Wie lebt man naturgemäß?

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5 Antworten

Gar nicht - oder immer, je nach Definition.

Zuerst die Frage: "was ist naturgemäß?".
Ohne Technik?

Die Evolution ist Teil der Natur. Damit das (bessere) Überleben des irgendwie besser angepassten und damit besser überlebenden.
Und damit offensichtlich die Entwicklung von Hirn (mehr oder weniger ;-D), denn sonst wäre der Mensch nicht (zumindest bisher) so erfolgreich gewesen.
Und einher ging die Entwicklung von Werkzeugen, Erfindungen, Medizin usw.

Man kann also durchaus argumentieren, daß die Entwicklung hin zu einer technologisierten Welt auch naturgemäß ist. Möglicherweise ensteht Technik automatisch ab einer gewissen Evolutionsstufe. Leider kennen wir bisher nur ein Beispiel (uns) dazu. Es wird spannend, wenn die Astronomen den ersten bewohnten Planeten entdecken...

Man sollte sich villeicht von der romantischen Vorstellung freimachen, daß naturgemäß immer "gut" ist. Wenn wir "natürlich" lebten, würden wir noch als Jäger und Sammler durch die Wildnis streifen, mit 30 an faulen Zähnen sterben, bei einer kleinen Schnittwunde möglicherweise an unheilbaren Infektionen sterben, würden von wilden Tieren verfolgt, hätten eine Kindersterblichkeit von 70%, würden im Winter erfrieren, usw...

In der Konsequenz fordert das wohl keiner.

Unser modernes (und im Vergleich zu früher unglaublich sicheres und wohlbehütetes) Leben wäre ohne Technik und Erfindungen (Medizin) gar nicht denkbar.

Was aber auch gilt:
wir brauchen die Natur. Sie darf also bei all dem Fortschritt nicht zerstört werden. Zumindest nicht bis zu dem Maß, daß wir uns selbst als Menschheit gefärden.
Dazu braucht es nicht einmal moralische Argumente, obwohl es solche natürlich auch gibt.

Daher ist mit der Natur vernünftig umzugehen, und Vorteil gegen Nachteil jedes Eingreifens abzuwägen. Wenn Land zur Nahrungsmittelproduktion gerodet wird, gilt es abzuwägen, ob dies für die Menschen lebensnotwendig ist, oder unnötiger Luxus (Stichwort: Biosprit). Wenn Tiere als Nahrung dienen, sollten diese gut behandelt und ohne Leiden gehalten und getötet werden. Ünnötiges Leid ist moralisch verwerflich, aber anderen Menschen Nahrung zu verwehren ist aber ebenso unmoralisch. Wenn die Luft verpestet wird, leiden Menschen, Tiere und Umwelt; Transport und Mobilität sind aber ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, und inzwischen wäre die Menschheit ohne sie auch nicht mehr überlebensfähig.

In jedem Einzelfall sind Abwägungen nach ethischen und praktischen Aspekten notwendig.

Ich würde daher zusammenfassend sagen: der Begriff "naturgemäß" ist an sich schon irreführend. Denn wir sind Teil der Natur und damit automatisch naturgemäß.

Besser wäre die Frage: "wie leben wir naturschonend oder naturbewusst?"

sarahj 20.01.2016, 10:17

vielen Dank für den *
(obwohl ich auch "seneca" überlesen habe, und damit berkersheim ihn vielleicht eher verdient hätte ;-)

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Ich denke der Hinweis auf Seneca steht da, weil es darum geht, was für Seneca in seiner Zeit ein naturgemäßes Leben bedeutet hat. "Naturgemäß leben" war in der antiken Lebensphilosophie - und Seneca war als Stoiker ein Teil davon - ein fester Begriff. In diesem Punkt waren sich z.B. Epikureer und Stoiker einig. "Naturgemäß leben" bedeutete damals, die Grundbedürfnisse zu befriedigen ohne dafür einen außergewöhnlich großen Aufwand zu betreiben. Naturgemäß, einfach leben war für jeden erschwinglich.

Epikur hat dazu ja in die Lebensanforderungen (Begierden) unterschieden. Einmal die natürlichen und überlebensnotwendigen (satt werden, nicht dürsten, angemessene Kleidung und Wohnung). Die notwendigen zur Erhaltung der Gesundheit wie die notwendigen zur Erhaltung der Eudaimonia (Freundschaft). Die nächste Gruppe sind die natürlichen, aber nicht überlebensnowendigen. Dazu zählt Epikur Sex, kulturelle Vergnügen, üppigere und auserlesenere Mahlzeiten und Getränke, größeres Haus, Gastmähler. Dann gibt es noch die unnatürlichen Begierden wie Völlerei, Saufgelage, Orgien und alle Gier nach Macht und Reichtum.

Ein wenig hängt die Beurteilung, was in diesem Sinne "naturgemäß" ist auch vom kulturellen und ökonomischen Standard der jeweiligen Gesellschaft ab. "Naturgemäß" ist alles, was keine außerordentliche Anstrengung voraussetzt, denn alles, was darüber hinausgeht, setzt Menschen stärker den Schwankungen des Schicksals und Zufalls aus (was Seneca ja am eigenen Leib erfahren hat). Das Gefühl der Gelassenheit, die Sicherheit, sein Leben im großen und ganzen im Griff zu haben, das war Ziel des naturgemäßen Lebens. Mit naturgemäß war ausdrücklich nicht das Leben als Vegetarier gemeint, obwohl es das damals z.B. bei den Pythagoreern auch gegeben hat. Naturgemäß heißt im Prinzip: Basic. Es schließt nicht aus, die nicht notwendigen Annehmlichkeiten zu kosten, wenn es denn nicht zu erheblichen Anstrengungen und Spannungen führt.

Meinst Du mit "naturgemäß" so was wie "umweltverträglich" und "ökologisch nachhaltig"?

Dann fällt mir als erstes die Bewegung der Ökodörfer ein:

Francent 19.01.2016, 15:13

Naja, wir wollten eigentlich etwas im Bezug auf Seneca und seiner stoischen Lehre erfahren, aber trotzdem danke für deine Mühe.:)

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Gronkor 19.01.2016, 15:53
@Francent

Ach ja: "Seneca" steht da. Das habe ich wohl überlesen. Sorry.

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Ich schätze mal wenn man im Einklang mit ihr lebt. Nicht mehr verbraucht als man braucht und sich die Natur schnell wieder erholen kann.

Vegan mit Kleidung aus Hanf

Francent 19.01.2016, 09:15

Danke man, aber wir hätten gerne was in die philosophische Richtung.

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