Wie können Juristen und Anwälte unterschiedliche Ansichten in Rechtssachen haben wenn das Recht doch angeblich so klar und objektiv sein soll?

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11 Antworten

Gesetzestexte sind nicht eindeutig. Es gibt fast immer einen Interpretationsspielraum. Teilweise gibt es publizierte Texte zur Interpretation von Gesetzen. Diese Lesen auch Richter und sind davon natürlich nicht unbeeinflusst. Deshalb ist es vor Gericht oft schwer gegen langläufige Interpretationen anzugehen. Kann mir vorstellen das einige Juristen das abschreckt, bzw. das sie schon gescheitert sind.

Wenn Du Dich mal drüber schlau lesen möchtest tauch mal ein ins Versicherungsrecht. Leute die solche Interpratationsrichtlinien Veröffentlicht haben sind oft in die Geschäfte von Versicherungen Verwickelt (in welcher Art auch immer). Verklagt man ne Versicherung muss man oft gegen deren juristischen Zoo antreten, das sind sehr spezialisierte GrossKanzleien/Firmen und dann noch die gängigen Interpretationen von Gesetzen. Da ist nicht jeder Anwalt optimistisch.

Recht haben und Recht bekommen sind völlig verschiedene Dinge.


1 plus 1 oder ein gebrochenes Bein sind ja auch einfache Situationen. Wenn du einen einfachen Fall in den Rechtswissenschaften nimmst, dann werden sich auch alle Juristen einig sein. Wenn du 10 Juristen fragst ob Mord strafbar ist, dann werden dir alle 10 darauf mit ja Antworten. In der Praxis sind Fälle aber eben schwierig zu lösen, genau wie in der Mathematik gibt es verschiedene Herangehensweisen. Wenn du eine seltene Krebsart nimmst dann werden unterschiedliche Ärzte dir auch zu unterschiedlichen Therapien oder Eingriffen raten. Bei einfachen Dingen sind sich immer alle einig. Sobald es kompliziert wird (und in der Praxis geschieht das im Recht relativ schnell) gibt es verschiedene Meinungen.

Vielleicht waren die ersten beiden Anwälte an dem Fall nicht interessiert und haben sich deshalb in der Art geäußert.

Rechtsprechung fusst natürlich auf den vorgegebenen Gesetzen und klar es gibt immer mehrere Meinungen. Deshalb gibt es auch den Verteidiger und den Staatsanwalt, die beide ihre Sicht der Dinge darstellen und jedes für und wider abwägen. Daraus ergibt sich dann ein Urteil.

Wenn Du siehst, wie Gesetze in Parlamenten zustande kommen (Partei-Interessen; Geltungssucht der Parlamentarier) kannst Du nachvollziehen, dass viele Gesetze weder klar noch objektiv sind. Und wenn die Gesetze schon unklar sind, wieso soll dann die Rechtspflege klar sein? 

Wer sagt denn, dass Recht so objektiv sein soll? Das Rechtsempfinden ist per es subjektiv, Gesetze nur ein Versuch, Recht und Unrecht zu objektivieren bzw. konsistent zu machen.

Praktisch jeder Einzelfall erlaubt doch stundenlange Diskussionen was denn nun recht und brecht ist. Nimm den Anschlag auf den BVB Bus: was war das für eine Tat? Welche Sachverhalte sind erfüllt? Und noch viel mehr: was ist das richtige Strafmaß? Für mich kann die Strafe fast nicht hoch genug sein angesichts der Schwere der Tat. Das Gesetz sieht das anders

Also, warum juristischen unterschiedliche Meinungen haben, wurde ja ausreichend geklärt. Ich nominiere CurleySue2 oder whabifan für die hilfreichste Antwort.

Zusätzlich möchte ich erwähnen, dass in dem Fall, den du beschrieben hast, es nicht um Jura oder Gesetze geht. Es geht darum, ob der Anwalt denkt, dass der Aufwand für die Bearbeitung des Falles sich lohnt (man also ein gutes Ergebnis dafür bekommt).

Im Endeffekt zeigt der Vergleich ja, dass beide Parteien hätten gewinnen können und man - weil man Angst hat zu verlieren - sich in der Mitte trifft. Statt verlieren eben nur die Hälfte zu bekommen ist manchmal eben besser. Das hat nichts mit den Gesetzen zu tun, es ist nur so, dass der Sachverhalt nicht gut beweisbar ist.

Im Jurastudium beispielsweise liest man einen Sachverhalt, in welchem steht: "A schlug auf den Kopf des B, wobei er zwar hoffte, dass B nicht sterben würde, er es aber durchaus für möglich hielt." Anhand dieser Beschreibung kann man ein Ergebnis nennen. Aber in der Realität hat niemand in den Kopf des A hineinsehen können zur Tatzeit und danach kann A ja auch lügen oder nacherzählen, was ihm der Anwalt rät. Es geht also viel um Beweisbarkeit der Aussagen.

Fazit: Das Gesetz kann unterschiedlich ausgelegt werden, aber der größte Grund, dass Anwälte unterschiedliche Sachen in einem Fall erkennen, liegt daran, dass man die Beweisbarkeit der "Tatsachen" eben anders einschätzt.

drei Juristen - fünf Meinungen

vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand

...

das sind die gängigen Sprüche dazu .. 

Gesetze sind oft nicht eindeutig und müssen ausgelegt werden ...

außerdem gibt es viele Anwälte die jedes Mandant annehmen, obwoohl sie in der Sache nicht wirklich Ahnung haben ..

Gerechtigkeit ist klar und eindeutig. Demgegenüber ist das "Recht" zum erheblichen Teil lediglich eine durch Spitzfindigkeiten mehr oder weniger gebeugte Gerechtigkeit, welche in Form von Gesetzestexten hinterlegt ist.

Wäre es anders, dann gäbe es keine ständigen Gesetzesänderungen.

Für Gerichtsurteile gilt das alles sinnentsprechend.

whabifan 22.04.2017, 18:21

Gerechtigkeit ist ersteinmal subjektiv. Jeder hat eine andere Form von Gerechtigkeit. Ist es moralisch in Ordnung dass das Vergewaltigungsopfer 2 Jahre nach der Vergewaltigung dem Täter eine Kugel in den Kopf setzt. Die einen sagen ja, das ist gerecht, andere sagen nein, das ist nicht gerecht. Beide Positionen sind vertretbar. Recht ist der Versuch Gerechtigkeit sogut wie möglich objektiv darzustellen. Weil aber jeder unter Gerechtigkeit etwas anderes versteht ist das in der Praxis unmöglich. Recht ändert sich weil es sich an die Gesellschaft anpassen muss. Die Gesellschaft ändert sich, genau wie das Umfeld. Vor 100 Jahren hat man das Internet nicht rechtlich reglementieren müssen, weil es das Internet noch nicht gab.

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Dxmklvw 22.04.2017, 18:24
@whabifan

Subjektiv ist Gerechtigkeit nur für diejenigen, die Gerechtigkeit nie richtig verstanden haben und deshalb Begehrlichkeitsüberlegungen mit Gerechtigkeit verwechseln.

Dummerweise (das ist meine Meinung dazu) betrifft das aber mehr oder weniger alle Menschen.

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whabifan 22.04.2017, 18:31
@Dxmklvw

Was muss man denn tun um Gerechtigkeit richtig zu verstehen?

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Dxmklvw 22.04.2017, 18:33
@whabifan

Man muß sie tun und gewähren, um fähig zu sein, sie zu verstehen.

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Dxmklvw 22.04.2017, 18:53
@whabifan

Das bedeutet, daß man es auch emotional verstehen (verinnerlichen) muss. Es lediglich mit dem Verstand erfassen reicht nicht. Man weiß so lange nicht, wie sich gerechtes Verhalten anfühlt, wie man sie nicht tut bzw. nicht gewährt hat.

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whabifan 22.04.2017, 19:35
@Dxmklvw

Das heisst Gerechtigkeit ist objektiv weil sie von Emotionen abhängig ist? Gibt es was subjektiveres als Emotionen?!

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Dxmklvw 22.04.2017, 19:59
@whabifan

Denke mal an die Negativform. Wie objektiv ist es, wenn jemand präzise darlegen sollte, wie es ist, wenn man sich mit einem Hammer auf den Daumen schlägt? Könnte das jemand wirklich objektiv beschreiben, ohne selbst erlebt zu haben, wie es sich anfühlt?

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Ganz einfach:

Der erste Anwalt war ehrlich, der letzte wollte Geld verdienen.

dann lies mal ein bißchen  in den "Gesetzesbüchern" und den Kommentaren ....

und dann stellst du die Frage nochmal

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