Wie sind die Bezeichnungen Jesu theologisch zu verstehen?

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6 Antworten

Jesus hat sich deshalb als Menschensohn bezeichnet, weil er von einer menschlichen Mutter ausgetragen und geboren wurde. Messias, Christus (eigentlich Christos, weil es aus dem Griechischen entliehen ist) oder auch Gesalbter wird im entsprechenden Wikipediaartikel zu Messias recht gut und kurz erklärt. Als Erlöser (wonach Du nicht gefragt hast) wird er bezeichnet, weil durch sein Sühnopfer alle, die an seinen Vater und an ihn glauben, erlöst sind, sofern sie ehrliche Umkehr üben und selbst zur Vergebung bereit sind.

Herr ist einfach in mancher Hinsicht ein Ausspruch beispielsweise für einen Lehrer, ebenso wie Rabbi und andere Anredeformen in der Bibel. Es gibt auch eine Übersetzung der Bibel, die an praktisch jeder Stelle, wo von "Herr" die Rede ist, den Namen Jehova verwendet. Was man davon halten soll, bleibt jedem selbst überlassen. Interessant ist aber, dass in genau dieser Übersetzung, wo Christus die Bedeutung dieses Namens absichtlich verwendet hat, diese Aussage durch das Wort gewesen relativiert und somit ebenso verfälscht wird. Diejenigen, die diese Übersetzung kennen, wissen genau, was ich meine und ich kann mir gut vorstellen, dass sie diese Frage ebenfalls gesehen haben werden.

Richtig interessant oder eher verwirrend (dank der Folge des ersten Konzils von Nicäa) wird es aber erst bei der Dreieinigkeit.

Wie kann man die Bezeichnungen für Jesu (Menschensohn, Messias, Herr) theologisch verstehen?

Menschensohn: ein Begriff, der auf Daniel 7,13-14 zurückgeht.

Dan 7,13 Danach sah ich in meiner Vision einen, der aussah wie der Sohn eines Menschen. Er kam mit den Wolken heran und wurde vor den Thron des Uralten geführt. 14 Der verlieh ihm Macht, Ehre und Herrschaft, und die Menschen aller Nationen, Völker und Sprachen unterwarfen sich ihm. Seine Macht ist ewig und unvergänglich, seine Herrschaft wird niemals aufhören.

Daniel hat eine Vision, in der er im Himmel vor dem Thron Gottes steht. Der Menschensohn ist also jemand, der mit den Wolken des Himmels zu Gott fährt und dort die Herrschaft über die ganze Welt bekommt.

Jesus hat auch in verschiedenen Gleichnissen deutlich gemacht, dass er der Menschensohn ist und am Ende alle Menschen im "jüngsten Gericht" beurteilen wird.

Messias: das ist ein "Gesalbter", also nach dem AT ein König, ein Hohepriester oder ein Prophet. Bekannt ist auch die Übersetzung dieses Titels ins Griechische, christos (Christus). Nach christlicher Auffassung ist Jesus König (s.o. zu Menschensohn), Priester (er hat das Opfer vollbracht, dass die Sünden der Welt tilgt) und auch Prophet.

Im Judentum zur Zeit Jesu war der Messias vor allem als König wichtig, viele hofften, dass ein Messias sie von den Römern befreien wird, so wie die Makkabäer das jüdische Volk von den seleukidischen Diadochenherrschern befreit hatten (und einer von denen wurde dann König). Jesus hat daher nur sehr selten davon gesprochen, dass er der Messias ist. - Später, als sich Judentum und Christentum trennten, hat das Judentum "Messias" so definiert, dass Jesus nicht darunter fällt.

Herr: Juden sprechen den Namen JHWH nicht aus, beim Bibellesen sagen sie stattdessen "Herr" (Hbr. 'adonaj), und die Art, wie diese Vorschrift in Bibelhandschriften notiert wird, ist so kryptisch, dass Nichtjuden da erst mal "Jehova" lesen - ein Irrtum, der bis heute noch nicht ausgestorben ist, wie du auf GF schnell feststellen kannst.

Im NT gibt es einige Stellen, die klarmachen, dass genau das - JHWH - gemeint ist, wenn Jesus als Herr bezeichnet wird. Etwa wenn gesagt wird, dass Jesus den höchsten Namen (der für Juden natürlich JHWH ist) bekommen hat, und dass einst vor Jesus jeder niederknien muss (wie in Jes 45,23 angekündigt: jeder muss vor JHWH niederknien).

Das war die theologische Bedeutung dieser Titel in Kurzform.

Na ja.... "Messias" bedeutet Gesalbter. Im AT wurden dem Messias die Ohren gesalbt, da er auf Gott hören sollte und danach die Politik gestallten sollte. "Rabbi" bedeutet auch nicht Lehrer, sondern "MEIN Lehrer" oder "MEIN Meister". Die althebräische Wurzel dahinter "rabah" bedeutet in etwas "zahlreich". Ein Mensche, der ein großes Wissen und dieses an seine Schüler weiter gibt.

Menschensohn: In Daniel 7,13ff sieht der Prophet in einer Nachtvision eine Gestalt »wie eines Menschen Sohn«, dem Gott ein ewiges Reich übergibt. Der unmittelbare Kontext weist deutlich auf eine Einzelerscheinung in menschlicher Gestalt. Der Text legt nahe, dass der »Menschensohn« eine einzelne Person ist, der von Gott eine überaus große Macht verliehen wird: Der Menschensohn ist der Messias - so sehen es spätere Rabbinen und das Neue Testament, in dem die Bezeichnung »Menschensohn« nur für Jesus Christus verwendet wird. Sie betont einerseits das volle Menschsein Jesu und andererseits seine Gottessohnschaft in göttlicher Autorität und Hoheit. Er ist von Gott zum Richter der Welt bestellt, nachdem er zuvor dem menschlichen Gericht ausgeliefert war.

Jesus verstand diese Hingabe des Lebens als »Lösegeld für viele« (d.h. alle Menschen): "Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele." (Markus 10,45). Der Menschensohn steht als Richter und Vollstrecker des Willens Gottes für diejenigen ein, die einst vor ihm erscheinen werden.

Messias: Der hebr. Ausdruck maschiach bedeutet wörtlich »Gesalbter«. Er meint eine Person, der von Gott besondere Funktionen und Vollmachten übertragen wurden. In der LXX (Septuaginta) wurde der Ausdruck mit Christos wiedergegeben, wovon der Titel »Christus« abgeleitet wurde.

Das Alte Testament beschreibt einen Messias, der leiden, sterben, auferstehen und ein irdisches Reichen errichten wird (vgl. z.B. Ps 22, Jes 52). In der Person Jesus Christus treffen die alttestamentlichen messianischen Verheißungen eines davidischen Gottessohnes und eines Menschensohnes zusammen.

Nach den Evangelien wurde Jesus als der Christus (Messias) durch die Engel bei seiner Geburt verkündigt (Lk 2,11); schon vor seiner Geburt wird ihm diese Aufgabe von Gott zugesprochen (Lk 1,32f.) und bei seiner Taufe beglaubigt (Mk 1,11). Die Messianität Jesu bestimmt sein gesamtes öffentliches Wirken: Sowohl seine Verkündigung wie auch sein Handeln in Wundern und Zeichen weisen ihn als den von Gott in einmaliger Weise beauftragten und bevollmächtigten Messias aus. Sehr empfehlenswert dazu ist das Buch „Das Leben des Messias: Zentrale Ereignisse aus jüdischer Perspektive“ von Arnold G. Fruchtenbaum.

Herr: Der Begriff "Herr" wird in der Bibel häufig für Gott verwendet. Damit wird angezeigt, dass Gott der Herr des eigenen Lebens sein soll. Paulus (Röm 1,1), Petrus (2. Ptr 1,1) und Judas (Jud 1) bezeichnen sich als "Knecht Jesu Christi". In Offenbarung 1,1a steht: "Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, um seinen Knechten zu zeigen..." John MacArthur hat dazu ein interessantes Buch mit dem Titel "Sklave Christi" geschrieben.

Im Judentum wurde der Name JHWH so gut wie nie ausgesprochen, auch nicht bei den gottesdienstlichen Schriftlesungen, sondern dafür jedesmal »unser Herr« (hebr. Adonai) gesagt. Die Kirche hat sich dem weitgehend angeschlossen, so auch Luther in seiner Bibelübersetzung. Von den Worten (Botschaften) Gottes, die er seinen Boten und Propheten auftrug, heißt es beispielsweise immer wieder: »Und das Wort des Herrn geschah zu ...«.

Menschensohn: im Gegensatz zu Gott, leiblicher Mensch (auch, über das Verhältnis Gott/Mensch wird weiterhin gestritten)

Messias: Der im AT vorgesehene Erlöser. Von Christen als solcher gesehen, Juden warten noch auf ihren Messias und sehen Jesus als...

Rabbi (Herr, Lehrer). "Herr" steht meistens da, wo im Original "Rabbi" steht. Eine Ehrbezeichnung für einen Lehrer im Judentum, der auch theologische Aufgaben übernimmt.

AldenLee 02.09.2014, 23:15

Die Kommentare zu Menschensohn und Herr sind falsch.

Zum Thema Menschensohn siehe die Antwort von chrisbyrd unten. Die Gleichsetzung von Jesus mit dem Menschensohn wurde als Gotteslästerung angesehen, es geht also gerade nicht darum den leiblichen Menschen zu bezeichnen.

Mit HERR wird das alt-griechische Wort "Kyrios" übersetzt (dazu siehe auch Wikipedia). Kyrios steht in der alt-griechischen Bibel im Alten Testament für JHWH, also GOTT. Von daher ist gerade die Verwendung von "Kyrios" für Jesus ein Zeichen seines Gottseins.

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helmutwk 03.09.2014, 15:31
Rabbi (Herr, Lehrer)

Rabbi ist nicht "Herr, Lehrer", sondern höchstens ein "Herr Lehrer" ;) Zur Zeit Jesu wurde jeder Rabbi genannt, der Schüler hatte, die von ihm lernten (wie die zwölf Schüler - bzw. "Jünger" im Lutherdeutsch - die Jesus hatte). Später wurde Rabbi zu einer geschützten Berufsbezeichnung für Lehrer, die die Thora auslegten, also ungefähr das taten, was die "Schriftgelehrten" im NT machten.

"Herr" (kyrios) war eine griechische Anrede, vergleichbar dem Deutschen "Herr". Es konnte aber auch mehr bedeuten (auch im Deutschen kann ein Herr so was wie ein "Chef" sein), etwa den Kaiser bezeichnen. Zur religiösen Bedeutung von "Herr" siehe die Antwort von AldenLee.

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Wenn du nicht lernst die Bedeutung solcher Begriffe im "Netz" selbst herauszufinden, sehe ich schwarz für deine Zukunft. Google und Wikipedia machen es doch so leicht und billig, wie es noch nie zuvor war.

Ich hoffe, du verstehst, warum ich dir deine Frage nicht beantworte, sondern dir nur einen Tipp zur Selbsthilfe gebe. Viel Erfolg!

JordanGirl 01.09.2014, 19:05

Du hast dir anscheinend ja deine Zukunft schon schwarz gemacht, weil du dich mit so einer Antwort an meiner Fragestellung aufhälst. Lass es mein Problem sein. Ist eh nur Religion. In meinen LK's steh ich 1 also shut up

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cherami 02.09.2014, 08:23
@JordanGirl

"also shut up" - Leider auch eine unfreiwillige Selbstauskunft deines Niveaus!

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chinly 02.09.2014, 05:54

Hier wurden schon viel, viel dümmere Fragen gestellt und (auch von Dir) beantwortet! Mindestens die Hälfte aller hier gestellten Fragen dürften demnach nicht gestellt werden!

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cherami 02.09.2014, 09:12
@chinly

Da magst du durchaus recht haben. - Doch will ich daraus trotzdem keine Regel ableiten und deshalb nun jede "dumme" Frage beantworten müssen.

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helmutwk 03.09.2014, 15:22
Wenn du nicht lernst die Bedeutung solcher Begriffe im "Netz" selbst herauszufinden, sehe ich schwarz für deine Zukunft.

Wenn du nicht lernst, dass manche Antworten, die sich ergoogeln lassen, falsch sind, sehe ich schwarz für deine Zukunft. Ich hab mal eine falsche Aussage (welche, wär off-topic) in einem Forum korrigiert, und um einen Beleg im Netz für die richtige Antwort (die ich aus Büchern kannte) zu finden, musste ich mich erst eine halbe Stunde lang durch Seiten mit der falschen Angabe quälen.

Dann mal gezielt die ansprechen, die sich (hoffentlich) auskennen, kann schon sinnvoll sein.

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cherami 05.09.2014, 09:33
@helmutwk
Wenn du nicht lernst, dass manche Antworten, die sich ergoogeln lassen, falsch sind, sehe ich schwarz für deine Zukunft. 

Mach' dir bitte keine Sorgen um mich. - Ich selbst bin durchaus kritisch genug, um Informationen aus dem Netz auf die "Waagschale" zu legen. - Leider setze ich damit aber manchmal auch zu Unrecht voraus, dass andere dazu gleichfalls in der Lage wären. Dies trifft bedauerlicherweise nicht immer zu.

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