Wie kann man "Faschismus" definieren?

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9 Antworten

Es ist unüblich Stalin als Faschisten zu bezeichnen. Meiner Ansicht nach ist es aber richtig.

Der Faschismus ist in Italien entstanden, wobei Mussolini als kulturelle Grundlage den Futurismus (Fortschritts- und Männlichkeitskult, Bewunderung von Macht und Gewalt) benützte. Aus dem Sozialismus entlehnte er staatliche Fürsorge, Kontrolle und Organisation der "Volksgemeinschaft", die allerdings im Gegensatz zum echten Sozialismus streng nach Korporationen bzw. Ständen getrennt war. Ganz wichtig war das Führerprinzip anstelle demokratischer Entscheidungsgremien. Nationalismus und Rassismus wurden extrem gefördert, um die aggressive Politik mit Vernichtungskriegen gegen "minderwertige" Völker (Afrikaner, Slawen) zu rechtfertigen. Zum Faschismus gehört als weiteres Element auch die enge Verbindung mit der katholischen Kirche, die mit großen Privilegien ausgestattet wurde und dafür den Faschismus unterstützte. Dieses Element war auch beim Frankismus in Spanien vorhanden, fehlte aber zur Gänze beim Nationalsozialismus in Deutschland. Der Präzision halber sollte man daher nicht einfach, wie es die Sowjetunion immer getan hat, alle rechten Diktaturen als faschistisch bezeichnen, sondern zwischen italienischem Faschismus, Austrofaschismus, Frankismus, den rechten Regierungen in der Slowakei, in Ungarn, Rumänien, Kroatien und Griechenland sowie dem deutschen Nationalsozialismus unterscheiden. 

Faschismus kommt von "fascio" (italienisch für Garbe), denn er beruht auf dem Gedanken: "einen einzelnen Zweig kann man brechen, aber eine ganze Garbe von Zweigen nicht". d.h der einzelne ist wenig wert, das Kollektiv viel.

Im Gegensatz zum Kommunismus waren die Faschisten dafür, dass jeder sein Geld behält, sie waren Arbeitgeberfreundlich (und eher Arbeitnehmerfeindlich).

Sie waren gegen Meinungsfreiheit und Rechte des Einzelnen, weil das Kollektiv für sie ja wichtiger war als der Einzelne.

Daher Organisierten sie auch grosse Massen-Kundgebungen mit so Kollektiv-Übungen (so ähnlich wie an der Eröffnung der Olympiade von Peking, gleicher stil).

"Vaterland" udn "Volk" war ihnen sehr wichtig, auch als abgrenzung von anderen, sie glaubten nicht an die Gleichheit aller menschen, sondern dass es "herrenmenschen" und quasi "Untermenschen" gibt. Diese werden ziemlich willkürlich definiert... Auch körperliche Unversehrtheit und Leistungsfähigkeit ist ihnen wichtig, Behinderte und Kranke waren im Prinzip auch "Untermenschen" und verdienten laut ihrer Auffassung nur bedingt Mitleid (siehe Programme der nazis, die Behinderte einfach töteten).

Kommentar von fred123123
15.03.2016, 23:13

"Im Gegensatz zum Kommunismus waren die Faschisten dafür, dass jeder
sein Geld behält, sie waren Arbeitgeberfreundlich (und eher
Arbeitnehmerfeindlich)."

Aber so ist es doch in unserem heutigen Deutschland auch? Oder hat man in Italien und Deutschland etwa keine Steuern bezahlt?

" (so ähnlich wie an der Eröffnung der Olympiade von Peking, gleicher stil)."

Hier sind wir wieder bei dem bereits angesprochenen Thema: Wo ist der wirklich große Unterschied zum Kommunismus? Denn Peking ist ja schließlich in einem kommunistischen Land.

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Gar nicht, denn Faschismus ist ein völlig inhaltsleerer Begriff. Von "Fasces" lat. für ein Rutenbündel, das ein Machtsymbol im antiken Rom darstellte, abgeleitet, daher wird was Faschismus ist oder sein soll,  vornehmlich von seinen Gegnern bestimmt, die Theorien des bzw. über den Faschismus entwickelt haben. Seit den 1920er Jahren ist eine intensive Debatte um den Faschismus als umfassenden Gattungsbegriff geführt worden, der nicht nur die von Mussolini geführte Bewegung und Diktatur erklären, sondern ähnliche Organisationen und Regimes in anderen europäischen Staaten kennzeichnen soll. Die empirische Forschung hat dabei vorrangig auf die Identifizierung von strukturellen Kernelementen des Faschismus gezielt.

Der Faschismus besitzt einen ausgeprägten Führerkult, paramilitärische Einheiten, pompöse Aufmärsche und eine sehr effektive Geheimpolizei, die das Angstpotential in der Bevölkerung hochhält.

Das DDR Regime zeigte deutliche faschistische Strukturen.

Kommentar von PeVau
16.03.2016, 11:29

Karl, das ist mal wieder dummes Zeug, was du hier schreibst. Fehlt bloß noch, dass du auf die NVA-Uniformen verweist, um deine abstruse Behauptung zu untermauern.

Inhaltliche Analyse ist nicht deine Stärke.

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Faschismus ist nationalistischer Chauvinismus. Und die Definition, die Du in der Frage anführst ist in der Tat falsch.

Die meisten bürgerlichen Definitionen begnügen sich mit der Beschreibung von Erscheinungen, die aber immer den wahren Kern des Faschismus verschleiern.

Faschismus ist eine besonders aggressive Erscheinungsform des Kapitalismus.

Er ist geprägt durch:

  • Nationalismus und damit verbundenen Rassismus (u.a. Antisemitismus). Es wird die Überlegenheit der eigenen Nation (auch „Rasse“) propagiert, die von minderwertigen Menschen (Behinderte, Homosexuelle, politisch Andersdenkende) zu befreien ist. Hinzu kommt eine völkische Blut-und-Boden-Ideologie.
  • Das Führerprinzip ist ein fester Bestandteil, da jegliche demokratische Entscheidungsfindung als ineffizient angesehen wird und als Ausdruck dekadenter Verweichlichung gilt. Ein reaktionäres und antiemanzipatorisches Frauen-, Männer- und Familienbild geht damit Hand in Hand.
  • Entschiedene Gegnerschaft zur Arbeiterbewegung und zu linken Organisationen. Auf diese Gegnerschaft gründete sich auch die großzügige finanzielle, logistische und mediale Unterstützung der NSDAP durch die deutsche Wirtschaft (Stichwort: Düsseldorfer Industrie-Club usw.)

Faschisten bedienen sich mitunter scheinbarer antikapitalistischer Rhetorik, mit der sie versuchen ihre wahren Ziele zu verschleiern. Doch stellen sie niemals die entscheidende Frage nach dem Eigentum an den Produktionsmitteln. Überall da, wo Faschisten bisher herrschten, haben sie die Gewerkschaften und andere linker Organisationen zerschlagen und so die Wünsche der Wirtschaft erfüllt.

Faschisten geben sich oft als Vertreter von „Recht und Ordnung“ aus, was besonders in Krisenzeiten oft auf fruchtbaren Boden fällt. Verbunden mit dem Nationalismus (Rassismus) wird auch eine nationale Gemeinschaft propagiert, in der die sozialen Unterschiede verwischt werden sollen, um Zusammenhalt gegen andere zu schaffen. Welche Inhalte damit aber tatsächlich verbunden sind, würde den Rahmen der Antwort sprengen.

Träger faschistischer Ideologie waren in der Vergangenheit, und sind es latent auch heute noch, in erster Linie das Kleinbürgertum (Handwerker, kl. Kaufleute, Akademiker, Angestellte) und Bauern (Arbeiter gab und gibt es auch, doch waren/sind diese unterrepräsentiert). Hinzu kommen die politisch indifferenten und sozial Deklassierten.

Scheinbare Parallelen zum Sozialismus/Kommunismus, die in der Totalitarismusdoktrin zu einer Gleichsetzung führt, würden auch den Rahmen dieser Antwort sprengen. Nur soviel sei gesagt: Die formalistische Kritik der Totalitarismusdoktrin mit Ihrer de facto Gleichsetzung des Faschismus mit dem Sozialismus/Kommunismus hält einer inhaltlichen Analyse nicht stand.

Kommentar von fred123123
15.03.2016, 23:09

Du hast jetzt auch zu 90% das Führerprinzip und den Nationalismus angesprochen. Das einzige was den Faschismus seine Eigenschaft gegeben hat, die sie von Stalins Führung der UdSSR unterschied, war also, dass sie gegen den Kommunismus waren und Stalin nicht?

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Kommentar von fred123123
15.03.2016, 23:18

"Entschiedene Gegnerschaft zur Arbeiterbewegung"

Bei einer Partei die "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" heißt???

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Faschismus ist ein von Mussolini erfunderner Begriff für seine eigene "Bewegung".

Er bezeichnet gar nichts, wird aber sowohl von den rechts- wie linksextremen gerne benutzt. Die einen bezeichnen sich selbst gerne so, die anderen verwenden ihn als Kampfbegriff gegen Rechte oder Kapitalisten.

Alle Erklärungsversuche der Wissenschaft sind letztlich an diesem undefinierbaren Sammelbegriff gescheitert, weil hier bislang keine einheitlichen Definitionen gefunden wurden, die nicht auch auf andere (eben auch auf Stalin) übertragbar gewesen wären.

Also ist es klüger die Begriffe Diktatoren, Monarchien, Totalitarismus, usw. zu verwenden, als so ein Wischiwaschi-Begriff wie Faschisten.

Der Faschismus ist nach einem Führerprinzip organisierte, undemokratische, rassistische, nationalistische Ideologie bzw. Staatsform.

Du hast vollkommen Recht, der Begriff an sich ist schwierig mit Inhalt zu füllen.

Mit wenigen Worten schon mal gar nicht, daher empfehle ich dir den entsprechenden Artikel bei wiki, solltest du ihn noch nicht gelesen haben.

Was mir daran gefällt ist, dass der Begriff dort von vielen Seiten beleuchtet wird und somit einige Hinweise enthält, was er bedeuten kann.

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