Wie seriös ist die Aussage, dass es jährlich zigtausend Tote durch Stickoxiede aus Diesel-PKW gibt?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Stickoxide sind in geringen Mengen nicht sonderlich giftig. Der Körper kann sie problemlos "entgiften".

Stickoxide sind rasch biologisch abbaubar (um nicht zu sagen verwertbar; z.B. Hülsenfrüchtler können, über Symbiose mit Knöllchenbakterien, Stickoxide als Stickstoffquelle - d.h. Dünger - verwenden).

Stickstoffmonoxid (NO) wird sogar vom Körper selbst produziert und ist ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr und Kreislaufregulation.

Stickstoffdioxid (NO_2) ist ein Radikal und als solches ziemlich aggressiv zur Lunge, führt dort zu Reizung bis hin zu Entzündungen und Vernarbungen. Dafür braucht es aber dann doch ziemlich hohe Dosen - und die Reizung bemerkt man auch sofort. Das passiert also nicht unbemerkt. Weiterhin kann es im Blutkreislauf die Sauerstoffbindungsfähigkeit der roten Blutkörperchen beeinträchtigen (ähnlich wie Kohlenmonoxid). Dagegen haben wir aber Entgiftungsenzyme, die das wieder richten (sofern die Dosis nicht viel zu hoch ist).

So. Und wie stirbt man nun durch sehr niedrige Stickoxid-Dosen? Vermutlich gar nicht. In Autoabgasen sind vielerlei giftigere Sachen drin (Feinstaub, Aromaten, Schwermetalle, ...). Die sind teilweise direkt krebserregend und/oder reichern sich an. Da würde ich von eine Gefährdung durch chronische Niedrigdosen ausgehen. Aber bei Stickoxiden???

Ähnlich sieht es übrigens mit Kohlenmonoxid/-dioxid aus. Akut kann man sich damit schnell (und vor allem unbemerkt) vergiften, d.h. ersticken. Chronisch passiert da gar nichts. Allenfalls der Treibhauseffekt ist auf Dauer problematisch. Da müsste man dann eben mehr Bäume pflanzen, statt Wälder abzuholzen und alles zu betonieren...

Es gibt dazu wohl eine EU-Studie, die auch die sog. Feinstaubpartikel als Todesursache nennt. 

Diese Partikel lagern sich beim Einatmen an der Lunge an - so wie früher Asbeststaub oder auch die extrem dünnen Fasern von Dämmstoffen. 

"Der Straßenverkehr, dem die Forscher weltweit nur fünf Prozent der Todesfälle zuschreiben, schlägt in Deutschland mit 20 Prozent zu Buche, das sind knapp 7000 Menschen pro Jahr. 

Demnach sterben hierzulande doppelt so viele Personen an den Folgen der Verkehrs-Emissionen wie an Verkehrsunfällen." 

(Quelle: Studie  des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, 16.09.2015) 

Diese Studie wurde in "Nature" veröffentlicht, DER Zeitschrift für die Naturwissenschaften und ich glaube, sowohl "Nature" als auch dem MPI kann man vertrauen. Und dies ist nur eine von vielen Studien zum Thema. 

Die EU-Studie bezieht sich auf ganz Europa und geht auch auf die "Sekundärfolgen" ein: Du stirbst nicht direkt an den Stickoxiden, sondern an den Folgen, die diese Stoffe in Deinem Körper verursachen. 

OK, den genauen, wirklich ursächlichen Grund für den Tod eines Stadtbewohners nach Monaten oder Jahren auf Stickoxideoder Feinstaub zurückzuführen, ist vielleicht schwierig, aber u. U. mit den heutigen Untersuchungsmethoden möglich. Aber da bin ich kein Fachmann. 

Außerdem kommt es auch darauf an, worauf sich eine Studie bezieht, auf welche Fläche, Orte, Zeiträume, Jahreszeiten usw. Ich glaube aber schon, dass die tendenzielle Gefahr vorhanden ist und die Größenordnung der Zahlen stimmt. 

Man kann ja, auch als Laie, verschiedene Studien miteinander vergleichen und dann die Quintessenz daraus ziehen. 

Tatsache ist, dass es aus physikalischen, chemischen, technischen Gründen besser wäre, Wärmekraftanlagen nur noch in Großkraftwerken zuzulassen. Dort kann man konstant höhere Temperaturen fahren und die Filter entsprechend wirkungsvoller auslegen. 

Der Individualverkehr könnte dann durch Elektroautos abgewickelt werden. 

Beim Auto ist es so, dass gerade beim Anfahren der größte Teil der Emissionen freigesetzt wird, nicht im Dauerbetrieb wie z. B. bei einem Strahltriebwerk. Beim Anfahren funktionieren Katalysatoren und Filter entweder überhaupt nicht oder nur extrem eingeschränkt. 

Eine Start-/Stop-Automatik ist also eher ein Beitrag zur Umweltbelastung, gerade in den Städten mit ihrem Stop-and-Go-Verkehr. 

Die als "wahr" empfundende Aussagekraft von Meldungen richtet sich ziemlich strikt danach, ob etwas oft genug in der Bildzeitung gestanden hat oder nicht.

Bzgl. der Schädlichkeit von Substanzen und irgendwelchen speziellen Umständen läßt sich allgemein sagen, daß es zumeist die Summe von allem ist, die ein Problem auffällig macht.

Dabei ist der Teufel im Detail enthalten. Ein einzelnes Puzzleteil entzieht sich oftmals mangels geeigneter Möglichkeiten der Beweisbarkeit, und bei der Betrachtung der Summe gilt zumeist das Dogma, daß immer nur die anderen an etwas schuld sind.

Bzgl. der Stickoxyde als solche hat Altersweise bereits das Notwendige gesagt.

Hinzuzufügen wäre dem noch, daß Eigentümer von Dieselfahrzeugen eine ganz andere Sichtweise entwickeln als überzeugte Radfahrer, wobei aber auch der aus solchen gegensätzlichen Ansichten errechnete Mittelwert ganz sicher nicht das sein kann, was man allgemein unter "wahr" versteht.

Bei genauerer Betrachtung aller grundsätzlich schädlichen Dinge, die vorrangig aufgrund von Kommerzinteressen erhalten bleiben (HartzIV, Niedriglohnjobs, marode gesundheitsschädliche Wohnungen, Dauerstreß und Leistungsdruck, Lärmbelastung, schädliche Abgase und Feinstaub usw.) neige ich zu der Annahme, daß bei einem strikten Wegfall solcher schädlichen Umstände die durchschnittliche Lebenserwartung um mindestens 15 Jahre höher wäre, was im Umkehrschluß bedeutet, daß sich die Volksmehrheit damit abgefunden hat,  ein um16 Prozent kürzeres Leben zu haben, damit es dem Kommerz gut geht.

Ich halte sie für ziemlich unseriös. Wären die Dieselabgase so giftig würden die Leute reihenweise an der Strasse tot umfallen.

Allenfalls wird dadurch der Tod etwas beschleunigt, also dass Leute früher sterben als wenn sie das gleiche Leben in der frischen Luft (zB im Gebirge) geführt hätten. Daran sind die aber eigentlich selbst schuld wenn die unbedingt an völlig veraltetem Denken festhalten und in der Stadt leben wollen.

Da das Model Großstadt aus dem Mittelalter ist (wenn nicht noch älter) und völlig überholt ist müsste da angesetzt werden, aufgrund der Infrastruktur, Vernetzung und flächendeckender Polizei ist die Stadt als Solches nicht mehr zeitgemäss.

Wirklich problematisch sind die neueren Abgasnormen. Während die alten, stark russenden Diesel praktisch nur dreckig waren aber nicht wirklich gesundheitsschädlich sind es die Neuen die Krank machen, schon weil man die Abgase der Alten bemerkte und denen auswich.

Da praktisch die gesammte Wirtschaft auf Transport angewiesen ist und der Transport größtenteils mittels Dieselantrieb ausgeführt wird gibt es eine steuerliche Wenigerbelastung für Dieselkraftstoff um die Wirtschaft zu subventionieren. Davon profitieren nun auch private Diesel-Fahrer, daher wurde die KFZ-Steuer für Diesel-Autos drastisch angehoben um da einen Ausgleich zu schaffen. Trotzdem ist dem Staat der Diesel als Privatfahrzeug ein Dorn im Auge weil durch den Steuergelder verloren gehen, daher wird seit Längerem versucht den Diesel schlecht zu machen wo es nur geht.

Als es noch stinkende Russ-Bomber waren hat sich die Verbreitung von selbst im Rahmen gehalten, mittlerweile ist es nicht mehr nur der sparsame Antrieb sondern bietet ein Gesammtpaket an das die Benziner einfach nicht rankommen. Bei mir in der Strasse ist von 10 Autos noch etwa 1 Benziner, der Rest sind Diesel. Damit dies nun nicht zu sehr Überhand nimmt ist der nun durch die Abgase der Verursacher von unzähligen Toten.

ArchEnema 05.07.2017, 09:23

Da hat man jahrelang/jahrzentelang Dieselfahrzeuge künstlich subventioniert (durch deutlich geringere Besteuerung des Diesels). Anstatt das zu berichtigen (-> höhere Dieselpreise; die Wirtschaft würde kotzen) motzt man über Stickoxide. Weil so ja nicht die Transportunternehmen mehr blechen, sondern die KFZ-Industrie angestachelt wird. Abwrackprämie 2.0 halt...

0
machhehniker 06.07.2017, 05:47
@ArchEnema

Naja, es würde nicht die Wirtschaft kotzen sondern alle Bürger weil dadurch zwangsläufig Alles teurer werden müsste.

0

Stickoxide sind grundsätzlich nicht gesund und kommen in ihrer toxischen Wirkung zu all den anderen Belastungen dazu, die wir bereits haben.

Statistisch ist durchaus belegt, dass in der Nähe verkehrsreicher Straßen das Risiko bestimmter Erkrankungen (vor allem der Atemwege) deutlich höher ist als an anderen Orten oder in Reinluftgebieten. Allerdings lässt sich statistisch nicht sauber abtrennen, welche Todesfälle denn nun auf Rauchen, auf Stickoxide oder auf Feinstaub zurückzuführen sind.

Aber die Anzahl von 30.000 Todesfällen erscheint mir bei gut 900.000 Sterbefällen jährlich in Deutschland (also etwa 3 %) nicht ganz unrealistisch.

Ich würde dies allerdings eher als mitursächlich für einen etwas früheren Tod bezeichnen. Mit anderen Worten: Viele dieser diese Menschen wären über kurz oder lang sowieso gestorben.

Ich bin bei derlei Zahlen etwas skeptisch, denn wenn man z.B. die Anzahl der Todesfälle diurch Herzinfarkt oder Schlaganfall senkt, steigen zwangsläufig die Anteile der anderen Todesursachen an. Denn sterben werden wir alle zu 100 Prozent. Es ist nur eine Frage des Alters.

wenn es so wäre, müsste man ständig Strassen/Autobahn Mitarbeiter suchen, weil sie am meisten Dieselabgase einatmen und entsprechend schnell wegsterben würden

Ich denke Raucher sind noch schlimmer dran, weil dass was sie einatmen viel häufiger, tiefer und giftiger ist

also ich gebe überhaupt nichts auf diese ganze diesel-panik die da geschoben wird in den letzten jahren.

wenn das so schlimm wäre müssten ja vor 20 jahren die leute reihenweise auf dem bürgersteig umgekippt sein vor schlechter luft. wenn ich heute mal hinter einem alten stinkenden und qualmenden LKW herfahre denk ich auch immer ich atme krebs ein. da kann die luft von den übrigen moderneren dieseln so schlimm nun wirklich nicht sein...

trotzdem würd ich keinen fahren wollen und find sie seit jeher ziemlich überflüssig.

Diese Aussage ist nicht seriös.

Stickoxide stellen abgesehen von ein paar Selbstmorden mit Autoabgasen keine unmittelbar zum Tode führende Ursache dar.

Da sie aber toxisch sind, belastet ihr "Konsum" natürlich die Gesundheit aller...

Was möchtest Du wissen?