Wie können Vegetarier/Veganer behaupten,dass es schlecht ist Fleisch zu essen, wenn sich selbst "der Herr" über ein Stück gut zubereitetes Fleisch freute?

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Hallo ChristelMett,

es gibt sehr viele Bibeltexte, die das Essen von Tierfleisch erlauben (1Mo 9,3-6), in einem Fall war es sogar zwingend vorgeschrieben: Anlässlich des jährlichen Passafestes der Israeliten / Juden (4 Mo 9,13).


Wie der Bericht aus Mt 26 zeigt, hielt sich auch Jesus, der Sohn Gottes, an das Gebot seines Vaters.

Mt 26, 17 (LUT) Aber am ersten Tage der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?

18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passa feiern mit meinen Jüngern. 19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm. 20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.

21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich's? 23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.



Der Vegetarier kann seine vegetarische Einstellung und sogar seine vegane Lebensführung zwar biblisch gut begründen mit 1 Mo 1, 29-30 (LUT), indem er sagt, er kehre zur ursprünglichen, von Gott bestimmten Ernährung zurück, denn dort heißt es:

29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. 30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben.

Unklug handeln all jene, die die Bibel missbrauchen, und andere mittels der Autorität des Wortes Gottes ihre Ansicht aufzudrängen.

Du fragst mit Recht:

Warum also, wird das Konsumieren von Fleisch, von so vielen schlecht geredet?


Dazu meine Schlussfolgerung:

Jeden normalen Menschen graust es, wenn er die schrecklichen Bilder der gequälten Kreatur aus Ställen und Schlachthöfen oder beim Transport sieht, die von Tierschützern gezeigt werden. Gleich nach dem Ansehen solcher Bilder mag ich auch kein Fleisch auf dem Teller haben. Nach einer gewissen Zeit verblasst jedoch die Erinnerung; dann kann ich die Mischkost wieder mit Appetit essen.

Allerdings denke ich, dass manch einer aus der aggressiven Anti-Fleisch-Fraktion (abgekürzt: AFF); der sich ständig mit solchen Schockbildern befasst, eine so starke Aversion gegen "Fleisch" erworben haben, dass sie losplatzen, wenn das Reizwort fällt.

Grüße, kdd

Du kannst von der Bibelstelle (Genesis 18), die schon mindestens 3000 Jahre alt ist, nicht auf heutige Verhältnisse schließen.

Es geht zunächst nicht darum, ob man Fleisch isst oder ob man es nicht isst. Sondern da kann man noch viele andere Faktoren berücksichtigen.

Ein Faktor ist, wie die Tiere gehalten werden: damals war es Freilandhaltung und ohne Chemie - heute werden die meisten Tiere nicht  artgerecht gehalten, sondern ausgebeutet und als Wirtschaftsobjekt gesehen. Allerdings sind schon einige Biobauern darauf gekommen, dass ein Tier nicht eine Maschine ist, sondern vor der Schlachtung auch ein Recht hat, sein Leben zu genießen.

Ein zweiter Faktor ist die Menge Fleisch, die konsumiert wird: die früheren Generationen bis zu unseren Großeltern haben vielleicht an Sonn- und Feiertagen Fleisch gegessen, und es war für sie ein besonderer Genuss, der zur Festlichkeit des Tages beitrug. Wir Europäer und andere reiche Länder können heute dreimal täglich Fleisch essen - woanders auf der Welt ist das nicht möglich.

Unser hoher Fleischkonsum verursacht in armen Ländern auch Hunger. Das hängt damit zusammen, dass die Tiere viel Weidefläche benötigen. Und auf dieser Weidefläche kann dann kein Getreide oder Gemüse angebaut werden, um die ärmeren Menschen zu ernähren.

Die Umwelt leidet ebenso unter den Massen an Tieren, die gehalten werden. Daher gibt es inzwischen Beschränkungen für jeden Bauern, wieviele Kühe er zum Beispiel halten darf, wenn er nur wenig Land hat, um dann die Gülle zu entsorgen.

Auch in bezug auf die Gesundheit ist es förderlich, Fleisch nur in Maßen zu essen. Viele Zivilisationskrankheiten, welche durch eine einseitige luxuriöse Ernährung entstehen, gibt es in ärmeren Ländern so gar nicht.

Leider müssen sich Vegetarier meistens rechtfertigen, warum sie kein Fleisch essen. Woher das wohl kommt - ob die Fleischesser dann doch irgendwie Schuldgefühle haben? Glücklicherweise wird Fleischverzicht inzwischen gesellschaftlich immer mehr und mehr akzeptiert.

Ich wüsste nicht, was das Eine mit dem Anderen zu tun hat? Das erste mal, dass in der Bibel von göttlicher Seite aus die Erlaubnis erteilt wurde, auch Tiere als Nahrung zu verwenden, war gegenüber Noah, nach der Sintflut. Da dies expliziet erwähnt wurde, könnte man schlussfolgern, dass es vor der Sintflut nicht üblich war, Fleisch zu essen.

Aber Erlaubnis etwas zu tun und die Anweisung etwas zu tun, sind zweierlei. Es gibt in der Bibel weder das Gebot, dass Fleisch gegessen werden muss (Ausnahme das Passah-Lamm, das von Juden gegessen werden musse), noch das Verbot desselben (abgesehen von gewissen Verboten, die im mosaischen Gesetz vorhanden waren, aber für Christen keine Gültigkeit mehr haben). Das einzige noch bestehende biblische Gebot in Verbindung mit dem Essen von Fleisch, ist das Gebot, sich des Blutes zu enthalten.

Wenn sich also jemand dazu entschließt, sich vegetarisch zu ernähren, erfüllt er kein biblisches Gebot und er übertritt auch keins. Religion hat damit nichts zu tun.

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