Wie kann man den Suizid für Angehörige am erträglichsten machen?

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Support

Liebe/r Jules394,

für die Angehörigen ist der Selbstmord eines geliebten Menschen immer unerträglich, und manche leiden für den Rest ihres Lebens darunter. Deine Frage zeigt ja, dass Dir Deine Angehörigen wichtig sind - bitte gib ihnen die Chance, Dir zu helfen und spreche offen mit ihnen darüber, wie schlecht es Dir im Moment geht.

Bei starken Selbstmordgedanken kannst Du Dich auch selbst in eine Klinik einweisen, damit Dir akut geholfen werden kann. Bitte tue das Dir und Deinen Angehörigen nicht an, es gibt immer einen Ausweg!

Du kannst auch rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge anrufen, Telefon 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 und online unter http://www.telefonseelsorge.de

Herzliche Grüße

Jenny vom gutefrage-Support

11 Antworten

Hey Jules394,

ein Suizid ist nie einfach zu verarbeiten - egal, ob mit Abschiedsbrief oder ohne. Der Suizid einer nahestehenden Person löst immer einen gewaltigen Schock aus, weil sich in einer solchen Situation immer die Frage nach dem Warum stellt. Angehörige durchleben extreme Phasen, geplagt von Schuldgefühlen und Trauer. Oft ist es sogar so, dass Betroffene psychische Störungen daran entwickeln, Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, die ihnen ihr Leben lang bleiben - und das wegen einem Suizid.

Das willst Du nicht. Gerade dass Du Dir Gedanken darum machst, wie Du Deinen Suizid für Deine Verwandten am erträglichsten machst, zeigt, dass sie Dir extrem wichtig sind. Füge ihnen nicht diesen bitteren Schmerz zu, indem Du plötzlich aus ihrem Leben scheidest. Du willst nicht, dass Deine Eltern und Geschwister so schlimm getroffen werden, dass sie möglicherweise wegen Dir einen Nachfolgesuizid begehen. Du kannst die emotionale Bindung zu Deiner Familie nie komplett abbauen, das funktioniert einfach nicht.

Darf ich fragen, warum Du Dir so sehr Gedanken darüber machst? Warum hast Du solche Suizidgedanken? Hast Du Probleme, psychisch, körperlich, sozial?

Mit einem Suizid tust Du weder Dir, noch irgendeiner anderen Person einen Gefallen - das hilft in keinster Weise, sondern versetzt Familie und Freunde von Dir einfach nur in tiefste Trauer, und das noch gravierender als bei jedem anderen Tod. Bitte komm weg vom Gedanken, Suizid als Lösung zu sehen. Das ist einfach nicht so.

Man ist, geplagt von Suizidgedanken, oft in einem solchen Teufelskreis, dass man gar blind für andere Lösungen ist - vielleicht verbirgt sich ja eine Krankheit dahinter? Psychische Erkrankungen ändern unser Denkmuster so extrem ab, dass wir irgendwann komplett hoffnungslos werden und unser Leben beenden wollen. Das ist aber nicht die Lösung. Krankheiten kann man behandeln - und heutzutage sogar sehr gut.

Es ist in so einer Situation wirklich wichtig, sich Hilfe zu holen. Wenn Du mit jemandem darüber reden möchtest, kannst Du mir auch gerne eine Freundschaftsanfrage stellen. Weder Dein, noch das Leben von irgendjemand anderem ist so wertlos, dass man es durch einen Suizid beenden müsste. Es gibt Lösungen - und manchmal müssen diese einem eben durch die Sichtweisen anderer, unabhängiger Menschen erst klargemacht werden.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.

Jules394 19.08.2017, 20:40

Ist gut, danke :)

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Willibergi 19.08.2017, 21:04
@Jules394

Das hoffe ich wirklich sehr für Dich. Ich glaube stark daran, dass Du auch das durchstehen kannst. Es wird besser, ganz sicher. Bis dahin oder Deinem nächsten Arzttermin wünsche ich Dir viel Kraft.

Liebe Grüße.

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Jules394 20.08.2017, 13:02
@Willibergi

Ich weiß ja, dass es immer wieder bergauf geht, aber wenn ich da in so einem Loch feststecke, klingt das für mich wie ein Märchen, wenn ich mir das selbst sage.

Wie du auch geschrieben hast, will ich ihnen das eigentlich nicht antun. Es kommen nur immer wieder Phasen, in denen ich denke, weiterleben macht so doch überhaupt keinen Sinn.

"Darf ich fragen, warum Du Dir so sehr Gedanken darüber machst? Warum hast Du solche Suizidgedanken? Hast Du Probleme, psychisch, körperlich, sozial?"
- Ja, darfst du. Psychisch, körperlich und sozial. Leider alles. Ich wünschte ich hätte nur ein, zwei Probleme, an denen ich arbeiten könnte, aber es sind bei mir einfach so unglaublich viele Baustellen. Ich hab mich durch die Therapie zwar schon sehr, sehr zum positiven entwickelt, aber wenn ich mich dann anschaue, dann denke ich, dass ich für die Dauer der Therapie nun eigentlich besser sein müsste. Und immer wieder hab ich das Gefühl ich komm nicht weiter.

Ich bin der Meinung: Wenn ich lebe, muss ich auch nützlich sein, ansonsten hat mein Leben keinen Wert. Ich bin aber oft so stark eingeschränkt, dass ich ständig nur Hilfe annehmen muss, aber kaum was zurückgeben kann. Das wurmt mich. Entweder ich mag selbstständig leben und andere Leute unterstützen oder eben gar nicht mehr leben. Ich komme einfach nicht so ganz damit klar, dass ich aufgrund meiner Krankheiten in meinem Alter (21) noch so intensive Unterstützung benötige und kaum was allein auf die Reihe bekomme.

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Willibergi 20.08.2017, 13:49
@Jules394

Jules394 - erstmal vielen Dank für Dein Vertrauen. Diese Hoffnung zeigt, dass Du noch nicht ganz aufgegeben hast.

Dass die Welt in depressiven Phasen komplett anders aussieht, verstehe ich vollkommen. Durch diesen depressiven Schleier steckt man gerne in dem Gedanken fest, dass es nicht besser wird. Das hängt einfach damit zusammen, dass eine psychische Erkrankung keine objektiven Symptome zeigt, sie also für uns gar unbegreiflich ist. So oft wir es uns auch klarmachen, dass das ganze vorbeigeht und nur eine Krankheit ist, wir wollen es nicht glauben - weil uns einfach etwas fehlt, an dem wir festhalten können. 

Denn die Gefühle, die wir in einer solchen Phase erleben, kennen wir schon - pessimistisch war jeder schon mal und jeder kennt das Gefühl von Antriebslosigkeit und Müdigkeit. Das ist nichts Neues, das wir konkret an einer Erkrankung festmachen können. Und genau das ist das Schlimme an psychischen Erkrankungen - sie kommen schleichend und knocken uns aus, ohne dass wir es wissen. Wir sind nicht wie bei einer Grippe oder einem Infekt einfach merklich krank, sondern fühlen uns völlig gesund, aber absolut wertlos und lebensmüde. 

Wenn Dich solche Gedanken also wieder überkommen, dann handle nicht im Affekt. Du willst es Dir nicht klarmachen, aber Du weißt, dass es wieder besser wird und Du von Deinem Suizidwunsch wegkommen kannst. 

Oft ist ein sehr wirksames Mittel gegen Suizidgedanken, sich Ziele in der Zukunft zu setzen. Was willst Du erreichen? Was sind Deine Pläne? Eine Ausbildung, ein Studium? Erreiche diese Pläne doch erstmal. Suizid begehen kannst Du ja danach immer noch. Aber vielleicht bist Du dann ja in einer komplett anderen Verfassung und gar extrem glücklich, dass Du noch am Leben bist. Also halte bitte an diesem Gedanken fest.

Wenn es wirklich akut wird, kannst Du selbstverständlich immer den Notruf 112 wählen und Dich in eine Klinik einweisen lassen - und mach das bitte auch, wenn Du die Kontrolle verlierst. Eine Zwangseinweisung nach einem Suizidversuch möchtest Du nicht, da bist Du dann nämlich nicht nur ein paar Wochen oder Monate, sondern möglicherweise sogar ein paar Jahre in einer psychiatrischen Klinik. Bei einer freiwilligen Einweisung hast Du definitiv leichter, dass nach Deinem Willen gehandelt wird, also scheue Dich bitte nicht davor, wenn es wirklich schlimm wird. Stationär kann einem Patienten meist sogar besser weitergeholfen werden als in einer privaten wöchentlichen Psychotherapie.

Dass Du viele Baustellen an Dir hast, tut mir leid. Ich verstehe, wenn das an Deiner Lebensfreude kratzt, aber ich bin mir sicher, dass man auch diese Baustellen beheben kann. Psychotherapien dauern mitunter ziemlich lang, bis sie wirken - aber wenn sie wirken, ist das ein erleichterndes Gefühl wie neugeboren zu sein. Sprich am Besten auch mit Deinem Therapeuten darüber, wenn Du das Gefühl hast, dass Dir die Therapie nicht weiterhilft - möglicherweise ist ja eine andere Therapieform besser geeignet oder es gibt Verbesserungsbedarf an der Art und Weise, wie die Therapie durchgeführt wird.

Dass Du nützlich bist, ist doch sonnenklar - Deine Eltern, Deine Freunde, Deine Verwandten lieben Dich über alles und würden es nicht verkraften können, wenn Du nicht mehr da wärst. Du bist ihnen wichtig! Und auch Du kannst ein normales Leben führen - vielleicht ein bisschen später, aber möglich ist es definitiv. Mach Dir das klar. Auch wenn es jetzt schlecht aussieht, auch Du schaffst das. Da glaube ich fest dran.

Liebe Grüße.

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Jules394 20.08.2017, 22:34
@Willibergi

Danke für deine ausführliche Antwort :) Nein, aufgegeben habe ich sicher noch nicht. Ich ziehe in ein paar Tagen um, beginne dann ein Studium und versuche ein neues Leben zu beginnen. Aber ich habe immer das Bedürfnis den Suizid als Ausweg zu haben und wenn es mir so geht wie gestern, plane ich immer wieder daran, dass ich auch das richtige Seil nehme und die Knoten beherrsche etc., dass nichts schief geht, falls ich doch mal den Weg wählen sollte.

Ich hatte in den letzten Tagen öfter überlegt mich einweisen zu lassen, weil die Suizidgedanken schon ziemlich drängend und konkret waren und ich, wie schon geschrieben, ja auch geplant hatte. Allerdings habe ich schlechte Erfahrungen mit einem Psychiatrieaufenthalt gemacht. Da werde ich zwar verwahrt, aber geholfen wird mir nicht wirklich. Mein Zustand hat sich in der Psychiatrie rapide verschlechtert und ich hatte dort sogar Scherben und Klingen geschluckt, mich ständig geschnitten und im Allgemeinen lag der Fokus einfach viel zu sehr auf der Krankheit. Das will ich vermeiden und lieber versuchen mich auf meine gesunden Seiten zu konzentrieren, wenn es mir schlecht geht. Verstehst du, was ich meine?

"Deine Eltern, Deine Freunde, Deine Verwandten lieben Dich über alles und würden es nicht verkraften können, wenn Du nicht mehr da wärst."

- Ich wünschte es wäre so. Zu meinem Vater habe ich keinen Kontakt mehr, da er mich jahrelang missbraucht hat, mich ständig schlecht gemacht und sehr unangemessene Dinge tut und sagt. Er möchte nicht in eine Therapie und wird sich wohl nie ändern.

Freunde habe ich nicht wirklich. Ich glaube in den letzten zwei Monaten habe ich mich nur mit einem Kumpel getroffen, den ich zuvor schon viele Monate nicht gesehen hatte. Meine anderen "Freunde" scheinen mich auch nicht wirklich zu vermissen und ohne mich ganz gut klarzukommen.

Und es gibt tatsächlich niemanden, der mich "über alles liebt", wie du es beschreibst. Meine eigene Mutter hat ihren Freund nicht verlassen, obwohl er mir ein blaues Auge geschlagen hat und psychisch fertiggemacht hat.

Aber ich möchte hier auch nicht "rumheulen", ich möchte dir nur zeigen, dass meine Suizidgedanken durchaus berechtigt sind. Ich hoffe nur, dass ich jetzt nach und nach stabiler und belastbarer werde, mein Studium gut schaffe und in meinem neuen Zuhause neue Freunde kennen lerne :-) An meinen sozialen Kompetenzen muss ich zwar noch arbeiten, aber irgendwie muss das gehen.

Nur doof, dass die Medikamentenumstellung gerade jetzt in so einem wichtigen Abschnitt meines Lebens stattfindet... Wenn das neue Medikament schnell wirkt und mir es besser geht, steht der Zukunft eigentlich nichts mehr im Weg :-)

Vielen, vielen Dank, dass ich mit dir schreiben durfte :-)

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Willibergi 20.08.2017, 22:47
@Jules394

Sehr gerne, ich freue mich, wenn es Dir bald wieder besser geht.

Aber vielleicht könntest Du ja auch eine Tagesklinik in Betracht ziehen. Dort könntest Du neben Deinem Studium eine psychiatrische Behandlung erfahren - und bist eben nicht vollstationär arbeitsunfähig. Vielleicht denkst Du mal darüber nach, aber das liegt natürlich bei Dir.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg bei Deinem Studium und hoffentlich baldige Genesung!

Willibergi

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CrimeOcean 19.08.2017, 21:10

Danke, für so ein "schönes" Kommentar!!! :)

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Jules394 21.08.2017, 12:49

Aber eine Tagesklinik geht doch von morgens bis abends, das geht während meines Vollzeitstudiums nicht. Bin aber voraussichtlich wieder in ner psychiatrischen Institutsambulanz in Behandlung :) Danke dir! :)

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TrippyUniverse 21.08.2017, 20:00
@Jules394

Bist du dir sicher dass ein Studium das richtige für dich ist? Wie willst du dich mit so einem labilen Charakter auf ein Studium konzentrieren?

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Wenn ich schon über eine längere Zeit hoffnungslos und somit im wahrsten Sinne des Wortes lebensmüde wäre, dann würde ich einem Abschiedsbrief schreiben. Ich würde mich mitteilen, würde von mir und meinem Leben schreiben und dass es so nicht mehr Lebenswert ist. Ich würde um Verständnis hoffen, dass auch die Angehörigen nicht nur sich und ihren Verlust sehen, sondern auch an mein schweres Leid oder Leben mit bedenken und sich versuchen in mein Leben einzufühlen. Niemand sollte mich verurteilen, bevor er nicht wenigsten versucht hat, sich in mich hinein zu fühlen. Ich würde Fragen in meinem Brief an die Hinterbliebenen stellen: Wie würdet ihr an meiner Stelle handeln? Jeder sollte die Frage für sich beantworten und mich und meine Entscheidung wertschätzen und respektieren. Meine Mutter (*1936) nahm sich (+2005) im Alter von 69 Jahren das Leben: Sie litt ihr Leben lang an den Folgen der Traumatisierung und Erlebnisse des zweiten Weltkriegs. Ich konnte ihren Tod akzeptieren und respektierte ihre Entscheidung, denn sie traf diese Entscheidung für sich und beendete ihr Leiden hier auf Erden. Bis heute unerträglich ist der Suizid meines Sohnes 2014 mit nur 21 Jahren. Es war eine Kurzschlusshandlung. Er war in Therapie und tat es trotzdem. Wenn ich mich aber versuche hinein zu fühlen, wie verzweifelt und hoffnungslos er gewesen sein muss, dann muss ich mir eingestehen, dass ich ihm in seinem Leid nicht helfen konnte und dass ich stets mit ihm mitgelitten habe. Meine Hilflosigkeit meinen Lieblingsmenschen, mein Kind leiden zu sehen (seelisch), ohne etwas dagegen unternehmen zu können, brachte auch mich an so manche Grenzen der eigenen Lebensmüdigkeit.

Jules394 20.08.2017, 12:34

Mein Beileid. Das ist hart, wenn es sogar mehrere mehrere nahestehende Menschen aus der Familie betrifft.

Ich glaube in deinen Sohn kann ich mich recht gut hineinversetzen. Ich bin auch 21 und ebenfalls in Therapie, allerdings schon etwa 12 Jahre. Immer und immer wieder kommen die Gedanken und drängen sich in den Vordergrund, obwohl ich eigentlich weiß, dass es nicht die richtige Lösung ist.

Ich finde es ganz toll, dass du Verständnis für deine Mutter hast. Menschen, die Suizid nur als egoistisch ansehen und gar nicht erst versuchen sich in die leidende Person hineinzuversetzen, sollten meiner Meinung nach nochmal nachdenken.

Ich wünsche dir alles Liebe und hoffe sehr, dass du dein Leben ohne weitere unvorhersehbare Verluste genießen kannst.

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Mit einem Brief weiß man wenigstens die Gründe. Ich fände das besser. 

Die wenigsten wollen diese Gedanken zulassen, aber ich denke es ist wichtig zu wissen, was in dem anderen vor sich gegangen ist. Sonst würde man sich immer fragen warum. 

Hallo Jules394,

ich habe aus Deinen Kommentaren erfahren, dass Du selbst es bist, der mit Gedanken an einen Suizid spielt. Es kann leider immer mal wieder Phasen im Leben geben, da ist man völlig ohne Ausweg und total mutlos. Da es auch Dir im Moment so geht, denke bitte an eines: Es bleibt nicht immer alles so, wie es gerade ist. Das Leben und man selbst verändert sich. Auch mag man Lösungen und Auswege finden, die man zuvor nicht gesehen hat. Oftmals kann bereits ein längeres Gespräch mit einer einfühlsamen und verständnisvollen Person helfen, wieder neuen Lebensmut zu schöpfen. Versuche daher nicht allein mit Deinen Gedanken fertig zu werden, sondern suche das Gespräch mit einer Person Deines Vertrauens, die die nötige Reife besitzt, Dir helfen zu können.

Leider ergeht es heute vielen Menschen so wie Dir. Sie verzweifeln an ihren Problemen, mit denen sie sich alleingelassen fühlen und sehen keinen Ausweg mehr. Doch wodurch entsteht ein solcher Schmerz? Er kann z.B. durch ein einschneidendes Erlebnis ausgelöst werden. vielleicht, durch einen heftigen Streit mit den Eltern oder anderen nahestehenden Personen. Da man niemanden zum Reden hat, scheint man an seinen Gefühlen förmlich zu ersticken. Dir ergeht es gerade auch so, nicht wahr?

Du kannst jedoch etwas tun, damit Du den Selbstmord nicht weiterhin als einzigen Ausweg betrachtest. Jeder Mensch verfügt sowohl über innere als auch äußere Kraftquellen, um Konflikten und Belastungen begegnen zu können. Ein gutes und trostreiches Wort von einer verständnisvollen Person kann schon eine Menge Gutes bewirken. Du solltest daher auf keinen Fall versuchen, allein mit Deinen Problemen fertig zu werden. Versuche doch einmal, bei jemandem, der Dich versteht, Dein Herz auszuschütten. Das kann Deine Gefühle beruhigen und Du siehst die Sache vielleicht aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Vielleicht kommt es Dir so vor, als würde Dein Schmerz niemals aufhören. Bedenke jedoch, dass andere Ähnliches durchgemacht haben wie Du und sie haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Situation ändern kann und wird. Versuche also, wieder neuen Mut zu schöpfen und bedenke, dass es u.U. viel Zeit braucht, um emotional wieder gefestigt zu werden.

Denke bitte auch daran, dass Du noch jung bist und sich noch sehr viel in Deinem Leben ändern kann. Es ist ganz wichtig, nicht bei Dir selbst die Schuld zu suchen und es zu lernen, ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein zu entwickeln. Auch wenn frühere negative Erlebnisse bei Dir emotionelle Narben hinterlassen haben, solltest Du daran denken, dass dies nichts an Deinem Wert als Mensch ändert. Daher solltest Du Dich um eine ausgeglichene Ansicht über Deinen wahren Wert als Person bemühen. Vergiss nie: Du bist ein wertvoller Mensch, und es ist schön dass es Dich gibt! Wahrscheinlich haben andere es versäumt, Dir das immer wieder zu sagen. Doch das ist nicht Deine Schuld. Wenn Du Dich selbst als einen liebenswerten Menschen siehst - was Du möglicherweise erst lernen musst - dann siehst Du Dein Leben auch wieder als lebenswert an.

Was auch immer der Grund für Deine Selbstmordgedanken ist, eines ist sicher: Es gibt jemanden der Deine innersten Empfindungen auf jeden Fall versteht und dem Du nicht gleichgültig bist. Ja, es ist Gott, an den Du möglicherweise nicht mehr so richtig glauben kannst. Doch in seinem geschriebenen Wort, der Bibel, hat er Gedanken aufschreiben lassen, die eindeutig sein Interesse an uns, und besonders an den Niedergedrückten, zum Ausdruck bringen.

Ein Schreiber der Bibel, der von innerer Verzweiflung geplagt wurde, schrieb einmal: "Als meiner beunruhigenden Gedanken in meinem Innern viele wurden, begannen deine eigenen Tröstungen meine Seele zu liebkosen" (Psalm 94:19). Zeigt das nicht, dass Gott sich gern derer annimmt, die im Leben keinen Ausweg mehr sehen? An ihn kannst Du Dich jederzeit, wenden, der er sich selbst als der "Hörer des Gebets" bezeichnet. Er hat versprochen, "Kraft, die über das Normale hinausgeht" zu geben, damit man den Schmerz ertragen kann. Ich habe in meinem auch schon viel Schlimmes durchmachen müssen und kann dies nur bestätigen! Eine Freundschaft zu Gott aufzubauen ist das Sinnvollste, was man aus seinem Leben machen kann. Durch ihn steht einem eine Kraftquelle zur Verfügung, die ohnegleichen ist und von ihm wird man niemals im Stich gelassen.

Ich wünsche Dir, dass Du die benötigten Hilfen bekommst, damit Du Dein seelisches Tief überwinden und Dein Leben wieder als lebenswert ansehen kannst. Alles Gute und viel Kraft dabei!

LG Philipp

Ich finde Erklärungen immer besser. Am besten auch ein paar Worte um den Angehörigen das schlechte Gewissen zu nehmen, wenn sie nichts falsch gemacht haben.

Naja, ein Brief würde wenigstens das warum klären. Besser machen würde es das nicht.
Aber nichts kann so schlimm so sein, dass man sich selbst die Chance nimmt, zu erleben, wie es in ein paar Jahren ist. Denn die Dinge scheinen oft aussichtslos und später weiß man nicht mal mehr warum. Und wenn man so geliebt wird, dass man schmerzlich vermisst wird, beantwortet sich die Frage sowieso. Man tut es einfach nicht und kämpft.

Jules394 19.08.2017, 19:55

"Aber nichts kann so schlimm so sein, dass man sich selbst die Chance nimmt, zu erleben, wie es in ein paar Jahren ist."

Leider doch, nämlich, wenn diese "paar Jahre" schon rum sind.

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DieMoneypenny 19.08.2017, 21:51

Da sind aber noch ne Menge, die eine Chance haben sollten überraschend die schönsten zu werden.

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Ein Suizid eines Angehörigen wäre unter gar keinen Umständen erträglich für mich - ob mit Brief oder ohne - ich würde mir den Rest meines Lebens die Frage stellen, an welcher Stelle ich nicht mitbekommen habe, wie schlecht es ihm/ihr gegangen ist.

Und die Frage, ob ich nicht doch hätte helfen können, würde mich quälen!

Jules394 19.08.2017, 19:53

In dem Fall wissen die Angehörigen schon bescheid, da sie seit 12 Jahren krank ist.

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Jules394 20.08.2017, 13:05
@Zumverzweifeln

Gerade wenn so eine lange Krankheitsgeschichte dahintersteckt, bin ich der Meinung, dass man da als angehöriger versuchen muss realistisch und vernünftig zu denken. Man trägt keine Schuld. Vor allem, wenn das in dem Brief genau so vermittelt wird. Ich kann verstehen, dass trotzdem Schuldgefühle aufkommen, aber das sollte eigentlich nicht sein.

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Ich war vor ein paar Jahren mal in so einer komischen Situation. Eine Angehörige meinte zu mir, sie gehe kurz mit dem Hund spazieren. Als sie losgegangen ist, habe ich noch gesehen, wie sie ein Seil noch mit in der Hand hatte -  dachte mir dabei aber nichts. Eine Viertelstunde später ging ich in die Küche und entdeckte einen Brief mit meinem Namen: Es war ein Abschiedsbrief.. Ursachen und Entschuldigung für das, was diese Person vorhatte genau geschildert. Dann wurde mir auch klar, wozu das Seil gedacht war. Ich war völlig perplex und wusste überhaupt nicht, was zu tun war. Das Handy von ihr lag in der Küche. Die Richtung, in die sie gegangen ist, konnte ich nur erahnen. Habe dann jemanden angerufen, und das geschildert. Dieser jemand hat sie mitten in der Pampa mit dem Hund aufgelesen und nach Hause gebracht. Ich bin froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Mich hat dieser Abschiedsbrief komplett aus der Bahn geworfen und den Tod dieser Person hätte ich selbst damit wohl nicht ertragen können. Wäre es wirklich zu einem Abgang ohne Abschied und Erläuterung gekommen, dann wäre für mich auf ewig ein riesiges WARUM?. Meiner Meinung nach kann man den Suizid für andere nicht erträglich machen... Man muss als Angehöriger halt trotzdem mit dem Schmerz durch den Verlust leben, der mit der Zeit wahrscheinlich auch nachlassen würde. Ich weiß es nicht genau.. es ist für mich eine schwierige Frage, die ich nicht genau beantworten kann.

Ich würde gerne den Grund erfahren also zB ein Brief

Jules394 19.08.2017, 19:49

Also mir geht es eher darum, ob da Gefühle mit drin sein sollten (Es tut mir so leid, du warst für mich da, ich hab dich lieb, du schaffst das) oder einfach nur ganz kalt sagen, warum man das getan hat

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Drei Freunde, 1 Mann, 2 Frauen, von mir haben Selbstmord gemacht. Der Mann hat einen Brief hinterlassen mit der Botschaft: Edith Piaff, no je ne regrete rien! Nein, ich bedaure nichts! Ihr seid nicht schuld daran, ich will es so! Das hat mir sehr geholfen! 

Weder noch. Es ist immer ein traumatisches Ereignis, zumal der Suizid sinnlos ist. 

Das Leben ist für fast alle Menschen manchmal schwer zu ertragen und es kommt vor, dass es sogar Jahre dauert, bis man mit seinem Leben wieder annähernd zufrieden ist aber Suizid ist einfach feige und eine ungerechte Strafe für die Angehörigen. 

Jules394 19.08.2017, 19:51

Das beantwortet weder meine Frage, noch stimmt alles.

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Shiranam 19.08.2017, 20:03
@Jules394

Es ist egal, ob es stimmt. So empfindet Mathias es und ich kenne einen Angehörigen von Jemandem, der Suizid begangen hat, der es auch als Strafe und letzten Vorwurf empfindet. Diesen letzten Vorwurf wird er niemals los werden. Egal was alle ihm sagen.

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