Wie komme ich aus meinem Gefängnis raus?

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5 Antworten

Lieber Fragenderder,

die meisten Stotternden kennen das, das Gefühl das es hoffnungslos ist, dass das verdammte Stottern einem Ketten anlegt..... Du bist gerade in einem Tief und vielleicht magst du es deshalb gar nicht hören oder glauben, aber: Stottern ist keine Sackgasse, du kannst etwas tun! Aber, DU musst es tun.

Z.B. mit einer seriösen Stottertherapie, bei gut ausgebildeten, erfahrenen Therapeuten. Da kannst du z.B. lernen dein Stottern so zu verändern, dass du "leichter stotterst" und/oder generell seltener und so, dass es weniger auffällt und dich vor allem nicht mehr so belastet und einschränkt. Auch an deiner inneren Haltung/Einstellung zum Stottern kann dabei gearbeitet werden. Du wirst quasi desensibilisiert, damit du dich eben zukünftig traust, trotz und mit Stottern alles das zu sagen (und zu tun), was du eigentlich tun möchtest und was du dir jetzt aktuell nur nicht zutraust. Bei einer anderen, ebenfalls anerkannten Methode lernst du eine Sprechtechnik, bei der das Stottern gar nicht auftreten kann und du lernst, diese Technik nach und nach immer besser im Alltag anzuwenden, dann hörst später auch niemand mehr, dass du überhaupt eine Technik benutzt.

Es wäre interessant zu wissen ob und wenn ja was du bereits gemacht hast mit deinem Stottern (und/oder was deine Eltern wollten, das du es als Kind machst, z.B. Logopädie). Als junger Mann, der du jetzt bist, wären es natürlich z.B. beim Logopäden ganz andere Übungen und Techniken, als als Kind.

Bitte ruf doch mal bei uns an, am besten gleich bei unserer kostenlosen Fachberatung zu Therapie & Selbsthilfe: 0221 139 1108, immer donnerstags von 17-20 Uhr und freitags von 12-14 Uhr.

Da sprichst du gleich mit einer erfahrenen Therapeutin, die dir Tipps geben kann und einen Überblick über die anerkannten Methoden. Dann kannst du auswählen, was du dir für dich vorstellen kannst anzugehen. Adressen vermitteln wir dann auch gerne bei Bedarf.

Außerdem könnte der Kontakt zu anderen Stotternden dir gut tun! Du kannst dich bei ihnen mal in Ruhe auskotzen (sie haben ja fast alle ähnliche Erlebnisse und wissen genau, worum es geht). Die anderen können dich aber auch motivieren und ermutigen und dir von ihren Erfahrungen berichten, auch im Bereich "Auswahl des Studiengangs" bzw. generell bei Berufswahl und dem ganzen "wie boxe ich mich als Stotternder durch"-Ding. Schau mal auf www.stotterer-selbsthilfegruppen.de nach. Da findest du, speziell gekennzeichnet auch die "Flow-Gruppen", die sind speziell für alle U30. Vielleicht ist ja eine Gruppe in deiner Nähe dabei, aber natürlich freuen sich auch die Gruppen Ü30 über deinen Besuch.

Es wäre jammerschade, wenn du dein Studium nicht an deinen Interessen ausrichtest sondern nur daran, wo du (zukünftig) wenig sprechen musst! Würdest du damit denn auf Dauer glücklich sein können? Übrigens steht dir ein Nachteilsausgleich beim Studium zu, der es dir ermöglicht deine mündlichen Leistungen angemessen zu erbringen und auch, dass diese fair bewertet werden können. Frag mal beim Studentenwerk nach, bei der Stelle für Studenten mit Behinderung, denn Stottern ist eine anerkannte Sprechbehinderung, daher hast du bestimmte Rechte.

Last but not least: Schau gerne auch mal auf unserer Homepage vorbei. "Wir" das ist übrigens die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS), ein gemeinnütziger Verein gegründet von stotternden Menschen für stotternde Menschen. Es gibt Hilfe, die dir geboten werden kann - nutze Sie!

Alles Gute für dich

Deine BVSS

Mach doch was was dir Spass macht. Wenn du daran glaubst du kannst das, dann mach das auch.

Wenn man stottert ist das sicherlich nicht sehr angenehm, ich kann mir gut vorstellen, dass es für dich nicht leicht ist. Nur so als Idee: Wie wäre es wenn du dir therapeutische Hilfe suchst, die dich einfach Emotional ein wenig aufbauen, dir beistehen.  

Warum man dich als Fanatiker hinstellen sollte: Sehe ich hier nicht und kann ich mir gerade nicht vorstellen, aber ein Ziel wie den klassischen 'Beenden vom Glaubenskrieg' ist doch ein nobles Ziel. Daher alles Gute dir.

Da hast Du ja eine ganze Reihe von Problemen. Eins nach dem anderen.

  • Stottern. Stottern, das ist eine meiner Kernaussagen als auf Stottern spezialisierter Logopäde, der selbst früher (bis zum 29. Lj.) schwer gestottert hat, ist eine gut behandelbare Störung. Vollständige Heilungen durch Therapie sind bei Erwachsenen zwar sehr selten, aber sehr viele Stotterer kommen mit einer guten Therapie dahin, dass sie ein ganz normales Leben führen können. Das wäre also mein erster Ratschlag: Mach eine Therapie. Es ist nicht leicht, einen fähigen Therapeuten zu finden. Wenn Du konkrete Vorschläge haben möchtest, mach mir hier zu Deinem Freund und schreib mir eine Nachricht. Setze Dich auch mit der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe in Verbindung.
  • Angststörung. Obwohl viele Stotterer als Reaktion auf das Stottern, d.h. durch die Erfahrungen, die sie mit dem Stottern gemacht haben, eine Art Sozialangst entwickeln, kann es nach Deiner Darstellung auch sein, dass die Angststörung unabhängig vom Stottern vorliegt. Auch in diesem Fall gilt: Angststörungen sind gut behandelbar. Psychotherapeuten fürchten sich vor allerhand psychischen Störungen und Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie. Angststörungen sind sozusagen ein "Heimspiel". Damit haben sie die meisten Erfolge. Also wäre auch eine Psychotherapie wegen der Angststörung eine mögliche Empfehlung.

Ich würde allerdings die Stottertherapie und die Angsttherapie nicht parallel machen, sondern hintereinander, und das aus zwei Gründen: (1) Die Angsttherapie wird leichter, für Dich und für den Psychotherapeuten, wenn Du besser sprichst und (2) können die sozialen Ängste auch schwinden, wenn Du mit besserem Sprechen bessere Kontakte mit anderen Menschen aufnehmen und pflegen kannst.

  • Studienfach. Grundsätzlich meine ich, dass jeder Stotterer das Fach studieren sollte und den Beruf ergreifen sollte, der ihm am meisten Spaß macht. Es spielt keine Rolle, ob man in dem Beruf viel oder wenig sprechen muss. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Vielleicht sprichst Du bald sehr viel besser und müsstest dann eine Umschulung machen. Ich halte es auch für ein allgemeines Rezept für Lebenserfolg: Beruflich das machen, was einem Spaß macht. Dann braucht man kein Hobby! ;-) Allerdings würde ich mir an Deiner Stelle wirklich überlegen, warum Du ausgerechnet Religionswissenschaften studieren möchtest. Ist das eine Flucht vor den Forderungen, die das Leben stellt? Was kannst Du damit beruflich anfangen? Wovon soll "der Stornstein rauchen"? Noch ein Erfolgrezept: Sorge immer dafür, dass Du etwas kannst, was andere Menschen brauchen und wofür sie bereit sind, Geld zu bezahlen.

Viel Glück wünsche ich Dir!

Hallo, Die Frage ist zwar schon etwas her, aber wie hast du denn dein Abitur gemeistert mit deinem stottern? Ich mache dieses Schuljahr auch mein Abitur und habe total Panik vor dem mündlichen. Die Schule an der ich mich angemeldet habe, hat gesagt es gibt keinen Nachteilsausgleich für eine Sprachbehinderung. Ich bin mir aber sicher, dass es so etwas gibt. Wie hast du es geschafft? LG Cinuli

Hallo Cinuli,

du hast absolut recht, es gibt definitiv den Nachteilsausgleich für Stottern, denn Stottern ist eine Sprechbehinderung!

Kennst du unser Infos dazu schon? Auf unserer Homepage haben wir dazu auch Infoblätter für die einzelnen Bundesländer veröffentlicht, da kannst du für deines mal nachschauen und die Info in der Schule geben: http://www.bvss.de/nachteilsausgleich

Sieh dir (als PDF) bitte auch mal unsere Broschüre "Meine Rechte als stotternder Schüler" an, falls du sie noch nicht kennst. Die kannst du gedruckt (kostenlos) auch bei uns bestellen und den Lehrern geben.

Du hast ein Anrecht darauf - letztlich gesichert durch das im Grundgesetz verankerte Recht auf Chancengleichheit. Bleib also am Ball. In der Broschüre usw. finden sich auch Tipps, wie der Nachteilsausgleich umgesetzt werdenn kann. Man kann von Zeitzugaben bis zum Einsatz von Laptop und Beamer (für Spontaneingaben bei Sprechblockaden) sich einiges ausdenken, was dir hilft, deine mündliche Leistung zu erbringen und den Lehrkräften hilft, dich fair zu benoten.

Alles Gute!

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Geh zu einem Logopäden :)

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