Wie kann man zum Buddhismus konvertieren oder wie kann man das werden?

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6 Antworten

Ich bin Buddhist der Soto-Zen-Tradition und helfe dir gerne weiter. :-)

Vorab

Da der Buddhismus viele unterschiedliche Traditionslinien und Lehrrichtungen hat, solltest du dir als erstes ein gutes Grundlagenwissen aneignen.

Man ist letztlich niemals nur "Buddhist", sondern folgt einer bestimmten Lehre, denn genau wie im Christentum gibt es auch im Buddhismus Unterschiede.

Dann kannst du auch für dich selbst die Tradition des Buddhismus finden,
die deinen persönlichen Bedürfnissen am besten entspricht.

Wenn du aber beispielsweise nur buddhistische Meditation erlernen und praktizieren willst, musst du dafür übrigens kein Buddhist werden.

Rechtlich

Da der Buddhismus in Deutschland nicht als Religion im Sinne einer "Körperschaft des öffentlichen Rechts" anerkannt ist, wäre es juristisch egal.

Dein buddhistisches Bekenntnis findet sich in keinen offizillen Dokumenten. Dort wirst du höchstens unter "Sonstige" geführt.

Persönlich

Meiner Ansicht nach ist ein Buddhist jemand, der in seinem Leben der Lehre des Buddha folgt und auch buddhistische Praxis übt.

Buddhist zu sein ist somit eine Frage der persönlichen Verantwortung, die zB durch die fünf Sittlichkeitsgelübde (Panchasila) formuliert werden.

Der Kontakt zu einer buddhistischen Gruppe der Tradition, der man sich verbunden fühlt, empfiehlt sich aber praktisch immer.

Traditionell

Einige Menschen wollen jedoch im Rahmen einer religiösen Zeremonie die so genannte "Zufluchtnahme" zum Buddhismus vollziehen.

Dafür muss man jedoch zunächst Teil einer buddhistischen Gemeinschaft werden und gemeinsam mit ihr unter Aufsicht eines Lehrers praktizieren.

Wann der Wunsch nach dieser Zeremonie bewilligt wird und wie sie genau abläuft, unterscheidet sich in den verschiedenen Gruppen.

Bei uns im Soto-Zen muss man traditionelerweise mindestens zwei Jahre bei einem Lehrer geübt haben, bevor die Zeremonie stattfindet.

Je nachdem zu welcher Tradition man gehört, erhält man dann  bei der Zeremonie beispielsweise auch einen buddhistischen "Dharma-Namen".

Fazit

Informiere dich über die Grundlagen des Buddhismus, finde jene Linie, deren Lehre dir schlüssig erscheint und der du vertraust.

Suche dann idealerweise Kontakt zu einer buddhistischen Gruppe dieser Linie, da dir dort auch Kenntnisse zur Meditation vermittelt werden.

Ob du dann tatsächlich formell ein Teil der religiösen Gemeinschaft der Buddhisten werden willst, oder lieber ungebunden der Lehre folgst, liegt bei dir.

Ich hoffe ein paar Antworten gegeben zu haben. Sollte noch etwas unklar sein, werde ich gerne versuchen zu helfen.

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Enzylexikon 10.10.2017, 17:59

Ergänzung

Man sollte vor allem die eigene Motivation hinterfragen, weshalb man überhaupt meint, Buddhist werden zu wollen.

Viele Menschen beschäftigen sich nicht richtig mit dem Thema und wundern sich dann, dass der Buddhismus so "fremdartig" ist.

Im Buddhismus gibt es keinen Gott, keinen Propheten, keine göttlichen Gebote, keine Sünden und keine Bestrafung der Sünden.

Das bedeutet aber auch, dass es keine göttliche Vergebung gibt.

Jeder deiner Gedanken, Worte und Handlungen hat eine Konsequenz, die sich auch auf dich selbst auswirken kann.

Da gibt es keinen Gott, den man um Gnade bitten kann - man muss mit den Konsequenzen seines Handelns selbst klar kommen.

Das ist beispielsweise ein Punkt, der vielen "Budhismus-Fans" nicht bewusst ist, wenn sie beschließen, Buddhisten zu werden.

Ein anderer, oft unterschätzter Punkt, ist die Grundlehre des Buddhismus "Das Leben ist leidvoll/unbefriedigend".

Das klingt nicht so toll, wie die Versprechungen anderer Religionen, nun "errettet" zu sein, oder von Gott gesegnet zu sein..

Der Buddhismus lehrt, dass jeder Versuch dauerhaftes Glück und Zufriedenheit zu erlangen, letztlich scheitern wird, weil wir an unserem "Ich" haften.

Das bedeutet, dass man nur dann "Frieden" finden kann, wenn man diesen Dualismus zwischen "Ich" und "Anderen" überwinden kann.

Diese Vorstellung, die eigenen liebgewonnenen Denk- und Verhaltensmuster loszulassen, ist nicht für jeden angenehm.

Also ist auch das ein Grund, weshalb man erst einmal gutes Grundlagenwissen braucht, bevor man irgendetwas unüberlegtes macht.

Es gibt schon genug "Buddhisten", die in asiatischer Exotik hängen geblieben sind und kein echtes Verständnis entwickelt haben.

Also überlege dir gut, was du tatsächlich willst, und informiere dich.

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Mahakaruna 10.10.2017, 19:38
@Enzylexikon

Sehr gut beobachtet, allerdings ist der Buddhismus dennoch keine "negative" Lehre, zwar steht hier das Leiden, Unbefriedigtsein (Dukkha) im Mittelpunkt der Beobachtung, letztlich hat der Buddha ja aber gelehrt wie man aus dem Leiden herauskommt, also eine Heilslehre gepredigt.

Wenn man das allerdings falsch versteht kann das zu Depressionen führen.

Du hast schon sehr recht das der radikale Ansatz des Buddhismus nichts für jeden ist.

Das wissen die Buddhisten natürlich ebenfalls und lehren ja (analog zum Hinduismus) das es verschiedene legitime Wege für verschiedene Menschen gibt.

Gruß

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Da musst du dich mal mit dem Buddhismus auseinander setzen u mit den ganzen Glaubensrichtungen des Buddhismus, welches Dir am nächsten liegt u mit welchem Du dich indendifizieren kannst.

Buddhismus ist nämlich nicht gleich Buddhismus.

Es gibt in manchen städten auch Tempel bei denen du vorsprechen kannst u einen Lehrer bekommst der dich auf den unterschiedlichen stufen zum Glauben heran führt.

Am besten kaufst dir Bücher über das Zen u informierst dich.

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Für welchen Buddhismus interessierst Du Dich denn? Weil da gibt es verschiedene Richtungen.

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NewKemroy 10.10.2017, 17:32

Wie kommst Du drauf? Hast Du irgendwo Bilder aus Thailand, Tibet oder Japan gesehen? Oder etwas gelesen?

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Maldyolo 10.10.2017, 20:40

Hab mich sehr mit Meditation beschäftigt dann auf Buddhismus gekommen

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NewKemroy 10.10.2017, 21:45
@Maldyolo

Hm. Ich hatte gedacht heraus zu erkennen, wo es dich hinzieht. Aber Meditation gibt's natürlich bei allen buddhistischen Richtungen.

Der tibetische Buddhismus ist z.B. sehr kultig. Da meditiert man glaub ich z.B. auf einen Medizinbuddha oder auf einen großen Lehrer. Hier wird man viel an die Hand genommen und angeleitet. Allerdings sehen viele manche Verhaltensweisen der Vereine oder Veranstalter auch als sehr kritisch, weil unbuddhistisch.

Der Theravada-Buddhismus ist sehr systematisch, technisch, logisch, ja zum Teil wissenschaftlich. Man meditiert dort sehr intensiv auf sogenannten Retreats. Das sind Veranstaltungen wo man sich z.B. 14 Tage zurückzieht, um täglich 10 Stunden zu meditieren. Darüber hinaus meditiert man zu Hause meist nur ein Wenig und studiert in den alten Schriften und überlieferten Lehrreden.

Im Zen-Buddhismus gibts eher nix zu lesen. Da wird auch nix erklärt, sondern die Meditierenden eher vor den Kopf geschlagen. Er ist daher eher unsystematisch und spontan. Hier wird sehr auf eine akkurate Sitzhaltung bei der Meditation geachtet. Ansonsten hat ja Enzylexikon schon einiges zum Zen-Buddhismus geschrieben.

Das sind die drei größten Richtungen. Es gibt aber noch viele andere. 

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Buddhismus ist keine Religion, sondern eine Philosophie, der gehören Menschen aus verschiedenen Religionen an.

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ArbeitsFreude 12.10.2017, 15:27

Stimmt nicht in allen Fällen, werte UmmSalima:

Es gibt durchaus buddhistische Richtungen (wie bspw. die Nichiren-Buddhisten), die Ihre Philosophie durchaus als Religion ansehen!

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