Wie kann man diese Bilanz interpretieren?

bilanz - (Geld, Beruf, Finanzen)

5 Antworten

Eigenkapital ist schon lange verbraucht. Hier haftet der Geschäftsführer oder er steht wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht.

Vermutlich ist das Minus bereits durch ein krisenbehaftetes Gesellschafterdarlehen finanziert. Dieses sollte man schleunigst auflösen um wenigstens der Überschuldung zu entgehen. Die Vermutung ist deshalb naheliegend, da Verbindlichkeiten länger als ein Jahr in der Bilanz stecken.

Ohne ein entsprechendes Vermögen als Besicherung ist so eine Kreditgewährung kaum zu bekommen. Da kann also fast nur das Gesellschafter-Verhältnis die Grundlage gebildet haben und es beispielsweise einen Rangrücktritt gegeben haben.

Deutlich ist aber auch die drohende Zahlungsunfähigkeit. Laufende Ausgaben werden schnell die 9-Euro-Grenze überschreiten.

Perspektiven, Chancen, Risiken kann man hier nicht ableiten.

Leider sind hier keine Mutmaßungen über immaterielle Wirtschaftsgüter anstellbar. Mancher Wert, der selbst geschaffen wird, darf in der Bilanz nicht ausgewiesen werden. So könnten für ein Projekt Vorleistungen erbracht worden sein, die vielleicht nicht bilanziert werden durften oder von Wahlrechten entsprechend Gebrauch gemacht wurde.

Mit dem Unternehmen Geschäftsbeziehungen einzugehen ist problematisch. Wobei eine Absicherung da ist, die aber nicht gezählt werden darf.

Wenn der Geschäftsführer in so einer Situation einen Auftrag erteilt, dann haftet er privat selber. Weil er bei Nichterfüllung der Zahlungsverpflichtung eines Eingehungsbetruges für schuldig befunden werden könnte.

Diese Bilanz sieht fast nach einer GmbH aus, die lediglich zum Verschieben von Gewinnen bzw. Verlusten gegründet wurde aus.

Eigenkapital ist nicht vorhanden, die Verbindlichkeiten übersteigen die Forderungen um das Doppelte und in der Kasse liegen angeblich nur 9 €, also keine liquiden Mittel vorhanden.

Ein aktiver Geschäftsbetrieb ist damit nicht möglich. Das Unternehmen ist faktisch pleite.

Wichtig in einer Bilanz sind die Eigenkapitalquote, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Forderungen und Verbindlichkeiten sowie liquides Kapital. Alle drei Punkte sind hier negativ.

Die Höhe des Stammkapitals läßt auf eine GmbH schließen. Die Firma hat kein Anlagevermögen.

Sie hat im letzten Jahr einen kleinen Gewinn erwirtschaftet, aber noch Verlustvorträge. D. h. Sie zahlt keine Ertragssteuern.

Wie sich das Unternehmen in Zukunft entwickelt, läßt sich aufgrund von zwei Bilanzen nicht voraussagen. Hilfreich wären noch 2013 und 2014.

Wenn in diesen beiden Jahren auch ein Jahresüberschuß vorhanden ist, ist eine positive Tendenz zu erkennen.

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