Wie richtig beim Pferd durchsetzen?

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Erstmal Glückwunsch zu der Erkenntniss, daß das Problem an Dir liegt. Viel zu viele Reiter suchen den Fehler immer nur beim Pferd. Ich sehe 2 mögliche Ursachen. Wahrscheinlich ist es sogar eine Kombination aus beidem.

  1. Möglicherweise ist das Pferd einfach sauer, weil es Dich als unhöflich empfindet. Klingt seltsam, ich weiß. Ein Westernpferd (sofern gut ausgebildet) lernt, das grundsätzlich jede Hilfe erstmal mit einer freundlichen Anfrage beginnt. Also die z.B. erst die Gewictshilfe, dann die Zügel am durchhängenden Zügel oder leichte Schenkelhilfe, dann Zügel bis Kontakt. Jede Hilfe fällt sofort (im selben Sekundenbruchteil) weg, wenn das Pferd reagiert. Das Pferd erwartet also die Gelegenheit, die lästige Hilfe durch Reaktion auf die leichte Hilfe zu vermeiden. Wenn Du jetzt noch Gewohnheiten aus der Englischreiterei hast, ständig weiter treibst oder Zügelkontakt hältst, gibst Du dem Pferd nicht die Belohnung (Komfort durch Weggefallen der Hilfe), die es verdient hat. Das ist (aus Sicht eines Western ausgebildeten Pferdes) unfair und das Pferd wird sauer. Ich hatte gerade genau diesen Fall mit meiner Schwiegertochter, die eine meiner Stuten nur führen sollte. Sie zog direkt stramm an. Die Stute wurde ihrer Meinung nach zickig. Als ich das mit der Unhöflichkeit erklärte, dachte sie, das ich mal wieder nur rumflachse. Sie hat es probiert und plötzlich war alles bestens. Prüfe also mal Deinen Umgang und die Hilfengebung.

  2. Die zweite Möglichkeit ist tatsächlich Dominanzverhalten. Du bist wegen der für Dich neuen Reitweise unsicher. Das spürt das Pferd und zeigt entsprechend keinen Respekt. Den Respekt kannst Du Dir am leichtesten am Boden (zurück) holen. Vergiß dabei die Longiererei. Longieren dient, wenn erforderlich, der Gymnastizierung des Pferdes. Ansonsten ist diese Zentrifugiererei bestenfalls sinnlos. Versuche PNH (Parelli, 7 Spiele). Das hat gleich zwei Vorteile. Erstens klärst Du spielerisch mit dem Pferd die Dominanzfrage. Zweitens lernst und verinnerlichst Du das Konzept von stufenweiser Hilfengebung (vier Phasen) und wegnehmen des Drucks bei Reaktion. Dies ist ein Kernthema, daß sich durch das gesamte Kontept von PNH zieht. Wenn Du es am Boden übst, kannst Du Dich besser darauf konzentrieren als vom Sattel aus.

Vielleicht dazu noch eine Erläuterung. Beobachte mal wie Pferde in der Here miteinander kommunizieren. Wenn ein Pferd ein anderes (rangniedrigeres) bewegen will, macht es das nicht gleich mit Beißen oder treten. Zuerst kommt ein (scharfer) Blick, die freundliche Aufforderung. Dann gehen die Ohren nach hinden, der Kopf schießt vor. Erst danach kommt bei Ausbleiben der Reaktion ein Biß oder Tritt. Bewegt sich das Pferd, fällt der Druck sofort weg, weiterer Druck wird nicht aufgebaut. Dies ist die natürliche Weise der Kommunikation unter Pferden. Wegen der Nachahmung dieser natürlichen Kommunikation heißt es Natural Horsemanship.

Das ist mal eine Antwort, Dankeschön.

An die erste Möglichkeit hatte ich garnicht gedacht, aber wenn ich das mal so reflektiere, kann das wirklich gut sein! Wirklich, danke!

Ich denke, ich brauche einfach Übung, ich werde jetzt noch mal ein bisschen mit dem Hübschen arbeiten, ihm einerseits zeigen, dass ich das "Sagen" habe, auf der anderen Seite mehr auf meinen Stil und Umgang achten. Dann bin ich mal gespannt.

Mit Parelli kenne ich mich persönlich garnicht aus, aber ich werde mich da mal einlesen und mich schlau machen, hört sich nämlich interessant an. Damit fahre ich sicher gut!

Nochmal: Danke!

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@DieMimiline

Natürlich dickes DH an SirMortimer.

Aber auch an dich, DieMimiline, ein "DH", sprich, Lob ;-) Ich finds super, dass du reflektierst, Kritik richtig aufnimmst und weißt, dass das Pferd nur auf dich reagiert, sprich, dass bei dir das Probelm liegt.

Es gibt sooo viele Fragesteller, die sowas dann einfach nicht hören wollen und dann dem den Stern anpappen, der am wenigsten kritisiert und meistens auch schön die Schuld beim Pferd sucht und den Fragesteller eben nicht reflektieren lässt - ist dann natürlich ziemlich sinnfrei.

Und mit dieser Einstellung wünsche ich dir noch dreimal mehr (und ich denke, mit dieser Einstellung wird es auch dreimal leichter), dass das mit dir und deiner RB harmonisch wird. :-)

Grüße

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@little0cookie

Hey, danke :-)

Mir ist schon aufgefallen, dass es einige Leute gibt, die dazu neigen, dem Pferd Dinge zu- oder abzusprechen, die es überhaupt nicht oder eben natürlicherweise besitzt.

Ich habe im Übrigen schon Fortschritte gemacht und mit dem Hübschen ein bisschen gespielt nach Parelli... Es funktioniert natürlich nicht von Jetzt auf Gleich, aber wir machen Fortschritte!

Und nochmals danke :)

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Ersteinmal, musst du dem Pferd klarmachen das du der boss bist und nciht er. Wen er versucht zur seite auszubrechen, gerte sofort auf die schulter, wen er mit dir kämpf einfach gerte auf die schulte oder den rücken. Wen er nicht gehen will gerte hochstellen wie eine flagge. Ich würde mit dem erstmal am boden arbeiten, an der longe und vertrauen aufbauen.

Wow, aber direkt mit Gerte? Geht das nicht "schonender"? Er ist ja an sich ganz lieb, hat nur manchmal seine Zicken, nur heute war es schlimm. Deswegen muss ich doch noch lange nicht mit der Gerte auf ihn eindreschen... Ich dachte auch eher an Tricks fürs WESTERNREITEN, also irgendwelche Hilfen oder einen korrekten Sitz, da ich glaube, dass ICH das Problem bin... Vielleicht hatte er auch heute nur schlechte Laune... Aber ich bin eigentlich ein Feind von Gerten und Sporen...

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@DieMimiline

Ja, schonender wäre, "sanft hartnäckig" zu bleiben. Ich weiß aus der Ferne ja nicht, wie heftig es wirklich ist, aber mein Stütchen will zur Zeit an jeder Weggabelung in RIchtung Hof über die Schulter ausbrechen. Da hilft nur: umdrehen, umdrehen, umdrehen. Ohne ihr irgendwie im Maul zu reißen, aber nach dem fünften Mal ist ihr langweilig und sie folgt wieder. Also führ ihn immer wieder zur Bande raus, egal, wie oft Du das wiederholen musst. Aber ein Lehrer/ eine Lehrerin könnte die Situation direkt beurteilen und Dir die besten Tipps geben.

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@Julchen212

Ich nehme ab Donnerstag Westernunterricht, ich möchte einfach mit dem Hübschen zurechtkommen.

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Wichtig ist: Bodenarbeit. Zum Longieren ist ein Round Pen gut. Wenn das Pferd dann erkannt hat, dass du der Boss bist, solltest du einige Reitstunden in Westernreiten nehmen. Die Kommandos sind nämlich nicht so "heftig" wie beim Englischreiten. Da reicht ein leichter Schenkeldruck, eine Gewichtsverlagerung. Dazu jedoch musst du akzeptiert werden und klare Anweisungen geben, wie das Tier es gewohnt ist.

Danke, damit kann ich schon mehr anfangen!

Also sollte ich erstmal mit Bodenübungen anfangen und sozusagen eine "Bindung" bzw. Vertrauen aufbauen?

Eine Frage: Kann ich da auch mit Spazierengehen irgendwas reißen?

Das hat bei den übrigen Pferden immer ganz gut geklappt, um ein Gefühl füreinander zu bekommen...

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@DieMimiline

Ich würde das Pferd erstmal an die Longe nehmen und Bodenarbeit machen. Danach ist ein Spaziergang auf jeden Fall für beide ganz nett. Es ist schön, wieviele Gedanken du dir darum machst, wie deine Bindung zum Pferd enger wird. So wird es bestimmt klappen. Wünsche dir ganz viel Erfolg! Westernreiten ist eine tolle Sache!

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@Sadie

Longe hat NICHTS mit Bodenarbeit zu tun! Warum begreift das keiner?

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@Sadie

Ja, das ist sicherlich eine gute Sache.

Und natürlich mache ich mir Gedanken, er ist ja ein super süßer, den kann man nur liebhaben, auch wenn er mal ein bisschen zickt.

Ich probiere das alles mal aus, dann werde ich über meinen Erfolg berichten.

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