Wie nennt man es, wenn jemand zu dem Schluss kommt, dass das Leben keinen Sinn hat?

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36 Antworten

Hallo Wrakas,

lass es mich so sagen: Ben Goldacre hat neulich ein Buch geschrieben über Naturwissenschaftliches Arbeiten. Und auch, wenn es darin um andere Themen geht als in Deiner Frage, der Titel des Buches passt wunderbar als Antwort auf Deine Frage:

"I Think You'll Find it's a Bit More Complicated Than That"


Damit will ich sagen, dass die Welt nicht nur "schwarzweiß" ist, zwischen den Extremen gibt es viele faszinierende Möglichkeiten...

Zunächst einmal ist die moderne Gehirnforschung eine Disziplin, die tatsächlich erst in den Kinderschuhen steckt. Wir haben erst seit Kurzem die Möglichkeiten, unser Gehirn genauer zu untersuchen und die Vorgänge im Gehirn sind keineswegs abschließend geklärt. Die Frage nach dem "freien Willen" ist de facto offen.

Ich persönlich denke allerdings, dass in diese Frage zu viel interpretiert wird.

Was wir nun einmal definitiv wissen, das ist die Tatsache, dass wir ein Selbstbewusstsein haben und dass wir den Eindruck eines freien Willens haben. Daran ändert sich auch nichts, wenn letztlich das Ergebnis wäre, dass der "freie Wille" eine gut gemachte Illusion ist.

Uns das "Leben" abzusprechen, das geht allein deshalb schon viel zu weit, weil jede beiologische Definition von "Leben" weit unterhalb der Ebene des "bewussten Lebens" ansetzt.

Den Mensch - und andere Lebewesen auch - allein auf seine Bestandteile zu reduzieren, das trifft also nicht einmal das naturwissenschaftliche Bild, geschweigedenn das philosophische Bild. Auch in der Naturwissenschaft ist das Ganze oft mehr als die Summe seiner Teile; moderne Naturwissenschaft zeichnet ein systemisches Bild von der Welt.

Aber selbst wenn wir uns für einen Augenblick reduziert sehen wollen als unter dem Einfluss physikalischer Kräfte selbstorganisierte Materie, dann negiert das eben doch nicht die Tatsache unseres bewussten Wahrnehmens. Dann landen wir zumindest bei Carl Sagans berühmten Satz




"We are a way for the cosmos to know itself."

Eine Sinnlosigkeit des Daseins allein aus der Frage nach dem freien Willen zu folgern halte ich als Naturwissenschaftler daher für ebenso unberechtigt wie die Vorstellung, mich für das Elend der Welt deswegen nicht verantwortlich zu fühlen.

Grüße




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Ich würde sagen, daß Du ein Materialist mit einer pessimistischen Ader bist. Ein Materialist ist jemand, der alles auf Materie zurückführt, der also nicht an eine von der Materie unabhängige Seele glaubt und der das Bewußtsein als Funktion der Moleküle im Gehirn auffaßt.

Du glaubst nicht an einen Sinn des Lebens: Das wird oft als Spielart des Nihilismus aufgefaßt, genauer gesagt als existentieller Nihilismus (es gibt auch andere Formen des Nihilismus, die nicht unbedingt alle gemeinsam auf­treten müssen). Außerdem glaubst Du vermutlich nicht an Willens­freiheit (bist also ein Determinist).

Falls Du auch Zweifel an der Existenz eines Ich hast (bzw. meinst, daß das Wort „Ich“ keine wirklich klare Bedeutung hat), dann inter­essiert es Dich vielleicht auch, was die Bud­dhisten zum Thema Anattā sagen (diese bud­dhisti­sche Version des Nihilismus ruht aller­dings auf einem idealisti­schen und nicht auf einem materia­listi­schen Unterbau).

Jetzt hast Du aber wirklich genug Stichworte zum Weiterlesen.

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Ich bin Buddhist und denke, dass es mir nichts bringt, wenn ich über das Schicksal des Planeten in Jahrmillionen nachdenke, oder meinen freien Willen in Frage stelle.

Für mich ist wichtig, dass meine jetzigen Handlungen mit globalen Ereignissen im Zusammenhang stehen. Kein Mensch ist eine Insel.

Wenn ich etwa eine Scheibe Brot esse, dann steckt sehr viel in darin und die Umwelt hat einen erheblichen Einfluss auf mich.

Brot

Eine Pflanze hat sich von Mineralstoffen, Wasser und  Sonnenlicht ernährt und ist zu einem Getreide herangewachsen. Ein Landwirt hat das Korn geerntet, gedroschen, an einen Großhändler geschickt.

Der Großhändler hat es an einen Mehlhersteller geschickt, der daraus Mehl machte und weiterschickte. Irgendeine Großbäckerei hat daraus mit anderen Zutaten ein Brot gebacken. Es wurde an eine Backstube geliefert.

Dort wurde es dann von einer Angestellten aufgebacken, bevor mein freundlicher Nachbar es mir mitbrachte.

So viel Arbeit...für eine Scheibe Brot.

Es mag infantil wirken, aber da habe ich ein Gefühl des Respekts und der Dankbarkeit, für alle, die an diesem Brot mitgewirkt haben. Das ist nichts selbstverständliches für mich. Es ist Teil meiner Verantwortung.

Umgekehrt hat mein Verhalten auch Einfluss auf die Umwelt.

T-Shirt

Wenn ich eine Zehnerpackung Billig-T-Shirts vom Discounter kaufe, unterstütze ich damit moderne Sklaverei, Umweltzerstörung durch giftige Farbstoffe und Pestizide und illegale Rodung für Baumwollfelder.

Kaufe ich die Packung aber nicht, bekommt die Sklavenarbeiterin keinen Lohn und kann womöglich an diesem Tag ihre Kinder nicht ernähren. Es ist meine Verantwortung, mich zu entscheiden.

Anrempeln

Oder ein mir völlig unbekannter Mann rempelt mich aus Unachtsamkeit an und ich werfe ihm eine Beleidigung an den Kopf. Er steht nach Streit mit seiner Frau eh unter Druck und ist sehr gestresst. Diese Beleidigung versaut ihm den Tag völlig.

Er sagt also seinem Vorgesetzten, was er von ihm hält und bekommt als Konsequenz eine fristlose Kündigung. Frustriert geht der Mann in eine Kneipe und säuft sich zu, bevor er sich in sein Auto setzt und in betrunkenem Zustand einen Mann überfährt und Fahrerflucht begeht.

Als er nach Hause kommt und seiner Frau von der Kündigung erzählt, macht sie ihm Vorwurfe und macht ihn runter. Er sieht rot, greift zum Küchemesser und sticht seine Frau ab, bevor er sich selbst aufhängt.

Das Ergebnis; Drei Tote Menschen und trauernde Hinterbliebene - und möglicherweise war meine Reaktion auf den Rempler der entscheidende Faktor.

Fazit

Ich kann vielleicht nicht das Universum vor dem Kollaps, oder die Erde vor dem Untergang retten, aber ich fühle mich dazu verpflichtet, meinen Teil der Verantwortung zu übernehmen, damit dieser Planet erst vor die Hunde geht, nachdem wir hier einigermaßen friedlich leben konnten.

Wie du selbst sagst: "Das beste aus der Situation machen" - für mich selbst und andere.

Natürlich kann man sagen, dass dies ein Teil meines religiösen Bewusstseins, einer Art von Konditionierung ist - aber ich lebe sehr gut damit.

Dass das Leben an sich keinen fest definierten Sinn hat, darin stimme ich überein.

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Kommentar von Wrakas
31.07.2016, 23:05

Gut gesagt. Geistig denke ich oft Nihilistisch, aber praktisch, richte ich mein Leben nach Hedonistischen Werten aus.

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Mir fallen in diesem Zusammenhang die französischen Existenzialisten ein – so konnotiert Camus „Mythos von Sisyphos“ genauso auf den Kategorialbegriff der menschlichen Sinnlosigkeit wie Sartre, der schreibt: „Es ist sinnlos dass wir geboren werden; es ist sinnlos, dass wir sterben.“  Bei Neil Postmann wird diese Sinnlosigkeit in einem Kulturpessimismus quasi begründbar.

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Zu einem sehr großen Teil kannst Du diese Welt mit Logik erfassen und für bedeutungs-los erklären. Deine Analyse ist auf hohem Niveau und zeigt, dass Dein Bewußtsein weiter (offener) als das vieler anderer Menschen ist. Das zeigt auch Dein freundlicher Umgang mit weniger verständigen Menschen. Und vermutlich kennst Du die Antwort auf die Frage, wie man Menschen mit Deiner Denkweise nennt. Dafür bist Du zu klug. Kann der Mensch zwischen "Bauch" und "Kopf" liegen, so ist Deine Welt die des Verstandes. Doch bedenke, dass der Verstand nur ein kleiner Teil des menschlichen Wesens ist.

Vieles kann der Verstand erklären und sich damit abheben, distanzieren, vor starken emotionalen Reaktionen schützen. Das ist _eine_ Möglichkeit des menschlichen Wesens. Und doch gibt es Ereignisse, die uns "umhauen". Mag es die Liebe sein, der Tod, die Ungerechtigkeit oder ähnliche Dinge, die auch ein kluger Verstand nicht mehr zu ertragen vermag. Da rebelliert der "Bauch" zu stark.

Reden wir über den Bauch aus Sicht des Verstandes: Ist ein Leben in, aus und für Gefühle ein Irrtum? Vielleicht! Ist es sinnlos? Nein! Große "Kunstwerke" vermag der Verstand nur selten zu schaffen. Was ist Einsteins Relativitätstheorie gegen eine Symphonie, eine Mona Lisa, ein gutes Gedicht und die vielen großen Werke aus Liebe zu Menschen?

Wird der Verstand stehen bleiben? Nein! Deine Erkenntnis, dass das Leben keinen Sinn hat (mit der Du in diesen Dingen sehr weit gekommen bis), wird nicht so bleiben. So wie die Wissenschaft, auch die Philosophie, nicht stehen bleibt, so wird auch Deine Erkenntnis neues integrieren und zu noch höheren Erkenntnissen kommen (hoffe ich doch wengistens).

Ein kluger Mensch spricht: Wir müssen Kopf und Bauch verbinden, Wissenschaft und Kunst. Ich sage: Zwischen Bauch und Kopf liegt das Herz.
Spock (der alte Logiker) würde sagen: faszinierend.

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Ich glaube das nennt man Matierialismus.

Was war denn bei dir zuerst da? Dein Gefühl der eigenen
Bedeutungslosigkeit oder die rationale Herleitung deiner
Bedeutungslosigkeit?

Und warum begehen Menschen den Irrwitz, von der eigenen gefühlten oder rational hergeleiteten Bedeutungslosigkeit auf die Bedeutungslosigkeit von ALLEM zu schließen?

Natürlich kann man alles auf seine erkennbaren / messbaren Bestandteile reduzieren und sogar Lebewesen als bloße komplexe "Roboter" verstehen. Diese Sichtweise ist mir persönlich zu eindimensional. Und das entscheidende ist: ich fühle mich nicht wie ein Roboter. Ich fühle mich nicht bedeutungslos. Also bin ich es auch nicht.

Entscheidend ist auch die Frage: Bedeutungslos für wen?

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Du denkst zuviel. Du lässt Dich von den menschenüberhöhenden Theorien einfangen und runterziehen. Wieso musst Du Dich mit dem Universum messen? Das Universum ist! Gedanken, Spekulationen WERTENDER ART machen wahrscheinlich nur wir Menschen und da nur die, die vor Langeweile nichts besseres zu tun haben. Du kommst mir vor wie ein riesiges Ohr, das auf außerirdische Einflüsterungen lauscht nach Sinn, Bedeutung usw.. Die Sterne sprechen nicht! Deinen Sinn musst Du Dir schon selbst geben. Und wenn es sein muss als vibrierender Materiehaufen. Ist Dein Problem, wenn Du Dich derart abwertest. Ich bin nur ein Stück Dreck! Hallo, Stück Dreck will Spaß haben! Bist wohl Neu-Schopenhauer - und der musste sehr alt werden, bis er seinen Pessimismus überwunden hat. Dafür hatte er sich dann den größten Teil seines Lebens selbst vermiest, sich als Tierfreund ausgegeben und fleißig Schweinekottelets verdrückt.

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Das Leben hat keinen Sinn. Richtig. Das Leben ist der Sinn.

Wir sind alle Zombies (tot). Ja, weil wir uns außerhalb von Leben gestellt haben. Jeder, der sagt er hätte ein Leben und er hätte Angst sein Leben zu verlieren steht relativ zu, oder außerhalb von Leben und ist deshalb quasi tot.

Das was wir sind ist nicht klein. Sondern im Gegensatz dazu ist dieses Universum klein.

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... Materieansammlungen von enormer Komplexität die ständig in jeder Sekunde Millionen von physikalischen und chemischen Prozessen unterliegt ...

Mit einigen Präzisierungen ist doch genau das die Definition von Leben.

Und ich würde dich einfach als Realisten bezeichnen, weil du nicht nach etwas suchst, das es nicht gibt.

Es gibt keinen tieferen Sinn hinter dem Leben im Allgemeinen und deinem im Speziellen.

Das heißt aber nicht, dass du in deinem Leben keinen Sinn siehst.
Der ist natürlich nur dein persönlicher Sinn.
Was aber nicht heißt, dass du ihn allen an dir festmachst.
Der Mensch ist nun mal ein Gemeinschaftswesen.

Es gibt nur einen Grund, dass du lebst, nämlich dass du nicht gestorben bist.
Das scheint ja auch nicht anzustreben.
Du "solltest" auch nicht das Beste aus deinem Leben machen, denn keiner macht dir da Vorschriften oder kann es überhaupt.

Es ist nur klug, dein Leben so zu gestalten, dass es ein gutes Leben ist, bleibt und wird.
Und ein gutes Leben für dich kann nicht auf Schlechtem für andere basieren.
Das geht an die ewigen Nörgler, die vermuten, dass man ohne höhere Regeln zum hemmungslosen Egoisten wird.

Es ist auch etwas gutes, wenn man in den Spiegel schauen und sich über ein graues Haar ärgern kann.
Und sich nicht immer wieder einreden muss, dass das ein Gesicht zwischen den Ohren ist, ..., du verstehst schon.

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Also ich will dir noch etwas sagen. Dieses Universum ist so wunderbar, so viele Sachen sind noch nicht entdeckt und ich habe mir die Gedanken, die du gemacht hast auch schon mehrmals gemacht. Ich bin auf den Schluss gekommen, man KANN NICHT wissen, ob die Welt wirklich materialistisch ist, in der Art und Weise, wie du es beschreibst. Man (und momentan auch ich noch) nimmt es einfach an aufgrund der momentanen Erkenntnissen, kann sich aber alles wieder ändern. Vor allem in der Quantenphysik hat man interessante Entdeckungen gemacht, die vieles offen lassen KÖNNTEN.

Wenn unsere Welt wirklich rein materialistisch ist, wie wir es jetzt mal vermuten ist der Sinn einfach selber ein gutes und glückliches Leben zu führen und eine Bereicherung für andere Menschen zu sein.

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Ich glaube, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht in den Naturwissenschaften entschieden wird - dazu ist sie zu komplex - sondern aufgrund von ERfahrungen und der individuellen Sicht auf das eigene Leben beantwortet werden muss. Viktor Frankl hat sich intensiv mit der Sinnfrage beschäftigt und dabei einige wirklich interessante Dinge zusammengetragen. Wenn du meinem Link folgen möchtest, schau dir bitte aber erstmal an, wie das Leben dieses Psychotherapeuten verlaufen ist ...

http://www.gym-hartberg.ac.at/schule/images/stories/Religion/themen_matura/04_Sinn_Frankl.pdf

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Das nennt man Wahnsinnig. Was anderes fällt mir dazu nicht ein. Hättest du das vor einem Jahr gesagt hätte ich sofort auf deiner Seite gestanden, aber was da steht ist, man verzeihe meine Wortwahl, absoluter Bullshit. Wir arbeiten ständig daran das wir alles verstehen, mehr erforschen und irgendwann können wir vielleicht die Dehnung des Universums beenden

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Kommentar von Wrakas
31.07.2016, 22:04

Was genau stimmt nicht? Vielleicht ändere ich meine Meinung ja.

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Kommentar von Infomercial
31.07.2016, 22:06

Sehe ich anders. Der Fragesteller hat in ganz entscheidenden Punkten recht.

1. Es gibt mittlerweile genügend Studien und Experimente, die den freien Willen ernsthaft - auch wissenschaftlich vertretbar - in Frage stellen.

2. Wir sind tatsächlich unendlich bedeutungslos. Nicht nur im Universum, sondern auch hier. Wie auch immer unser Planet aussieht, unsere Idealvorstellung von ihm hat nichts mit der Realität zu tun. Ob alles im Meer versinkt ode wir die Erde nuklear auslöschen ist vollkommen egal.

3. "Das Beste aus der Situation machen": was andres bleibt uns eh nicht übrig.

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Kommentar von Wrakas
31.07.2016, 22:15

Danke :D

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Kommentar von scatha
31.07.2016, 23:51

Dann sind alle, die die Mainstream-Version von Wirklichkeit glauben, Wahnsinnige. Könntest recht damit haben.

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Bevor ich die anderen Antworten lese:

Die Antwort auf Deine Frage, wie man so jemanden nennt, ist:
"einen Unwissenden"

Es gibt so vieles mehr, was Du anscheinend in all Deinen Überlegungen überhaupt nicht bedacht hast und anscheinend auch nicht weißt.

Du bist 17 Jahre alt und – lass es mich mal provokativ sagen – maßt Dir an, über das Universum und die Natur der Existenz und des Werdens Bescheid zu wissen.

Alleine schon durch Deine Frage und Dein Interesse hast Du bereits bewiesen, dass Du lebst.

Ehrlich gesagt war mein erster Gedanke – bitte nicht in den falschen Hals kriegen –, dass Du Dir wohl eine Tüte zu viel durchgezogen hast. Diese Art von Existenz-Zweifeln kenne ich nämlich nur zu gut von meinen alten Kiffer-Freunden.

Ob das Leben und die Existenz einen Sinn macht oder nicht, kannst Du doch gar nicht wissen! Du weißt doch nicht, was die Zukunft bringt.

Stell Dir doch – nur mal so hypothetisch – vor, dass Die Menschheit sich weiter entwickelt und eines sehr fernen Tages einen mentalen Zustand entwickelt, in dem der Geist über die Materie triumphiert und alle Sorgen, Ängste und Nöte, Hunger, Krieg und Tod, all dies überwunden sein wird.
Jetzt ist es aber erforderlich, um an dieses Ziel zu gelangen, dass jeder einzelne Mensch darauf hin arbeitet, also Stück für Stück, in ganz kleinen, winzigen Schritten, seine Beitrag dazu leistet.

Und jetzt nimm mal die Analogie mit dem Schmetterling und dem Tornado.
Angenommen Du entschließt Dich, Dein Leben zu beenden, weil Du denkst, dass es Leben nicht gibt oder, dass es sowieso keinen Sinn hat. Was wäre, wenn Du der entscheidende Schmetterling gewesen wärst, der am Ende einen Tornado der Evolution hätte auslösen können?

Alles greift ineinander. Kein Mensch ist eine Insel. Kein Staubkorn im Universum ist unbedeutend. Und das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Teile.

Das sind keine Plattitüden, sondern Lebensweisheiten.

Denke mal darüber nach und versuche es zu ergründen.
Sieh die Welt mit den Augen des Lebens.
Wie kann es sein, dass diese einfachen Verbindungen von Neuronen, mit einfachem Austausch von Atomen und Molekülen, ein Bewusstsein erschaffen können?
Wie kommt es, dass wir nicht mehr als Einzeller durch einen Ozean treiben ohne Ziel und Bewusstsein?
Wieso konnte der schlimmste und mörderischste Krieg, den die Welt je gesehen hat, zu so viel Wohlstand und Fortschritt führen?
Warum leben wir überhaupt noch?
Was treibt uns voran?
Wieso gab es den Urknall?
Wieso konnte sich aus ein paar Aminosäuren, aus den Tod eines Sternes und der Kälte des Universums, überhaupt Leben entwickeln?

Da sind so viele Fragen und noch viel mehr, was Du alles nicht mal ansatzweise bedacht hast!

Bedenke all dies, bevor Du so eine Erkenntnis für wahr hältst.

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Kommentar von Wrakas
31.07.2016, 22:53

Oh, bitte verstehe mich nicht falsch. Ich habe mir in der Vergangenheit über ALLE Punkte in deiner Liste Gedanken gemacht! Angefangen vom großen Ganzen, bis hin zum Beginn des Lebens. Nun ist es so das ich alles auch durchdacht haben. (Ich habe auch die Meinung und das Wissen meiner Lehrer miteinbezogen! Gerade zur Entstehung des Lebens.)
Ich bin am Ende zu meinem Schluss gekommen.
Ich glaube, du willst mir eine gewisse Unreife und Verwirrtheit unterstellen. Bitte überdenke alles was ich sagte!

--> wir bestehen aus Materie, toter Materie. Und die wiederum unterliegt gewissen Prozessen. Diese Prozesse sorgen dafür, das sich die Materie bewegt. Im Großen und ganzen, ist ein Mensch, eine Ansammlung aus Materie, die sich bewegt, weil sie durch Prozesse gesteuert wird. Kannst du dich steuern oder glaubst du es nur? Oder glaubst du nur das du es glaubst? Oder glaubst du garnicht.
Denk daran: der Glaube an etwas ist auch nur ein Produkt aus biochemischen Prozessen.

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Fatalismus, nennt sich das.
Wir wissen wie Leben entsteht und wie es endet.
Warum Leben enstanden ist, hier auf der Erde, das ist tatsächlich ein Zufall und keine Regel.
Was jedoch nicht heißt, dass es unmöglich ist.

So ist zu befürchten, dass Du erneut wirst nachdenken müssen, bis zur Weisheit letzten Schluß.

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Bei deiner Beschreibung des Lebens fehlt m.E. ein unterscheidendes Kriterium: Das Leben reproduziert, rekombiniert,und reorganisiert sich selbst. Wenn ich jetzt behaupte, dass Unbelebtes dies nicht tut, so muss ich zugeben, dass ich den Gdanken der Unterscheidung noch nicht konsequent zu Ende denken konnte.

Denn so einleuchtend mir das prompt erscheint, so nachhaltiger drängt sich mir der Verdacht auf, dass dieses Kriterium nur ein quantitativer Unterschied ist, nicht aber ein qualitativer. Dies um so mehr, als selbst Paradoxa sich u. U. auflösen, sobald man auf eine höhere Betrachtungsebene wechselt.

Das können wir nicht jederzeit, obwohl wir zwingend dazu gedrängt werden, falls die Theorie der kognitiven Dissonanz nicht ganz und gar eine Leerformel ist.

Gemäß dieser Theorie leiden wir nämlich unter einem Paradoxon zwischen Gefühl und Verstand. In unserem Gefühl existiert kein Ende unserer Existenz. In unserem Verstand aber sehr wohl.

Dies müssen wir zwingend unter einen Hut bringen, wenn wir leben wollen. Gelingt uns das nicht, müssten wir uns tatsächlich gleich ins Leichenhaus begeben, wie ein User ganz richtig feststellt. Er unterschlägt uns, dass dies vereinzelt auch gemacht wird.

Das gefällt uns nämlich nicht so besonders gut. Einfach deshalb, weil der Verstand dem Gefühl dient, und nicht umgekehrt. Kann jeder leicht bei sich selbst feststellen: Das Wissen um Zeugung, Schwangerschaft, und Geburt, macht der Liebe kein Kind.

Ein objektiver Sinn des Lebens ist mit diesem doch recht zentralen Beispiel beschrieben. Wo aber liegt der subjektive Sinn? Es hilft nichts - eines Tages werden wir wieder zu dem Sternenstaub, aus dem wir auf einem langen, langen Weg vom Urknall bis heute zusammengebastelt wurden. Wozu die ganze Mühe?

Das fragt unser Verstand und gibt auch die Antwort: Für nichts. Aber damit gibt sich wiederum unser Gefühl nicht zufrieden. Wenigstens nicht während des größten Teils unseres Lebens. Also sucht unser Verstand weiter, und sucht, und sucht...

Das würde ich Agnostik nennen. Vielleicht ist das der Sinn.

...oder, Herr Dr. Faust jr.?  :-))

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Wie nennt man es, wenn jemand zu dem Schluss kommt, dass das Leben keinen Sinn hat?

Ähäm, ich möchte jetzt nicht ordinär erscheinen...

Mit einer solchen Einstellung setzt man sich am Besten ins Leichenschauhaus und wartet bis man dran ist...

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Ich glaube, der Nihilismus kommt dem ziemlich nahe.

Es ist schon eine sehr stark philosophisch geprägte Frage. Da spielt Bio und Physik kaum eine Rolle.

Der Sinn der Natur (nicht nur des Menschen) ist einfach das Sein, das Entwickeln, sich verändern,... die pure Existenz ist letztlich der ganze Sinn des Lebens.

Ich würde es nicht als Sinn des Lebens bezeichnen; wenn man forscht und bastelt um dann etwas sicher tolles und nützliches zu bauen. Oder man schafft ein Kunstwerk oder züchtet blaue Tomaten.... das sind letztlich alles nur Varianten des Nutzens der Zeit, die einem bleibt.

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Kommentar von MarkusGenervt
31.07.2016, 22:53

Hey, ho! Ich wusste gar nicht, dass es noch jemanden gibt, der den Sinn des Lebens richtig begriffen hat! Ich hatte es mir zwar schon gedacht, aber nie zu hoffen gewagt, mal jemanden zu treffen. :-)

Nein, ernsthaft, das ist KEIN Sarkasmus. Das meine ich wirklich so.

Sehr schön!

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Wir sind bloß Materieansammlungen von enormer Komplexität die ständig in jeder Sekunde Millionen von physikalischen und chemischen Prozessen unterliegt

Achja. Der übliche Aberglaube des 20. Jahrhunderts. Der Schöpfergott heißt "Chaos" und das Bewußtsein wird von Gehirn geschaffen.

Man nennt dich "Anhänger des reduktionistischen Materialismus."

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Das wichtigste zuerst:

Glaube was du möchtest, richte dein Leben wonach du möchtest, tu wonach immer dir der Sinn ist, aber lass andere dabei in Ruhe und misch dich nicht ungefragt in ihre Weltanschauung ein.

Was der Sinn des Lebens ist kann dir niemand außer dir selbst beantworten. Es gibt einfach keine universelle Antwort, sondern nur eine die auf dich selbst zutrifft.

Ob du Bedeutungslos bist oder nicht hängt nur vom Bezugspunkt ab. Wobei ich sogar so meine Zweifel hege, dass der Mensch im kosmischen Maßstab unbedeutend ist. Die Chaostheorie sagt ja unter anderem, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings das Wetter ganz woanders auf dem Planeten beeinflusst. Oder anders formuliert: alles hängt zusammen und beeiflusst sich gegenseitig. Ist auch im Bezug auf das Universum nicht anders. Das fehlen unseres kleinen blauen Planeten wirkt sich schon mal in erster Linie auf die Umlaufbahnen der anderen Planeten aus usw. usw.

Zum Schluss: Die Tatsache, dass du glaubst, ist für mich ein Hinweis darauf, dass du einen freien Willen hast ;)

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Das nennt sich Identitätskrise und kommt öfter im Leben vor.

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