Wie psychotischen Opa helfen?

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2 Antworten

Hallo!

Holt einen Psychiater in´s Boot. Hausärzte sind oft überfordert.

Ihr könnt entweder direkt bei einem einen Termin geben lassen (machen teilweise auch Hausbesuche, dazu ev. das Pflegeheim fragen. Die Praxen machen es nicht gerne, aber vielleicht erreicht ihr dort was)

oder den Hausarzt um eine Überweisung bitten.

Sprich mal mit der Krankenkasse, einer PDL im Pflegeheim oder der Sozialstation. Dort sind Leute aus dem Bereich, die sich sehr gut auskennen.

Wichtig ist zu wissen, dass kein Angehöriger verpflichtet werden kann die Pflege zu übernehmen.

Wenn die Oma das ablehnt, dann braucht euer Uropa (wird ohne h geschrieben!) einen Betreuer, denn sich komplett alleine Versorgen geht nicht mehr. Das ist eure Chance ihn per Gerichtsbeschluss unter andere Segel zu bekommen und ev. in´s Heim. Im Übrigen: Entmündigungen gibt es in Deutschland nicht mehr. Nur noch Betreuer, die auch negelmäßig kontrolliert werden.

Ohne professionelle Hilfe, Medikamente vom Psychiater und einen Umgebungswechsel werdet ihr nicht weiter kommen.

Zeugenaussagen, die ihr schriftlich mit Unterschrift und Datum von den Nachbarn einholt können auch als Beweismittel dienen und zusätzlich Druck machen. Vielleicht bedroht er ja andere Menschen. Dann habt ihr ein Druckmittel.

Ist wegen ihm schon mal die Polizei geholt worden, weil er einfach ausgebüxt ist, andere Menschen bedroht hat oder sogar gewalttätig wurde? Das kann der Rechtsanwalt heraus finden.

Zu klären wäre dann noch die Wohnungssituation:

Ist der Uropa in der Wohnung von Oma und Opa und diese vermietet oder in Besitz der Großeltern? Hat der Uropa Wohnrecht auf Lebenszeit?

Wenn das Erste zutrifft und das Zweite nicht, dann ist er nur geduldet und es ist einfach ihn raus zu buxieren.

Trifft das Zweite zu, dann braucht ihr erst recht Hilfe.

Notfalls nehmt euch einen Anwalt für Familienrecht.

Er wird sich das nicht einfach so gefallen lassen und sicher erst mal stinksauer sein.

Aber ein Argument kann auch sein, dass deine Großeltern psychisch überfordert sind und auch körperlich nicht mehr so können.

Je nachdem, was sie für Vorerkrankungen haben, kann man anführen, dass es gefährliche Pflege ist ihnen weiterhin die Pflege anzuvertrauen und somit verantwortungslos.

Ein schlechtes Gewissen braucht keiner deshalb zu haben. Irgendwann geht es einfach nicht mehr, Und wenn ihr ihn aus dem Haus habt und sich die Situation entspannt hat, dann geht es erfahrungsgemäß allen Beteiligten, einschl dem Betroffenen besser.

Im Heim wird aber erst mal nicht alles glatt laufen. Manche Bewohner brauchen 2-3 Monate um wirklich anzukommen. Gerade bei schwerwiegenden Psychosen. Nicht verrückt machen deswegen!

Würde mich freuen zu hören, wie es weiter gegangen ist.

Liebe Grüße

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Kommentar von IsabelleKeller
14.07.2017, 10:18

Also einen Psychiater wollten meine Großeltern auch schon hinzuziehen... Da hat mein Opa natürlich sehr negativ drauf reagiert... er wohnt in seiner eigenen Wohnung und kann diese auch finanzieren. Ich rede nochmal mit meiner Familie über alles. Vielleicht können wir ihn tatsächlich mit einen Vorwand zum Psychiater schleppen... Danke für die lange Antwort und die guten Tipps ! Oh und Danke für die Verbesserung von dem Wort Uropa :'D peinlicher Verschreiber

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Kommentar von IsabelleKeller
14.07.2017, 10:21

Und Danke für den Zuspruch, also dass wir keine Schuldgefühle haben sollten. Es ist nicht so einfach für uns etwas zu tuen mit dem mein Uropa so gar nicht einverstanden ist. Nochmal darauf hingewiesen zu werden, dass es trotzdem das Richtige ist, ist sehr schön  :)

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Hallo I.,

Ihr habt im Grunde recht! In einem Altenheim, besonders einem spezialisierten könnte man ihm besser helfen und würde er vielleicht noch einmal neue Lebensqualität gewinnen. so lange er nicht entmündigt ist geht nichts ohne seine Zustimmung.

Es wäre gut, wenn sich die Familie zusammen setzt (auch mit dem Uropa) und vernünftig über das Thema gesprochen wird. Eventuell kann man so ein Gespräch auch mit einem Mediator führen (z.B. einem Therapeuten, der auf ältere Menschen oder Familien spezialisiert ist z.B. systemischer Familientherapeut. Auch Kreative Leibtherapeuten wären geeignet). Die am stärksten betroffenen Familienmitglieder (z.B. Oma und Opa) könnten sich bei einem solchen erst einmal ein paar Stunden beraten lassen und dann einen gemeinsamen Termin machen.

Auch ein Psychiater kann eventuell weiter helfen. Er könnte dem Uropa Medikamente verordnen, dass er wieder zurechnungsfähiger wird. Das ist allerdings keine Lösung, sondern nur ein Weg. Danach geht es auch darum mit dem Uropa eine Lösung zu finden.

Es gibt auch ambulante psychiatrische Pflegedienste. Diese könnten zumindest gelegentlich vorbei schauen, Rat geben und auch mithelfen bei der Planung der Zukunft. 

Auch der Uropa würde von Therapeutischer Unterstützung profitieren. Allerdings ist es schwer da ran zu kommen, solange er nicht in einer Einrichtung ist.

Sind Deine Eltern und Großeltern fit im Kopf? Dann könnten sie von Büchern von Udo Baer profitieren - z.B. "Kriegserbe in der Seele" oder "Das Herz wird nicht dement". Der Autor schreibt wunderbar zu den Themen Trauma, Kriegsfolgen und Psyche älterer Menschen.

Darin findet man auch Hinweise wie man solche Menschen noch erreichen kann und wie man sich selbst schützt.

LG Hourriyah

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Kommentar von IsabelleKeller
13.07.2017, 08:32

Er ist leider bei dem Thema Therapie und Altenheim sehr sehr unaufgeschlossen und ich glaube meine Oma hat auch momentan nicht die Kraft nochmal ein Gespräch mit ihm darüber zu führen. Meine Großeltern sind total fit ! Ich glaube sie könnten sehr von den Buch profitieren! Danke für den Tipp :) Ich glaube damit wüssten wir viel besser mit der Situation umzugehen und auch wie man diese Situation für meine Oma erträglicher macht. Vielleicht können wir ja auch mit den Ratschlägen im Buch zu ihn durchdringen :) Danke Danke Danke für die ausführliche Antwort!

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