Wie kann ich sicher sein, dass die Geschichtsbücher die Wahrheit sagen?

20 Antworten

Ich kann dich sehr gut verstehen und bringe dazu gleich mal ein Gegenbeispiel. Es lief vor einigen Jahren eine Art Serie über Hemingway.
Das ganze war in Sechs Teilen und war wie eine Art Spielfilm aufgezogen. Nachdem sie zu Ende war schrieb ein Zuschauer ja genau so war er.
Und ich fragte mich ach du kanntest ihn persönlich?

Fakt ist er hat wohl nie Paris ist eine Frau gelesen, (geht um dieses Buch https://www.amazon.de/Paris-war-eine-Frau-Gertrude/dp/3499242249)

wo Hemingway auch skizziert wird, zumindest ein paar seiner Stationen und wenn man ein wenig über seine Vita Bescheid weiß macht das was über ihn gesagt wird ebenfalls Sinn d. h. es steht Aussage gegen Aussage, denn Hemingway hat natürlich alles dementiert denn er hätte ja ansonsten an seinem späteren Mythos gesägt.

Ich glaube übrigens den Ausführungen in dem Buch und halte Hemingway seitdem für eine aufgeblasene Witzfigur.

Nimmt man jetzt aber die Historie muss man unterscheiden zwischen dem was von Chronisten aufgeschrieben wurde oder aber später von Archäologen zutage gefördert wurde.
D. h. heute ist es so das wir eigentlich alles dokumentieren, vor hunderten von Jahren jedoch nicht und selbst das was wir heute über jemanden hören oder lesen können ist m. E. fraglich denn wer sagt uns denn das er so dachte usw. weil der, der das über ihn verfasst ja vielleicht ein Verehrer ist und das ganze so darstellt um sein Idol ins rechte Licht zu rücken.
Es kann also durchaus sehr einseitig sein was man zu lesen bekommt und somit ein falsches Bild von der Person entstehen, die insbesondere bei denen, die ihn/sie wirklich kannten Fragen aufwerfen könnte.
Aber vor Jahrhunderten war das nicht anders, denn die Chronisten wurden entweder vom Staat, der Kirch oder aber selbst von einer der Personen über die man schreiben sollte beauftragt um sich der Nachwelt zu erhalten.
(Nimm dich doch dich selbst mal als Beispiel und befrage mal 8-9 deiner Freunde/Bekannten wie sich dich sehen. Nimm dazu ein Blatt wo Fragen und Antworten drauf stehen und du wirst feststellen jeder denkt ein bisschen anders über dich das ist kein Makel aber soll nur zeigen das jeder eine andere Wahrnehmung hat)
Gab es keine direkten Auftraggeber, sondern ein Staat oder die Kirche, ging man auf Spurensuche und trug teilweise über Jahre alle Informationen über eine Person und die Lebensumstände zusammen und schrieb dann alles mühsam auf.

Das wird im Film der Name der Rose gut verdeutlicht, da sind etliche Mönche die nichts anders tun als schreiben.
Beim Film Bravehart z. B. wo es um William Wallace geht haben auch Chronisten der englischen Krone und vielleicht auch schottische Bürger zu seinem Mythos beigetragen - übrigens ist der Film nur ein Film und entspricht nicht im mindesten den Tatsachen, wenn man die Geschichte über ihn nachliest aber, als seine Armee irgendwann zerschlagen wird und er sich verstecken muss ranken die Legenden um ihn in die Höhe und ab da wird klar das schon damals vieles hinzugedichtet wurde, denn niemand wird die gleiche Story erzählen, also das er 5 Leute eigenhändig erschlagen hatte, sondern immer hinzudichten.
Und vor diesem Problem standen die Chronisten damals natürlich auch und mussten dann irgendwann abwägen was entspricht der Wahrheit und was nicht - und d. h. sie haben sicherlich so einige 100 Leute befragen müssen (so genannte Zeitzeugen) bis sie zu einer ungefähren Aussage gekommen sind und das was sich immer wieder deckte dann am Ende niedergeschrieben haben.

Anders ist es bei Funden aus der Antike wo verschiedene Leute verschiedene Ansichten über Fundstücke haben und sich oft uneins sind was welche Bedeutung gehabt haben kann und was ich übrigens megaspannend finde, weil es auch uns Laien Raum für Spekulationen offen hält.

Klar kann man auch das ein oder andere versuchen zu fälschen aber das lohnt sich ja nur bei wenigen Dingen wie Kunstwerken oder Zertifikaten
wo am Ende vielleicht ein mysteriöser Käufer steht aber bei einer Fundstätte (und wir haben in Deutschland so einige) wäre der Aufwand irgendwas zu fälschen zu groß weil wir heutzutage über Techniken verfügen die bis auf ein paar Jahre das Alter einer Sache bestimmen können. Ganz egal ob bei Bildern oder alten Speerspitzen. Und die Sachen später ohnehin der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden d. h. es gibt dafür auch keine Unsummen an Kohle wofür sich der Aufwand lohnen würde.
Früher als es noch eine Sensation war, wie die Pharaonengrabstätten zu entdecken, war das sicherlich noch was Besonders denn bis dahin war Archäologie nicht so bekannt wie heute und ab da wurden ja auch einige Schätze von Grabräubern gestohlen aber was man heute findet ist zwar interessant aber selten aus purem Gold und daher nur zeitgeschichtlich wertvoll.

Es ist also mit Sicherheit nicht alles gefälscht und erlogen was uns heute bekannt ist.
Interessant ist es aber allemal, weil es immer wieder Historiker gab und gibt die bestehende Thesen anzweifelten und später auch durch entsprechende Beweise widerlegen konnten.

Man muss also einfach nur kritisch durchs Leben gehen und sich nach allen Seiten informieren anstatt sich auf eine von vielen möglichen Erkenntnissen zu berufen.

Gar nicht.

Es gibt keine absuluten Wahrheiten. Jedes Geschichtsbuch bietet eine Interpretation dessen, was der Autor oder die Autorin meint, an Geschichte wahrgenommen zu haben. Das trifft die "Wahrheit" immer nur mehr oder weniger Annäherungsweise.

Darum gibt es in der Geschichtswissenschaft immer den Grundsatz "Ad fontes", zu den Quellen, also möglichst die Originaldatei oder den Originalort zu sehen und zu bewerten. Aber selbst die können ja schon die "Wahrheit" verfälscht haben, weil sie selber auch schon Interpretation waren.

Darum sollte man sich immer auch aus unabhängigen Quellen informieren und versuchen, sich ein eigenes Bild zu machen. Wo man das nicht selber kann (schon allein aus Zeitgründen), muss man Vertrauen in den Autor haben und trotzdem immer kritisch bleiben.

Es ist sehr verhängnisvoll, wenn es in der Öffentlichkeit heißt, "die Wissenschaft hat festgestellt". Die Wissenschaft ist nicht unfehlbar, sondern besteht aus einer ständigen Auseinandersetzung mit Irrtum und Zweifel. Kein Ergebnis ist endgültig, sondern gilt immer nur so lange, bis man ein genaueres Ergebnis findet.

Also: Immer hübsch kritisch bleiben. Anders geht es nicht.

Spätestens in der Oberstufe ist genau diese Frage eins der Themen im Geschichtsunterricht.

Ganz annahmenfrei ist dies nicht (das ist übrigens keine Wissenschaft), aber man kann u. a. durch Vergleich verschiedener Quellen doch abschätzen, wer ein Interesse an welcher Darstellung gehabt haben könnte und in welche Richtung die Quelle daher vermutlich gefärbt ist.

Nicht umsonst ist Geschichtswissenschaft kein Einmaleins, sondern ein Studienfach.

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