Wie soll man sich als Transsexueller outen?

3 Antworten

Hallo geschichtis,

erst einmal: Respekt, dass du dich so ehrlich mit deinen Gefühlen auseinandergesetzt hast. Ich weiß, welche Kämpfe man jahrelang durchmacht, wenn man sich im falschen Körper fühlt, da ich selber auch ein Transmann bin, und erst mit über dreißig zu mir selbst gefunden habe. Mich zu outen war absolut wichtig, weil ich sonst kaputtgegangen wäre. Wie man sich am besten outet…schwierig zu sagen. Jeder geht das anders an. Ich z.B. habe nach und nach sämtliche Familienmitglieder eingeladen und es ihnen persönlich gesagt. Ich hatte große Angst, hätte aber auch nicht so weitermachen können, wie bisher. Die, die weiter weg wohnen, bekamen damals einen Brief von mir. Manchen fällt es leichter, einen Brief zu schreiben, weil sie darin all das zur Sprache bringen können, was ihnen im Gespräch aus Nervosität und Angst gar nicht so klar möglich wäre. Andere wiederum ziehen das persönliche Gespräch vor. Wieder andere sprechen zuerst mit einer „neutralen“ Person, z.B. mit einem Vertrauenslehrer oder mit einem Arzt.

Dass dein Bruder und dessen Freundin dein Outing so positiv aufgenommen haben, ist schon mal ein guter Anfang. Vielleicht können er und seine Freundin dir bei den anderen Gesprächen stärkend beistehen? Dir helfen beim Ordnen der Gedanken, oder gemeinsam mit dir überlegen, welches die nächsten Schritte bei deinem Outing sein könnten. Eine hilfreiche Möglichkeit wäre eine Regionalgruppe, in der du dich mit anderen Transmännern austauschen kannst. Beispielsweise gibt es von Transmann e.V. mehrere Gruppen (Bielefeld, Franken, Köln, Magdeburg, München, Saarland, Stuttgart), die sich zweimal im Monat treffen und die dir gerne mit ihren Erfahrungen helfen, sei es nun das Thema Outing oder auch der ganze, lange Trans*-Weg an sich (Therapie, Gutachten, Hormone, OP, Rechtliches usw.). Auf der Seite www.transmann.de findest du Infohefte, die du als PDF herunterladen kannst, Listen mit Ärzten, andere Informationen. Auch ein Austausch in einem Forum für Transfrauen und Transmänner kann eine gute Anlaufstelle sein.

Dass es dir schwerfällt, auf Menschen zuzugehen, kann ich gut verstehen. Auch ich wurde jahrelang in der Schule ausgegrenzt, weil ich mit meiner Andersartigkeit auffiel und nirgendwo dazugehörte. Ich war kein Junge wie die anderen, wie die Mädchen war ich auch nicht. Es half mir sehr, mich nach so vielen Jahren endlich mit Menschen austauschen zu können, denen es wie mir ergangen war, zu verstehen, dass an mir nichts „falsch“ ist, und zu erkennen, dass ich zum ersten Mal das Richtige mache. Ich wurde sehr freundlich in der Gruppe aufgenommen und hoffe, dir wenigstens ein bisschen die Angst nehmen zu können. Vielleicht hast du die Möglichkeit, gemeinsam mit deinem Bruder zu einem Treffen zu fahren, wenn du dich alleine noch nicht traust. Positive Erfahrungen werden dir sicher Kraft geben für dein Outing bei Familie und Freunden.

Ich wünsche dir viel Mut und viel Kraft auf deinem Weg.

Gruß

Linus

Danke für deinen Rat, ich bin froh dass mich wenigstens einige verstehen und mir helfen

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Hallo. Ich hatte dieses Problem auch, zum Glück aber lange nicht so stark. Meine Eltern sind ebenfalls sehr streng christlich. Ich hatte insgesamt 2 wirkliche Outings. Eins vor meinen Eltern, eins vor der Klasse. Bevor ich mich als trans* geoutet hatte, war ich schon als bi-sexuell geoutet. Damit sind meine Eltern gut klar gekommen. Ich würde deine Freunde ect. erst einmal darauf ansprechen, was sie generell von dem Thema halten. Wenn sie da strikt gegen sind, solltest du die Freundschaft eventuell beenden. Deine Freunde sollten dich so akzeptieren, wie du bist. Wenn sie das nicht tun, sind sie auch keine wahren Freunde. Das Outing vor meinen Eltern lief einfach so ab, dass ich mich mit meiner Mutter zusammen gesetzt habe und ihr klar gesagt, was Sache ist. Langsam akzeptieren sie es. Bevor ich mich offiziell vor der Klasse geoutet habe, habe ich mit meinem Klassenlehrer gesprochen. Dann habe ich win paar Monate später eine E-Mail an meine Klasse geschickt, in der ich alles erklärt habe. Wenn du möchtest, kann ich dir die mal privat schicken, als Beispiel. :3

Deinen Körper musst du übrigens nicht akzeptieren. Es ist schließlich nicht dein Fehler, im falschen Körper geboren zu sein.

Ich hoffe ich konnte helfen.

Ja vielen dank für die Hilfe, es hat mir sehr geholfen! Ich denke schon dass meine Freunde zu mir stehen, wir sind schon seit der Grundschule Freunde allerdings habe ich Angst dass sie mich dann fuer gestoert halten...

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Wie lange haben deine Eltern gebraucht es zu akzeptieren? Kannst du mir vielleicht die email schicken? Ist glaube ich eine sehr gute Idee!

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Bei mir war es ehnlich bei meiner Mutter . Sie hat es mir nicht geglaubt und dumme Sprüche gemacht versch es mal mit web Seiten . Ich hab meiner Mutter per Mail ein link von anderen Transmännern geschickt wie die etwas über das Thema erzählen . Kuck einfach mal bei YouTube nach dem Kanal "MrThink Queer" . Bei mir ist nicht wirklich was positives zurück gekommen aber ein versuch lohnt sich. Und zu den Freunden hab ich nur positive Erfahrungen (bin auch nur in der schule geoutet) bei mir haben es alle gut aufgenommen einige kriegen es sogar hin mich bei meinen männlich Namen zu nennen und ein paar blöde Sprüche steckt ich auch gut weg meistns sind sie auch nicht so gemeint . Ich hoffe meine Erfahrung hilft . Und du bist 18 das mit dem Hormonen und und und schaffst du schon dein Bruder steht ja auch noch hinter dir . (Sorry wenn grammatikalisch nicht alles past schreiben ist nicht meins)

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