Wie seriös ist Thomas Wieczorek?

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Ich fand das Buch sehr tendenziös und extrem linkslastig. W. hat ja in den Achtzigern bei der BILD in Hamburg gearbeitet - manche Leute machen für Geld alles - inwiefern das etwas über seinen allgemeinen Einstellungen aussagt kann ich nicht beurteilen. Ansonsten gibt er einige interessante Denkanstöße, die ich gerne angenommen habe, ganz gleich ob er jetzt als seriös einzustufen ist oder nicht....

Ich lese es gerade und finde es nicht so LINKSLASTIG wie sie es beschreiben.Man nimmt viel mit,und muß es für sich selber verarbeiten.Für Laien sehr geeignet.

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Man müßte lachen, wäre es nicht so traurig. Warum eigentlich wird ein Autor, der sich bemüht, Licht ins erschreckende geistige Dunkel dieser Gesellschaft zu bringen, sofort als tendenziös und gar links abqualifiziert? Ist nicht gerade eine solche Einordnung Ausweis der negativen Tendenzen, fast hätte ich geschrieben, im Denken, in der Wahrnehmung der Gesellschaft? Es geht ihm doch gerade darum, darüber zu informieren, was nur oberflächlich oder gar falsch informiert wird. Ginge es den Linken nur darum, wären das genau die Leute, die dieses Land braucht. Denn wer mit seiner Entscheidung darüber bestimmt, durch wen und wie dieses Land regiert werden soll, kann das doch nur tun, wenn er ausreichend gut informiert ist. Und jeder der dort bestehende Mängel zu beseitigen sucht ist ein Gewinn. Und gerade deshalb kann ein solches Buch auch nur Anstoß zum eigenen Denken sein. Und es unterscheidet sich eben von der üblichen staatsnahen Medienberichterstattung, die vieles verschweigt.

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@NicolasChamfort

Nun ja, wenn Sie die Bücher des Herrn Wieczorek lesen werden Sie festsstellen, dass er diverse "Übeltäter" beim Namen nennt. Das umfasst Einzelpersonen ebenso wie Parteien und sonstige Organisationen. Die einzige Ecke, die von ihm so gut wie nie negativ erwähnt wird, ist die Linkspartei. Wenn das nicht tendenziös ist, weiss ich auch nicht weiter. Weiterhin sehen Sie Wieczoreks "Werke" als Gegenstück zur vertuschenden staatsnahen Medienberichterstattung. Meinen Sie ernsthaft, dass ein bei KNAUR (also einem der größten kommerziellen Taschenbuchverlage) verlegter und unter anderem auch über Supermärkte und Weltbild vertriebenes "Werk" inhaltliche Tiefe bietet? Irgendwas substanzielles? Nicht wirklich, oder? Wieczorek ist zutiefst kommerziell. Er schreibt auf tendenziöse Weise das, was eine Randgruppe dieser Gesellschaft hören will. Damit verdient er verdammt gutes Geld. Fundierte Analysen darf man aber nicht erwarten. Der Mann bedient nur das Bauchgefühl der selbsternannten Verlierer, auf dass sie sich weiter selbst bemitleiden können. Dieses "Genre" ist im Übrigen derzeit in Mode. Wieczorek ist schließlich nicht der einzige, der auf dieser Welle reitet. Die Art und Weise, wie die Verlagsindustrie diese Geldkuh melkt zeigt, wie "gesellschaftskritisch" Wieczorek und Co. sind.

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Zwar etwas spät, aber: Ich fand das Buch überhaupt nicht tendenziös, sondern halte es im Gegenteil für eines der wenigen deutschen Werke, welches man als Standardliteratur in deutschen Schulen einführen sollte. Und wer seine Bücher als "linkslastig" einstuft, ist im Grunde schon Opfer dessen geworden, was Wieczorek klar und schlüssig kritisiert. Wäre Wieczorek nicht 2013 verstorben und hätte noch mehr Bücher dieser Art herausgegeben (und diese wären auch gelesen und reflektiert worden), wäre uns wahrscheinlich vieles von dem, was uns in den nächsten Jahren wohl einen Bürgerkrieg bescheren wird, erspart geblieben.

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Ich halte Wieczorek sicherlich nicht für unseriös. In "Die verblödete Republik" von ihm genannten Fakten halten sicherlich jeder Überprüfung stand, die Querverweise sind umfangreich. Allerdings sei gesagt: Für ein Buch dieses Umfangs ist die Faktenlage eher dünn, und die Art und Weise, in der Wieczorek seine deduktiven Schlüsse zieht, ist bedenklich: an Einseitigkeit kaum zu überbieten. Schuld sind quasi immer die anderen. Dabei schafft er es, in epischer Länge immer wieder auf die gefühlte Benachteiligung der Unterschicht zu rekurrieren, ohne nennenswert auf typische Milieuprobleme einzugehen. Am Ende zeichnet er so unfreiwillig ein Bild der nicht primär verblödeten Republik, sondern der qua natura unmündigen Unter- und Mittelschicht. Wie gesagt: Schuld sind immer die anderen. Das mag alles nicht unseriös sein. Aber sowohl Erkenntnis- als auch Unterhaltungswert sind bestenfalls ausreichend.

Ich sehe das ein wenig anders. Er differenziert ganz eindeutig zwischen "Unterschicht-" und "Milieuproblemen". Und den Schuldbegriff, sofern man überhaupt einen aus seinen Darstellungen ableiten kann, muss jeder für sich selbst interpretieren.

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Ich weiß ja nicht mit welchen Leuten ihr täglich zu tun habt, aber müsstet ihr mit mir tauschen würdet ihr euch glücklich schätzen, ausnahmsweise mal jemanden zu hören der versucht Licht ins Dunkel zu bringen.

Als ich meinen 12-jährigen Stiefbruder nach seiner Meinung über die Japankatastrophe fragte, sagte er mir er fände die ausgestrahlten Bilder "cool". Aber was will man erwarten, wenn beide abends bei DSDS anrufen und auch noch tatsächlich glauben sie könnten dabei etwas am Ergebnis bewirken? Wenn dann sogar mein Vater beginnt sich über die Figuren aus der Sendung zu unterhalten...

Wenn in meiner Bekanntschaft "fast" ausnahmslos jeder die WM oder die EM um jeden Preis ansehen möchte und Fußball zum einzigen Thema wird. Und auch nicht selten ernsthaft die Frage gestellt wird, warum diese Fußballer trotz ihrer schlechten Leistung soviel Geld verdienen. etc. etc. etc.....

Wie kann man da noch nach der seriösität des Autors fragen? -Ist die dargestellte Situation etwa nur bei mir so extrem ausgeprägt? Diese Probleme müssen angesprochen werden! Es ist nicht die Aufgabe des Autors diese Probleme alleine zu durchdenken und zu lösen. Es ist die Aufgabe jedes noch halbwegs vernünftig denkenden Menschen.

(Oder etwa nicht?)

 - (Politik, Buch, Literatur)

Beim nachträglichen editieren lief leider etwas schief. Mit "..beide abends.." meinte ich Mutter und Sohn. Außerdem "..nach der Seriösität des Autors fragen.." "Shit happens"

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Ich habe dieses Buch erst jetzt gelesen und halte ein aktuelles Update für dringend geboten. Wenn man ein solches Buch schreibt, muss man, um der Wahrheit willen, einen Standort links von der CDU einnehmen. Auch jüngere Äußerungen von unserem Wirtschaftsminister machen die Notwenigkeit eines solchen Buches deutlich. Da er allein die Tatsache, eine Beschäftigung zu haben als glückbringend empfindet, sollte er doch einen Ein-Euro-Job annehmen und mal selbst erfahren, wie es sich auf diesem wirtschaftlichen Standard lebt. Wieczorek ist sicher einseitig in seiner Behandlung des Themas. Aber muss man es als halbwegs sozial denkendeer Mensch nicht auch? Es löst sich eben nicht alles über den Markt und die Herabwürdigung des arbeitenden Menschen als "Humankapital" ist schon sehr menschenverachtend. Schade, dass auch geachtete SPD-Mitglieder auf diesen Zug mit aufgesprungen sind und sich selbst zu Hanswursten der Kapitalgesellschaft machen ließen.

Ich habe selber mal versucht ein Buch anzufangen, in dem ich einige Verblödungselemente in Deutschland aufzeigen wollte. Aber selbst ich, als jemand der im Gegensatz zu Herrn Wieczorek einen recht bescheidenen Horizont hat und auch kaum Hintergrundinformationen besitzt, hatte Schwierigkeiten mit dem Brainstorming, denn gerade bei diesem Thema fallen einem so viele Dinge ein, dass man garnicht so schnell schreiben kann, wie man denkt bzw. wie die Informationen fließen. Dabei kommt zwangsläufig eine Sammlung wie in "die verblödete Republik" zusammen. Die Tatsache, dass hier eine "Linksdiskussion" entbrannt ist, zeigt eigentlich nur auf, dass hier einige Leser dieser Verblödungspolitik auf den Leim gegangen sind.

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