Wie kann Papiervermögen vernichtet werden?

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4 Antworten

Ob Geld, Konten, Aktien oder Schuldpapiere wie Kredite: Alle sind letztlich reine Rechtsverhältnisse. Partner A verspricht Partner B eine Leistung. Bei Geld gilt der Rechtsgrundsatz, dass Waren gegen den Nennwert des Geldes umgetauscht werden müssen. Das Geld der Zentralbank selbst ist eine Forderung gegen das Land und seine Bevölkerung, dessen Zentralbank das Geld ausgibt. Konten sind ein Guthaben gegenüber der Bank, also ein Rechtsverhältnis, bei dem die Bank Schuldner ist. Umgekehrt ist es beim Kredit von einer Bank. Dann weist das Rechtsverhältnis die Bank als Gläubiger aus und den Partner als Schuldner. Auch Aktien oder Staatsschuldpapiere sind Rechtsverhältnisse mit speziellen Ausgestaltungen, bei denen grundsätzlich eine Aktiengesellschaft Beteiligung am Vermögen einräumt oder eine Regierung rechtsverbindlich auch für nachfolgende Regierungen rechtlich ein Verhältnis eingeht, dass sie nach Ablauf der Zeit den Nennwert des Schuldpapiers auszahlt plus die zugesagten Zinsen. Allen gemeinsam ist, dass sie rechtsverbindliche Versprechen sind.

Jetzt ist das mit Versprechen auf die Zukunft so eine Sache. Dass sie nicht immer eingehalten werden können macht bei vielen Formen das Risiko aus. Wenn ein Schuldner seine Schulden nicht bezahlen kann, sein Versprechen nicht einhalten kann, verfällt der als Vermögen gehaltene Schuldschein. Demjenigen, der letztlich den Schuldtitel als Vermögen hält, platzt dann seine Forderung und er kann nur versuchen, den Rechtsanspruch einzuklagen. Nur, wo nichts ist, kann auch nichts geholt werden. In der Subprime-Krise sind Immobilien ohne ausreichende Sicherung auf Kreditbasis finanziert worden. Dadurch verführt wurden überhöhte Preise finanziert und als die Immobilienblase in sich zusammenbrach, waren alle trickreich und phantasievoll ausgestalteten Forderungen, die letztlich auf den Werten der überschätzten Immobilien beruhten, das Papier nicht mehr wert, auf denen sie gedruckt waren. Wer solche Forderungen als Vermögen hielt, dem löste sich dieser Teil seines Vermögens in Luft auf, weil am anderen Ende, dem zusammenbrechenden Immobilienmarkt in den USA nichts mehr zu holen war. In Not gerieten die Banken, die die Kredite ohne ausreichende Sicherung vergeben hatten, weil auch sie die Forderungen der Vermögenshalter nicht mehr bedienen konnten.

Bei der Dotcom-Blase war eine andere Vermögensform - die Aktien - im Zentrum. Da wurden neue Unternehmen und deren Aktien total überbewertet und wer sich als Aktienbesitzer eines solchen neuen Unternehmens als vermögend betrachtete, musste feststellen, dass die Bewertung des gesamten Marktes als Überschätzung zusammenbrach und damit der Wert der Aktien ins Bodenlose fiel. Eigentlich ist die Börse dazu da, Unternehmen realistisch einzuschätzen und ihnen auf realistischer Basis per Anteilsschein Aktie die Risikofinanzierung zu sichern. Als Gegenwert und Anteilsschein am Unternehmen hält man für die Finanzierung die Aktie. Die Aktien werden an der Börse bewertet und durch totale Überschätzung des Neuen Marktes schossen die Werte der Aktien in die Höhe. Wenn z.B. ein Unternehmen real nur 100.000 € wert ist, dann ist die Aktie von 50,- € Nennwert bei einer Ausgabe von 2000 Stk. ein realistisches Gegenstück zu diesem Firmenwert. Wird aber die Aktien im Handel hochgejubelt und jemand zahlt für eine 50,- € Aktien 500,- €, dann hat er diesen Vermögenswert nur, solange jemand bereit ist, ihm diese Aktie auch für 500,- € wieder abzunehmen oder für mehr, dann macht er Gewinn. Wenn aber jemand 100 Aktien zum Nennwert von 50,- € hält, für die er 500,- € zu zahlen bereit war, dann hat er kurzfristig ein Vermögen von 50.000,- €. Platzt die Überbewertung und mit einem mal bekommt man für die 50,-€ Aktie nur noch 10,- €, dann hat man einen Vermögensverlust von 49.000,- € weil jetzt der Aktienbestand von 100 Aktien zu 10,- € nur noch läppische 1.000,- € wert ist.

Aktien oder Schuldscheine wie Kredite oder Pfandbriefe usw. nennt man Papiervermögen, weil die Rechtsverbindlichkeit auf einem Papier als Dokument festgehalten ist.

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Kommentar von palzbu
21.04.2016, 08:27

Gut erklärt. Um es einfacher zu sagen. Wenn ich dir heute einen
Hunderter schenke, kannst du z.B. 100 Liter Diesel zu 1,00 Euro kaufen. Steigt der Preis des Diesel auf 2,00 Euro, bekommst du für den Hunderter nur noch 50 Liter Diesel. Der WERT des Hunderter hat sich halbiert. Die Hälfte des WERTES ist also vernichtet. Bei den Aktien (also Papiervermögen) ist es genau so.

Die Finanzwelt ist kompliziert und soll es auch sein, damit
nicht jeder alles versteht. Henry Ford (Autos) soll gesagt haben: „Wenn die Menschen die Finanzwelt durchblicken würden, hätten wir morgen Revolution.“   (Wohl weil der arbeitende Mensch permanent um den gerechten Lohn seiner Arbeit beschii..ss. wird.)

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Papiervermögen in dem Sinn sind die Teile des Vermögens, die nicht durch Sachwerte gesichert sind.

z.B. haben Aktien wie die von Google, Facebook, Microsoft, einen höheren kurs, als es durch Sachwerte, (Gebäude, Betriebanlagen) unterleget ist. der Rest beruht nur darauf, dass es Gewinnerwartungen gibt.

Die Aktien von VW, oder BMW sind natürlich im Gegensatz dazu, zu einem weit höheren Wert mit Anlagen unterlegt.

Bei Krisen fallen diese Werte natürlich schneller als die der Sachwerte.

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ganz einfach indem (materielle) Güter die als Wertanlage dienen oder Wertpapiere nicht mehr den Wert haben den sie zuvor hatten, z.B. ein Haus oder auch Aktien

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Durch einen Brand?

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Kommentar von berkersheim
21.04.2016, 09:58

Gar nicht mal so falsch. Nehmen wir statt Brand die umfassenden Zerstörungen in einem Krieg. Gültige Rechtsverhältnisse beruhen darauf, dass es dazu entsprechende Dokumente gibt. Werden diese Dokumente aus Papier vernichet, kann niemand mehr seine Rechtsansprüche belegen, wenn ihnen widersprochen wird. Das lässt das Herz der Juristen höher schlagen, aber die Bedeutung der Rechtsprechung als eine der ältesten Herrschergewalten beruht darauf, dass alle geordneten gesellschaftlichen Beziehungen auf gegenseitigen Rechtsverhältnissen beruhen, auch das Finanzwesen.

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