Wie kann ich in NRW mit Bergsteigen bzw outdoor klettern an?

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1 Antwort

Bergsteigen hat mit Klettern nur bedingt zu tun. Zwar können Kletterpassagen vorkommen, somit muss auch jeder Bergsteiger klettern können, aber Kletterpassagen sind eher leicht bis mittel und dienen dazu, das zu überwinden, was man nicht als ansteigenden Fußweg zurücklegen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Reinhold Messner mal je eine 10+ geklettert ist und wüsste auch nicht, ob Stefan Glowacz am Mount Everest Spaß hätte. Die Herausforderung im Bergsteigen liegt eher im unwegsamen Gelände, der Höhenluft, den Wetterunterschieden (nach oben hin wird es doch etwas kälter), der Logistik (große Berge brauchen mehrere Tage, möglicherweise Wochen, wenn man sie vom Fuß bis zum Gipfel besteigt) und der Navigtion (Route so wählen, dass sie nicht zu kraftraubend ist - also lieber ein paar Kilometer mehr gehen, als große Steigungen zu bewältigen oder zu klettern).

Du sagst nicht, wo du aus NRW kommst. Aber wenn du einen schönen alpinen Steig (hoch wirds nicht, aber eine schöne Tagestour mit mittleren bis stärkeren Steigungen und leichten Kletterpassagen sowie Wege über Felskämme, bei denen man definitiv schwindelfrei sein sollte) suchst, kann ich dir die Tour Teufelsley und Engelsley in Altenahr nahelegen. Ist zwar Rheinland-Pfalz, aber recht nah an der Grenze zu NRW (Zur Orientierung: Nächst größere Stadt ist Bonn -> 20km bis Meckenheim -> Über die Grenze nach RP und 20km bis Altenahr). Schöne Wanderungen mit größeren Steigungen, aber ohne Kletterpassagen, gehen auch im Siebengebirge bei Bonn, Petersberg und Drachenfels sind jeder für sich schon mal eine schöne Tour, wenn du Kondition für eine Bergwanderung sammeln willst, mach von früh morgens bis spät abends alle sieben als Rundweg durch.

Du schreibst auch nicht, wie fit du im Klettern und Sichern bist. Sportklettern bietet sich generell natürlich an, in der Halle anzufangen. Zum Beispiel in Kursen und Klettertreffs der jeweiligen DAV-Sektion.

Es spricht auch nichts dagegen, direkt rauszugehen. Ich bin auch schon mit Kletter-Anfängern ohne Vorerfahrung an die Teufelsley nach Dümpelfeld (ebenfalls RP, es gibt zwei Teufelsleys im Großraum Altenahr, die direkt an Altenahr auf der Teufelsley-(optional Teufelsloch)-Engelsley-Tour und die ein paar KM weiter in Dümpelfeld mit einem kleinen Quarzitfelsen mitten im Wald) gefahren. Der Vorteil dieses Felsens ist, dass man nicht vorsteigen muss. Ein einigermaßen sicherer Kletterer kann die Rückseite im 2. Grad ungesichert besteigen, legt oben ein Toprope und dann tobt man sich mit seinen Anfängern erst mal im Toprope aus, sichern auch durch Anfänger mit einem ATC und hintersichert durch eine erfahrene Aufsichtsperson). Eine Topo habe ich im Internet gefunden, aber noch niemand, der mit mir da war, hat sie verstanden. Die leichten (Grad 3, 4, 5) sind eher links an der steilen Wand.

Topropen kann man auch schön an der Hohenzollernbrücken in Köln, Mitgliedschaft im DAV (idealerweise Köln, dann kann man gehen, wann man will, Mitglieder anderer Sektionen sollten sich vorher im Sektionsbüro Köln anmelden) ist allerdings Pflicht. Routen sind allerdings knackiger, als an der Teufelsley. Topo gibts beim DAV Köln kostenlos zum Download.

Bei Düren zwischen Aachen und Köln liegt Niedeggen, wo sich im Wald einige abgesicherte (teilweise leicht untersicherte) Buntsandsteinkonglomerat-Felsen befinden. Klettert sich aber arg merkwürdig. Topo findest du im Internet, ein Ticket für 5 Euro ist an der Tankstelle am Ortseingang Niedeggen zu kaufen (es wird manchmal kontrolliert).

Ansonsten gibt es diverse Kletterführer wie z.B. Rhein-Main-Gebiet, Land der 1000 Berge (Sauerland) oder Schwarze Säulen (Mayen, Ettringen, Kottenheim - achtung sehr speziell, Basaltstein und nur Riss- und Plattenkletterei, das mag nicht jeder) und noch eines dessen Titel ich vergessen habe, das sich auf das Ruhrgebiet (rund um Essen) konzentriert. Zu finden in gut sortierten Outdoor-Läden wie Globetrotter aber durchaus wohl auch über Buchhandlungen zu bestellen oder bei Amazon. Für alle Routen sind Topos und eventuelle Sperrhinweise enthalten, dann kann man sich Klettergebiete nach Schwierigkeitsgrad, Höhe (manche Gebiete bieten Möglichkeiten zu Mehrseillängen) und Entfernung aussuchen. Gerolstein taugt auch was, ich weiß aber gerade nicht wo im Internet oder in welchem Buch die Topo zu finden ist.

Tips im umliegenden Ausland sind Berdorf in Luxemburg (Buch Climbing Berdorf, gibts auch hier in Deutschland bei den üblichen Verdächtigen zu kaufen - Unbedingt Kletterpermit beim Ministerium für Umweltschutz anfordern, wird man ohne erwischt, drohen empfindliche Geldstrafen und es wird ein- bis mehrmals täglich kontrolliert) und die Mehrseillängen-Gebiete Dave-Namur und Freyr, beide bei Brüssel, in Belgien (Bücher gibts im Internet zu bestellen)

Noch ganz speziell zu erwähnen ist der Landschaftspark Duisburg Nord, wo einige Kletterrouten, ein Klettersteig und eine Drytooling-Anlage (Eis-/Mixed-Klettern ohne Eis - die Eisgeräte werden dann in Baumstämme, die an den Wänden hängen, geschlagen) in bestimmten Bereichen der Industrie-Ruinen eingerichtet wurden. Anmeldung und kleiner Obulus bei der DAV-Sektion Duisburg erforderlich.

Mahnung allerdings: Draußen vorsteigen nur mit guter Einweisung und sinnvollerweise viel Übung aus der Halle - bei Mehrseillängen erst recht nur mit guter Einweisung und auf den ersten Touren mit erfahrener Aufsicht!

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