Wie liest man am Besten Gedichtbände?

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6 Antworten

Bei einem Gedicht kommt es wirklich auf den Eindruck an, den die Worte auf dich machen.

Schon bei den ersten Worten merkst du, ob du weiter lesen möchtest. Wenn nicht, dann lass das und versuch's mit einem anderen.

Wenn ja, dann lies da Gedicht langsam zu Ende, dann noch einmal, laut. Bei jeder neuen Lektüre wirst du dem Gedicht neue Aspekte abgewinnen.

Dabei wirst du vielleicht merken, dass dir bestimmte Autoren besonders liegen. Dann kannst du dich auf sie konzentrieren.

Danke für die Antwort. Dass man ein Gedicht nicht nur einmal schnell liest, um es zu verstehen, ist mir klar; mir ging es eher darum, wie man das gesamte Buch an sich liest. Aber die Frage scheint wohl komisch zu sein. 

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@Benutzer97

Meine Antwort war durchaus eine Antwort auf deine Frage. Gedichtsammlungen liest man eben nicht wie Romane, was du ja auch gesagt hast, und auch nicht im Sinne einer Pflichtlektüre (ein Gedicht pro Tag). Ich bleibe also dabei, dass man die Gedichte zu lesen anfängt und nur dann weiter liest, wenn ein ziemlich unmittelbarer Eindruck entsteht. Es kann sein, dass es bei der einen Gedichtsammlung kaum der Fall sein  wird, bei einer anderen ganz anders. Allmählich findest du heraus, was dir wirklich liegt. Daran kannst du dann deine Bücherwahl orientieren.

Auf jeden Fall kann bzw. soll man bei der Lektüre von Gedichten nicht systematisch vorgehen - es sei denn, es ist eine Pflichtlektüre, was bei dir nicht der Fall zu sein scheint.

Mychrissie hat inzwischen in Ihrem ersten Abschnitt ganz in diesem Sinne geantwortet

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@achwiegutdass

Heißt das dann, dass man alle kurz durchliest, der Reihe nach, und die, die einen ansprechen, intensiver liest? Aber ansonsten alle nacheinander?

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Man liest zuerst die, welche sich einem sofort erschließen. Das schult Dein Verständnis auch für schwierigere Metaphern und Formulierungen, die einen tieferen Sinn nicht offenbaren, sondern eher erst mal verbergen.

Mit dieser durch Lektüre erworbenen Fähigkeit verstehst Du und liebst Du dann auch viele der Gedichte, die Du anfänglich ausgelassen hast.

Allerdings zwingt Dich keiner, wirklich alles, was im Lyrikkanon der Weltliteratur steht, zu lieben. Ich habe in meinem riesigen Bücherschrank separat um die 250 reine Lyrikbände stehen. Die Gedichte mancher Autoren findet man eben nicht schön und anrührend, sondern allenfalls interessant. Aber das ist doch auch schon mal was!

Der lesende Mensch wächst, ebenso wie der hörende und schauende. Monet empfand man damals auch als Schmiererei und mit Beethovens letzten Streichquartetten haben selbst Musikliebhaber noch heute Schwierigkeiten, gar nicht zu reden von Penderecki, Lutoslawski oder Stockhausen.

Willkommen in der Wunderwelt der Lyrik! Es gibt wenig, was Dich im Leben mehr verzaubern und Dein Innerstes berühren wird!

Ich weine als 77-jähriger Mann fast nie, bei manchen Versen von Rilke oder Benn jedoch kann ich manchmal kaum weiter lesen, so treiben sie mir das Wasser in die Augen. Nicht wegen ihres Inhaltes, sondern wegen der Schönheit der Sprache und der Bilder.

Danke für die Antwort. Aber man weiß ja nicht von Anfang an, welche man sofort versteht - also wie weiß man, wo man anfangen soll? Entschuldige, falls die Frage komisch ist, aber ich bin mir da halt unsicher.

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@Benutzer97

Wie aus meiner Antwort erhellt, geht es nicht primär nicht um Verstehen, sondern um den Eindruck. Ob du dann besser verstehen willst, bleibt dahingestellt. Verstehen sollte aber die Freude am Gedicht nicht verderben.  Autoren schreiben kaum um verstanden zu werden - das ist ein hermeneutisches Vorurteil. Sie wollen einen Eindruck machen und dadurch wirken. Manchmal versteht man mehr, wenn man nicht "versteht", sondern sich fragt, warum der Text uns derart beeindruckt hat.

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@achwiegutdass

Hm ok, das klingt interessant. Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Nur ist mir halt ehrlich gesagt noch immer nicht so ganz klar, wo man dann bei einem Buch mit einer großen Zahl an Gedichten anfängt; man soll die zuerst lesen, die sofort Eindruck hinterlassen, ok, aber dafür müsste man doch erst alle lesen, um zu wissen, welche das sind? Was dann wiederum hieße, das Buch von vorn bis hinten und dann noch mal einzeln zu lesen, was aber auch irgendwie nicht nach dem richtigen Weg klingt. Entschuldige, aber irgendwie ist mir das nicht ganz klar...

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@Benutzer97

Ich glaube, dass Du an die Sache viel zu logisch intellektuell herangehst. Du willst ja nicht in einem Band mit lauter Excell-Tabellen lesen, und auch keine steuerrechtliche Erörterung, sondern Gedichte. Fang doch einfach mal an zu lesen und freue Dich an der Sprache.

Ich mache bei meinen Gedichtbänden an die schönsten im Inhaltsverzeichnis immer ein Häkchen.

Stell Dir doch mal vor, dass ein halbes Dutzend wunderschöne Frauen vor Dir stehen. Während Du noch darüber hin- und hergrübelst, welche nun eigentlich die schönste ist, sind schon sechs andere Typen gekommen und haben sie Dir entführt.

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@mychrissie

Die, die mir am Besten gefallen, markiere ich mir jetzt auch, um sie später zum erneuten Lesen wiederzufinden.

Ich mache das jetzt so, dass ich die Gedichte der Reihe nach lese, mehrmals; wenn es mir gefällt, lese ich es mit kurzen Denkpausen noch einige Male und versuche, dabei auf möglichst viel zu achten, um möglichst viel Inhalt daraus aufnehmen  zu können.

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Jedes Wort löst bestimmte Gefühle aus. Zumindest bei mir ist das so... :-)  Wenn dann in einem Gedicht die Wörter so auf einander abgestimmt sind, dass sozusagen ein Geflecht von Gefühlen in mir wirkt und wenn dann auch noch die Sprache stimmig ist, so kann das schon mächtig Eindruck machen...

Mit "Sprache" meine ich die Art und Weise der Formulierung, das Versmaß, den Rhythmus, die Kunstfertigkeit, mit der die Reime gesetzt sind, und noch einiges andere, z. B. die Freiheit, in der der Dichter gewisse Regeln bricht.

Regelbruch aber muss wirklich gekonnt sein, sonst kann das ganz schön daneben gehen...

LG rumbastler

am Besten ist Rückwärts!

Mal im Ernst das ist doch keine Frage die Jemand stellt der sich gerade mehrere Gedichtbände gekauft hat!

Mein Tipp: Es kommt nicht auf die Reihenfolge an sondnern auf das Setting.

Mach dir nen leckeren Tee oder was du magst, setz dich an einen Kamin, in die Sonne unter einen Baum oder aufs Dach in den Wind und Lies was du gerade aufschlägst.

Danke für die Frage, hab mich schlapp gelacht

Tut mir Leid, ich wollte doch nur wissen, wie man das Meiste herausholen kann... Denn dass das nicht geht, indem man zum Beispiel das ganze Buch schnell im Bus durchliest, ist mir klar. Es heißt ja beispielsweise bei Witzen, dass man nicht viele auf einmal lesen soll, weil sie dann ihre Wirkung verlieren; da habe ich mich gefragt, ob es bei anderen Textsorten vielleicht auch so ist, dass es auch Ratschläge gibt, wie man am Besten Gedichtbände liest. 

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@Benutzer97

war nicht böse gemeint, ich finde schon die grundlegende Herangehensweise unbedingt am meisten herausholen zu wollen passt nicht zu Gedichten (was willst du denn herausholen?). Am mesiten hast du selbst davon wenn du dich darauf einlässt und so viel liest wie du gerade verträgst. Ich selbst würde auch nach jedem gedicht zumindest wenn es mich angesprochen hat kurz innehalten, es auf mich wiken lassen und dann evtl nochmal lesen.

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@bastlerjack

Achso ok, dann ist gut. Mit herausholen meine ich, dass man es, wie du auch beschreibst, richtig auf sich wirken lassen kann, dass man nicht nur kurz darüber liest, sondern auch zum Beispiel Metaphern erkennt oder sich allgemein Gedanken darüber machen kann. 

So mache ich das jetzt auch; ich lese jetzt einfach die Gedichte der Reihe nach, auch mehrmals. Wenn es mir dann gefällt, lese ich nach Denkpausen das Gedicht noch mehrmals und versuche dabei, auf möglichst viel zu achten, um auch Stilmittel und sowas mitzubekommen, weil ich das echt schön finde. So habe ich auch das Gefühl, dass es einen Eindruck hinterlässt und ich eben wirklich viel da rausholen kann.

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Hi. 

Hier gibt es nur individuelle Antworten. Ich zum Beispiel lese Gedichte am liebsten bei einem Glas Wein und mit Blick aufs Wasser, am besten aufs Meer. Einfach so, ohne "Methode".

Es gibt hier kein für alle geltendes "am besten".

Mach deine eigenen Erfahrungen.

Gruß, earnest


Am besten wohl von vorne nach hinten. In manchen Sprachen aber auch von hinten nach vorne.

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