Wie kann man die verschiedenen Konjunktive unterscheiden?

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2 Antworten

Du hast bis jetzt nur Übersetzungsmöglichkeiten des Konjunktiv Präsens genannt. (Hortativ, Iussiv, Optativ, Dubitativ, Potentialis) War das Absicht?

Die kannst du am lateinischen Text nicht unterscheiden. Das musst du in der deutschen Übersetzung ausprobieren.

TIPP: Wenn du ein "eventuell / möglicherweise" und/oder eine Form von "sollen" sinnvoll in deine Übersetzung einbauen kannst, liegst du in 95% richtig. Ob du jetzt die verschiedenen Fachbegriffe (s.o.) kennst, ist aus Schülerperspektive eigentlich nicht so wichtig.

LG
MCX

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bishare 24.05.2016, 20:16

Wir übersetzen gerade "Ars Amatoria" von Ovid und dort benutzt er ja meist den hortativ oder iussiv und vllt andere? (deshalb, habe ich nur die hingeschrieben). Wollte deshalb wissen, wie man die unterscheiden kann. Könnte man sich an die Formen, die Hermione97 geschrieben hat, orientieren ? 

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Miraculix84 24.05.2016, 20:50
@bishare

Also um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, was du dir von der Antwort erwartest.

Das sind ja alles Nuancen des Konjunktiv Präsens.

Da gibt es...

A) Wunsch / Aufforderung (Iussiv / Hortativ / Optativ)
B) Zweifel / Überlegung (Dubitativ)
C) Möglichkeit (Potentialis)

Und DU, der Übersetzer, kannst selbst entscheiden, was du davon übersetzen willst. Und dein Lehrer müsste dir schon nachweisen, dass deine Variante völliger Blödsinn ist, wenn er dir dafür einen Fehler geben will.

Zu A)

Wenn du jemandem den Befehl gibst "Du sollst nach Hause fahren", ist das ein Iussiv. Wenn du selber Bestandteil dieser Gruppe bist, sagst du aber nicht "Wir sollen nach Hause fahren", sondern, weil du dann mit Bestandteil der Gruppe bist, sagst du dann "Lasst uns nach Hause fahren". Die Unterscheidung zwischen Iussiv und Hortativ ist also ein rein deutsches Phänomen. Dem Römer war das piep-egal.

Wenn der Befehl etwas zärtlicher ist "Meine Geliebte soll kommen => Ach wenn nur meine Geliebte käme..." ist das ein Optativ (Wunsch). Beim Optativ steht manchmal ein "utinam". Das ist aber kein Muss. Du kannst aus dem Kontext selbst entscheiden, ob du lieber den Befehl nimmst oder versuchst, es etwas sanfter / zärtlicher auszudrücken. Das ist allein DEINE Entscheidung. Für den Römer gab es diesen Unterschied nicht.

Zu B)

Der Dubitativ drückt den Zweifel aus und wird (wie der Iussiv auch) mit "sollen" übersetzt.

Zu C)

Der Potentialis drückt deine Möglichkeit aus. Man kann ihn durch das Einfügen von "möglicherweise / eventuell" oder "könnte" ausdrücken.

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=> Ja, die Ausführungen von Hermione sind alle korrekt, aber helfen dir (m.M.) nicht wirklich, weil es alles nur Indizien sind. Wie du schlussendlich übersetzt, ist DEINE Entscheidung. :)

Deswegen mein Rat: Probier es mit "sollen", um A) und B) abzudecken, und probier es mit "eventuell / könnte", um C) abzudecken. Und dann kannst du überlegen, womit du zufrieden bist oder ob du noch etwas optimieren willst.

Und denke dran: Alles, was ich hier geschrieben habe, gilt nur für den Konjunktiv Präsens im Hauptsatz. Es gilt nicht für Nebensätze und nicht für alle anderen Konjunktive.

LG

MCX

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Du kannst es auch manchmal im Text erkennen. Faustregeln:

Optativ: wenn da "Utinam" steht (mit "Ach wenn" übersetzen)
Iussiv: Verb steht in der 3. Person Singular oder Plural (mit "soll" übersetzen)
Hortativ: Verb steht in der 1. Person Plural (mit "Lasst uns" übersetzen)
Prohibitiv: ne + Konjunktiv Perfekt ( zb: "Ne id feceris!" - "Mache dies nicht!")
Dubitativ: hier gibt es keine besondere Regel, das Verb steht aber meistens in der 1. Person Singular (zb "Quid dicam?" - "Was soll ich sagen?" oder "Quid faciam?" - "Was soll ich tun?")
Potentialis: keine besondere Regel (mit "könnte" übersetzen)

Wie du siehst, kannst du es häufig am Verb sehen oder an bestimmten Signalwörtern. Wenn sowas nicht vorhanden ist, immer vom Kontext abhängig machen!

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