Wie kann man Christ sein aber sich dabei nicht als religiös bezeichnen?

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13 Antworten

Viele Menschen bezeichnen sich als Christen, obwohl sie gar keine sind.

Mein Vater z.B. würde sich selbst als Christ bezeichnen, fragst du ihn aber nach Gott, dann kommt als antwort, dass er glaubt, dass es da "irgendwas" gibt.

Also eher eine deistische Gottesvorstellung. Dies dürfte bei einer nicht unerheblichen Anzahl sogennanter Christen der Fall sein.

An sich sind das keine Christen, bezeichnen sich aber solche, da sie es von klein auf beigebracht bekommen haben und treten daher natürlich auch nicht aus der Kirche aus.

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Kommentar von vonGizycki
04.11.2016, 10:33

Das sehe ich auch so, wollte aber mal nachgefragt haben, ob es da noch andere Konstellationen gibt.

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Kommentar von vonGizycki
04.11.2016, 11:00

Kleine Randbemerkung

Es ist ja auch so, dass das, was den Menschen im positiven Sinne ausmacht, als Christsein deklariert wird. Das aber ist so nachweislich falsch, denn humanistische Züge des Menschen im Sinne des Begriffes...

  (https://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus und unter Geschichte dort nachlesen), ...

... ist keine Erfindung des Christentums, obwohl das immer behauptet wird. Der Kirche gefällt das natürlich, weil sie nur über das Christsein Menschlichkeit impliziert.

Wer sich also deshalb als Christ bezeichnet, liegt eigentlich historisch falsch. Der Humanismus musste erst in vielen (blutigen) Kämpfen gegen das Christentum durchgesetzt werden.

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Ich denke das beruht auf einem Mißverständnis:

Da wird entweder der eigene Glaube an "eine Höhere Macht" mit der Christlichen Erziehung in einen Topf geworfen, aber die christlichen Lehren abgelehnt - so kommt dann ein glaubender, aber nicht sehr christlicher Mensch heraus der den "titel" noch führt.

Oder man versteht sich als Christ im Sinne von "christliches Abendland", weil man dem Irrtum aufsitzt, daß unsere Kultur, unsere regeln für das Zusammenleben, ja überhaupt das man ein guter Mensch ist damit zusammen hängt irgend wie von Christen erfolglos indoktriniert worden zu sein.Man war damals im Religionsunterricht, man ist heute ein guter Mensch, also muß das eine für das andere verantwortlich sein. Dann ist man eben "kultur christ" ohne den Glauben.

Das wäre so meine Vermutung, wie man sich Christ nennen kann ohne dran zu glauben.

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Kommentar von vonGizycki
04.11.2016, 10:27

Die Frage war ja, ob man Christ sein könnte, ohne religiös zu sein. Wie hier schon bemerkt wurde, ist Glauben und Religiosität etwas Unterschiedliches.

 
Die Erfahrung des Heiligen, des Erhabenenkönnen fast alle Menschen machen – religiöse Gläubige ebenso wie Atheisten und Wissenschaftler.

Einstein: „Das Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen, der Manifestation tiefster Vernunft und leuchtender Schönheit, die unserer Vernunft nur in ihren primitivsten Formen zugänglich sind, dies Wissen und Fühlen macht wahre Religiosität aus; in diesem Sinne und nur in diesem gehöre ich zu den tief religiösen Menschen.“

Es gibt ja Gefühle des Heiligen und Schönen, etwa wenn man in den nächtlichen Sternenhimmel schaut und sich die Unendlichkeit der Galaxien bewusst macht. Oder einen Sonnenuntergang oder Blume oder schöne Musik, was auch immer. Da gibt es unendlich Vieles. So sehe ich das auch.

Aber das Christsein ist genau definiert. Ich kann mich der Definition von Wikipedia anschließen.

Wikipedia


Als Christ wird eine Person bezeichnet, die sich zu Jesus von Nazaret (auch Jesus Christus genannt) und zu dessen Lehren bekennt, welche im Neuen Testament der Bibel überliefert sind, und die getauft ist. Die Christen teilen sich auf verschiedene Konfessionen des Christentums auf.

Im Folgenden allerdings gäbe es für mich etwas zu bemerken

Der Begriff Namenschrist bezeichnet eine Person, die formal einer christlichen Glaubensgemeinschaft angehört, ohne sich an deren Lehren gebunden zu fühlen oder deren Versammlungen beizuwohnen.


Wenn man dann aber logisch vorgeht, sind diese keine Christen, sondern lediglich auf dem Papier Mitglied dieser Glaubensgemeinschaft. Religiös sein, wie eben beschrieben könnten sie dennoch. Nur frage ich mich dann, was sie bei den Christen suche, das wäre doch eine inkonsequente Haltung.

1) Wenn man sich nicht als christlich-religiös betrachtet, braucht man diese Gemeinschaft nicht und ist auch kein Christ.

2) Ist man aber religiös und Mitglied der Christengemeinschaft im Sinne de´s definierten Begrtffes, dann ist man Christ. 1 und 2 geht für mich daher nicht zusammen.

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Ich glaube, hier liegt ein Verkennen dessen vor, was religiös sein eigentlich ist?

Das glaube ich auch. Nach Paulus genügt es, an den Tod und die Auferstehung Jesu zu glauben und damit ist man "gerettet". So kam es sehr bald zur Säuglingstaufe.

Die meisten heutigen Christen wurden als Babies getauft. Sie haben zwar im Religionsunterricht mehr oder weniger über den Inhalt der christlichen Lehre erfahren, können jedoch Christ sein, ohne sich je damit auseinander gesetzt zu haben, was es bedeutet.

Während zur Taufe des Johannes Menschen freiwillig kamen, ihre Verfehlungen öffentlich bekannten und sich dazu entschlossen, ein besseres Leben zu führen, geschieht die Taufe heute vielfach unter Zwang.

Unter diesen zwangsgetauften, gibt es Menschen, denen das gleichgültig ist und sie bleiben entweder Mitglied einer Kirche oder sie treten aus, weils was kostet.

Die anderen setzen sich mit Religion auseinander und wollen wissen, wo sie selber stehen. 

Mitläufer gibt es wahrscheinlich in allen Religionen, nicht nur im Christentum. Und es ist doch sehr stark anzunehmen, dass es auch im Christentum Menschen gibt, die sich mit Religion auseinander setzen und ihr Leben danach ausrichten.

Aber hier in Mitteleuropa, da gebe ich dir recht, ist wohl die Mehrheit so, wie du es beschreibst.

Das Potenzial an gleichgültig religiösen Menschen ist im Islam noch höher, da laut Koran jeder als muslim (dem einzigen Gott ergebener Mensch) geboren wird - nicht nur die getauften.

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Kommentar von vonGizycki
04.11.2016, 17:28

An gamine!


... oder sie treten aus, weils was kostet

Das glaube ich nicht. Ich halte solches Argument für vorgeschoben. Wem ein Verein wirklich etwas gibt, ist bereit ihn zu fördern und sogar finanzielle Opfer zu bringen. Deshalb denke ich,  das solche Menschen keinen Sinn mehr sehen in der Kirche oder im Christentum. Wer will dafür sich dann noch krummlegen? Das aber zuzugeben, fällt immer noch vielen recht schwer, weil man sich dann möglicherweise borender Fragen von Glaubensgenossen ausgesetzt sieht, die man schlecht beantworten kann. Man weiß zwar genau und gefühlsmäßig, das einem der Glauben nichts mehr sagt, aber oft weiß man eben nicht so recht warum. Da fehlt die Fähigkeit eine stichhaltige Begründung zu formulieren, außer: ich spare mir das Geld.

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Als Christ ist man natürlich religiös, denn das Christentum ist eine Religion. Ob man gewisse Dogmen anerkennt oder Kirchengesetze befolgt, tut dabei nichts zu Sache, denn diese sind konfessionsabhaengig, aber solange sich eine Konfession auf das NT bezieht und seine wesentlichen Aussagen anerkennt, gehört sie zum Christentum.

Gewisse Christen behaupten aber (auch hier auf GF immer wieder zu lesen), sie gehörten keiner Religion an, sondern folgten Jesus nach. Aber die "Nachfolger Jesu" SIND eben Christen. Ich halte diese künstliche Differenzierung Christentum/Religion für einen Trick, um sich als etwas Besonderes darzustellen: "Religionen gibt's viele, aber WIR sind einzigartig!" 

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Religion ist "ritualisierter" Glauben - und vielen Menschen unheimlich. Wenn man sich nur mal anschaut, wie gespalten all die "Nachfolger Jesu" sind, hat das mit den "Urwerten" des Christentums nichts mehr gemeinsam.

Abgesehen davon war der Gott, den Jesus verehrte, eben nicht "eifgersüchtig" und "aufmerksamkeitsgeil", sondern durchaus bereit, sich ganz im Stillen an "guten" Menschen zu erfreuen, die seine Gesetze befolgten, ohne ihn permanent und eplizit "zu ehren"...

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Du beantwortest Deine Frage eigentlich schon selbst. Wer Christ ist kann nicht gleichzeitig religiös sein. Religiöse Menschen meinen immer Gott mit irgendwas gefallen zu müssen. Im Mittelalter kannte man sogar das Mittel der Selbstkasteiung. Furchtbar.

Nach der Kreuzigung Jesu zeriss der Vorhang im Tempel, der die Menschen vom Allerheiligsten trennte von oben nach unten. Von selbst. Dies war das sichtbare Zeichen, das uns sagen soll: Der Zugang zum Vater ist frei. Und damit ist auch gleichzeitig das Ende aller Religionen eingeläutet.

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Kommentar von vonGizycki
04.11.2016, 10:45


ProfFrink

Nee, das habe ich nicht eigentlich selbst beantwortet. Ich verstehe es nicht: Christ sein und nicht religiös sein? Das war ja meine Frage.

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Naja, solche Leute sagen dann, Religion bedeute, an Dogmen zu glauben und irgendwelche Rituale durchzuführen. Und ihnen ginge es eben nicht um Rituale oder Dogmen, sondern darum, eine "lebendige Beziehung mit Jesus" zu führen.

Ich habe sowas schon oft von Christ_inn_en gehört. Und ich würde sagen, das ist eigentlich ein Trick, mit Religionskritik umzugehen. So nach dem Motto: "Ja, Du hast Recht: Religion bringt nur Unheil über die Menschen. Aber ich bin ja nicht religiös!"

Hier noch ein Fundstück aus dem Netz dazu. Wenn Du Dich mal ein wenig in die (frei-) christliche Subkultur begibst, wirst Du solche Sprüche wirklich häufiger hören.

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Kommentar von vonGizycki
04.11.2016, 13:17

Danke, ist ein gutes Beispiel -  Allerdings muss ich da doch ein wenig den Kopf schütteln

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Ganz einfach, bin ohne es gewünscht zu haben konfimuert worden.
Den Abschluss Test habe ich bestanden.
Ob ich die Geschichten glaube oder nicht, einen großen Bogen um die Kirche mache, nicht bete, bin ich dennoch christlich konfimiert.

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Kommentar von matmatmat
04.11.2016, 08:47

Aber du mußt weder ein Mitglied der Kirche bleiben, noch dich so bezeichnen, oder? Man hat dir doch kein Brandzeichen verpaßt damals...

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Kommentar von crazyboy2001
04.11.2016, 08:51

Richtig, mit der Konfirmation hat man den Glauben der Religion angenommen.

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"Religiösität" ist schwer zu definieren. Ohne Definition kann man eigentlich gar nicht darüber diskutieren. Aber sei's drum.

Es gibt keine allgemeingültigen Regeln für Glauben und Religiösität. Du kannst dir deinen Glauben ganz indivduell so gestalten, wie er für dich am sinnvollsten erscheint. Wenn du dich zu einer Glaubensgemeinschaft hingezogen fühlst, bist du religiös. Du kannst aber auch religiös sein, ohne dich zu einer Glaubensgemeinschaft zu bekennen. Glaube und Religiösität sind nicht so einfach voneinander zu trennen. Allerdings finde ich die Frage, ob du religiös bist, völlig unwichtig.

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Kommentar von matmatmat
04.11.2016, 08:46

Die Frage schien mir auch, wie man auf die Idee kommt wenn man sich zu einer Glaubensgemeinschaft (wie du schreibst) nur "hingezogen fühlt" von sich behaupten kann dazu zu gehören und gleichzeitig wichtige Inhalte abzulehnen.

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Da musst du die Begriffe Glauben und Religion auseinanderhalten.

Laut Paulus ist der Christ, der an die Auferstehung von den Toten nach dem Kreuzestod glaubt. 

Ein Gläubiger ist auch der, der sich z.B. selber mit der Bibel beschäftigt und seine eigenen Schlüsse daraus zieht.

Religion ist ein Bekenntnis zu einem ganz bestimmten Glauben, dessen Inhalt z.B. von Kirchenlehrern oder Theologen vorgebene wird, z.B. in Form der Dogmen, und diese Vorgaben übernimmt man dann.

Kurz formuliert: Religion ist organisierter Glauben mit vorgegebenen Glaubensinhalten. Glauben ist zwar Voraussetzung von Religion aber nicht umgekehrt.

Die Reden Jesu lassen sich sehr leicht als Argumente gegen Religion auslegen und Jesus hat auch nie für Religion gesprochen oder gar eine gegründet. Erst Paulus hat eine Religion gegründet und organisiert.

Beispiel aus der Bergpredigt:

Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben
ihren Lohn dahin.

Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich.






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Kommentar von vonGizycki
04.11.2016, 10:47

Hamburger02

Könnte es sein, das Du meine Frage nicht richtig verstanden hast?

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Es gibt keine Pflicht, Christ sein zu müssen.

Mir sind Menschen lieber, die aus eigenem Entschluss Gutes für Andere tun, als solche, die das nur machen, weil sie es für eine von Gott, Jesus, Allah oder wem immer vorgegebene Pflicht halten.

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Kommentar von vonGizycki
19.03.2017, 08:17

Da gebe ich Dir absolut Recht! Die korrekte Schlussfolgerung wäre aber: dann brauchen wir solche (und darauf liegt für mich die Betonung) Religionen nicht.

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Ich würde sogar sagen, dass die meisten Christen nicht religiös sind, mich eingeschlossen. Man wird halt als Kind irgendwann getauft und ist ab da an Christ. Das schöne in unserer freien Welt ist ja, dass man machen kann was man möchte, im Gegenteil zum "Islamischen Staat" zum Beispiel.

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Kommentar von matmatmat
04.11.2016, 08:48

Aber ein wenig seltsam ist es schon, sich so zu nennen, ohne so zu sein, nur weil man mal Wasser über den Kopf bekam, oder? Ich verstehe den Fragesteller nicht so, daß er es verbieten will, er scheint nur - wie ich immer wieder - verwundert darüber.

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Ein "Kind des wahren Gottes" (Jes.45,22) ist nicht "religiös" (Offb.12,9; 2.Kor.11,14), sondern "glaubt" Seinem Wort (Joh.17,17; Röm.6,23).

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