Wie kann man Gifte in Stoffklassen unterteilen?

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3 Antworten

Hi, Gifte Stoffklasse/Herkunft--->Beispiele 

pflanzliche Gifte: Pseudoalkaloide/echte Alkaloide--->z.B. "Coniin" Gift des gefleckten Schierlings, davon trank Sokrates 399 v.Chr. und starb daran "Schierlingsbecher". "Atropin" (Alkaloid) wird gebildet in der Tollkirsche Atropa belladonna. Ab 1/2 Gramm Tod durch Atemlähmung. Beim Augenarzt in geringer Menge zum Weitstellen der Pupillen, damit er besser durchgucken kann. Daher auch der Name: belladonna "schöne Frau", eine Frau mit großen Pupillen galt zur Zeit der Namensgebung als schön. Solche Gifte werden in Pflanzen produziert. Bei Alkaloiden wirst du reichlich fündig. Nicotin (Tabak), Kokain u.s.w. Das sind stickstoffhaltige alkalische Verbindungen des pflanzlichen Sekundärstoffwechsels (werden nicht für den lebensnotwendigen Stoffwechsel benötigt), sondern produziert und in den Zellen eingelagert, z.B. gegen Fraßfeinde.

Pilzgifte--->z.B. "Aflatoxin" Gift des Schimmelpilzes Aspergillus flavus, ein starkes Gift. Solche Gifte werden in Pilzen produziert oder z.B. "Amatoxine" Gifte des grünen Knollenblätterpilzes, führen bei Verzehr zur irreversiblen Auflösung der Leber und somit zum Tod. Ergomanin: Alkaloid aus Pilz "Mutterkorn" (Claviceps purpurea). Befällt parasitisch Getreideähren (schwarze Körner), wanderte früher im Mittelalter oft versehentlich mit ins Brot, nach Verzehr führte es zu Erkrankungen (Ergotismus), vermutlich auch zu Verhaltensauffälligkeiten "Tanzwut" ("Veitstanz") oder je nach Dosis zum Tod. Die Molekülbasis der Mutterkornalkaloide ist die Lysergsäure, diese wiederum ist die Basis der Droge "LSD" (Lysergsäurediethylamid).

tierische Gifte---> Alkaloidabkömmling "Tetrodotoxin" (TTX) bildet der Kugelfisch, der in Japan als Delikatesse gilt. Der Koch benötigt eine mehrjährige Sonderausbildung, um die nicht giftigen Körperteile für Gäste zubereiten zu dürfen. Zählt zu den stärksten Giften, die derzeit bekannt sind, eine Gabe von ca. 1 Milligramm wäre bereits für eine Person tödlich.

Bakteriengifte---> Neurotoxine: Proteinkomplex---> Botulinumtoxin ("Botox") wird von in Teichen lebenden Bakterien produziert (Chlostridium botulinum). Solche Gifte werden in Bakterien hergestellt und gezielt nach außen (durch die Zellwand) abgesondert (Exotoxine).

gasförmige Gifte--->z.B. Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei Verbrennung von Holz, Gas, Öl etc. ist gasförmig, geruchs- und geschmacklos und kommt zur Wirkung durch einatmen, indem es die Bindungsstellen an den roten Blutkörperchen, die für den Sauerstoff vorgesehen sind besetzt hält. Daher ist es ab einem bestimmten Grad tödlich, den man selbst nicht mehr bemerkt. Somit lohnt ein CO-Melder in der Nähe von Heizungen, ggf. Lebensretter, er piept bereits bei Konzentrationen, die noch nicht tödlich aber bedenklich sind. Dieses Jahr schon viele Unfälle wegen CO in den Medien.

Schädlingsbekämpfungsmittel ("Pestizide")--->Insektizide (gegen Insekten): Posphorsäureesther: Disulfoton: gegen saugende und Fraßinsekten auf Kartoffeln, Erdnüsse, Mais etc. --->Herbizide: z.B. Salze und organische Verbindungen der Phosphonsäure ("Phosphonate"): Glyphosat. Damit hält man z.B. Felder frei von Bewuchs, während spezielle Sorten die dort angebaut sind, gegen Glyphosat resistent sind (und überleben bzw. geerntet werden können) Bsp. Südamerika, aber Verwendung weltweit, auch bei uns (Deutschland: ca. 6.000 Tonnen pro Jahr)

Kampfstoffe: --->z.B. chlorierte stickstoff- oder schwefelhaltige Verbindungen ("Loste"): chlorierte Thioether: "Schwefellost" ("Senfgas"): Kampfmittel aus dem 1. WK führt, starke Hautdurchlässigkeit, führt an der Hautoberfläche zu Verbrennungen und Verätzungen, über Inhalation auch der Bronchien und Lunge. Liste 1: Chemiewaffenkonvention. Entwicklung, Herstellung, Besitz, Weitergabe oder Einsatz (theoretisch) verboten.

CliffBaxter 29.06.2017, 18:30

Korrektur: "Ergotamin" ist das Alkaloid des Mutterkorns.

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Chemische Stoffe gehören zu Stoffklassen, ganz unabhängig davon, ob sie giftig sind oder nicht. Diese Stoffklassen unterscheiden sich darin, ob es sich um anorganische oder organische Substanzen handelt, welche Arten von Bindungen zwischen den Atomen vorkommen und welche funktionellen Gruppen vorkommen.

Zu den anorganischen Giften gehören z.B. die Schwermetalle.

Organische Stoffklassen sind:

- bei Einteilung nach funktionellen Gruppen: Alkane, Alkene, Alkine, Alkohole, Aldehyde, Ketone, Carbonsäuren;

- bei Einteilung nach der Verteilung der pi-Elektronen: Aliphaten und Aromaten

- bei den Bio-Makromolekülen: Lipide (Fette u.ä.), Proteine, Polysaccharide, Nucleinsäuren u.a.

Viele Gifte findet man in der Substanzgruppe der Alkaloide, das sind stickstoffhaltige organische Verbindungen.

Man kann Gifte anhand ihrer Funktionsweise unterteilen. Manche blockieren zum Beispiel die ausschüttung von Neurotransmittern, was zur Lähmung führt. Andere sorgen für eine immer wiederkehrende Entstehung von Aktionspotentialen, was z.B. Muskelkrämpfe auslöst.

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