Wie standen die Bewohner Oranienburgs zum Konzentrationslager Sachsenhausen?

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4 Antworten

Ich denke, das ist schon eine fehlgeleitete Fragestellung ...

Sachsenhausen war das Berliner KZ, und darum sollte die Frage lauten: "Wie standen die Bewohner Berlins zum Konzentrationslager Sachsenhausen?"

Leider ist es da durchgehend verbreitet, das die KZs nicht nach den Städten benannt sind zu denen sie gehörten, sondern nach den kleinen Landgemeinden die zufällig am nächsten dabei liegen. Das haben die Nazis so gemacht, und zwar mit Absicht.

bei Dachau liegt das Münchner KZ, bei Mauthausen liegt das Linzer KZ, bei Buchenwald das KZ für Leipzig, Erfurt und Weimar, bei Neuengamme das Hamburger KZ und bei Bergen Belsen das KZ von Hannover; bei Gross-Rosen das KZ von Breslau, usw.

Die Bewohner Oranienburgs werden zum KZ dasselbe gedacht haben, was sie auch gedacht hätten wenn sie dort eine Müllhalde oder einen Schneeabladeplatz oder eine Strassenmeisterei oder einen Militärübungsplatz gehabt hätten, nämlich "Typisch dass die Grossstädter immer wieder Einrichtungen, die sie selbst nicht in der Stadt haben wollen, zu uns plazieren ohne dass wir gefragt werden, mitreden können oder irgendwas davon haben. Das KZ hier ist voll Sch..sse, aber wir haben da ja keinerlei Einfluss, darum lass uns lieber um das kümmern, wo wir lokal was gewegen können."

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Kommentar von FloydPepper
08.02.2015, 13:28

Was soll an der Fragestellung fehlgeleitet sein? Es geht um den Standpunkt der Bevölkerung, die dieses Lagersystem direkt wahrnehmen konnte. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Berliner Bevölkerung oder um die Oranienburger Bevölkerung handelte. Glaubst Du, die Berliner Bevölkerung trifft mehr Verantwortung, weil die Oranienburger Lager ja eigentlich "ihre" waren? Was für eine verquere Vorstellung! Und glaubst Du, die Berliner Bevölkerung hat weniger mitbekommen? Falsch. Es gab unzählige Nebenlager direkt in Berlin.

In den Berliner Rüstungsbetrieben entstanden ab 1942 mehr als 100 Außenlager und Außenkommandos, z. B. in der Nähe von Siemens, DEMAG-Panzer, Henschel-Werke, Daimler-Benz, I.G. Farben und der AEG. Dadurch begegneten täglich Tausende Deutsche an ihrem Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin großen Mengen von KZ-Häftlingen, zum Teil arbeiteten sie in derselben Halle wie diese. Ein Teil von ihnen kontrollierte als Vorarbeiterin oder Meister deren Tätigkeit und deren Arbeitsergebnisse und hatte die Möglichkeit, deren Lebensbedingungen über einen Kontakt mit der SS-Wache zu beeinflussen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Au%C3%9Fenlager_des_KZ_Sachsenhausen

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Kommentar von FloydPepper
08.02.2015, 13:40
Die Bewohner Oranienburgs werden zum KZ dasselbe gedacht haben, was sie auch gedacht hätten wenn sie dort eine Müllhalde oder einen Schneeabladeplatz oder eine Strassenmeisterei oder einen Militärübungsplatz gehabt hätten, ...

Dieser Satz ist ethisch ziemlich genau auf dem Steinzeitniveau dessen, was eine Anwohnerin zu den Massenmorden äußerte:

Wenn es da qualmt, denn werden die wieder verbrannt. Waren ja auch so viele drin. Wo sollten sie den mit denen hin? Nicht wahr. Es blieb ja gar keine andere Wahl.

https://www.youtube.com/watch?v=Si1Mzn0iDbc

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Das könnten dir nur die Bewohner erzählen.

Vermutlich wird es so sein, wie überall. Sie haben nichts gesehen, nichts gewußt und nichts gesagt, auch wenn sie natürlich alle davon wußten. Es wäre vermutlich auch nicht sonderlich klug gewesen den Mund aufzumachen und die Zustände zu beklagen.

Solche Verbrecher wie die Nazis konnten und können nicht gut mit Kritik umgehen.

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Kommentar von DerDancer1
07.02.2015, 23:17

"Solche Verbrecher wie die Nazis konnten und können nicht gut mit Kritik umgehen."

Dieses Verhalten lässt sich aber eigentlich bei allen Großmächten dieser Zeit feststellen.Auch bei den USA und den Soviets. Wenn du dich damals in der SBZ kritisch zur Besatzermacht oder dem Stalinismus an sich geäußert hast, dann bist du postwendend ins KZ Sachsenhausen gekommen.Das hieß dann Speziallager Nr.17. Anderer Name, gleiche Vorgehensweise.Die Gedenksteine zeugen von 14 und 15 jährigen Kindern, die dort vom NKWD umgebracht worden sind. Ich finde es schrecklich, dass das bis heute "Befreiung" genannt wird.

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Sie werden wohl nicht hinein gewollt haben.

Interessanter ist allerdings, wie die Wirtschaft dazu stand. Die Firma Salamander hat dort durch Häftlinge auf einer speziellen Laufstrecke Schuhe testen lassen. Die Überlebensrate war dabei nicht sehr hoch. Der Test war sehr billig.

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Kommentar von rr1957
08.02.2015, 12:08

war denn Salamander in Oranienburg ansässig ?

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Warum gerade die Bewohner Oranienburgs? Genauso könnte man fragen, wie standen die Bewohner Weimars zu Buchenwald usw.

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