Wie schreibt man in einem Testament, dass die Ehefrau das Haus allein erben soll?

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7 Antworten

Im Rahmen der Testierfreiheit kann jeder in seinem Testament regeln, was er will, da Angehörige erster Ordnung (Ehepartner und Kinder) aber einen Pflichtteilsanspruch geltend machen können, könnten diese einen entsprechenden Anspruch erheben.

Ein privates Testament muss vollständig eigenhändig verfasst und unterschrieben werden. Bei komplizierteren Regelungen böte es sich an, einen Notar einzubeziehen, denn es gibt immer eine Vielzahl von Möglichkeiten, ein Testament zu verfassen und Regelungen vorzugeben.

Angenommen, es gibt ein Testament, nachdem nur die Ehefrau erbt, dann haben die Kinder einen Anspruch auf einen in Geld zu erfüllenden Ausgleich in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbes. Möglich wäre aber auch, dass die Kinder die Erben sind und die Ehefrau das Haus als Vermächnis bekommt. Oder die Kinder erben, aber die Ehefrau erhält ein lebenslanges Wohnrecht.

Viele dieser Regelungen müssen im Einzelfall und unter Berücksichtigung der sonstigen Vermögenswerte gut durchdacht sein, daher bietet sich hier immer an, einen Notar hinzuzuziehen.

divisi 30.06.2017, 17:48

Was bedeutet Vermächtnis, wäre das Haus dann keine Erbmasse mehr? 

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Sachse69 30.06.2017, 18:16
@divisi

Doch, es gehört zur Erbmasse, ist aber von den Erben an den Vermächnisnehmer zu übergeben. Die Erben können das Vermächnis bei der Erbschaftsteuererklärung als Belastung angeben.

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Die einfachste Lösung wäre es, der Mutter ein lebenslängliches Wohn- oder gar Nießbrauchrecht - löschbar mit Todesnachweis einzuräumen.

So könnten die Kinder und die Mutter später mal was bleibt, erben.

Bis dahin wäre die Mutter zu ihren Lebzeiten vortrefflich abgesichert.

Eine Alleinerbeinsetzung der längstlenden Ehegattin wäre fatal. Denn damit könnte die Tochter ihren Pflichteil in Geld an der vererbten Immobilie fordern.

Richtigerweise besteht der - ebengleich wie der übrige Nachlasswert -  in 25% des Verkehrswertes der Immobilie, der innerhalb von 30 Tagen fällig würde. Dafür müsste man tatsächlich eine zweite Hypothek aufnehmen oder sein übriges Erbe oder Vermögen hergeben.

Zielführend wäre daher ein grundbuchlich (durchaus bereits lebzeitig eingetragenes) Wohnrecht: Damit bliebe die Tochter an der Nutzung außen vor, könnte ein Viertel der ortsüblichen Vergleichsmiete allmonatlich von ihrer Mutter beanspruchen, von der die Witwe wiederum  1/4 der Grundstückslasten abziehen könnte.

G imager761

Merkwürdige Frage - dass man Kinder nicht einfach enterben kann, sollte doch eigentlich allgemein bekannt sein.

Einem leiblichen Kind steht immer der Pflichtteil zu, also die Hälfte des gesetzlichen Erbteils - es gibt nur wenige aussergewöhnliche Umstände unter denen man einem Kind auch das Pflichtteil entziehen und es als als erbunwürdig erklären kann; das geht z.B wenn es wegen eines Kaptitalverbrechens im Gefängnis sitzt, drogensüchtig oder kriminell geworden ist.

Wenn das Haus das einzige Vermögen ist, das hinterlassen wird, muss es verkauft werden oder eben ein Kredit aufgenommen werden, um den Pflichtteil auszahlen zu können - vollständig enterben kann man seine leiblichen Kinder jedenfalls nicht.


divisi 30.06.2017, 17:38

Es geht nicht darum das Kind zu enterben, sondern die Ehefrau davor zu schützen sich das Haus teilen zu müssen. Und darum was dem Kind zusteht.

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dandy100 30.06.2017, 18:20
@divisi

Moment mal:

"Wenn der Mann ansonsten keine Reichtümer hat, die er seinem Kind vermachen kann, erbt das Kind dann einfach gar nichts? Oder muss das Kind aus dem Wert des Hauses etwas abbekommen, also von der Frau/Mutter ausbezahlt werden?"

Das war Deine Frage und daraus geht klar hervor, dass das Kind nichts von dem Haus erben soll; da aber kein anderes Vermögen da ist, kommt das einem Enterben gleich


"Muss das Kind aus dem Wert des Hauses etwas abbekommen"
 Ja, nämlich sein Pflichtteil.

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divisi 30.06.2017, 18:40
@dandy100

Du hast richtig erkannt, dass das Kind nicht das Haus erben soll, aber falsch interpretiert, dass das Kind enterbt werden soll, denn in meiner Erläuterung steht doch, ob das Kind aus dem Wert des Hauses ausbezahlt werden muss.

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dandy100 30.06.2017, 19:13
@divisi

Ja, natürlich, das ist doch ganz klar - enweder ein Teil des Hauses oder der Gegenwert in Geld aber eben nicht nichts, so wie es in der Frage steht.

"...erbt das Kind dann einfach gar nichts"

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Du hast richtig erkannt, dass das Kind nicht das Haus erben soll, aber
falsch interpretiert, dass das Kind enterbt werden soll, denn in meiner
Erläuterung steht doch, ob das Kind aus dem Wert des Hauses ausbezahlt
werden muss.

Dies ließe sich dadurch erreichen, das die Frau als Alleinerbin eingesetzt wird und das Kind mit einem Vermächtnis bedacht wird. Bei einen Vermächtnis können die Art und der Umfang der Leistungen frei bestimmt werden, z.B. eine feste monatliche Zahlung über einen bestimmten Zeitraum.

Zu beachten ist bei einer solchen Regelung, das das Kind das Vermächtnis ausschlagen und stattdessen den Pflichtteil verlangen kann.

Will man das Kind möglichst außen vor lassen könnte man das Haus unter Niesbrauchsvorbehallt an die Frau verschenken. Der Frau schenkungsweise ein Wohnrecht einzuräumen würde hingegen wenig bringen, da dies die Höhe des Pflichtteils kaum ändert, es sei denn der Wert des Wohnrechts würde bis zum Erbfall steigen.

Eine andere Möglichkeit ist es die Frau als unbefreiten Vorerben und das Kind als Nacherben einzusetzen. Dann kann die Frau das Haus bis zu ihren Tod nutzen und das Kind erbt mit eintritt der Nacherbfolge. Das Kind könnte zwar auch hier ausschlagen und den Pflichtteil verlangen, allerdings dürfte sich das wirtschaftlich nicht lohnen. Anders als bei einen Berliner Testament hat das Kind auch eine recht sichere Rechtsposition.

Der Mann setzt die Ehefrau als Alleinerbin ein.

Dann könnte das Kind auf seinen Pflichtteil klagen.

Dieser besteht aus 50% des gesetzlichen Erbteils, also aus 25% des Hauswertes (- Schulden).

Dieser Betrag müsste ausgezahlt werden, im Zweifel auch durch einen Kredit, den die Ehefrau aufnimmt.

divisi 30.06.2017, 19:00

Kannst du mir kurz erläutern, warum der Hauswert 25% ausmacht? Weil der Pflichtteil so festgelegt ist? Also würde man der Frau das Haus komplett vererben, und kein Barvermögen o.ä. für das Kind vorhanden sein, würde dem Kind automatisch 25% des Hauswertes zustehen, es hätte aber nach Auszahlung keine weiteren Rechte an dem Haus. Ist das richtig?

Wenn Frau und Kind ein Haus gemeinsam erben, müssen sie sich ja wegen der Verwendung einigen. Im schlimmsten Fall gibt es keine Einigung.

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dandy100 30.06.2017, 19:19
@divisi

Der Pflichtteil beträgt immer 50% des gesetzlichen Erbteils - der gesetzliche Erbteil ist  50%, der Pflichtteil ist die Hälfte davon, also 25%.

".... würde dem Kind automatisch 25% des Hauswertes zustehen, es hätte aber nach Auszahlung keine weiteren Rechte an dem Haus. Ist das richtig?"

Ganz genau.

Wenn es aber nur um das Wohnrecht für die Mutter geht, kann man auch ein lebenslanges Nießbrauchrecht testamentarisch festlegen.

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Für so etwas gibt es den Berufsstand der Notare und Rechtsanwälte. Sollte man die immer machen lassen, da hat man später keine Probleme.

divisi 30.06.2017, 17:31

Die Frage wurde hier ja gestellt, damit der Mann ausloten kann, ob Notar oder Rechtsanwalt nötig ist. Woran an diesem Szenario machen Sie fest, dass es ohne Notar/Rechtsanwalt nicht funktionieren würde?

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dandy100 30.06.2017, 17:33

Um zu wissen, dass leibliche Kinder eine gesetzlichen Pflichtteilsanspruch haben und man sie insofern nicht vollständig enterben kann, braucht man keinen Notar - das sollte allgemein bekannt sein

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