Wie lange dauert es, bis sich eine PTBS zu einer Persönlichkeitsstörung "verchronisieren" kann?

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4 Antworten

PTBS gehört zur Kategorie der affektiven Störungen, präzise zu den Angststörungen. PTBS selbst ist keine Persönlichkeitsstörung und wird auch nie in einer solchen enden.

Grundsätzlich kann man psychische Krankheiten in zwei Grob-Kategorien einteilen. Affektive Störungen (Angst, Depression) und psychotische Störungen (Psychosen, Schizophrenie). Persönlichkeitsstörungen sind den Symptomen immer übergeordnet. Es kann also aus einer Persönlichkeitsstörung eine Angststörung entstehen, allerdings nie umgekehrt. Ich gebe dir drei extreme Beispiele. Hystrionische Persönlichkeitsstörung (genaueres kannste googeln) führt nur zu affektiven Symptomen. Multiple-Persönlichkeitsstörung nur zu psychotischen Symptomen. Boderline steht genau in der mitte (borderline = grenzgänger). Die Symptome kippen von der einen Seite in die andere und wieder zurück.

Unbehandelt kann PTBS zu zyklischen schüben und irrationalen Reaktionen auf gewisse Reize führen. Diese können eine generalisierte Angststörung, Zwangssymptome, Depressionen etc. auslösen, welche meist solange bestehen, bis die ursprüngliche Belastungsstörungn therapiert worden ist. Alle erwähnten Folgeerscheinungen gehören ebenfalls zu den affektiven Störungen. sie haben nichts mit Persönlichkeitsstörungen, geschweige den mit psychotischen Erkrankungen zu tun.

Das mit dem Hypocampus wurde bereits erwähnt, muss es also nicht wiederholen. Das "Unterbewustsein" ist nicht genau definiert und erforscht, jedoch gibt es Belege für seine Existenz. Vermutlich finden diese Prozesse im "lymbischen System," also unserem emotionalen Regulationszentrum statt. Dort sitzt übrigens auch die PTBS, vor allem die Amygdala (Mandelkern) ist bei Angststörungen überdurchschnittlich aktiv.

Eine PTBS kann mittels Schematherapie oder analytischer Traumabewältigung therapiert werden. dieser Prozess kann je nach ausmass der Krankheit länger dauern. In der Zwischenzeit werden den Patienten vor allem Antidepressiva verabreicht (allen voran Sertralin). Das generelle Problem der Antidepressiva ist, das sie relativ viele Nebenwirkungen produzieren (bei den neueren längerfristig "nur" libidoverlust) und je nach Mensch unterschiedlich effizient (resp. ineffizient) wirken.

Glaube den Schwachsinn von wegen "geht ein paar wochen" nicht. Aus einer PTBS wird nie eine Persönlicheitsstörung entstehen.

Aus einer PTBS entsteht keine Persönlichkeitsstörung. Höchstens eine Phobie oder eine Panikstörung, weil man Situationen versucht zu vermeiden, in denen die Ängste erneut vorkommen könn(t)en! Eine Persönlichkeitsstörung hat auch ganz andere Ursachen, die nicht aus einer PTBS herrühren!

Ich würde sagen, das ist eine Sache von Wochen. Wenn man sowas nicht in 2-3 Monaten zumindest ansatzweise in den Griff bekommt würde ich von weiteren Monaten auch nicht mehr viel erhoffen.

Ob und wann das geschieht ist sehr individuell und hängt von den Möglichkeiten jedes Einzelnen ab, mit dem Erlebnis umzugehen. Ich würde aber schon sagen, dass man innerhalb von 1-2 Jahren handeln sollte, wenn man merkt, dass das Erlebnis einem noch nachhängt.

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