Wie kann man jemandem helfen, der nach der Schwangerschaft depressiv zu sein scheint?

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5 Antworten

Wenn deine Tochter zum ersten Mal Mutter geworden ist, kann eine unbewußte Schwermut aus Wehmut entstehen. Durch die Geburt wurde deine Tochter als "Mutter" geboren, dafür ist ihr bisheriges Leben als "Nichtmutter" aber beendet. Der Zustand einer Mutter ist eine komplette Umstellung des gesamten Lebens, das kann schon etwas depremieren. Alles muß nun umgedacht, umorganisiert und alles auf das Kind zentriert werden, während die Mutter als Mensch aus Rücksicht auf ihr Kind ihr eigenes Leben einschränkt. Sie tut es gern, aber tief im Inneren der Mutter ballt sich stiller Zorn, weswegen man sich insgeheim auch noch schämt. Man sitzt quasi zwischen zwei Stühlen. Du kannst deine Tochter nur damit helfen, daß du sie bestärkst, jeden Tag wird es besser und besser, jeden Tag wird das Kind größer und immer selbständiger werden, alles findet seine Regelung zur gegebenen Zeit, nichts überstürzen, nichts übereilen, alles geht seinen Weg und bis dahin soll sie jede Minute genießen und die verdrießlichen Gedanken mit einem herzerfrischenden "Rutscht mir mal den Buckel runter" zum Teufel jagen. Nicht den trüben Gedanken folgen, an deren Stelle sich der guten Dinge erinnern und daran denken. Sollten die Depressionen jedoch pathologisch bedingt sein, kann nur der Arzt der helfen, falls bei der Hormonumstellung evtl. Medikamente notwendig sind. Alles Gute und toi toi toi.

Wenn Du mit Deiner Tochter über dieses Problem reden kannst, wird sie sich sicherlich auch bereits mitgeteilt, worin sie das Problem sieht.

Ich versuche einmal meine Zeit nach der Schwangerschaft zu beschreiben, vielleicht kannst Du daraus erkennen, was ggf. auf Deine Tochter zutrifft und dementsprechend helfen.

Von Anfang an habe ich nicht gestillt. Für mich war es klar, dass ich weiterhin meinem Halbtags-Job nachgehe.

Nach der Geburt im Krankenhaus war noch alles in Ordnung. Meine Krise hat zuhause angefangen. Mit 42 hatte ich es doch noch geschafft, Mutter zu werden. Einerseits war ich überglücklich, doch aber auch total gefrustet. Dieser 4-Std.-Rhytmus machte mich wahnsinnig. Soll es das etwa jetzt gewesen sein, fragte ich mich oftmals. Flasche geben, Pampers wechseln und auf die nächste Aktion warten. Wo blieb ich bei der ganzen Sache? Hatte ich kein Anrecht mehr auf Schlaf? Den Haushalt schaffte ich nicht mehr, die Wäsche (ungewaschen als auch gewaschen) türmte sich zu Bergen. Aus Zeitmangel gab es fast nur noch aus der Truhe - alles Fertiggerichte. Ich musste wirklich lernen, mein Leben mit Kind neu zu ordnen. Als mein Kleiner dann mit etwa 6 Wochen anfing, durchzuschlafen, bekam ich endlich auch wieder meine Nachtruhe und ich wurde etwas ausgeglichener. Ab der 9ten Woche ging ich dann wieder arbeiten. Mein Kleiner war dann beim Babysitter. Aber meine Zeit minimierte sich wieder. Alle anderen Arbeiten mussten ja auch erledigt werden. Irgendwann, bei mir war mal wieder Krisenstimmung, habe ich meinem Mann dann ganz klar und deutlich erklärt, dass die Arbeit an dem Kleinen aus nicht nur 5 Minuten Spass bestanden hätte. Zwar etwas widerwillig, aber er akzeptierte. Mal mehr und mal weniger. Unser Problem war die Schwiegermutter. Sie redete meinem Mann ein, dass eine Mutter gefälligst zu Hause beim Kind bleiben müsse, denn schließlich wäre Kindererziehung Frauensache. Es gab reichlich Diskussionen über dieses Thema. Seit dem ich meinem Mann gedroht habe, samt Kind auszuziehen, funktioniert es. Er kümmert sich um den Kleinen (mittlerweile 3) und ich habe nach der Arbeit auch mal 1 Stündchen für mich. Ich habe mittlerweile alles unter einen Hut bekommen und wenn es ganz eng wird übernimmt der Babysitter auch einmal den Kleinen.

Versuche Deiner Tochter zu erklären, dass "Mamis" nicht alles schaffen. Aber ganz toll, dass Du ihr zur Seite stehst. Ich wünsche ihr alles Gute!

während schwangerschaft und stillzeit ist man im allgemeinen sehr empfindlich und leicht weinerlich, durch die hormonelle situation. vielleicht fällt ihr die umstellung auf die neue situation doch schwerer als sie dachte und sie braucht länger, sich darauf einzustellen. sollten die depressionen allerdings so arg werden, dass das kind/die umgebung beeinträchtigt ist, würde ich zu professioneller hilfe raten.

Man muss in diesem Fall den "Baby Blues" von einer waschechten "Postnatalen Depression" unterscheiden. Den Baby Blues haben viele Mütter nach der Geburt, er verschwindet aber von selbst nach einigen Wochen. Die Postnatale Depression ist schwerwiegender - und sie geht nicht von selbst wieder weg. Du kannst deine Tochter dann zwar unterstützen, aber Hilfe muss von professioneller Seite kommen.

Hier steht, so glaube ich, alles, was du wissen solltest: http://www.babycenter.de/baby/mutter/postnatale_depression

Wenn sie schon seit einem halben Jahr in einer depressiven Phase ist und da auch mit deiner Hilfe nicht rauskommt, dann sollte sie sich dem Frauenarzt anvertrauen, der kann ihr sicher weiterhelfen. Vielleicht hilft es ihr auch, sich einer Gruppe junger Mütter (Krabbelgruppe, Stillgruppe,Mutter-Kind-Turnen usw.) anzuschließen. Als junge Mutter neigt man schon auch dazu sich verrückt zu machen, weil dieses und jenes nicht so klappt wie man es sich vorgestellt hat. Schön, dass sie dich hat!

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