sack stecken, draufhauen und triffst immer den Richtigen. 

Zwischen beiden Extremen ist das Leben bunt und vielfältig. Wie immer in menschlicher Gesellschaft. 

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Das kommt darauf an welche Linke Du meinst.

Die in unserem Parlament vertretene Linke als Nachfolgerpartei der SED dürfte den Soldaten in Historie auf die damalige Volksarmee doch sehr positiv sehen.

Linksautonome hingegen sind generell gegen jegliche staatliche Darstellung, die sich ja letztendlich in der Wahrung der Staatsautonomie im uniformierten Soldaten manifestiert.

Ich persönlich vertrete die Meinung, egal zu welcher Staatsform sich ein Volk entscheidet, der Schutz der gewählten Staatsform drückt sich in der letzten Konsequenz immer im Staatsschutz, sprich Polizei und Armee aus. 

Beide Institutionen sind zur allgemeinen Erkennung uniformiert.

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Frag mal den, der mich auf der Hochzeit eines Freundes tätlich angegriffen hat, weil ich "ein faschistischer Scheiß-Nazi" sei...obwohl wir uns aus Jugendzeiten kannten und zusammen Handball gespielt haben...

Oder den, der mir auf offener Straße völlig unmotiviert "Mörder" entgegen schrie.

Oder den, der meinte, mich, als ich mal in der Stadt in Uniform unterwegs war, zu verfolgen und mit vermeintlich provokanten Fragen zu nerven. Der hat mich bis zur KiTa meiner Tochter verfolgt.

Also: Tendenziell eher nicht so freundlich!

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Kommentar von Cholo1234
23.04.2016, 17:00

Man findet irgendwie immer ungewollt neue Freunde als Soldat....

Auch gut sind die, die einen direkt schlagen wollen, wenn man sie nicht beachtet.

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Linke sind generell gegen jede Form von Krieg.
Also auch gegen Soldaten.

Natürlich gibt es immer Meinungsverschiedenheiten, aber ich denke man kann es auf eine generelle Ablehnung gegen Soldaten pauschalisieren.

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Das variiert extrem. Der eine ist für eine Abschaffung der Streitkräfte, der andere nur gegen Auslandseinsätze. Letzten Endes stört die meisten Linken nur das die Bundeswehr nicht ihre Interessen vertritt. Wären wir ein linkes Land mit einer linken Armee, wäre es ja für ne gute Sache.

So, wie es eigentlich alle Interessengruppen sehen.

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Ein Teil ist für die Abschaffung der Bundeswehr. Nahezu alle sind sich einig, dass die Bundeswehr keine Auslandseinsätze durchführen sollte.

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Nicht sehr gut.

Als ich mal in Uniform gereist bin habe ich auch schon sprüche gehört von Antifas wortwörtlich:

"Na Soldat heute schon einen gekillt?"

Sind halt meistens ziemliche kleingeister.

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