Wie kann ich meinem ausgeschlossenen Kind helfen? Er hatte einen Nervenzusammenbruch gestern.

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Salut Luca,

zunächst möchte ich Dir sagen, dass mich Deine (Eure) Situation ganz schön bedrückt.

Deshalb auch sofort zum Thema. Es geht hier nicht um eine komplexe Lösung aller in Deinem Text beschriebenen Umstände, sondern ich möchte mich auf die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für Deinen Sohn beschränken, auch wenn die geschlossene Front der Dorfbewohner ein Problem für DICH darstellt.

Der Geburtstag Deines Sohnes steht an. Möglichkeit: schnapp ihn Dir und feiert den Geburtstag nicht zuhause. Evtl. gibt es einen Freizeitpark oder Ähnliches in der Nähe, wo man dies tun kann. Dies kann, auch wenn ich im Grunde gegen Lügen bin, auch als Begründung für Deinen Jungen dienen, warum niemand zu seiner Feier kommt. Ihr seid einfach nicht da und es sollte eine Überraschung für ihn werden. Darüber hinaus wird es Dir ansonsten äußerst schwer fallen, Deinem Sohn eine adäquate Erklärung zu liefern, warum andere Kinder seinem Geburtstag fernbleiben und er kann sich ein wenig besser und weniger ausgestoßen fühlen, da andere nicht kommen weil ihr nicht da seid und nicht weil sie ihn nicht mögen (oder nicht dürfen). Auf jeden Fall raus aus der (für ihn feindlichen und ablehnenden) örtlichen Umgebung und von der Situation (zumindest für seinen Geburtstag) ablenken. In seinem Alter versteht er die wahren gründe noch nicht und sucht die Schuld (für das Fehlverhalten der anderen) bei sich selbst.

Schulische Situation. Schulwechsel schnellstens einleiten ist, meiner Meinung nach, primär wichtig und erste Maßnahme um Deinen Sohn aus der "Schusslinie" zu bekommen. Sekundär wird er auf der neuen Schule auch neue Freunde finden und damit sein Selbstvertrauen wieder gewinnen können. Darüber hinaus wird sich dadurch klären, dass Dein Sohn NICHT der Übeltäter war, denn die Übeltaten des anderen Jungen (des eigentlichen Schuldigen) werden weitergehen und diesmal ist Dein Sohn ja nicht da, um der "Prügelknabe" für ihn zu sein. Ich weiß, ein Schulwechsel ist gerade in ländlichen Regionen nicht leicht und oftmals sehr unbequem da längere Schulwege anstehen, doch sollte es das Wohl des Kindes wert sein auch einen Schulweg von weit längerer Dauer zu akzeptieren, ansonsten besteht das Risiko einer dauerhaft manifesten Traumatisierung Deines Kindes durch die ständig erfahrene Ablehnung und Herabsetzung durch andere Kinder, Eltern und Bezugspersonen in der Schule.

Psychologische Hilfe. Umgehend psychologische/psychotherapeutische Hilfe für Deinen Sohn einleiten. Dies kann in erster Instanz über den Kinder- oder Hausarzt erfolgen. Nicht zögern!!! Das seelische Wohl Deines Kindes steht auf dem Spiel. SOFORT handeln!!!

Generelle Maßnahmen. Du mußt Deinen Sohn aus dem Feld ziehen und kannst ihn dieser Situation nicht länger aussetzen ohne dabei ernsthafte psychische Schäden in Kauf zu nehmen. Ein Kind diesen Alters ist noch nicht in der Lage die Komplexität der Gesamtsituation vollständig zu erfassen und erst recht nicht zu verarbeiten. Auch wenn die Dorfgemeinschaft Schuld an möglichen psychischen Schäden trägt, so liegt es doch in Deiner Verantwortung schnell und effizient zu handeln. Über Deine Probleme mit der Dorfgemeinschaft können wir gerne an anderer Stelle reden, aber erst, nachdem Du Dein Kind in "Sicherheit" gebracht hast.

Ich drücke Dir ganz fest die Daumen und hoffe, dass Du UMGEHEND tätig wirst.

Mach´s gut.

An Schulwechsel denken wir schon lange. Es gibt hier in der Nähe allerdings nur noch eine einzige Schule. Wo allerdings nur KInder aus bestimmten Regionen hingehen dürfen. Alle anderen Kinder müssen einen Antrag stellen. Aus unserem Dorf wollten letztes Jahr 11 Kinder auf diese Schule gehen. Nach wochenlangen Gesprächen und Anträgen wurden 2 genommen !!!

Die Anforderungen, die der Direktor an der Schule an die Schüler hat sind enorm. Sie nehmen z.B. keine Kinder von geschiedenen Eltern. Das Kind darf sozial nicht negativ aufgefallen sein. Und das Kind muss mind. 1 Instrument spielen...

Damit kann ich nicht dienen. Ausserdem fährt KEIN Bus von unserem Ort aus in diese Schule, da ich keinen Job habe und wir dadurch sehr wenig Geld zur Verfügung haben, ist das finanziell kaum machbar in jeden Tag dorthin zu fahren.

ABER:::: Die Lehrer seiner jetzigen Schule sagen ja, er fällt NICHT auf, ausserdem ist er einer der Klassenbesten. Und mit einem Schulwechsel ist nur die Schulsituation geändert. Wenn er auf der neuen Schule neue Freunde gewinnt wohnen diese Kinder aber nicht in unserem Dorf, sondern weiter weg. Das ist alles so verzwickt. Am Dienstag habe ich einen Termin mit der Klassenlehrerin, der Schulpsychologin und einem Herrn von der Caritas.

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@LucaM

Ja so leid es mir tut, Luca, aber ich kann Dir hier nur sagen, was ich für angebracht und wichtig Deinem Kind gegenüber erachte.

Um es nochmals ganz klar zu sagen: Dein Kind läuft Gefahr einer dauerhaften psychischen Störung, wenn es nicht aus der derzeitigen Situation genommen wird!!!

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt sind ja psychische Auffälligkeiten beobachtbar, nämlich die Enuresis diurna und Enuresis nocturna (Einnässen bei Tag und Nacht). Um noch weitere Schädigung der Psyche zu verhindern MUSS jetzt gehandelt werden.

Natürlich kann ich verstehen, dass Deine derzeitige finanzielle Situation schwer ist, doch sollte mit der ganzen Familie im Zusammenschluss eine Möglichkeit gefunden werden, Deinen Sohn zu einer anderen Schule zu bringen.

Vielleicht fährt ja auch ein Schulbus außerhalb des regulären Linienverkehrs. Es tut mir leid, da ich aber weder Kenntnis der regionalen Gegebenheiten habe und darauf auch keinen Einfluss ausüben kann, kann ich Dir nur sagen, was in meinen Augen zu tun ist. Die Umsetzung dessen liegt in Deinen Händen.

Du sagst, dass sich durch einen Schulwechsel doch "nur" die Schulsituation ändern würde. Kinder die mit Deinem Sohn unvoreingenommen wenigstens schon mal in Pause spielen wäre nichts??? Entlastung für Dein Kind an einem Punkt, wo er den halben Tag verbringt ist kein Fortschritt??? Neue Freunde, die zwar weiter weg wohnen, die man aber jeden Tag in der Schule sieht und mit denen man ggf. telefonieren kann, wäre die keine Hilfe???

Hilfe zum Schulwechsel (bei dieser Vorgeschichte) ist, so denke ich evtl. beim Jugendamt, Schulamt und unterstützend möglicherweise auch vom Gesundheitsamt zu bekommen, da es hier um das Kindswohl geht, doch eine genauere Abklärung obliegt Dir.

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Hallo, das hört sich ja gar nicht gut an. :( Also ich würde nochmal mit den Eltern der anderen Kinder, die ihn ausschließen reden, und die anderen dazu animieren, dass sie bezeugen, das dein Sohn den anderen Jungen nicht geschlagen hat. Die Lehrerin müsste dazu eigentlich auch was sagen können, wenn es in der Schule passiert ist. Du musst auf jeden Fall mit den anderen Personen reden und wenn du mitbekommst das der andere Junge den Jungen mit den blauen Flecken schlägt, dann würde ich das aufnehmen, damit du einen Beweis hast. Denn irgendwie muss man das ja beweisen können und wenn das eigentlich alle sagen, dann sollen sie auch wenigstens den Mut haben dazu zu stehen und nicht zu lügen, nur weil sie zu feige sind etwas dagegen zu unternehmen, schließlich geht es um ein unschuldiges Kind. Liebe Grüße

Ich möchte die anderen Kinder nicht da mit reinziehen. Aufnehmen ??? Um Gottes Willen. Du glaubst ja gar nicht, wie ich angeprangert worden bin, als ich der Direktorin und der Klassenlehrerin erzählt habe, dass ich und mein Ex beobachtet haben, wie der andere Junge den besagt Jungen verprügelt hat. Erst nach ca. 2 Min. ist mein Ex dazwischen. Wir sind dahingestellt worden, als hätten wir seelenruhig zugeguckt wie der Junge verprügelt wurde. Da wurde gar nicht darüber gesprochen, das er verprügelt wurde. Es wurde nur darüber diskutiert, wie nachlässig wir waren. Ne, ne. Ich nehm da lieber nix auf......

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Gerade in kleinen gemeinschaftlichen Verbänden, wie es mir dein Ort zu sein scheint, herrscht oft eine eigenartige Konspiration, die sich ab einem gewissen Stadium autark macht. Und dagegen anzukommen ist schwer. Hast du schon versucht, mit den Lehrern, mit der Direktion der Schule zu sprechen? Gibt es vielleicht einen "Ombudsmann" der einigermassen objektiv ist? Versuche einen Psychologen für deinen Sohn zu finden. (Mir stellt sich der Verdacht, dass jener Junge, der hier nach deinen Angaben das auslösende Moment ist, vielleicht der Sohn einer einflussreichen Familie des Ortes ist, ist dem so?)

Wichtig ist jetzt erstmal, dass für deinen Sohn Hilfe geschaffen wird, und die sehe ich - ich bin Laie!!! - nur mithilfe eines Profis - und denke eben an Psychotherapeutischen Beistand. Versuche bitte raschmöglichst, diesbezügliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, gerade auch das Bettnässen ist doch ein Hilfeschrei! Ich wünsche dir alles Gute und viel Glück! - Rechne aber bitte damit, dass dir zu einer Übersiedlung geraten wird. LG!

Ich habe schon mehrere Gespräche mit der Klassenlehrerin geführt. Auch mit der Dirketorin. Sie sagen, mein Kind sei relativ unauffällig. Aber , wenn es mal zu Streitigkeiten kommt, ist er auch nicht immer unschuldig. Für die Lehrer gibt es keinen Anhaltspunkt und sie sagen, sie bekommen nichts mit. In der Pause sind ca. 150 Schüler draussen und 2 Pausenaufsichten. Ich versuche seit Wochen einen Psychologen für meinen Sohn zu finden. Auch im Umkreis von 30km. Aber überall ist Wartezeit von einem halben- bis 1 Jahr. Ich stehe auf vielen Wartelisten. Ich gehe mit Luca seit einigen Wochen zu einer Frau, die andere Heilmethoden anwendet, wie Kinesiologi, pendeln, Tensor, Klopftechnik, Stressbewältigung...... Die Famiie des anderen Jungen, ist eigentlich nicht sehr einflussreich hier im Dorf. Sie ist ca. 43 Jahre alt, lebt im Haus ihrer Eltern, mit ihren beiden Kindern (7 und 10) der Vater der Kinder ist schon seit Jahren weg (sie hat sich von ihm getrennt, weil er getrunken hat), sie verbietet ihren Kindern den Kontakt zum Vater. Die Kinder sind den ganzen Tag auf sich gestellt, oder werden bei versch. Leuten hier im Dorf "untergebracht". Die Mutter hat hier im Dorf einen eigenen Friseursalon wo sie jeden Tag ist und hat noch einen Nebenjob. Also sie unterscheidet sich von mir in3 Dingen: ich gehe NICHT arbeiten- sie hat 2 Jobs..... Sie ist immer bis zum Anschlag top gestylt und geschmint. Immer die besten Klamotten an, auch schon morgens um 06 Uhr an der Bushaltestelle - ich nicht...... Sie hat so gut wie nie Zeit für ihre Kinder - ich habe so gut wie immer Zeit für mein Kind.

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