Wie kann man einen Genickbruch bei einem Unfall erkennen?

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3 Antworten

In der Notfallmedizin gilt grundsätzlich die Regel "life before limb", das Überleben des Patienten ist also das oberste Gut. Wenn der Patient wie in dem o.g. Szenario nicht mehr atmet, ist die Sache klar: Nach Absetzen des Notrufs muss mit der Herz- Druck- Massage und Beatmung begonnen werden!

Wie ich in meinem Kommentar schon geschrieben habe, ist es vollkommen nutzlos, die gebrochene Halswirbelsäule zu schonen, den Patienten aber ohne Herzaktivität liegen zu lassen. Wenn der Rettungsdienst nach frühestens 5 Minuten eintrifft und dann die Wiederbelebung beginnt, hat der Patient höchstwahrscheinlich schon irreversible Hirnschäden erlitten.

Also nochmal als pauschale Regel: Ein Patient, der nicht oder nicht normal atmet (Stichwort Schnappatmung), gehört immer wiederbelebt, wenn es die eigene Sicherheit zulässt. Alle anderen Verletzungen sind dabei für den Laienhelfer vollkommen egal!

Zu den weiterführenden Maßnahmen der ersten Hilfe bei atmenden Patienten:

  • Der Helm sollte bei Motorradfahrern nach Möglichkeit immer abgenommen werden, da sonst die Atmung und die Bewusstseinslage nicht sicher beurteilt werden können und der Patient ein höheres Risiko hat, an Erbrochenem oder Blut zu ersticken. Die Helmabnahme sollte wenn möglich zu zweit erfolgen, damit die Halswirbelsäule von vorne fixiert werden kann. 
  • Ein tief bewusstloser Patient, der auf dem Rücken liegt, sollte vorsichtig in die stabile Seitenlage gedreht werden. Dabei führt idealerweise ein zweiter Helfer den Kopf, so dass die Wirbelsäule in einer geraden Linie bleibt. Es gilt dabei wieder: Life before limb. Ein Patient, der in Rückenlage an seiner Zunge oder Erbrochenem erstickt, hat nichts davon, dass der Helfer Sorge um die Wirbelsäule hatte. 
  • Wenn der Patient bei Bewusstsein ist oder ein gutes Atemgeräusch zu vernehmen ist, kann er bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes auf dem Rücken liegen bleiben, jedoch muss die Atmung permanent überprüft werden.

Nun zur eigentlichen Frage: Es ist durchaus möglich, schon vor Ort einen Bruch der (Hals)Wirbelsäule festzustellen. Am einfachsten ist dies bei Patienten, die bei Bewusstsein sind. Diese können starke Schmerzen im Hals und Nacken äußern und sensible (Gefühl) und/ oder motorische (Kraft) Ausfälle als Zeichen einer Querschnittlähmung angeben. Diese kann komplett (ab einer gewissen Höhe immer tödlich) oder inkomplett verlaufen. 

Beim bewusstlosen Patienten ist ein Bruch in der HWS deutlich schwerer, in der Regel sogar unmöglich vor Erreichen des Krankenhauses zu ermitteln. Die wenigsten Brüche sind mit tastbaren Fehlstellungen verbunden, auch ist der Hals i.d.R. nicht merklich instabil. Beides würde auf eine Schwere der Verletzung hindeuten, die meist nicht überlebt werden kann.

Zu der Angst, man könnte durch Bewegen des Patienten die Situation verschlimmern: Ja, es ist möglich, dass das Rückenmark zusätzlich komprimiert wird und es damit schlimmer wird. Dies ist aber ausgesprochen unwahrscheinlich, da 95% der Schäden schon bei der initialen Verletzung entstehen. Bei der Abwägung zwischen schweren anderen Problemen, die unmittelbar lebensbedrohlich sind (z.B. Verlegung der Atemwege) und der Wirbelsäulenverletzung sollte Letztere also nicht zu hoch bewertet werden.

Ich hoffe ich konnte ein Bisschen zum Verständnis beitragen und die Angst davor, in einer solchen Situation zu helfen, etwas verringern. Engagiertes Helfen ist für den Patienten fast immer von Vorteil! 

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Kommentar von JuxSinnlos
30.01.2016, 00:24

Was ich ganz vergessen habe: Wie beast ganz richtig schreibt, kann eine Verletzung außerhalb des Krankenhauses nicht ausgeschlossen werden, deshalb wird ein Patient bei entsprechenden Beschwerden oder einem starken Trauma immer immobilisiert (also fest auf ein Brett= Spineboard "geschnallt" oder in eine flexible Matratze= Vakuummatratze eingebettet).

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Du  als  Laie  kannst  das  nicht.  Den  Bruch  kann  selbst  ein  Arzt oft erst  nach  einer  Rötgenaufnahme oder  MRT  erkennen.  Deswegen   wird  einem  Verunglückten  immer  eine  Halskrause  angelegt

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So genau weiß ich es nicht. Aber die Erste Hilfe ist im allgemeinen auch nicht ganz so toll.

Woher weiß man das derjenige keine inneren Blutungen hat? Oder irgendwelche Brüche oder Splitter im Körper? Oder starke Schäden an der Lunge?

Dann kann die Herzkreislaufmassage tödlich enden. Oder wenn man den Kopf in den Nacken legt, wäre auch dumm. Einen Genickbruch kann man in gewisser Weise überleben, aber nicht mehr dann, wenn jemand an einem rumhantiert. (Stabile Seitenlage z.B.) Wie Deine Frage ja lautet.

Von daher am besten absichern und nur den Krankenwagen rufen. Mehr würde ich nicht machen.

Natürlich kann man nicht angezeigt werden, weil man ja helfen wollte. Aber dennoch hat man dann einen Menschen auf dem Gewissen..


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Kommentar von JuxSinnlos
29.01.2016, 23:36

Sorry, aber das ist diametral falsch. In dieser Situation muss man immer mit der Wiederbelebung, also mit der Herz- Druck- Massage beginnen. Wenn man nichts tut und (je nach Ort des Geschehens) 4 bis 10 Minuten auf den Rettungsdienst wartet, ist die Überlebenschance gering bis nichtig. 

Selbst ein "Genickbruch" wäre, wenn man ihn irgendwie erkennen würde, kein Grund, die Wiederbelebung zu unterlassen. Ein Toter hat nichts davon, dass sein Rückenmark womöglich geschont wurde.

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Kommentar von XLeseratteX
30.01.2016, 10:34

Du hast mich nicht verstanden. Wenn er schwere innere Verletzungen erlitten hat und man das nicht erkennen kann und man fängt an irgendwas zu machen, was ist wenn man ihn dadurch umbringt? Eventuell hätte er überlebt, wenn ich ihn nicht angefasst hätte. Da meine ich.

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