wie kriegt man einen guten schreibstil?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich habe mal in deine Geschichte reingeschaut. Und ja - dein Schreibstil ist noch etwas unausgereift. Der Text hat an vielen Stellen keinen schönen Klang, weil die Formulierungen nicht schön gewählt sind.
An anderen Stellen hingegen machst du das schon ganz gut (Wäre übrigens leichter, wenn man den Text mal kopieren könnte, da ich keine Lust habe jedes Beispiel abzutippen...).

Ich würde dir empfehlen erst einmal die ganzen Grammatikfehler zu beheben. Du springst öfter in in den Zeiten (Präsens, Präteritum, Plusquamperfekt), fehlende Kommata, Tippfehler sind auch dabei, etc.

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Du arbeitest offensichtlich wahnsinnig gern mit Füllwörtern (vielleicht, wahrscheinlich, irgendwie, irgendwann, ein wenig, ein bisschen, eigentlich, etc.). Dabei können die Meisten gnadenlos gestrichen werden, da sie weder informativ sind, noch etwas zum Klang des Satzes beitragen. Ernsthaft. Streich sie.

Beispiel:

Aus irgendeinem Grund klang das in ihren Ohren überhaupt nicht mehr so seltsam, wie es vor einem Jahr vielleicht mal geklungen hätte.

Das sind drei Füllwörter in nur einem Satz!

Besser:
Das klang in ihren Ohren nicht mehr so seltsam, wie es vor einem Jahr noch geklungen hätte.

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Adjektive hingegen sind durchaus nützlich, ich finde allerdings du benutzt sie zu oft an unnötigen Stellen.

... als sie scharf um die Ecke bog und in jemanden hineinlief...

Warum muss sie scharf um die Ecke biegen? Und wie biegt man überhaupt "scharf" um eine Ecke? Reicht da nicht ein simples: "als sie um die Ecke bog"?
Warum läuft sie eigentlich in ihn hinein? Sie rannte doch einen Satz zuvor noch. Hm.
Alternativ hätte man schreiben können:
"... als sie um die Ecke bog und mit jemandem zusammenstieß/kollidierte..."

Anderes Beispiel:

Seufzend erhob sich Mira und kehrte leise in ihren Gemeinschaftsraum zurück...

Dieser Satz ist ein gutes Beispiel für Adjektive, die durch starke Verben ersetzt werden können (und sollten):

Seufzend erhob sich Mira und schlich zurück in den Gemeinschaftsraum...

Leise zurückkehren hingegen ist umständlich und wage formuliert. Klare, ausdrucksstarke Sätze sind immer zu bevorzugen.

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Es täte deinem Text übrigens ganz gut, wenn du mehr Absätze einbauen würdest. Blocktexte lassen sich nicht schön lesen (am Bildschirm schon gar nicht!) und unübersichtlich ist es auch.
Besonders bei den Dialogen ist eine sinnvolle Gliederung wichtig. Immer wenn ein Dialog beginnt oder die sprechende Figur wechselt, sollte eine neue Zeile (ohne Leerzeile) beginnen. Dann kann man sich auch mal den Begleitsatz sparen, da aus der Formatierung bereits hervorgeht, wer gerade spricht.

Man merkt allerdings bereits einen Fortschritt in Sachen Schreibstil! Der Unterschied zwischen dem ersten und dem dritten Kapitel ist deutlich erkennbar und daran sieht man dann auch wieder sehr schön, dass Übung den Meister macht!
Je mehr du schreibst, umso runder werden deine Kapitel werden. Viel bewusstes Lesen hilft übrigens auch.

Ein paar kleine Tipps habe ich noch:

  • Versuch mehr mit Mimik und Gestik zu spielen. Menschen lächeln, lachen und weinen ja nicht nur. Wir drücken so viel unbewusst durch Körpersprache aus. Zwinkern, verschränkte Arme, wippende Füße, abstürzende Mundwinkel, hochgezogene Brauen, glasige Augen, etc.
  • Selbes gilt für Emotionen. Versuch mal einige Adjektive zu streichen und es stattdessen zu umschreiben. Statt beispielsweise zu schreiben: "Sie war nervös", könntest du dir überlegen, wie du dem Leser das begreiflich machen kannst, ohne es konkret zu benennen. Schwitzende/zitternde Hände, innere Unruhe, wippende Füße, Übelkeit, Blässe, Herzrasen... Alles Symptome die auf Nervosität/Angst schließen lassen. Wenn du solche Situationen mehr beschreibst, ist der Leser auch viel näher an der Figur und im Geschehen. Übertreiben sollte man es damit nicht, aber in wichtigen Szenen ist es ganz gut mal etwas auf die Bremse zu treten und die Situation aus allen Blickwinkeln zu betrachten.
  • Übe dich etwas in Geduld. Viele Fehler wären dir nicht passiert, wenn du vor dem Hochladen nochmal korrekturgelesen hättest. Die Nachbearbeitung ist zu wichtig, um sie einfach wegzulassen.

Ansonsten, und das ist wohl das Wichtigste: Dran bleiben!
Ein paar Schreibratgeber zu lesen oder sich mit anderen Hobbyautoren auszutauschen, ist auch nie verkehrt. Man sollte nur nie vergessen, dass es Ratgeber/Ratschläge sind und keine unumstößlichen Regeln. Im Netz gibt es auch haufenweise kostenlose Blogs und Kolumnen Rund ums Thema Schreiben.

Liebe Grüße

omg danke!! das hat mir wirklich weitergeholfen!!!

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Wie Nietzsche mal gesagt hat: „Den Stil verbessern, das heißt, den Gedanken verbessern, und gar nichts weiter.“ Noch was-ich glaube nicht, dass man einen eigenen und guten Stil formen kann, wenn man die Geschichte eines anderen fortführt. Stil und Geschichte sind eine Einheit, man kann nicht den Roman eines anderen gekonnt fortführen. Schreib über die Dinge, die etwas mit Dir zu tun haben.

Wie kriegt man einen guten Schreibstil?

Lesen. Aufmerksam.
Frag dich das nächste Mal, wenn du ein Buch liest, welche Sätze und Absätze dich (nicht) ansprechen und schau weswegen. Was gefällt dir gut? Was genau?
Das ist schonmal eine Möglichkeit und es gibt zahlreiche Schreibforen und -webseiten mit mehr Tipps.

Ad hoc fällt mir bei deinem Text auf, dass du viel direkte Rede hast und sie so beiläufig ist und die Geschichte kaum voranbringt. Dialoge in Büchern sind häufig runtergekocht. Sie unterscheiden sich von der alltäglichen Sprache.

Zudem hast du einige Stellen, die du ausweiten könntest, insb bei der Begegnung mit Umbridge ist mir das aufgefallen. Vielfach fällt da das Wort 'seltsam'. Aber wieso empfindet sie so? Das altbekannte 'Show, don't tell'. Was aber seinerseits auch umstritten ist. Zuviel 'zeigen' zieht den Text in die Länge.

Ich kann an dieser Stelle selbstverständlich nur aus meinen eigenen Erfahrungen sprechen, aber mir persönlich hat das Rollenspielschreiben weitergeholfen. Ob Dir dieser Begriff etwas sagt, weiß ich nicht. Man hat einen Schreibpartner, sucht sich gemeinsam eine Handlung aus und beginnt mit dem posten der Beiträge. So sieht man vielerlei unterschiedliche Schreibstile, erhält automatisch Resonanz und man hat obendrein auch noch eine Menge Spaß. Vielleicht wäre das Ganze ja etwas für Dich, probieren geht bekanntlich über studieren. :)

Hier könntest Du es mal versuchen: rollenspielhimmel.de

Das wichtigste hat @xjustmex schon geschrieben.

Dazu noch:

Die Rechte der Figuren, die ich nicht selbst erfunden habe, gehen an Joanne K. Rowling.

Rechte gehen nicht an jemanden, nach deiner Bestimmung. Sie liegen von Anfang an bei ihm. Und noch wichtiger: wenn jemand anders die Rechte hat, darfst du den Text gar nicht veröffentlichen! Du klaust dem anderen damit was.

Würde dein Text so verkauft, könnte Rowling bzw. ihr Verlag dein Buch beschlagnahmen lassen und den Verkauf verbieten.

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