Wie konnte es geschehen,dass man das Schicksal eines Sklaven hatte?

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4 Antworten

Sklaverei war damals nicht ungewöhnlich. Sklaverei war nicht als Unrecht geächtet. Es gab kein allgemeines Verbot der Sklaverei.

Verklavung von Gegnern, die durch militärische Niederlagen in Kriegen gefangen wurden, war nicht völkerrechtlich verboten. Für Kriegsgefangene bestand kein wirksamer allgemeiner Schutz.

Der Übergang von der Freiheit zur Sklaverei war in der Hauptsache ein gewaltsamer Entzug der Persönlichkeitsrechte. Im Großen kann dies in zwei Arten unterteilt werden:

A) Verklavung durch Personen oder Gruppen außerhalb des eigenen Stammesverbandes bzw. der eigenen poltischen Gemeinschaft, also gewaltsame Unterwerfung durch Fremde

B) Verklavung durch Personen oder Gruppen des eigenen Stammesverbandes bzw. der eigenen politischen Gemeinschaft, durch die Gesamtheit/die überwältigende Mehrheit/die Mächtigen oder mit ihrer Billigung

Insgesamt waren Ursprünge/Quellen der Skaverei bzw. Wege in die Sklaverei:

1) Kriegsgefangenschaft: Im Krieg besiegte und gefangengenommene Gegner sind oft versklavt und verkauft worden. Bei der Eroberung von Städten wurden nicht selten Frauen und Kinder zur Beute und in die Sklaverei verkauft. Männer wurden vor allem in der Frühzeit eher umgebracht, aber dann zunehmend zum Teil auch in die Sklaverei verkauft. In manchen Fällen hat es Massenversklavungen gegeben. Beispielsweise ließ 168 v. Chr. Konsul Lucius Aemilius Paulus 70 Ortschaften der Molosser (Volksstamm in Epeiros/Epirus, einem Land am nordwestlichen Rand des antiken Griechenlands) zerstören, ihr Land wurde römischen Eigentum 150.000 Menschen wurden versklavt (Polybios 30, 16). 146 v. Chr. wurde von den Römern unter dem Konsul Lucius Mummius Korinth erobert und zerstört, viele Einwohner in die Sklaverei verkauft (Iustinus 34, 2, 6; Pausanias 7, 16, 8). Gaius Iulius Caesar hat als Statthalter (Prokonsul) 58 - 49 v. Chr. im Gallischen Krieg nach antiken Angaben 1 Millionen Kelten und Germanen in die Sklaverei geführt (Plutarch, Caesar 15, 5; Appian, Keltike 1 [6]). Die Kriegsgefangenen wurden gewöhnlich noch auf dem Kriegsschauplatz an Händler verkauft (Vgl. Marcus Tullius Cicero, Epistulae ad Atticum 5, 20, 5).

2) Menschenraub: Räuber bzw. Seeräuber/Piraten haben in organiserten Gruppen oder mehr einzeln (z. B. Wegelagerei) Menschen gefangengenommen und für die Freigabe Lösegeld verlangt oder die Menschen in die Sklaverei verkauft.

3) Kindesaussetzung: Findelkinder waren als Fremde nicht von der Rechtsordnung geschützt. Sie gehörten denen, die sie aufnahmen. Den Aufnehmenden blieb überlassen, ob sie die Kinder versklavten oder anders behandelten, z. B. an Kindes Staat aufnahmen.

4) Geburt als Sklavenkind (Sklavenreproduktion): Kindern wurde gewissermaßen der Sklavenstatus vererbt, wobei bis auf Ausnahmefälle der Status der Mutter ausschlaggebend war. Im Haushalt geborene und aufgezogene Sklaven, sozusagen ,hausgeborene Sklaven', hießen lateinisch vernae (Singular: verna).

5) Schuldsklaverei: In der römischen Frühzeit war ein Übergang in die Sklaverei aufgrund von Schulden und Zahlungsunfähigkeit oder Zahlunsunwilligkeit rechtlich möglich. Die Versklavung geschah zwangsweise im Interesse des Gläubigers. Die Zwölftafelgestzte bestimmten dabei einen Verkauf versklavter Römer in das Gebiet jenseits des Tibers, also außerhalb des römischen Hoheitsgebietes. Tatsächliche Vorgänge sind wohl selten gewesen. Schuldknechtschaft über Selbstverpfändung (nexum) hat als eine andere Form der Unfreiheit eine andere möglichkeit gegeben. Später sind Schuldsklaverei und Schuldknechtschaft als rechtlche Möglichkeiten beseitigt worden. 326 v. Chr. wurde durch die lex Poetelia Papiria de nexis die Möglichkeit von Tötung oder Versklavung des Schuldners abgeschafft.

6) strafrechtliche Verurteilung zur Sklaverei wegen Delikten/Verbrechen: Für die römischen Frühzeit werden beispielsweise offenkundiger Diebstahl und Kriegsdienstverweigerung als Tatbestände genannt (konkrete Einzelfälle sind nicht bezeugt). Ein Bürger konnte auch dem Feind ausgeliefert werden, weil er durch schuldhaftes Verhalten dem Staat schweren Schaden zugefügt hatte. In größerem Ausmaß ist eine Bestrafung, die zur Sklaverei verurteilte, erst in der römischen Kaiserzeit angewendet worden. Verurteilung zu lebenslänglicher Zwangsarbeit in Bergwerken oder Steinbrüchen oder zum Auftritt in der Arena bei Gladiatorenkämpfen, Tierhetzen oder ähnlichem war mit Verlust der bürgerlichen Rechte verbunden und versetzte die Betroffenen in den Status von Sklaven. Ein Senatsbeschluß auf Antrag des Kaisers Claudius – das senatus consultum Claudianum – bestimmte die Versklavung von Frauen, die mit fremden Sklaven gegen den Willen und trotz Abmahung seines seines Herrn verbanden (Tacitus, Annales 12, 53). Bei Zustimmung des Herrn war ursprünglich bestimmt, nur ein gezeugtes Kind aus dieser Beziehung habe Sklavenstatus. Kaiser Hadrian betsimmte bei Zustimmung auch Freiheit für das Kind. Kaiser Iustinian schaftte den ganzen Senatsbeschluß ab.

7) Selbstverkauf in die Sklaverei: Selbstverkauf in die Sklaverei konnte aufgrund schwerer wirtschaftlicher Not geschehen, um zumindest irgendwie versorgt zu werden.

8) Verkauf von engen Familienangehörigen, vor allem Kindern und Ehefrauen in die Sklaverei: Die rechtliche Zulässigkeit ist sehr zweifelhaft. Bei der nicht-römischen Bevölkerung römischer Provinzen scheinen manchen Gegenden nach Hinweisen antiker Quellen manchmal Eltern ihre Kinder tatsächlich als Sklaven verkauft zu haben. Ein faktischer Verkauf von Kindern in die Sklaverei durch den Vater der Familie/Hausvater (pater familias) ist bei den antiken Römern aber ein seltener Ausnahmefall gewesen. Rechtlich zulässig war dies kaum (nur für die früheste Zeit kann dies nicht ganz ausgeschlossen werden, ist aber sehr unwahrscheinlich). Eine Duldung des Verkaufs von Kindern aufgrund wirtschaftlicher Not ist anscheinend erst für die Gesetzgebung der Spätantike belegt, die so etwas für ein kleineres Übel im Vergleich zur zunehmenden Kindesaussetzung hielt. Das Kind verlor dabei rechtlich nicht den Status der freien Geburt, sondern kam nur in eine tatsächlich der Versklavung weitgehend entsprechende Rechtsstellung.

Leonhard Schumacher, Sklaverei in der Antike : Alltag und Schicksal der Unfreien. München : Beck, 2001 (Beck's archäologische Bibliothek), S. 31 - 32:  

„Ein tatsächlicher Verkauf von neugeborenen Kindern römischen Rechts aufgrund wirtschaftlicher Not wurde, soweit ich sehe, erst durch die spätantike Kaisergesetzgebung toleriert, um der zunehmenden Kindesaussetzung zu begegnen. Obwohl ausdrücklich betont wurde, daß ein so verkauftes Kind den Status der freien Geburt (ingenuitas) nicht verliere, führte das Geschäft – technisch handelte es sich um einen Dienstvertrag (locatio conductio operarum) – zu einer Rechtsstellung, die faktisch der Versklavung weitgehend entsprach. Der Unterschied lag in der zeitlichen Begrenzung auf maximal (?) 25 Jahre, wobei zunächst dem Vater bzw. den Eltern, später jedermann das Recht eingeräumt wurde, das Kind durch Geldzahlung oder Stellung eines Ersatzsklaven auszulösen.

Insgesamt verdeutlichen diese Überlegungen, daß der Kinderverkauf in bezug auf genuin römische Verhältnisse der Republik und Kaiserzeit als Quelle der Sklaverei praktisch außer Betracht bleiben kann. Für die nichtrömische (peregrine) Provinzialbevölkerung gilt dies nicht in gleichem Maße. Die recht spärliche Überlieferung bietet Hinweise, daß in bestimmten Gegenden Kinder von ihren Eltern durchaus als Sklaven verkauft wurden, teils aus wirtschaftlicher Not (Tac. ann. 4,72,2), teils gewerbsmäßig (Philostr. Apoll. 8,7,12).“

Tac. ann. = Tacitus, Annales  

Philostr. Apoll. = Philostratos, Bios Apolloniou Tyaneos (Βίος Ἀπολλώνιου Τυανέως; Leben des Apollonios von Tyana; lateinischer Titel: Vita Apolonii Tyanae)


Es gab Sklavenhandel, auch von Gebieten außerhalb des römischen Reiches. Dies ist aber kein eigenständiger Ursprung von Sklaverei, sondern der Sklavenhandel hat sich der verschiedenen Möglichkeiten bedient.

Informationen:

Paul A. Cartledge, Sklavenhandel. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 11: Sam -Tal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 619 – 621

Johannes Henrichs, Sklaverei IV. Rom. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 11: Sam -Tal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 627 - 636

Leonhard Schumacher, Sklaverei in der Antike : Alltag und Schicksal der Unfreien. München : Beck, 2001 (Beck's archäologische Bibliothek). ISBN 978-3-406-46574-1

Man wurde meistens Sklave, weil die Eltern auch Sklaven waren. Nach manchen Eroberungskriegen wurden auch Gefangene zu Sklaven ernannt. Ich hab auch mal davon gehört, dass manche Verbrecher zu Sklaven wurden.

zuviel versaubeutelt im leben vor dem sklavenleben

Durch bloßes Dasein am falschen Ort zur falschen Zeit.

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