Wie reagierten Erwachsene auf das Verhalten der Jugendlichen (80er Jahre DDR BRD)?

5 Antworten

Gar nicht, wieso auch?
Zu meiner Zeit in den 1970er Jahren in der DDR fühlten wir uns als Hippies: "früher waren wir Jäger und Sammler, heute sind wir Hippies und Gammler".

Lange Haare, Schlaghosen, Westmusik, meist Hardrock, möglichst mit Kofferradio auf dem Arm, möglichlist laut die Straße beschallend.

Was sollten Erwachsene schon sagen, Jugend war in jeder Zeit rebellisch, hüben wie drüben.
Übertrieb man den Spaß fand sich schon irgendeine Instanz um dem Treiben ein Ende zu setzen, mal das Kollektiv am Arbeitsplatz, ein anderesmal der Staat in seiner Erscheinung u.a. der Stasi.

s.g. Rowdytum oder asoziales Verhalten war nach § 249 DDR-StGB strafbar.

Nicht alle Jugendkulturen, die es im Westen gab, gab es auch in der DDR. Z. B. kann ich mich hier an keine Popper erinnern.

Aber schon, als die langen Haare Mode wurden, löste das Entsetzen in der Erwachsenenwelt aus. Umso mehr, als Punks und Skinheads auftraten, für die sich sogar die Stasi interessierte. Allerdings ließ diese gewaltbereite Skinheads erst einmal gewähren, wenn es ihrem Zweck diente, bevor sie festgenommen wurden. So überfielen Skinheads einmal ein Jugendkonzert in der Zionskirche in Berlin, weil man ihnen gesagt hatte, es sei ein Punk-Konzert (was nicht stimmte), und die Polizei ließ sich Zeit. Skinheads sahen zunächst Punks als ihre Feinde an wegen ihres "undeutschen" Verhaltens (an Ausländern durften sie sich zu DDR-Zeiten nicht vergreifen).

Wie die Reaktion im Westen auf die Jugendkulturen war, kann ich dir leider nicht sagen. Ich vermute, zunächst gab es heftigen Gegenwind (das sieht man ja an alten Fernsehaufnahmen), bis das Ganze vermarktet und kommerzialisiert wurde.

Also ich bin als Halbwüchsiger Anfang der 80er im Osten mit’m mittelmäßig verwegenen (aus späterer Sicht natürlich albernen) Outfit rumgelaufen: Jeansjacke mit abgeschnittenen Ärmeln, Südstaatenflagge, Totenkopf und Eisernem Kreuz, sowie ’ner Sicherheitsnadel im Ohr. (Ich stand auf Hardrock und HM.) Reaktionen gab’s darauf: keine. Nur Muddern frug, ob das mit der Südstaatenflagge auch in Ordnung geht – nicht, da es da Ärger gäbe… Ansonsten galt: solange wir nix kaputt gemacht haben, hat auch keiner was gesagt.

Mein Kumpel, der dagegen als Punk rumgelaufen ist, erzähler später mal, daß er durchaus Gegenwind hatte…

Ging das damals echt? In der Deutschen Demokratischen Republik? Da hört man ja manchmal ganz andere Sachen. Warst du davor in der FDJ?

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@romanus00I

Ja logisch ging das. Das war völlig normal. Und was man "manchmal so hört" hat nichts mit der Lebenswirklichkeit zu tun, wie ich sie und mein Umfeld erlebt haben, sondern das ist in der Regel billigste bunzrepublikanische Propaganda. Und natürlich war ich auch in der FDJ. Nicht davor, sondern gleichzeitig - wie eigentlich alle.

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@Bauingenieur

Dacht ich mir. Aber wie das bei Propaganda so ist... Am Ende glaubt man sie selber.

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@romanus00I

Was "von oben" gewünscht wurde und was die Leute dann machten, waren oft zwei verschiedene Paar Schuhe. Ein Stück Freiheit konnte man sich auch in der DDR bewahren (wenn man wollte - es gab ja auch zahlreiche Leute, denen so etwas nie in den Sinn kam).

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