Wie kann ich mich outen (bisexuell)?

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6 Antworten

So, jetzt doch noch eine Antwort auf die eigentliche Frage ;)

Hast du schon mal gesucht, ob es in deiner Umgebung irgendwelche LGBT*-Vereine oder -Jugendgruppen o.ä. gibt? Das meiste müsstest du im Internet finden. Ansonsten haben meistens die AIDS-Hilfen und die ProFamilia-Stellen auch nen ganz guten Überblick, was es an LGBT*-Szene in der Stadt bzw. in der Umgebung gibt. Dort könntest du auch einfach mal nachfragen.

Wenn du den Rückhalt hast und dich da auch mit anderen austauschen kannst, fällt es dir vielleicht auch leichter, mit deinen Eltern zu sprechen. Vielleicht kannst du dann auch deine Eltern quasi ein bisschen vorsensibilisieren, wenn du erst mal erzählst, dass du jetzt mit dieser oder jener Person befreundet bist, der*die schwul bzw. lesbisch oder bi ist, bevor du dich selbst bei ihnen outest!? Ansonsten hilft es manchmal auch ein bisschen, sie quasi immer wieder zu "zwingen", sich mit dem Thema auseinander zu setzen, indem du zum Beispiel gezielt irgendwelche Filme mit ihnen guckst, in denen es um das Thema geht, ihnen irgendwelche Zeitungsausschnitte hinlegst... Wahrscheinlich sind sie dann am Ende auch gar nicht mehr so überrascht über dein Coming-Out. ;)

Und in deinem Freundeskreis kannst du ja auch erst mal versuchen, ein bisschen herauszufinden, wer dem Thema Homosexualität allgemein gegenüber wie aufgeschlossen ist und dann entscheiden, bei wem du dich jetzt outen willst und bei wem vielleicht erst später. Je mehr Menschen du hast, die gut reagiert haben und die hinter dir stehen, desto leichter fällt es dann auch, mit nicht so netten Reaktionen umzugehen.

Ich bin selber bi bzw genauer gesagt pansexuell und nur mein Freundeskreis weiß es. Ich finde wir sollten uns nicht outen müssen und unsere Sexualität begründen, mach dir da keinen großen Kopf drum. Und falls du mal ein Mädchen kennenlernst wirst du, auch ohne zu wissen ob sie nicht hetero ist, merken, ob zwischen euch was laufen könnte oder nicht

Warum willst du dich outen? Hälst du deine sexuelle Orientierung für so etwas Besonderes, dass du es jedem mitteilen musst?

Wenn es doch gar nichts Besonderes ist, warum bitte fängt die Menschheit nicht endlich mal an, es als ganz selbstverständlich zu betrachten? "Das ist doch ganz normal in der Pubertät, dass die Jungs nichts anderes mehr als Mädchen im Kopf haben." Wie oft hab ich das schon gehört und mir jedes mal gedacht "Boah, wie heteronormativ. Könntest du auch mal mitbedenken, dass nicht alle Menschen heterosexuell sind?

Wie oft werde ich als Frau gefragt, ob ich denn nen Freund (oder Mann) hätte? Ziemlich häufig. Ich weiß nicht, wie's anderen geht, aber ich wurde in meinem Leben von einer einzigen Person gefragt, ob ich nen Freund oder ne Freundin hätte und fand das so toll und bemerkenswert. Wenn es doch nichts besonderes ist, warum fangen die Menschen dann nicht an, einfach alle Menschen, egal ob männlich oder weiblich, zu fragen, ob sie einen Freund oder eine Freundin / Partner oder Partnerin hätten?

Wie oft erzähle ich Menschen von meiner Freundin und dass ich mit ihr zusammen ziehe. "Ach, du ziehst in eine WG? Du ziehst nicht mit deinem Freund zusammen?" NEIN! Ich ziehe mit meiner Freundin, mit der ich eine Beziehung führe, zusammen. NEIN! Ich habe keinen Freund, sondern eine Freundin. Und ich muss es jedes mal wieder erklären. Und jede Person, die ich neu kennenlerne, nimmt wieder erst mal an, ich wäre heterosexuell.

Kann sein, dass ich dich jetzt völlig zu unrecht angreife und du eh nie irgendwelche Vorannahmen triffst, sondern grundsätzlich von allen Menschen annimmst, sie könnten jede sexuelle Orientierung haben. Kann sein, dass du einer der wenigen Menschen bist, der grundsätzlich Menschen alle Geschlechter nach Partner oder Partnerin fragt, der nie davon ausgeht, dass sich in der Pubertät alle nur noch für das andere Geschlecht interessieren, sondern auch hier alle sexuellen Orientierungen in betracht zieht und der, wenn zwei junge Frauen oder zwei junge Männer sich gemeinsam eine Wohnung ansehen, nicht davon ausgeht, dass sie als WG einziehen wollen. Dann tut mir meine "Belehrung" aufrichtig leid. Ansonsten... denk bitte erst einmal darüber nach, wie häufig man im Alltag falsche Annahmen trifft, bevor du behauptest, dass ein outen überhaupt nicht nötig ist und aus reinem Selbstdarstellungsdrang passiert.

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@MuseMelpomene

Welcher Hetero geht zum seinen Eltern und "outet" sich? Vermutlich die allerwenigsten!

Und warum? Weil es FÜR SIE vollkommen normal ist, das andere Geschlecht zu mögen und irgendwann den Partnern "mitzuschleppen", so dass alle das merken, dass man vergeben ist.

Warum machen das "anders"sexuelle Menschen nicht auch? (Ich habe jetzt mit Absicht "anders" geschrieben, um damit die große Gruppe der Nicht-Durchschnitt-Heteros zu umfassen. Ob nun homo, trans, bi oder was auch immer.)

Warum sind diese Menschen häufig der Meinung, sie müßten jedem mitteilen, wen sie mögen? 

Ja, grundsätzlich gehe ich, wenn ich jemanden kennenlerne, davon aus, dass er deutsch, evangelisch, getauft und hetero ist. Aber - ganz ehrlich - es interessiert mich auch nicht! Wenn mir dann jemand erzählt, er sei homosexuell, reagiere ich genauso als würde er mir erzählen, dass er aus der Kirche ausgetreten ist. 

Es gibt Dinge, die ich für so absolut privat und unwichtig in einer Bekanntschaft / Freundschaft halte, dass ich einfach nicht darüber rede. Oder sprichst du z.B. mit jedem über deine Lieblingsstellung im Bett?

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@ErsterSchnee

Im übrigen fragt man üblicherweise nur nach dem, was man kennt bzw. was man selbst als "normal" empfindet.

Oder fragst du jeden, ob er vielleicht sogar zwei oder drei Freunde/Freundinnen hat oder gar in einer Kommune wohnt? Nein? Warum nicht? Zu monogamnormativ? 😉

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Was gibts da zu outen. Du kannst sowohl mit Männern, wie auch mit Frauen. Wenn du jetzt NUR auf Frauen stehen würdest, würde ein outen ja noch Sinn machen, damit du nicht ständig unnötig vom andern Geschlecht angemacht wirst, sondern es alle um dich rum kapieren. Aber so finde ich das nicht notwendig. 

Zudem setzt man das bei Frauen in der Regel auch sowieso voraus :) . Die meisten Frauen sind doch irgendwie auch bi, auch wenn sie es nicht immer ausleben. Bist aus meiner Sicht also keine Seltenheit ;)

Ich würde mich an Deiner Stelle überhaupt nicht outen.

Wozu?

Es geht doch niemanden etwas an, mit wem Du ins Bett gehst.

Kein Heterosexueller würde jemals auf den Gedanken kommen, seinen Eltern o.ä. zu sagen, dass er heterosexuell ist.

Schon mal darüber nachgedacht, dass bei einer heterosexuellen Person eh alle davon ausgehen, dass er*sie heterosexuell ist? (siehe Post zum Kommentar von "ErsterSchnee". Fangt bitte an, wirklich allen Menschen zuzusprechen, dass sie alle sexuellen Orientierungen haben könnten. Fangt an, alle Menschen zu fragen, ob sie einen Partner oder eine Partnerin haben, statt Männer nur nach einer Partnerin und Frauen nur nach einem Partner zu fragen... Dann ist ein Coming-Out tatsächlich nicht mehr nötig!

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@MuseMelpomene

Ja, und?

Geht die doch gar nichts an, mit wem ich Sex habe.

Die Selbstverständlichkeit von einer Sache hängt auch maßgeblich davon ab, wie der Betroffene damit umgeht.

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@Menuett

Nein, eigentlich nicht. Eigentlich geht es die Menschen in meinem Umfeld auch gar nichts an, welche Hobbys ich habe, was ich gerne Esse, mit wem ich befreundet bin... und trotzdem fängt man, wenn man beruflich oder sonst wie viel miteinander zu tun hat, auch irgendwann an, über solche Dinge zu sprechen.

Wenn es denn niemanden was angeht, warum tragen die ganzen verheirateten Menschen dann nen Ring, warum steht dann bei vielen Menschen ein Bild von der Ehefrau oder den Kindern auf dem Schreibtisch. Warum erzählen die Menschen dann ständig von ihrer Familie? Und warum erzählen heterosexuelle Menschen meistens viel eher von der Ehefrau oder dem Ehemann als homosexuelle? Weil man halt doch nicht davon ausgehen kann, dass alle so nett reagieren, weil man sich doch immer wieder überlegen muss, wem man vom Partner/der Partnerin erzählt, war heterosexuelle Menschen selten tun. Die erzählen einfach - und zwar so ziemlich jeder und jedem.

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@MuseMelpomene

Richtig, die erzählen von Partner oder Partnerin - aber nie, mit wem sie Sex preferieren.

Wenn ein Mann/Frau einen Freund/in hat und davon erzählt - wunderbar.

Wenn ein Mann/Frau erzählt, dass er/sie homo- oder heterosexuell ist - dann empfinde ich das als Belästigung.

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was gibts da zu outen?`willst du dich wichtig haben?

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