Wie setze ich diese Abstrakta in den Plural?

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4 Antworten

Von Abstrakta gibt es immer genau dann einen Plural, wenn jeder etwas für sich haben kann, z.B. eine Leidenschaft.
Es gibt dann keinen Plural, wenn es sich um einen allumfassenden Begriff handelt, von dem jeder nur ein Quäntchen haben kann, z.B. von Mut.

In manchen anderen Sprachen gibt es dafür eine Art Fall, den Partitiv, im Deutschen nicht. Deshalb muss man bei uns vor dem Sprechen erst denken, - zumindest bei der Benutzung solcher Wörter.

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Kommentar von earnest
29.11.2016, 13:16

Das überzeugt mich nicht. Es gibt genug Menschen, die mehr als nur ein Quäntchen Mut haben.

"Mut" ist für mich genausowenig allumfassend wie zum Beispiel "Leidenschaft".

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Ich behaupte mal, es gibt verschiedene Grade von Abstraktion. 

Es gibt da die Gesundheit. Das ist ein Zustand, wo man gesund ist. Und früher nannte man den Zustand, wo man krank ist, Krankheit. 

Wenn man findig ist, kann man diesen Zustand von Krankheit aber auch auf einen bestimmten Fall von Krankheit übertragen: Cholera, Pocken, Pest, Schnupfen, …

Dann habe ich schon vier Krankheiten, also ganz bestimmte Zustände und Ausprägungen von Krankheit.

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Es ist dasselbe Spiel mit den Leidenschaften und den Ängsten. 

Leidenschaft ist ein Geisteszustand starker Gefühle. Irgendwann ist man dazu übergegangen, die Aktivitäten, die man in einem solchen Geisteszustand ausübt, als Leidenschaft zu bezeichnen. 

Zwar ist das Spiel die Abstraktion von spielen, das schließt aber nicht aus, dass man einen Plural bilden kann. Denn das Spiel bezieht sich nicht nur auf die generelle Aktivität des Spielens, sondern auch auf ganz spezifische Aktivitäten des Spielens, nämlich Spiele (z.B. Kartenspiele, Ballspiele oder Rollenspiele).

Leidenschaften sind ganz spezifische Aktivitäten, die man leidenschaftlich macht, und Ängste sind ganz spezifische Angstzustände: Höhenangst, Angst im Dunkeln. Ganz im Gegensatz zur Angst, einem allgemeinen Zustand, wo man sich fürchtet. 

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Ein Mensch kann durchaus unterschiedliche "Lieben" (gehabt) haben.

Der von andreasolar angegebene Link ist exzellent. 

Zur "Beruhigung" noch dies: Es ist halt so, dass Sprachen auch "Nullstellen" aufweisen, und dies nicht nur bei einem Singularetantum oder Pluraletantum.

So gibt es beispielsweise im Deutschen keine Entsprechung für "satt" nach dem Trinken. Oder eine Entsprechung des dänischen "hyggelig". Da gibt es nur Annäherungen. 

Ähnliches gilt für "Gemütlichkeit" im Englischen. 

Solche "Lücken" und "Nullstellen" gibt es wahrscheinlich in jeder Sprache.

Gruß, earnest


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Kommentar von LolleFee
29.11.2016, 08:48

Zwei Anmerkungen: 

Bei "Lieben" im Plural findet eine Bedeutungsverschiebung statt - ähnlich wie bei Geld/Gelder.

Nullstellen mag der Mensch nicht so gerne, deshalb ist da eine Tendenz zum Stopfen. Dabei reicht schon, dass es die Nullstelle theoretisch nicht mehr gibt. Oder benutzt irgendjemand das Wort "sitt"? https://de.wikipedia.org/wiki/Sitt

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