Wie stark bewaldet war Deutschland vor 2000 Jahren also ca. 0 n. Chr.?

4 Antworten

bei uns im taunus gab es vor den römern schon die kelten mit einer stadt, von daher weiss ich, das dort, wo in den letzten jahrhunderten wald war, logischer weise alles abgeholzt war. genau wie rund um den limes.

grundsätzlich hat sich die natur ständig verändert, ob es durch menschen war oder das wetter

Vor rund 2000 Jahren (ein Jahr 0 n. Chr. hat es nicht gegeben, besser ist, z. B. über ein Jahr 1 zu schreiben) war Mitteleuropa sehr stark bewaldet.

In der Gegenwart beträgt der Flächenanteil des Waldes in Deutschland ungefähr 30 %. Der Wald hat damit einen erheblichen Anteil eingebüßt. Der Anteil vor rund 2000 Jahren kann nicht genau ermittelt werden und bestimmte Zahlenangaben sind nicht mehr als ungefähre Vermutungen. Wahrscheinlich war der Anteil damals mindestens doppelt so hoch.

Einst hatten Anteil die Laubbäume einen sehr viel höheren Anteil am Wald als die Nadelbäume (Beginn des Mittelalters 81 % Laubholz, 19 % Nadelholz). Das Verhältnis hat sich in der Neuzeit fast umgekehrt (Nadelbäume wachsen schneller und ergeben viel Nutzholz).

Das heutige Gebiet Deutschlands war den geographischen Naturbedingungen nach bis auf geringe Ausnahmen (Binnengewässer, Waldgrenze in Höhen des Alpenlandes, Brockengipfel, Hochmoore, Marschen, eventuell einige sehr sandige Stellen) Waldfläche.

Seit der Kultur der Bandkeramik in der Jungsteinzeit gab es in Mitteleuropa Ackerbau und Seßhaftigkeit. Dafür wurde Wald gerodet.

Für Weidewirtschaft bei der Viehzucht wurde außerdem Wald gelichtet. Ansiedlungen wurden allerdings spätestens nach ein paar Jahrzenten aufgegeben und die Wirtschaftflächen gewechselt. Der Wald begann sich an verlassenen Stellen wieder zu schließen. Große Teile des Waldes waren um das Jahr 1 keine völlig unberührten Urwälder, aber noch naturnahe Wälder. Holz war Baumaterial, Werkstoff und Energielieferant (unter anderem auch für Erzverhüttung). Die Menschen haben vorgefundene Ressourcen genutzt und Holz entnommen. Die Bevölkerungsanzahl und damit die Bevölkerungsdichte waren aber sehr viel geringer als heute.

Römische Schriftsteller hatten zu dieser Zeit nicht viele genaue Kenntnisse und ihre Beschreibungen geben oft eher einen allgemeinen Eindruck wieder. Griechische und römische Autoren (z. B. Gaius Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico 6, 24 – 28) erwähnen einen riesigen Wald, Herkynischer Wald (altgriechisch Ἑρκύνιος δρυμὸς; lateinisch Hercynia silva) oder Herkynisches Gebirge (altgriechisch Ἑρκύνιος ὄρος; lateinisch Hercynus mons) genannt.

Plinius, Naturalis historia 16, 5 – 6 (etwa 77 – 78 n. Chr. geschrieben) stellt Germanien als fast ganz von tiefen Wäldern bedeckt dar (16, 5 Aliud e silvis miraculum: totam reliquam Germaniam operiunt adduntque frigori umbras, altissimae tamen haud procul supra dictis Chaucis circa duos praecipue lacus.). Pomponius Mela 3, 29 (43 – 44 n. Chr. geschrieben) beschreibt Germanien als zu einem großen Teil durch Wälder und Sümpfe unwegsam (et magna ex parte silvis ac paludibus invia). Tacitus, Germania 5,1 (um das Jahr 100 n. Chr. geschrieben) schildert Germanien als ein durch Wälder schauderhaftes und durch Sümpfe gräßliches Land (silvis horrida aut paludibus foeda).

In Zusammenhang mit Kämpfen wird der Wald als Schwierigkeit für das römische Heer dargestellt.

Andere schriftlichen Quellen aus dieser Zeit außer griechischen (wie Strabon 7, 1, 3) und römischen Autoren gibt es nicht.

Genau Zahlenangaben sind nicht tatsächlich belegbar möglich. Aussagen sind ungefähre Vermutungen/Annahmen. Es gibt Anhaltspunkte und allgemeine Informationen, die zu Überlegungen mit grob geschätzten maximalem und minimalem Flächenanteil führen können.

Wilhelm Abel. Agrarpolitik. 3., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1967 (Grundriß der Sozialwissenschaft ; Band 11), S. 271:
„Als die Germanen mit den Römern in Berührung kamen, bedeckte weite Flächen, kaum weniger als zwei Drittel des späteren Lebensraumes, der Wald.“

Karl Hasel, Forstgeschichte : ein Grundriss für Studium und Praxis. Hamburg ; Berlin : Parey, 1985, S. 35: „Insgesamt war die Walddichte im vorrömischen Germanien unterschiedlich gestaltet. Hausrath nimmt an, daß in vorrömischer Zeit zwei Drittel des deutschen Bodens von Wald bedeckt waren, in einzelnen Gegenden aber mehr als drei Viertel.“

Uta Strehle, Genetische Variation der Stieleiche (Quercus robur L.) in Bayern : eine Studie auf der Basis von Isoenzym-Genmarkern. München : Utz, 2000, S. 3:
Die römische Zeit (15 v. Chr. – 486 n. Chr.) prägte die stadtnahen Wälder durch intensive Holznutzung und den Bau von Befestigungsanlagen (Limes), Brücken, Straßen sowie größerer Städte. Auch die Badekultur der Römer und ihr Holzverbrauch für Fußbodenheizung forderten ihren Tribut Zusätzlich wurde dem Wald landwirtschaftliche Nutfläche abgerungen, so daß im römischen Germanien nur noch 60 – 65 % Waldfläche vorhanden war.“

Ulrich Willerding, Wald. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer. Band 33: Waagen und Gewichte - Wielandlied. Berlin ; New York : de Gruyter, 2006, S. 101- 120

S. 103: „Deutschland ist von Natur aus nahezu vollständig bewaldet gewesen, inzwischen sind noch etwa 30 % der Fläche von Wäldern bedeckt. Demnach ist der W.-Anteil infolge der anthropogenen Eingriffe in die Landschaft offenbar ziemlich geschrumpft.“

W. = Wald

S. 106: „Von der urspr. nahezu vollständig bewaldeten Fläche Mitteleuropas hat sich derzeit etwa ein Drittel erhalten. Auf der Grundlage ausgiebiger vegetationsgeschichtl. und anderer geobotan. Forsch. wurde es möglich, die Großgliederung der naturnahen Wälder für die Zeit um Chr. Geb. zu rekonstruieren. Trotz der in diesem Zeitraum stellenweise schon recht dichten Besiedlung ist davon auszugehen, daß es sich dabei noch um die naturnahen Wälder handelt.“

urspr. = ursprünglich
vegetationsgeschichtl. = vegetationsgeschichtlicher
geobotan. Forsch. = geobotanischer Forschung
Chr. Geb. = Christi Geburt

S. 106 – 107 zu den Waldtypen:

  • westlich von Elbe und oberer Oder Rotbuchenmischwälder mit zum Teil hohem Anteil von Eichen

  • größere Höhenrücken der Mittelgebirge (Harz, Thüringischer Wald, Erzgebirge, Vogesen, Schwarzwald) montaner Rotbuchenwald mit Bergahorn, Fichte bzw. Tanne östlich bzw. nördlich der Rotbuchengebiete bis nach Polen hinein Wälder, in denen Kiefern und Eichen vorherrschten

  • fruchtbare Böden der Jungmoränengebiete westlich bzw. südlich der Ostseeküste Rotbuchenwälder sowie nach Osten anschließend Laubmischwald mit großem Hainbuchenanteil und schließlich auch Fichten

  • mitteldeutsches Trockengebiet und Inner-Böhmen mit Jahresniederschlägen unter 500 mm Eichenmischwälder verbreitet, wobei Anteil der Rotbuche gering

Franz Firbas, Spät- und nacheiszeitliche Waldgeschichte Mitteleuropas nördlich der Alpen. Band 1: Allgemeine Waldgeschichte. Jena : Fischer, 1949 Band 2: Waldgeschichte der einzelnen Landschaften. Jena : Fischer, 1952

Marcus Nenninger, Die Römer und der Wald : Untersuchungen zum Umgang mit einem Naturraum am Beispiel der römischen Nordwestprovinzen. Stuttgart : Steiner, 2001 (Geographica historica ; Band 16), besonders S. 98 - 109

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Alles war voller Wald, außer da war die Eiszeit :D da war der Wald voller Schnee :D also bis zur Baumgrenze war fast alles voll, außer direkt Ammer hält

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