Wie kommt es von der Überproduktion zur Konkurrenz?

3 Antworten

Stell dir vor, du willst den Bestand einer pflanzenfressenden Art in einem Ökosystem, z. B. in einem Wald ermitteln. In diesem Wald stehen hauptsächlich Eichen und die von ihnen produzierten Eicheln sollen die Hauptnahrung der Pflanzenfresserart sein, deren Bestand du ermitteln möchtest.

Die Eichen produzieren natürlich die Eicheln nicht in unbegrenzter Menge, sondern nur in dem Maß, wie es ihnen aufgrund der Wachstumsbedingungen (Licht, Temperatur, Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit usw.) in diesem Jahr möglich war. Das heißt, dass der Eichenwald nur eine begrenzte Anzahl von eichelfressenden Pflanzenfressern ernähren kann. Das Vermögen des Ökosystems eine bestimmte Anzahl an Individuen einer Population zu beherbergen, wird Kapazität genannt und die maximal mögliche Populationsgröße ist die Kapazitätsgrenze des Ökosystems - die Population kann über diese Grenze nicht (dauerhaft) hinauswachsen. Dabei kann die Biomasse einer Trophieebene im Schnitt nur etwa ein Zehntel der nächsthöheren Trophieebene ernähren. Von 100 kg Eicheln können also nur etwa 10 kg Pflanzenfresser überleben und nur 1 kg Fleischfresser usw.

Die Individuen konkurrieren miteinander um die Nahrung. Wie hoch die Konkurrenz ist, ist dichteabhängig. Ist die Population klein, d. h. weit von der Kapazitätsgrenze entfernt, ist die Konkurrenz gering. Jedes Individuum findet genug Eicheln und die Population wird wachsen. Ist die Populationsdichte jedoch sehr hoch, also nahe der Kapazitätsgrenze oder sogar darüber, ist die Konkurrenz hoch. Einige Individuen werden dann entweder verhungern oder abwandern, sodass die Population kleiner wird.

Die Kapazitätsgrenze kann sich Jahr für Jahr verschieben. In guten Jahren werden die Eichen besonders viele Eicheln produzieren, sodass mehr Tiere davon leben können. In anderen Jahren werden die Eichen dagegen weniger Eicheln produzieren, sodass die Kapazität des Ökosystems abnimmt. In einem guten Eicheljahr wird die Konkurrenz daher gering und die Geburtenrate dadurch hoch sein, wodurch die Population wächst. Folgt dann ein schlechtes Eicheljahr, wird die Konkurrenz in der Population sehr stark sein, die Population schrumpft.

In einem realen Ökosystem gibt es außerdem nicht nur eine Tierart, die von Eicheln lebt. Es wird im Ökosystem mehrere Arten geben, welche sie fressen. Arten, welche ähnliche Ernährungs- oder Lebensgewohnheiten haben, bezeichnet man als Gilden. In unserem Beispiel wäre das die Gilde der Eichelfresser. Neben der intraspezifischen Konkurrenz zwischen den Individuen einer Art, treten daher womöglich innerhalb der Gilde Individuen verschiedener Arten in einen Wettstreit miteinander, man spricht dann von interspezifischer Konkurrenz. Wenn zwei Arten in einem Ökosystem exakt dieselbe ökologische Nische besetzen, wird die Konkurrenzsituation dazu führen, dass die konkurrenzstärkere Art die schwächere vollständig verdrängen wird. Dies nennt man das Konkurrenzausschlussprinzip.

Durch Nischendifferenzierung können die Arten versuchen, sich die Nische quasi aufzuteilen und der direkten Konkurrenz miteinander zu entgehen. Eine Art könnte z. B. am Tag, die andere in der Nacht auf Eichelsuche gehen. Denkbar wäre auch, dass die eine Art Eicheln vom Boden aufsammelt, während die andere Art die Eicheln frisst, die noch am Baum hängen. Meist werden die Arten auch nicht nur eine Nahrungsquelle verzehren, sondern mehrere verschiedene, die sie dann zu unterschiedlichen Anteilen nutzen. Nehmen wir an, in unserem Wald stehen nicht nur Eichen, sondern auch Buchen, sodass unsere miteinander konkurrierenden Arten sowohl Eicheln als auch Bucheckern fressen. Der Konkurrenz können sie dann weitgehend entgehen, wenn die eine Art z. B. zu 70 % Eicheln und zu 30 % Bucheckern frisst, während es bei der anderen Art genau umgekehrt ist.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Die Natur kennt keine Überproduktion im Sinne von Absatzproblemen...

Allenfalls "absichtliche" zeitliche Ungleichgewichte um die Fressfeinde die meiste Zeit niedrig zu halten, damit sie dann zum richtigen Zeitpunkt schlicht nicht alles derfressen bekommen ..

Daher kommen alle Bisonkälber fast zur selben Zeit zur Welt oder haben die meisten Bäume Mastjahre (nach mehreren Jahren geringer Samenbildung)...

Konkurrenz ist eine Beziehung zwischen "Nutzern" der selben Ressource...

Also z. B. zw. Eichhörnchen und Eichelhäher um Eicheln in Jahren außerhalb der Mastjahre ...

Bei einer starken ungebremsten Vermehrung steigt die Population einer Art stark an. Dann steigt die intraspezifische Konkurrenz.

Das ist etwas, was schon Darwin beobachtet hat......

Was möchtest Du wissen?