Wie stand Platon zur Demokratie?

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4 Antworten

Wenn wir von Demokratie in Athen zur Zeit Platons reden, kann das nicht mit dem gleichgesetzt werden, was wir heute darunter verstehen. Der allergrößte Teil der Bevölkerung in Athen waren Sklaven und Unfreie, die keinerlei Mitbestimmung hatten. Mitbestimmung hatten freie Athener Bürger. Die politischen Ämter wurden meist von den Aristokraten - zu denen auch Platon und seine Verwandschaft gehörten - wahrgenommen. Seine eigene Staatsvorstellung ist ein hierarchischer Ständestaat mit einem Alleinherrscher an der Spitze, darunter das Militär und dann die Handwerker und Händler. Den größten Teil der Unfreien und Sklaven hat er gar nicht mitgezählt.

Platon schrieb ein ganzes Buch über dieses Thema ("Der Staat"). Er hatte ein ganz eigenes Verständnis von einem Staat.

Platon stand, wie u.a. sein Werk Politeia, auch bekannt als Der Staat, der Demokratie relativ kritisch gegenüber:

Er glaubte, alle Menschen hätten von Natur aus unterschiedliche Tugenden, und wären daher zu verschiedenen Tätigkeiten im Staat bestimmt. Nur, wenn jeder die Tätigkeit verrichte, zu der er bestimmt sei, wäre der Staat ideal.

Von diesen Voraussetzungen ausgehend, erklärte er, der ideale Staat enthalte drei Stände: Den ersten Stand, den Stand der Philosophen. Diese haben eine natürliche Veranlagung zur Intelligenz, sind daher äußerst weise. Deshalb, so Platon, sind sie die Alleinherrscher im Staat.

Dann den zweiten Stand, die Wächter. Diese haben eine natürliche Veranlagung, emotional und impulsiv zu sein- Platon nennt es den "emotionalen Seelenteil"- und sind die mutigsten. Daher sind sie die Krieger, Polizisten; sie führen die Entscheidungen der Philosophen aus.

Den dritten Stand bilden letzlich die Bauern und Handwerker, also die gewöhnlichen Leute. Sie bilden schlicht und einfach das Fundament der Gesellschaft, zeichnen sich durch ihre Genügsamkeit aus.

Wie wir sehen, ist Platons idealer Staat also keine Demokratie, sondern eine Technokratie, eine Herrschaft der Experten. Er lehnte die Demokratie also ab; wichtiges Argument war für ihn dabei, dass in der Demokratie die dümmsten zu viel Macht hätten.

Für Kritik an seinem Staatsverständnis empfehle ich Poppers Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

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