Wie kann man den folgenden Satz (unten) verstehen (Thema ist Bild bzw Bildsehen)?

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2 Antworten

Das ist Teil des Abschnitts 9.4 Komponenten des Bildsehens

Es gehört meiner Meinung nach in den Abschnitt mit dem „zweistöckigen Prozess“. In dem Abschnitt zum „zweistöckigen Prozess“ taucht der behauptete Zusammenhang auch bereits auf: „Das Bildereignis ist im Falle intendierter Bilder bereits durch entsprechende Dimensionen strukturiert, da dem Zeigen-als des Bildproduzenten ein Sehen-als vorausgeht, in dem er sich selbst zum Modell eines erwarteten Betrachters nimmt und versucht, im Bild entsprechende Wahrnehmungsanweisungen zu geben."

Es wird eine wechselseitige Wirkung von „Bildproduzent“ und imaginiertem Bildbetrachter unterstellt, eine meiner Meinung nach vollkommen überzogene Psychologisierung, die schemenhaften Spekulationen Tür und Tor öffnet. Da heißt es dann „entsprechende Dimensionen“ oder „entsprechende Wahrnehmungsanweisungen“ – und was heißt „entsprechend“ genau?

Ich als Fotograf z.B. stelle mir vor, wer mein Foto betrachten soll, und weil ich unterstelle, wie diese Person Bilder interpretiert, wähle ich Motiv, Ausschnitt und Lichtverhältnisse. Oder ein Maler, der sich seine Betrachter vorstellt, stellt sich also vor, wie er sein Bild gestalten muss, um bei dem intendierten Betrachter Anerkennung zu finden. Er baut das Bild so auf, dass der Blick des Betrachters auf einen bestimmten Bildinhalt geführt wird, der in der gewählten Darstellungsweise „in“ ist. Wenn das stimmen würde, hätte es Vincent van Gogh nie gegeben oder Paul Cezanne, deren Malerei lange Zeit als anstößig empfunden wurde.


Erstens sind nicht alle Künstler gleich. Zweitens gibt es Brot-Kunst, die sich verkaufen lassen soll und daher nach einem intendierten Trend und Trendgeschmack gestaltet wird und es gibt Kunst, die herausfordert. Zu letzteren gehören z.B. die großen Maler des Im- und des Expressionismus. Die sind alle erst einmal gegen den Strom geschwommen. Mir persönlich sind künftige Betrachter vollkommen egal, wenn ich ein Foto mache. Ich muss es nicht verkaufen und hätte viel zu tun, wenn ich mir bei jedem Foto vorstellen sollte, wer mein künftiger Abnehmer ist.

So, diese Aussagen beziehen sich alle darauf, dass mit „Bildproduzent“ ein ursprünglicher Bildgestalter, ein Künstler oder Fotograf usw. gemeint ist. Sollte aber mit „Bildproduzent“ ein Bildnutzer gemeint sein, einer der z.B. eine philosophische Aussage mit einem ausgewählten Bild anderen verdeutlichen will, dann sieht die Sache anders aus. Der Abschnitt zum „zweistöckigen Prozess“ deutet eher in diese Richtung. Hier geht es um Deutungsabsicht und Akzeptanz der Deutungsabsicht. Das Wechselspiel in der interpretierenden Kommunikation (z.B.zwischen Lehrer und Schüler) nennt er „zweistöckigen Prozess“. Man könnte es so auffassen. Eindeutig ist es nicht.

Was sind „intendierte Bilder“? Bilder, die man selbst gestaltet oder welche, die man mit gezielter Bildaussageabsicht z.B . im Unterricht benutzt? Er spricht ja auch von einem „zeigen-als“ und nicht von einem „gestalten-als“. Es ist halt alles sehr ungreifbar schwammig, wenn es heißt: „Durch diese Anweisungen (entsprechende!!!) wird Bildsehen zu einem Aushandeln zwischen der Voreinstellung wahrnehmungsvermittelter Bildabsichten (von wem? Lehrer oder Künstler?) und der Ansprache-Bereitschaft eines ebenfalls voreingestellten Betrachters.“ Das ist ein psychologisches Wischiwaschi mit wissenschaftlich sauberem Geltungsanspruch von Null. Das kann zutreffen, muss aber nicht. Selbst für einen reinen Bildbetrachter stimmt es nicht, denn sonst wären Führungen in Kunstausstellung Blödsinn. Nicht jeder, die eine Ausstellung von z.B. Impressionisten besucht, hat vorher eine feste Erwartungsvorstellung, was er sehen will. Viele nehmen den Audioguide mit (oder eine Führung), um sich erst mal erklären zu lassen, was man da je sehen könnte.

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Kommentar von Happiness88
03.02.2016, 13:41

wow! Danke danke danke

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das ist selbsterklärend und redundant. du siehst was, das willst du anderen zeigen. machst ein foto und antizipierst die wahrnehmungsfähigkeiten der anderen. genau das ist damit gemeint. wahrnehmung und psychophysik, 2. semester. viel spaß, SKY

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