Wie kann man Flugzeuge abschießen, die unter dem Radar fliegen?

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7 Antworten

Nun, jedes technische System kann durch Technik oder menschliche Intelligenz überlistet werden. 

Auch ein tieffliegendes Flugzeug muss irgendwann hochziehen, um über ein Bergkuppe hinwegzukommen oder sich in eine Position für einen Luft-Boden-Angriff zu bringen. 

Es ist ja in der Realität eben nicht so wie in Computerspielen oder US-Filmen, dass der Flieger vom Start weg und bis zum Ziel tief fliegt oder fliegen kann. Kraftstoffvorrat, Luftwiderstand durch die außenliegende Bewaffnung, die benötigte bzw. von den Stäben geforderte Zeit bis zur TOT (Time Over Target) usw. setzen Grenzen. 

Und im Spannungs- oder Kriegsfall ist der Verteidiger ja nicht so blöd und legt sich schlafen. Man kann die Aufklärung des Gegners auch durch Falschmeldungen oder getürkte Bilder oder Attrappen in die Irre führen. 

Außerdem, wenn Du z. B. Deutschland nimmst, gibt es hier eine mehrfache Abdeckung durch militärisches und ziviles Radar und seit den Siebziger Jahen arbeiten zivile und militärische Flugsicherung zusammen. Da ist es für ein Flugzeug praktisch unmöglich, unentdeckt zu bleiben. 

Zusätzlich gibt es ja noch eine Defensivwaffe; die fliegenden Radarstationen in Form der E-3A AWACS bzw. deren modernisierte Ergänzungen und Nachfolgesysteme. Da wird einfach aus 8 km Höhe nach unten geschaut und auch ein Stealth-Bomber hat es da schwer, weil die AWACS mit unterschiedlichen Leistungen und auf unterschiedlichen Frequenzen arbeiten kann - wie ein Bodenradar auch. Kein Stealth-Bomber ist gegen alle Frequenzen geschützt und damit völlig unsichtbar, nur die Erfassung wird erschwert. Gegen die fliegenden Teppiche der Kameltreiber ist der Bomber natürlich klar im Vorteil, aber das muss nicht so bleiben. 

Und auch eine optische Erfassung ist denkbar und könnte zumindest unterstützend wirken, wenn sie richtig angelegt ist. Dann ist auch ein Stealth-Flieger machtlos. Nur die großflächige Erfassung ist noch nicht so weit die durch Radar, aber man könnte ja schon die Grenzen oder den Horizont abscannen. An solchen Systemen wird wohl gearbeitet. 

1."Unterm Radar fliegen" ist nicht gleich unterm Radar fliegen.Meist meint man damit das Fliegen unterhalb der ersfassbaren Höhe für grossen stationäre Radaranlagen. Das schliesst aber nicht die Möglichkeit der Ortung duch kleinere Mobile Einheiten aus. So wie es natürlich auch nutzlos gegen sich in der Luft befindliche Radare ist, ob es andere kleinere Maschinen sind oder AWACS.

2.Desweitern gibt es andere Ortungsmethoden als Radar. Schon ältere sowjetische Systeme waren genau aus dem Grund der Tieffliegerei zusätzlich mit optischen Ortungs- und Zielsystemen ausgestattet. Sie funktionieren natürlich nur auf kürzere Entfernungen aber das ist genau der Bereich wo das Radar versagt. Das Ziel wird praktisch mit einem guten Teleskop erfasst und mit einem Laser statt dem Radarstrahl angestrahlt für die Ermittlung der Zieldaten und Zielführung. Um das Sichtfeld vor allem gegen tieffliegende Ziele zu erweitern wird die Ortungsausrüstung auf einem hohen Mast ausgefahren. Das verbessert die Sicht erheblich und macht auch tieffliegende Ziele angreifbar. Auch moderne mobile Luftabwehranlagen fahren die Radarantenne auf einem Mast aus(Siehe Bild). Das macht z.B. der S-400 auf dem Bild möglich Ziele in Höhen ab 5m zu orten und anzugreifen.

Das heisst einerseits sind die Zeiten des "unter dem Radar fliegen" vorbei wenn man gegen eine ordentlich gestaffelte moderne Luftabwehr antritt. Andererseits 2 Beispiele aus der wirklichen Wirklichkeit.

1986 haben die friedlibenden USA Libyen mal wieder bombradiert. Der Angriff fand genau nach dem Muster statt. F-111 Bomber flogen in 50m Höhe die Angriffe, während Radaranlagen mit Antiradarraketen angegriffen wurden und massiv mit elektronischen Gegenmassnahmen gestört wurden. Die Angriffe waren erfolgreich worauf sich die Libyer in der Sowjetunion beschwert haben bei ihrem Lieferanten der Luftabwehrsysteme. Die SU hat eine Komission zur Untersuchung entsandt, die erstaunliches feststellte. Die Libyer haben zwar die Luftabwehrsysteme eingekauft, es aber nicht für nötig gehalten wie vorgeschrieben das Personal auszubilden. Gleich bei der ersten berechtigten Frage ob den die besagten optischen Ortungsysteme eingesetzt wurden bzw. versagt hätten haben die Libyer gebeichtet, dass sie ihr Personal nie daran ausgebildet haben. Sie haben weder gelenrt wie man mit den Masten agiert noch wie man die Alternativortung einsetzt im Falle eben der massiven Störung der Radare und tieffliegender Ziele. Das zeigt deutlich wie die Realität auf dem Schlachtfeld aussieht. Technik allein bringt nicht den Erfolg. Mann muss auch fähige Leute an den Steuerhebeln haben.

Und nun eine relativ bekanntes Gegenbeispiel. Der Abschuss des "unsichtbaren" Tarnkappenbombers F-117 über Budanovci am 27.03.1999. Die modernste angeblich für das Radar unsichtbare F-117 wurde vone einer S-125 aus den 70ern erfolgreich geortet und abgeschossen. Und das "Geheimnis" ist sehr plump und einfach. Serbische Offiziere haben genau das gemacht was ihnen beigeracht wurde inklusive geschickter Gegenmassnahmen um nicht Opfer der Radarjäger zu werden. Hinzu kommt natürlich, dass sie zu Hause waren. Erstaunlicherweise gibt es den Heimvorteil auch im modernen Krieg. Auf ihrem Balkan kannten sie natürlich jeden "blinden" Winkel für Radare usw., denn gerade im hügeligen und bergigen Gebieten können auch moderne Ortungsysteme nicht hinter den Berg gucken.

Fazit: man kann tieffliegende Ziele orten und abschiessen. Dazu braucht man moderne Luftabwehranlagen und/oder gut geschultes Personal. Und man hat heutzutage auch in der Luft Radare und alternative Ortungsmethoden, die das Versteckspiel erschweren. Es ist immer noch sinnvoll tief zu fliegen um nun nicht jedem aufzufallen aber es wiederrum eine Top-Methode für asymmetrische Konflikte und nicht so effektiv gegen eine voll einsatzfähige moderne Luftabwehr.

S-400 - (Flugzeug, Krieg, Militär)

wenn sie sehr tief fliegen mit Steinschleuder

Mit wärmesuchenden, optisch-/lasergelenkten Raketen ist ein Abschuss möglich. Dann gibt es noch Fla-Kanonen verschiedener Kaliber.

Flugabwehrraketen nutzen ihr eigenes Radar, denen ist es egal, wie tief "der Gesuchte" fliegt...

AWACS und kleine, mobile Radaranlagen erfassen auch solche Flugzeuge.

Einfach gar nicht abschießen, lass doch die Leute mit ihren Flugzeugen fliegen. Was tun die denn schon? 

#MakePeaceNotWar

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