Wie leitet man eine Therapie in die Wege?

4 Antworten

Hey,

oh je, mit 10 schon in Behandlung, dafür möchte ich mein tiefstes Mitgefühl aussprechen! Das ist eine wirklich belastende Situation und dass Du seit so vielen Jahren schon damit umgehst, zeugt von Stärke, dafür Respekt!

Du hast bei einem Psychotherapeuten immer erst 5-8 probatorische Sitzungen, die Du ohne Antrag in Anspruch nehmen kannst und in denen Du entscheiden kannst, ob der Therapeut zu Dir passt.

In der Regel werden diese Stunden dafür genutzt, dass der Therapeut sich ein Bild von Dir erschafft und wenn noch nicht geschehen eine Diagnose stellt. Anschließend wird der Therapeut oder Du die Psychotherapie bei der Krankenkasse beantragen, sodass die Kosten übernommen werden.

In den meisten Fällen wird zuerst eine Kurzzeittherapie, also 12 Stunden à 50 Minuten beantragt und wenn diese vorbei ist, eine Langzeittherapie, also 60 Stunden à 50 Minuten (also ab dem Zeitpunkt noch 48 Stunden). Ist danach eine weitere Therapie nötig, kann natürlich eine Verlängerung beantragt werden.

Die Kosten werden übernommen, wenn der Psychotherapeut und die Krankenkasse eine Psychotherapie für notwendig halten - bei einer psychischen Störung. Bevor Du mit der Psychotherapie beginnen kannst, muss sie also von der Krankenkasse genehmigt werden.

Bei der Langzeittherapie ist ein Gutachterverfahren notwendig, der Psychotherapeut muss also den Antrag auf Psychotherapie von einem anderen Psychotherapeuten gegenprüfen lassen, was der Krankenkasse dann als Grundlage dient. Bei der Kurzzeittherapie ist das nicht notwendig.

Du als Patient musst Du nur einen Psychotherapeuten finden, der einen freien Therapieplatz hat (Dein Hausarzt oder Psychiater kann Dir sicher auch gute Psychotherapeuten in Deiner Umgebung empfehlen). Aber auch das stellt sich leider oft schon als schwierig heraus, weil es verhältnismäßig nur wenige Psychotherapeuten mit Kassenzulassung gibt. 

Bei Dir als - so vermute ich - gesetzlich Versicherte brauchst Du prinzipiell einen solchen Therapeuten mit Kassenzulassung, damit die Kosten von der Krankenkasse getragen werden. 

Erst wenn Du belegen kannst, dass Du mehrfach vergeblich versucht hast, einen Psychotherapeuten mit Zulassung zu finden, hast Du auch das Recht, zu einem solchen ohne Kassenzulassung zu gehen - der eigentlich nur privat Versicherten offensteht. Das erkläre ich Dir aber gleich.

Du suchst Dir also einfach einen Psychotherapeuten in Deinem Ort oder Umkreis, rufst dort an und bittest um einen Termin. Wenn er zusagt und ihr einen Termin vereinbaren kann - perfekt -, wenn nicht, dann lasse Dich auf die Warteliste setzen und notiere Dir für den Fall, dass Du gar keinen Therapeuten mit Kassenzulassung findest, Namen, Zeitpunkt des Anrufs und ungefähre Wartezeit.

Eine Wartezeit von mehr als drei Monaten gilt allgemein nicht als zumutbar. Wenn Du also bei mehreren (in der Regel reichen 3-5) Psychotherapeuten eine Absage bzw. eine unzumutbare Wartezeit bekommen hast, kannst Du Dich als gesetzlich Versicherte auch an einen Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung wenden.

Dort also dasselbe Spielchen erneut - anrufen, Termin vereinbaren und probatorische Sitzungen wahrnehmen. Die Wartezeit ist hier meist weitaus kürzer als bei Therapeuten mit Kassenzulassung. Sofern es aber wirklich so weit kommt, wird Dich der Psychotherapeut auch genau darüber aufklären, das wäre also kein Problem.

Ansonsten kannst Du Dich hier mal ein bisschen einlesen:

https://www.therapie.de/psyche/info/fragen/wichtigste-fragen/psychotherapie-kostenerstattung/

In Deutschland gibt es drei grundsätzliche Formen der Psychotherapie, die von der Krankenkasse anerkannt sind und übernommen werden. Das sind die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse. 

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Psychoanalyse setzen an den tiefergreifenden Problemen an und die Verhaltenstherapie setzt am aktuellen Verhalten an und ändert durch die Erkrankung entstandene Denk- und Verhaltensmuster (das ist vor allem bei Angststörungen von besonderer Bedeutung).

Die drei Formen jetzt aber genauer zu erläutern, würde aber zu weit führen - das macht auch der Psychotherapeut während der probatorischen Sitzungen.

Man hört zwar oft von horrenden Wartezeiten von mehreren Monaten oder gar Jahren, aber wenn man als Patient informiert ist, muss man allerhöchstens mit einer Wartezeit von drei Monaten rechnen - das ist in einer solchen Situation zwar auch schon extrem, aber in psychiatrischer Behandlung auszuhalten, würde ich behaupten.

Und das war's auch schon - die Arbeit, die Du hast, um eine Psychotherapie in die Wege zu leiten, hält sich also in Grenzen. Das meiste erledigt der Psychotherapeut für Dich.

Bei Fragen kannst Du Dich gerne an mich wenden.

Ich wünsche Dir alles Gute.

16

Hey, danke für diese ausführliche Antwort. Bisher hatte ich nur Verhaltenstherapie alles andere kenne ich auch nicht so gut. Ist es einfacher von der Krankenkasse eine Bewilligung zu bekommen, wenn eine weitreichende Krankengeschichte vorhanden ist? Dazu noch ein Gedanke. Kann man auch "zu viel" Therapie verlangen? Damit meine ich, wenn ich schon zuvor alles mögliche an Therapien hatte, und dann wieder eine möchte, kann mir dann irgendwann so etwas gesagt werden wie "wenn es immer noch nichts genutzt hat, dann wirds nichtmehr " oder eben einfach kein Geld mehr an mich "verschwendet" werden soll? (Nicht das ich es absichtlich ausnutzte natürlich, im Normalfall WILL ja keiner Therapie brauchen). Ich komme auch aus einer Angststörung (Soziale Phobie) und denke das ich einen Großteil meiner Angst abgebaut habe. Was jetzt aber noch übrig ist, ist das belastende Gefühl und eine Abhängigkeit (Unselbstständigkeit) basierend auf meinem früheren Verhalten. Da ich niemanden haben, mit dem ich reden kann staut es sich alles auf und bereitet mir viel Stress und Antriebslosigkeit. Ich habe speziell jetzt das Bedürfniss, da ich ein Studium begonnen habe, und ich dabei auf Grund alter Wunden auf starke Probleme stoße die mich einfach behindern. Naja ich mache mir Sorgen, dass mir eventuell nicht mehr so viel zugestanden wird. Lg.

1
46
@sweetmelonxx3

Deine Krankengeschichte wird natürlich gespeichert, zusammen mit allen Diensten, für die die Krankenkasse bisher schon aufgekommen ist - von Arztbesuchen über verschriebene Medikamente bis zu stationären Aufenthalten.

Daher kann es durchaus vorkommen, dass eine weitere Psychotherapie abgelehnt wird, wenn bereits eine solche durchgeführt wurde. 

Aber sofern der Psychotherapeut die Psychotherapie für notwendig und dringend hält, wird sie in der Regel schon genehmigt. Du zahlst ja schließlich monatlich einen hohen Beitrag für die Krankenkasse.

Wenn Du eine Verhaltenstherapie bereits abgeschlossen hast, sind möglicherweise ja die tiefergreifenden Probleme diejenigen, die Dich jetzt noch belasten - denn Deine Phobie wurde in der Verhaltenstherapie ja vermutlich behandelt.

Daher kann ich mir durchaus vorstellen, dass Dir eine weitere Psychotherapie genehmigt wird, in dem Fall möglicherweise eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder ein psychoanalytisches Verfahren.

Wenn der Psychotherapeut also davon überzeugt ist, dass eine weitere Psychotherapie notwendig ist, sehe ich gute Chancen, dass sie genehmigt wird.

Liebe Grüße.

0
16

Das dachte ich mir. Man kann nicht sagen, dass ich die Therapie abgeschlossen habe, da ich mich nie darauf eingelassen habe. Ich war damals einfach zu jung und unreif und habe mir wie so viele nicht eingestehen wollen was mir erzählt wurde. Ich wurde damals zwar aufgeweckt, habe aber nicht aktiv mitgearbeitet und deshalb kann ich nicht von einem erfolgreichen Abschluss sprechen. Ich habe damals ohne Absprache einfach aufgehört und wollte meine Medikamente nicht nehmen. Man kann sagen ich war ein Problemfall. Könnte ich es anders machen ^-^ ..... Aber jetzt habe ich die mentale Reife und auch den Willen um wirklich was zu ändern. Darum wäre es wirklich ein Rückschlag, wenn ich keine Genehmigung bekomme. Denn ich habe schon einiges gekostet meine ich :/ (habe Ordnerweise Gutachten, Befunde Krankenhauspapiere ). Aber mehr als dran bleiben kann ich nicht :). Lg

1
46
@sweetmelonxx3

Eben. Wenn Du der Meinung bist, dass Du psychotherapeutische Behandlung brauchst - was ja ganz offensichtlich der Fall ist - dann solltest Du auch versuchen, diese in Anspruch nehmen. Und dass Du daraus gelernt hast, ist ja auch schon ein großer Schritt.

Viel Glück wünsche ich Dir.

0
39

Seit 1.4.17 nur noch 4 probatorische!

0

Hi,

du wendest dich einfach damit an deinen Hausarzt, der dich zu einem Psychotherapeuten oder Psychiater überweisen kann.

Dann schaust du selbst nach Adressen oder lässt dir vom Terminservice der Krankenkassen helfen, einen Therapeuten zu finden.

Du kannst dich auch direkt an einen Therapeuten wenden, allerdings brauchst du später dann trotzdem eine Überweisung.

Du machst zuerst 3-4 propädeutische Sitzungen bei dem Therapeuten. Der wird dann bei der Krankenkasse die Kostenübernahme beantragen, wenn er eine Therapie für indiziert hält. Die propädeutischen Sitzungen werden von den Kassen automatisch getragen.

Alle weiteren Fragen dazu kann dir dein Hausarzt beantworten und die Krankenkasse hilft dir im Zweifel auch weiter.

Alles Gute...

16

Aha, sehr gut, danke. Also wenn ich mich direkt melde müsste ich danach nochmal zum Hausarzt oder wie meinst du das mit überweisen? Hat da jede Hausarzt solche Adressen parat? Lg.

0
49
@sweetmelonxx3

Also bei meiner Hausärztin bekomme ich immer eine Liste mit entsprechenden Ärzten, wenn sie mich irgendwohin überweisen will.

0
16

Ach wirklich, interessant. Dann erkundige ich mich mal. Danke ;)

2
43
@sweetmelonxx3

Ohne Überweisung eines Arztes, kann ein psychologischer Psychotherapeut nicht mit der Krankenkasse abrechnen.

Du kannst also erst zu einem Psychologen gehen und die prpädeutischen Sitzungen machen. Der benötigt erst dann die Überweisung, wenn er die komplette Therapie bei der Krankenkasse beantragt.

Wenn du erst zu deinem Hausarzt gehst, dann kann der die Überweisung direkt ausstellen. Der Hausarzt fragt auch meistens nicht viel. Der hört sich grob an worum es geht und wenn er eine Indikation sieht, dann überweist er dich.

0
16

Achso , super danke dir :).

1

Am besten kontaktierst du die kassenärztliche Vereinigung. Dort können dir Psychotherapeuten in deiner Nähe genannt werden.

Die kannst du dann anrufen. Im besten Fall sagt einer:" kommen sie nächste Woche zum Erstgespräch".

Dann wirst du dorthin gehen und die Probatorik. Das sind 5 Probestunden. Falls der Therapeut mit dir und du mit ihm klar kommst, wird eine Therapie bei der KK beantragt.
Das sind dann erstmal 31 oder 56 Stunden.
Dann hast du in der Regel einmal pro Woche 50 Minuten Therapie.

Manchmal gibt es auch Doppelstunden oder mehrere Termine pro Woche. Das sind aber eher individuelle Ausnahmen.

16

Gut , sehr hilfreich danke :)

0
39

Seit 1.4. 4 Probesitzungen, dann je nach Schule.... aber VT 2x 12, dann LZ auf 40, F1 15h F2 20h = 80 maximal. Bei TP 100, Analyse 300, wie gehabt.

0

Wie lange dauert eine Behandlung bei einer Dissoziativen Identitätsstörung in der Kindheit und kann nach einer Therapie die Krankheit erneut auftreten?

...zur Frage

Ich will nicht in die Tagesklinik?

Ich bin seit 8 Wochen in stationärer Behandlung. Seit 1 Woche auf der offenen Station, in der ich auch Therapien habe. Diese Therapien halte ich aber nicht durch, bis auf die Arbeitstherapie, die ich auch den ganzen Tag statt der anderen Therapien machen darf. Die anderen Therapien sind langweilig und über fördern mich. In 4 Wochen werde ich entlassen und gehe dann zur Tagesklinik. Da werden wir allerdings auch wieder die Therapien machen, die mich überfordern. Allerdings wollen meine Eltern, dass ich dahin gehe, damit ich was zu tun habe. Ich werde mich da aber nicht wohlfühlen und ich will es auch nicht ausprobieren dahin zu gehen um dann abzubrechen. Was kann ich tun, damit ich da nicht hin muss?

...zur Frage

THERAPIE: Ist bei Problemen mit dem eigenen Vater ein weiblicher oder männlicher Therapeut besser?

Durch ein paar unschöne Dinge in der Kindheit war ich (männl., Mitte 30) in der jüngeren Vergangenheit einmal in ambulanter Psychotherapie und einmal stationär. Nach Schilderung meiner Lebensgeschichte nahm einerseits der männliche Therapeut (ambulant) auffallend meine Mutter in den Fokus und der weibliche Therapeut (stationär) auffallend meinen Vater. Dies geschah ohne ein Zutun von mir ganz automatisch. Obwohl doch die Problematik aus meiner Sicht mit beiden Elternteilen bestand.

Warum ist das so ? Wollen sich Therapeuten Übertragungen ersparen und fixieren sich deswegen auf den (zu ihnen) gegengeschlechtlichen Elternteil ? Wer weiß das ?

Ansonsten ist das größere Problem mein Vater, dass mir immer noch großen Schmerz bereitet, so dass ich in Kürze wieder einen Psychologen aufsuchen will. Ich überlege jetzt halt nur, ob es besser wäre, wenn dieser weiblich ist.

Oder hat das mit dem Geschlecht nix zu tun ?

...zur Frage

Welche Übungen, Therapie oder Behandlung hilft bei einer Fußhebeschwäche?

Mein Vater hat eine stark ausgeprägte Fußhebeschwäche und kann nicht richtig abrollen. Auch mit dem Wissen, dass man Nerven nicht beeinflussen kann, möchte er natürlich schnelle Fortschritte erzielen. Welche Übungen, Therapie oder Behandlung hilft bei einer Fußhebeschwäche?

...zur Frage

Amtsärztliche Untersuchung (depressive Episode)?

Guten Morgen,

ist eine depressive Episode ein Ausschlusskriterium für die Verbeamtung auf Widerruf?

In meinem Fall sieht es so aus: Ich bin 19 Jahre alt und bin seit über einem Jahr in ambulanter Behandlung und war im April einen Monat lang in stationärer Behandlung um mich zu stärken und um wieder einen geregelten Tagesablauf zu bekommen. Sowohl ich, als auch mein Therapeut sind der Meinung, dass ich mehr als geeignet für die Ausbildung bin und die Krankheit kein Hindernis darstellt, da ich auf einem sehr guten Weg bin.

Hat jemand von euch schon mal Erfahrungen damit gemacht oder kann mir jemand von euch meine Sorgen nehmen?

Liebe Grüße

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?