Wie kann mam den Unterschied zwischen dem Dativ und dem Akkusativ erklären?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Fälle kann man im Prinzip nicht erklären, sie werden einfach durch bestimmte syntaktische (grammatische) Muster erfordert. So muss man bei jeder Präposition auswendiglernen, welchen Fall sie "regiert" (erfordert). Evtl. auch mehrere je nach Bedeutung. Dass man mit "wen" oder "wem" fragt, erklärt ja nichts, sondern kontrolliert nur das syntaktische Muster.

Eine annähernde Erklärung ist, dass ein "direktes Objekt", auf das die Handlung direkt wirkt, normalerweise im Akkusativ steht.

Außerdem gibt es oft ein "indirektes Objekt", das an der Handlung beteiligt ist, nicht aber ihr direktes Ziel ist. Das steht dann normalerweise im Dativ.

"Normalerweise", denn wie bei allem im Deutschen, gibt es Ausnahmen und Grenzfälle, aber mit dem vorstehenden Ansatz kann man die meisten Fälle erklären.

Beispiel:

Ich gebe meinem Bruder (er ist beteiligt, aber nicht das Objekt des Gebens) ein Buch (dieses ist das Objekt des Gebens). Also "meinem Bruder" im Dativ (dem "Gebefall"), "das Buch" im Akkusativ ("Anklagefall", blödsinnige Bezeichnung).

Ich beantworte dem Polizisten (indirektes Objekt) die Frage (direktes Objekt).

Ich antworte dem Polizisten (nur indirektes Objekt, kein direktes, denn was ich antworte, wird ja nicht gesagt).

Beispiel für einen Satz, der sich nicht so erklären lässt:

Ich schneide mir in den Daumen.

"mir" ist hier nur mit Hebeln als indirektes Objekt zu deuten, denn "ich" bin ja durchaus Objekt des Schneidens ;-)) "Daumen" müsste das direkte Objekt sein, wird hier aber in Form einer prädikativen Ergänzung formuliert.

Das liegt wohl daran, dass "schneiden" hier die spezielle Bedeutung von "mit einem Schnitt verwunden" hat, denn der Daumen wird (hoffentlich) nicht in Scheiben geschnitten.

"Schneiden" mit normaler Bedeutung und daher direktem Objekt:

Ich schneide Tomaten. Ich schneide Brot. usw.

Ich schneide Daumen. (Nur im Sägewerk Bad Segeberg ;-))

Dafür, daß man's "im Prinzip nicht erklären kann", ist es aber sehr ausführlich erklärt...

1

Das wurde schon gut erklärt. Ich bringe zur Ergänzung noch ein paar typische Beispiele. Manche Präpositionen (wie "in") können entweder den Dativ oder den Akkusativ nach sich ziehen, dann ist aber die Funktion anders.

Dativ:

derjenige, der den Nutzen einer Handlung hat "Er hielt ihr die Tür auf."

der Empfänger eines Gegenstands "Er gab mir einen Brief."

Ortsangabe (statisch, mit "in") "Er stand mitten im Raum."

Zeitangabe (mit "zu") "Zu dieser Zeit war der Laden schon geschlossen."

Angabe des Mittels (mit "mit") "Er schnitt die Möhren mit einem Messer."

Vergleiche "Er war mir überlegen."

"Mir gefällt das sehr."

Akkusativ:

das direkte Objekt "Er schoss ein Wildschwein."

Zeitangaben "Er schlief den ganzen Morgen."

Ortsangabe (Zielangabe, mit "in") "Er ging in den Raum hinein."

nach "ohne" "Er fuhr ohne mich nach X."

Interessant finde ich noch, dass sowohl bei der Orts- als auch der Zeitangabe der Dativ punktuell/statisch benutzt wird ("zu dieser Zeit" = Zeitpunkt) und der Akkusativ einen längeren Verlauf beschreibt ("den ganzen Morgen (lang)" = Zeitraum). Dazu passen "im Raum" und "in den Raum hinein" (letzteres ist auch ein Verlauf).

1

Auf wem oder was? antwortet der Dativ.
Auf wen oder was? antwortet der Akkusativ.

Die Wörter Dativ und Akkusativ leiten sich von lateinischen Wörtern ab:

Dativ von dare = geben
Wem gebe ich etwas? Ich gebe dem Mann, der Frau, dem Kind ein Buch.

Akkusativ von accusare = anklagen, beschuldigen
Wen klage ich an, beschuldige ich? Ich beschuldige den Mann, die Frau, das Kind.

Den Unterschied sollte man an Beispielen erklären. Logisch ist die Verwendung von Dativ und Akkusativ leider nicht immer. Zum Beispiel heißt es "mit dem", aber "ohne den". Sinnvoll ist das nicht.

Ich schenke dem Schüler einen Duden.

WEM (Dativ) schenke ich einen Duden? DEM Schüler.

WEN/WAS (Akkusativ) schenke ich dem Schüler? EINEN Duden.

Was möchtest Du wissen?