Wie lerne ich Latein am effizientesten?

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Hi,

ich hatte als Schülerin lange selbst Probleme mit der lateinischen Sprache, inzwischen studiere ich diese Sprache. Ich habe seit mittlerweile zehn Jahren mit Latein zu tun und habe für mich eine Methodik entdeckt, die mir sehr gut hilft. Inwiefern sie anderen hilft, ist eine Frage der Person; Probieren geht über Studieren, heißt es so schön, und auch bei Latein trifft das zu. Denn auch ich habe eine Weile gebraucht, um das für mich optimale Lernen zu entwickeln. Sowas ist ein Prozess und dauert etwas. Aber das Ergebnis lohnt sich!

Ich vermute, dass du bezüglich des Übersetzens keine Tipps brauchst, da du die Technik grundsätzlich zu beherrschen scheinst.

Der Fokus sollte klar auf der Grammatik liegen. Vokabeln (dazu komme ich später noch) muss man eben lernen, aber die Grammatik bildet wie überall das Fundament der Sprache. Wenn du die wirklich beherrschst und auch zusammenführen kannst, dann beherrschst du Latein schon ziemlich gut.

Ich habe die Grammatik tatsächlich über das Übersetzen gelernt. Ich habe übersetzt, übersetzt, übersetzt bis zum Abwinken. Und das circa ein Jahr lang. Ich habe mir quasi den Satz genommen und bin wie folgt vorgegangen:

  • Den Satz in seine Satzteile zerlegen, wie ich es beim Übersetzen immer tue
  • Schauen, was ich davon beherrsche und was nicht (wenn dort bspw. vocat steht, habe ich das Verb einmal für mich in diesem Tempus/Modus durchkonjugiert, also voco - vocas - vocat - vocamus - vocatis - vocant).
  • Die Sachen, die ich nicht konnte oder von denen ich nicht wusste, was das ist (und das war durchaus häufig der Fall, ich konnte nämlich gefühlt nichts!), habe ich das zusammen mit meiner Nachhilfelehrerin aufgearbeitet. Das habe ich dann aber irgendwann auch alleine gemacht, da ich die Sachen direkt im Zusammenhang gelernt habe. Es bringt dir nämlich nichts, wenn du weißt, wie du einen AcI übersetzt, diesen aber im Lateinischen gar nicht erst erkennst, weil du schlichtweg nicht weißt, aus welchen Bestandteilen er besteht, was alles in den AcI reingehört usw.
  • Das, was ich nicht konnte, habe ich mir direkt mit diesem Beispiel rausgeschrieben auf eine Art Grammatikblatt, sodass ich es auch direkt mit einem Beispiel verschriftlicht habe.

Das habe ich gemacht, und dadurch die Sprache sehr gut gelernt. Ich war damals bereits in fünften Lernjahr (also in der neunten Klasse und hatte die gesamte Grammatik schon längst). Mit dieser Methode habe ich mich innerhalb eines Jahres von einer Fünf in der Übersetzung auf eine Eins hochgearbeitet, da ich so wirklich die Grammatik selbst erschlossen und nicht einfach nur auswendig gelernt habe. Ich möchte dir das Ganze einmal an einem Beispiel demonstrieren:

Vir pius, qui imperio Iovis semper paruerat, consilium cepit fugam petere et regiones punicas relinquere.

Zunächst erfolgt die Satzgliedbestimmung und Aufschlüsselung der Satzstruktur:

  • Prädikat: cepit
  • Subjekt: Vir pius
  • Akkusatiovobjekt zu cepit: consilium
  • Von cepit sind zwei Infinitivkonstruktionen abhängig (aus Akkusativ und Infinitiv bestehend)
  • von vir pius ist ein Relativsatz mit einem Dativobjekt imperio, einem dazugehörigen Genitivattribut Iovis, dem Subjekt qui und dem Prädikat paruerat.

Oder wenn ich nicht wusste, dass der Infinitiv die Gleichzeitigkeit zum Hauptsatz ausdrückt, habe ich das auch nochmal nachgelesen. Manchmal wusste ich auch gar nicht, was das ist, da hat das Recherchieren dann etwas gedauert.

Dann habe ich zum Beispiel, wenn ich vir pius nicht durchdeklinieren konnte, mir nochmal die Kongruenz angeschaut und geblättert, wie ich das deklinieren muss. Nehmen wir an, ich kann mit dem "qui" nichts anfangen, dann habe ich geschaut:

  • qui ist ein Relativpronomen im Nominativ Singular
  • Das Relativpronomen bezieht sich in Numerus und Genus auf das Bezugswort, kann im Kasus aber abweichen
  • die Konjugation von "qui, quae quod" habe ich mir auch angeschaut, um das dem "vir pius" eindeutiig zuordnen zu können
  • Und natürlich hätte ich geschaut, wie man das übersetzt, um es gleich anzuwenden. Das hätte ich dann abgeschrieben, die Informationen ergänzt und dann letztlich übersetzt, sodass ich zur Übersetzung komme:

Der fromme Mann, der dem Befehl Iuppiters immer gehorchte, fasste den Entschluss, die Flucht zu ergreifen und die punischen Legionen zurückzulassen.

So habe ich gleichzeitig eine Übersetzung, aber auch einen Lerneffekt durch den Zusammenhang, da ich das von der Übersetzung losgelöste Lernen vermeide. Das war mein persönlicher Knackpunkt und hat mich sehr weit gebracht - so weit, dass ich diese Sprache heute liebe.

Heutzutage habe ich noch einen entscheidenden Vorteil: Da ich Latein studiere, lerne ich die Sprache auch andersherum, also von Deutsch nach Latein. Das ist super, da ich so wirklich lerne, was wie stehen muss und das umgedreht anwenden kann: Wenn zum Beispiel in einem Text mal steht "Caesar imperavit, ut legiones impetum facerent", dann weiß ich: Aha, von imperare ist ein ut-Satz abhängig, welcher hier durch die consecutio temporum im Imperfekt steht, der die Gleichzeitigkeit zum Hauptsatz ausdrückt. Das kann man natürlich auch ohne das Wissen um die Stilübungen lernen, aber ich finde es einen netten Zusatz, da man so wirklich ein Gefühl für die Sprache entwickelt.

Ich kenne das tatsächlich von Lateinlehrern, dass diese mit ihren Schülern auch Stilübungen in ganz ganz einfachem Maße lernen. Also wirklich leichte Sätze in das Lateinische übertragen sollen. So musst du nämlich automatisch über die Grammatik nachdenken und darüber, wie der Lateiner es formulieren würde; du entwickelst ein Sprachgefühl und in aller Regel fällt dir dann auch das umgedrehte Übersetzen leichter. Ich würde mich auch bereit erklären - je nachdem, welches Buch du hast (das müsstest du mir sagen) -, dir einfache deutsche Sätze auf deinem Grammatik und Vokabel-Niveau zu konstruieren, damit du das mal üben kannst und ein Gefühl für die Sprache entwickelst. Das bietet sich an, falls du noch Ferien haben solltest.

Auch die Vokabeln lernst du durch dieses Prinzip (wenn du die mini-Stilübungen machst, auch in beide Richtungen) auch super, da Vokabeln oft mehrere Übersetzungsmöglichkeiten haben, die teilweise sogar von der verwendeten Konstruktion abhängen. Ich lerne die Vokabeln durch eine App, die verschiedene Abfragemodi anbietet, sodass du über mehrere Wege die Vokabeln lernst. Ich benutze die App seit sicherlich drei Jahren und mir hilft es super. Ich bin nämlich so ein kleiner Vokabellern-Muffel ;-)

Zusammenfassend ist es also vor allem wichtig, dass du das Zusammenspiel von Grammatik und Übersetzung zu verstehen lernst. So kannst du die Grammatik nämlich irgendwann ganz von alleine, weil du dich viel intensiver damit befasst. Und: Mir hat es noch geholfen, viel im Lateinunterricht mitzumachen, da ich mein erworbenes Wissen oft gleich anwenden konnte und es nochmal gefestigt habe.

Ich hoffe, dass ich dir etwas helfen konnte. Bene eveniat!

LG

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium Chemie + Latein Lehramt

Vielen lieben Dank! Leider habe ich nur wenige Möglichkeiten zu einem Nachhilfelehrer und ebenso sehr wenig Zeit aufgrund anderer Fächer. Aus diesem Grund ist das 'aufarbeiten' schwieriger. :) Dass du aber Latein studierst zeigt mir dass es letztendlich nur auf den echten Willen ankommt! (P.S Ich benutze das Buch Prima Brevis)

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Ich lege auch eher Wert auf Grammatik.

Wenn ich mir irgendwelche Grundlagen einer Sprache beibringen möchte, schau ich im Internet nach, wie man was Konjugiert/Dektliniert/... und nehme mir dann ein paar Vokabeln zur Hand und bilde ein paar Sätze daraus.

Wenn ich das mit Latein machen würde (für einen langen Satz mit vielen verschiedenen Zeiten und Kasus), würde ich klein Anfangen mit z.B. Filius, Properare, schola, in:

Filius in scholam properat. (Der Sohn eilt in die Schule.)

Dann eilt er mit seinem Freund und dessen Vater in die Schule hinein:

Filius cum amico suo et patre eius in scholam properat. (Der Sohn eilt mit seinem Freund und dessen Vater in die Schule.)

Das hat er gestern auch mit seiner Mutter gemacht:

Filius cum matre sua in scholam proberavit.(Der Sohn ist mit seiner Mutter in die Schule geeilt.)

Morgen wird er das dann auch mit seiner Mutter und seiner Freundin machen:

Filius cras cum matre sua et amica sua in scholam properabit ac ibi gaudebit ac cantaverit. (Der Sohn wird morgen mit seiner Mutter und seiner Freundin in die Schule eilen und wird sich dort freuen und gesungen haben.)

*Die nicht-fettgedruckten Sätz sind nicht die deutschen Übersetzungen!!

Verstehst du, wie ich es meine? Ich mache die Sätze immer komplizierter.

Und zur Kontrolle lass ich die Sätze dann von irgendwelchen Bekannten, Freunden oder Leuten im Internet (oder Lehrern) "kontrollieren", du wirst bestimmt auch ein paar Leute kennen, die dir weiterhelfen können.

Du hast es gut, weil du ja (wenn keine Ferien sind) jeden Schultag deinen Lehrer aufsuchen kannst und ihm schnell ein-zwei Sätze vorlesen kannst (Das geht ja ganz "flott") er wird dir dann sagen, dass der Satz so passt, oder dass halt diese Verbform unregelmäßig ist und du drauf achten musst oder dass du falsch konjugiert hast usw.

Ja, ich weiß, ist ein komischer Weg, eine Sprache zu lernen und vielleicht hilft nur mir dieser, aber für komplizierte Sachen, die du nichtmal durch Stundenlanges recherchieren nicht begriffen hast (weil da immer sowieso alles in Fachchinesisch erklärt wird), finde ich ihn wirklich nützlich, da du dann schon vom Kontext raus eine richtige Lösung gefunden hast (oder dich dein Lehrer verbessert hat) und du selber diese Sätze geschrieben hast. Und wenn du alles richtig gehabt hast, sagt dir dein Kopf: "Ey, du hast es geschafft, [Zahl] lange lateinischen Sätze ohne einen einzigen Fehler zu bilden, so schwer ist es ja gar nicht..."

Kurzfassung: Habe Geduld, aus Fehlern wird man klüger.

P.S. Habe Latein auch erst seit ca. 2 Jahren

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

@LYDWAC Vielen Dank für deine Antwort :) Deine Art und Weise zu lernen ist einen Versuch wert! Persönlich denke ich dennoch, dass das Schreiben von lateinischen Sätzen ziemlich anspruchsvoll ist, da man so komplexe Ebenen miteinander verbindet.

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@MagicAnastasiya

Kein Problem :)

Und so anspruchsvoll ist das Schreiben gar nicht. Das Übersetzen ist das anstrengende...

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