Wie schlimm ist die Katastrophe in Tianjin (China) wirklich?

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9 Antworten

Als chemisches Tschernobyl würde ich es nicht bezeichnen.... die Bezeichnung würde eher zur Bhopal-Katastrophe passen, welche nochmal um einige Größenordnungen schlimmer war als die in Tianjin.
Die Reinigung des Geländes stellt sich auch einfacher dar, als irgendwelche Atomkatastrophen.... wird allerdings noch ein Weilchen dauern, bis man damit anfängt. Das Cyanid lässt sich ziemlich gut mit Eisensalzen komplexieren, was man vermutlich auch machen wird, nachdem die unversehrten Fässer beiseite geschafft wurden.
Problematisch ist hauptsächlich das fehlerhafte Handeln der Behörden. Durch das Löschen mit Wasser wurde das Problem verschlimmert, denn aus der Natriumcyanidlösung entweicht das Gas HCN (Blausäure) wesentlich schneller als im festen Zustand. Entgegen den Medien explodiert NaCN jedoch nciht bei Kontakt mit Wasser. Allerdings entweicht aus der wässrigen Lösung ziemlich schnell Blausäure, welche brennbar ist und das ist eher das Problem. Dadurch wurde das Feuer nur noch verstärkt. Und in die Hölle Feuerwehrleute ohne Schutzanzug und Gasmasken zu schicken war ziemlich dreist. Aber das ist eben China, in Deutschland wäre das wohl nicht passiert. Mit Schutzanzug und Gasmasken lässt sich der Bereich, wenn erstmal alles gelöscht wurde relativ gefahrlos arbeiten. Im Vergleich zu radioaktiv verseuchten Gebieten wie Tschernobyl.
Chemiekatastrophen passieren öfters, doch die meisten Todesopfer hat in diesem Fall die Hafenbehörde auf dem Gewissen, die die Helfer ohne Gasmasken dareinschicken.
Auch der Sicherheitsradius von 1km erscheint mir EXTREM gering. Ein leichtes Lüftchen und du hast eine Blaugaswolke im Gesicht, welche dich ziemlich schnell tötet.
Glücklicherweise sind Cyanide/Blausäure ziemlich reaktiv, sodass man eine gigantische Blausäurewolke die quer übers Land zieht nicht unbedingt befürchten muss. Das ist vermutlich auch der Grund, warum Greenpeace keine extremen Cyanidwerte in den Gewässerproben messen konnte.

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Kommentar von mgausmann
18.08.2015, 19:09

PS: Übrigens der Aufruhr der oft zu lesen ist, dass so große Mengen eines so giftigen Stoffes überhaupt gelagert werden erstaunt mich etwas. Kaliumcyanid und Natriumcyanid sind Massenchemikalien, viele wissen das nur nicht. Bei Bayer & Co lagern ähnliche Mengen noch giftigerer Stoffe, nur sind die entsprechend geschützt und es gibt funktionierende Notfallmechanismen. In Deutschland wird hier extremer Aufwand für jene angewendet.
Beispielsweise wird bei Bayer in Leverkusen zig Tonnen Phosgen hergestellt und per Zug durchs Land verfrachtet. Das Zeugs ist ziemlich übel, wurde früher auch als ziemlich potente chemisches Kampfgas im Krieg verwendet. Im Gegensatz zu China betreibt man dort aber extremen Notfallschutz.
Für den Fall eines Lecks gibt es dort um das ganze Gelände Düsen, die um den gesamten Produktionsbereich eine 20m hohe Wand aus Ammoniak-Lösung hochschießt, die das Phosgen im Falle eines Unfalls unschädlich macht, um Leverkusen&Co nicht zu gefährden.

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Kommentar von ThomasJNewton
18.08.2015, 19:17

Wobei ich, Stand gestern, eigentlich fast gar nichts weiß.

Ich habe Bilder im Fernsehen gesehen, die 200 Tote eher vorläufig erscheinen lassen. So bitter es ist, ich sehe da eine Null mehr.

Und wenn da von Cyaniden oder Blausäure die Rede ist, kann ich das auch nicht ernst nehmen.
Weder in der einen Richtung, dass die so sehr gefährlich ist.
Noch in der anderen Richtung, dass das alles gewesen ist. Da könnte noch schlimmeres (heraus)kommen. Auch das leider im doppelten Wortsinn.

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Das kann wohl niemand so genau beurteilen. Bis heute weiss niemand, was da wirklich alles hochgegangen ist und freigesetzt wurde. Die 700 to Natriumcyanid werden beileibe nicht alles gewesen sein.  Es weiss auch niemand, wo und mit welchen Folgen es irgendwann wieder auftauchen wird.

Ich vermute mal, wir werden nie wirklich das wahre Ausmaß erfahren, da dieses wie so oft in ähnlichen Fällen vertuscht wird.

Einen Vergleich mit Chernobyl halte ich für vollkommenen Blödsinn. Beide Unfälle sind derart verschieden, dass sie einfach nicht miteinander verglichen werden können. 

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Es gibt mehr oder weniger "heimtückische" Gefahren.

Heimtückisch, mit einer Wirkung, die langsam einsetzt und Jahrzehnte andauert, sind Radioaktivität und etliche Gifte, siehe Seveso, Agent Orange, Weichmacher u.a.

Anderes wirkt vielleicht gar nicht auf die Betroffenen, sondern indirekt (über das Erbgut) oder direkt auf Nachkommen. Radioaktivität, Contergan und andere Gifte.

Blausäure wirkt m.W. eher akut. Wer das überlebt, hat wenig Folgeschäden für sich und den Nachwuchs zu befürchten.
Aber das ist nur mein Wissen, das die Anlass zu Recherchen sein sollte.

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Kommentar von mgausmann
18.08.2015, 19:03

du hast Recht, Cyanid fällt eher unter die Kategorie "Alles oder nichts"-Gift. Das Zeugs verlässt den Körper auch wieder, nicht wie Schwermetalle o.ä. . Glückerlicherweise ist Cyanid ja ziemlich reaktiv. Langzeitschäden dürften da kaum auftreten.

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Ohne zu wissen was da alles gelagert wurde lassen sich  die Langzeitschäden noch nicht so recht abschätzen. Und ich vermute mal die Öffentlichkeit wird da auch nicht ganz alles erfahren.

China Daily: "There are about 800 tons of ammonium nitrate and 500 tons of potassium nitrate on the site which, together with more than 700 tons of sodium cyanide, meaning the overall amount of hazardous chemicals will exceed 2,000 tons."

Bis jetzt hat mich die Explosion eher an diese Geschichte hier erinnert. https://de.wikipedia.org/wiki/Explosion\_des\_Oppauer\_Stickstoffwerkes

Falls es bei den Cyaniden bleibt sollten die Langzeitfolgen nicht so schlimm sein wie z.B Bophal oder Seveso, wie hier schon erwähnt wurde. Da es jetzt regnet ist sicher das verschmutze Wasser ein Problem


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So extrem wie Tschernobyl ist es nicht, aber

Langzeitwitrkungen, Mehr Opfer als zugegeben (auch wegen Langzeitwirkungen) , Missachten der Scherheitsvorschriften (So soll es auch bei Tschernobyl gewesen sein),

Chemisches Tschernoblyl: -> Katastrophe von Bhopal (Indien)

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Kommentar von surfenohneende
18.08.2015, 12:10

da Natriumcyanid ja hochgiftig ist. 

Natriumcyanid ist das Salz der Blausäure ( = Zyklon-B: Siehe Nazi-Gaskammern & Zigaretten-Rauch ) wenn es mit NaOH reagiert ...

Nicht ganz so gifig wie Blausäure ( Zyklon-B )

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Langzeitwirkungen sind noch nicht erfasst. Das wird noch ein paar Tage bis Wochen dauern.
Allerdings bezweifle ich, dass Die Katastrophe an Tschernobyl herankommt, allerdings ist sie auch ganz anderer Natur.
Die Explosion ereignete sich hier mitten in bewohntem Gebiet. NaCN ist ein Stoff, der sich zwar mit de Zeit zersetzt, beim Zersetzen entsteht jedoch Blausäure, die extrem gefährlich ist, wenn sie eingeatmet wird. Sollte die Blausäure ins (Grund)Wasser kommen verschlimmert sich das Ganze noch.

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Ist immer schwer zu sagen was jetzt schlimmer ist, die Katastrophe von Tianjin an sich ist bestimmt nicht so schlimm für die Umwelt, wie die von Tschernobyl.. das Problem bei Tianjin war einfach nur, dass keine Sau wusste, dass dort Natriumcyanid gelagert wurde und auch zur Bekämpfung der Katastorophe die Feuerwehrleute nicht eingeweiht wurden, dass das Zeug nicht mit Wasser bekämpft werden kann.

Da wurden einfach Menschen ins Unglück gestürzt, die nichts dafür können.

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Vom Umgang der Behörden kann man beides schon ganz gut vergleichen!

Die Einsatzkräfte werden (im wahrsten Sinne des Wortes) verheizt und Niemand wird über die tatsächliche Gefahr informiert.

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Kein Wissenschafter hier? :-) Ich denke aber, dass sich dieses Gift im Vergleich zu Radioaktivität bei weitem schneller abbaut, und daher der Vergleich hinkt...

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Kommentar von ThomasJNewton
18.08.2015, 20:37

Natürlich sind Wissenschaftler hier. Selbst wenn ich nie in dem Bereich gearbeitet habe, "nur" ein abgschlossenes Studium habe.

Zumindest kann ich beurteilen, dass viele hier Wissen haben, das über jeden Zweifel erhaben ist. Um nicht persönlich zu werden, ein Wissen, dessen Dimensionen viele nicht erahnen.

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