Wie sieht ihr die Sachlage? Warum gibt es so viele Arbeitszeitfirmen? Warum sind dann die Arbeitsverträge zum Nachteil für Arbeitnehmer?

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3 Antworten

Hallo,

das ist nicht erst seit 5 Jahren so. Die Regierung Schröder hat da einiges gelockert was aktuell von Frau Nahles geändert wurde.

Zu den Verträgen der Zeitarbeitsfirmen. In der Regel sind die Arbeitsverträge von der Agentur für Arbeit kontrolliert. Vor allem bei ZA Firmen die noch keine unbefristete Erlaubnis haben. Diese ZA Firmen werden 1x pro Jahr kontrolliert. So einen Passus würde das Arbeitsamt rausstreichen! Ich selber habe noch nie so einen Satz in einem Arbeitsvertrag in dieser Branche gesehen.

Ich glaube auch, wenn in einem Arbeitsvertrag so einen Satz gibt, könnte man Arbeitsrechtlich dagegen vorgehen. In den Tarifverträgen ist der Umgang mit dem Arbeitszeitkonto darüber hinaus genau geregelt auch was bei Ausscheiden des MA zu passieren hat.

 

Und wie ist das geregelt mit der Auszahlung vom Arbeitszeitkonto? Ich hatte knapp 150 Std., vereinbart wurde bis max. 100 Std. Die Differenz von 50 Std. sollte auf einmal ausgezahlt werden. Praxis war: Jeden Monat wurden 3 Std. ausgezahlt. Das fand ich lächerlich, fragte nach mehr. Meine zuständige Personalerin wollte nicht mehr auszahlen. Sie sagte es sei so geregelt. Soll ich in Zukunft den Vertrag für zwei Tage mit nach Hause nehmen und vom Anwalt prüfen lassen?

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Es gibt wohl so viele Arbeitszeitfirmen, weil Ende der 90er die Regierung es toll fand, dass die eigentlichen Firmen Arbeitnehmer nicht mehr auf Dauer einstellen müssen und somit die hohe Arbeitslosigkeit bzw. die Zahlen hierzu geschönt werden konnten.

In den Jahren davor gab es auch schon Arbeitszeitfirmen. Dort konnte man, falls man noch nicht wusste was man arbeiten sollte, ein Arbeitsverhältnis eingehen und viel leichter auch von der eigentlichen Firma übernommen werden. In ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.  Das ist heute anders. Meistens neue Einsatzgebiete bzw. ständig wechselnde Firmen.

Vor der Agenda2010 haben Leiharbeitskräfte mitunter sogar mehr verdient als die festangestellten Mitarbeiter, als Ausgleich für die Flexibilität die diese mitbringen mussten.

Schröder war aber nur der Anfang. Merkel hat dem ganzen noch einen ordentlichen Schubs gegeben und rühmt sich sogar noch für den bahnbrechenden Erfolg der Leiharbeit.

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Interessant, da hofft man noch auf eine langfristige Stelle und dann darf man in Zukunft dauerhaft nur wechseln, wechseln, wechseln. Was machen denn die anderen Arbeitnehmer, die keine Stelle erhalten. Irgendwann wird doch bestimmt auch noch der Zuschuss vom Staat gekürzt oder nicht? Was ist mit den Leuten, die keine Familie haben, auch keinen familiären Rückhalt?

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@A9n0n1a9


Irgendwann wird doch bestimmt auch noch der Zuschuss vom Staat gekürzt oder nicht?

Ja klar. Aber da nicht der deutsche Steuerzahler bestimmt, wie der Arbeitsmarkt strukturiert wird, sondern Unternehmen, die selbst kaum Steuern zahlen, ist es denen natürlich auch gleichgültig wie viel Geld die Agentur in die Aufstockung von Gehältern oder in die Ersatzleistung stecken muss. Die verdienen so oder so an uns.

Soziale Belange haben leider keinen Stellenwert mehr in unserem Land. Auch wenn man uns das noch so vormacht.

Und Parteien wie der AfD geht das noch nicht weit genug, die möchten weiter am Kündigungsschutz drehen, möchten eine permanent befristete Anstellung ermöglichen. Immer hoffen bis zum nächsten Monat. :(

So ein Irrsinn.


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Ist die Kündigung inordnung?

Nicht erst in den letzten 5 Jahren. Das entwickelt sich seit Schröder so.

Die Bundesregierung ist unternehmerfreundlich eingestellt und sieht deshalb von einer dringend notwendigen Regulierung des Arbeitsmarktes ab.

Ade, Soziale Marktwirtschaft.

Natürlich ist das unfair. Aber Konkurrenz unter den Arbeitnehmern hält die Löhne niedrig. Gut für die Arbeitgeber.

Und für die Arbeitslosenbilanz der Bundesregierung noch viel besser.

Mir ist es erst in den letzten 5 Jahren aufgefallen. Wie es davor war, weiß ich nicht. Die Entwicklung sieht auf jeden Fall nicht gut aus. Arbeiten bis zum Zusammenbruch, danke liebe Politiker. Meinst du ins Ausland gehen würde sich lohnen?

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@A9n0n1a9

Nein. Die Arbeit die bei uns durch Lohndumping gehalten wird, fehlt in anderen Ländern.

Was hilft ist richtig wählen.

Und aufklären warum man so wählt.

Die Leute die noch nicht von der Leiharbeits- und Niedriglohnproblematik betroffen sind, glauben nämlich meistens noch immer, das alles in Butter sei. Obwohl sich das ausweitet wie eine Krankheit.

Aber man darf ja nicht links wählen, weil die angeblich was mit der SED zu tun haben. So ein Schwachsinn.  Von den Parteimitgliedern war kaum einer grad in der Schule als die SED sich verabschiedete.

Schau dir deren Programm an, dann wirst du genau deine Bedenken dort widergespiegelt sehen.

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@Maisbaer78

Das ist nachvollziehbar. Kenne einige Leute, die jahrelang in der gleichen Firma arbeiten und sich jetzt über die Situation auf dem Arbeitsmarkt wundern. Insolvenz wurde angemeldet und dann stehen sie da und fragen sich wie es weiter geht. Gerade die Telekommunikationsbranche ist hart geworden. Verkaufsdruck ohne Ende und dauerhafte Rechtfertigung für Nicht-Absätze. Wie soll man sich da auf die Arbeit freuen?

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@A9n0n1a9

Naja Aquisition ist immer ein schwieriges Geschäftsfeld und vorallem nichts für Jedermann.

Aber klar, bei solchen Branchen fällt das zu erst auf. Da ist es zwar eher das Outsourcing aber dennoch der gleiche giftige Brei.

In der Industrie ist das mit der Leiharbeit auch extrem geworden. Ich hab aber auch einen Kumpel der als Softwarentwickler als Leiharbeiter bei einer Lohnfirma angestellt ist.

Das wird immer verrückter. 

Inzwischen triffts auch soziale Berufe und sogar Jobs in der Verwaltung. Da sieht man mal, das selbst die Kommunen offenbar kein Problem mit diesen Ausbeutermethoden haben.

Ich hoffe die Leute werden irgendwann mal wach und wählen dieses System und die dafür Verantwortlichen ab.  Aber im Moment gehts dem Großteil der Leute noch viel zu gut.

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@Maisbaer78

Im Handel ist es auch nicht anders. Lohndumping ist überall eingezogen. Selbst bei einer Suche nach einem Ausbildungsplatz in einem anderen Bereich sind die Chancen schlechter geworden. Die älteren Bewerber werden gleich aussortiert. Angeblich zu alt und nicht mehr formbar, hmm mit fast 28 Jahren. Nur die Vorteile wollen manche nicht sehen. An das schöne Wort Chancengleichheit glaub ich nicht mehr.

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@A9n0n1a9

Ja warum auch daran glauben. Die Konkurrenz ist gewollt.

So wurde auch aus der Chance "Globalisierung" ein einziges Druckmittel gemacht. Anstatt Märkte auf einem gemittelten oder hohem Niveau anzugleichen wurde dafür gesorgt, dass der deutsche Arbeitsmarkt sich preislich nach unten bewegt.

In der Industrie schimpfen Franzosen, Polen und Tschechen gleichermaßen, dass Sie mit deutschen Dumpinglöhnen nicht mithalten können.

Man muss sich das mal vorstellen. Polen und Tschechen sind teurer als wir. Und die leben ja auch nicht in Saus und Braus.

Und so schadet das uns und denen gleichermaßen.

Aber im TV wird immer wieder gezeigt wie sehr die Unternehmen nach Leuten suchen. Alles Schönfärberei.

Deshalb bekommt man ja auch den deutschen Armutsbericht erst nach einer gründlichen "Überarbeitung" zu sehen.

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