Wie kann ich als Sanitäter im Privatwagen mit nötiger Ausrüstung die Rettungsgasse benutzen?

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7 Antworten

Als Mitglied einer HiOrg solltest Du wissen, dass Du dazu nicht jur Sonderrechte, sondern auch Wegerechte bräuchtest. Und Wegerechte kannst Du mit deinem Privatwagen normalerweise nicht in Anspruch nehmen.

Es sei denn, Du bekommst SoSi und Blaulicht genehmigt. Und das bekommen nur sehr wenige Personen für ihre Privatfahrzeuge.

§ 11 StVO schreibt "(2) Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden."

Beides bist du nicht. Nicht mal Sonderrechte nach § 35 StVO hast du weil dort auch nur von "Fahrzeuge des Rettungsdienstes" die Rede ist.

Fährst du in die Rettungsgasse ist du nur ein weiteres Hindernis weil dir, auf Grund fehlenden Sondersignals, niemand den Weg frei machen wird.

Stell dir mal vor du bist gerade in der Rückreisewelle von einem Notärztekongress. Dann schleppen die Retter ihr Gerödel hunderte Meter durch den Rückstau der ganzen Arztkutschen.

Natürlich nicht.
Erstens weil Du keine Sonderrechte hast, und zweitens, weil Du keine hoheitlichen Aufgaben erfüllst oder vorbereitest...

Drittens - und noch viel wichtiger:

Woher weist Du denn davon, "dass da in ein paar Kilometern ein Verletzter liegt der deine Hilfe braucht"?

Stehst Du quasi auf Sichtweite zum Unfall, ist das benutzen der Rettungsgasse nicht nötig, bist Du weiter weg, hast du keine Anhaltspunkte für eine "Hilfeleistungspflicht".

Stell dir mal einen kilometerlangen Stau vor, in dem jeder Hobbysanitäter, Feuerwehrler, Zahnarzt oder sonstiger "Berufener" mit seinem Privatwagen die (meist eh schon kaum vorhandene) Rettungsgasse nutzen würde um "zu helfen" - und damit die Zufahrtsmöglichkeit noch weiter zu blockieren...

Das würde den nachrückenden echten Rettungskräften sicher nicht den gewünschten Zeitvorteil bringen.

Antwort: gar nicht

Paragraf 35 Absatz 5a StVO:

"Fahrzeuge des Rettungsdienstes"

Das heißt, solange du nicht in einem RTW, der sich im Dienst befindet sitzt, hast du keine Sonderrechte!

Davon abgesehen frage ich mich, was du mit deiner Ausrüstung anfangen willst. Geht man mal von  der Annahme aus, Autobahn, Stau etc, dann wird es ja nicht nur 1 Betroffenen geben. Jedes vernünftige Vorsichtungsverfahren dauert ein paar Minuten. Schließlich sollte man ja zuerst einmal schauen, wie viele Rettungsmittel benötigt werden. Vorher sollte noch die Einsatzstelle abgesichert werden. Da weiß ich jetzt nicht, was man brauchen könnte, außer einer Warnweste und 2 Händen. Und bis du damit fertig bist ist in Mitteleuropa auch schon professionelle Hilfe da.

Was für eine genaue Qualifikation hast du denn überhaupt?

roboboy 12.07.2017, 20:47

Und bis du damit fertig bist ist in Mitteleuropa auch schon professionelle Hilfe da.

Schön wärs-spätestens wenn du dann auch mal als Rettungssani oder Feuerwehrmann aus dem Auto steigen musst, um zur Einsatzstelle zur laufen, nachdem du eine halbe Stunde im Stau standest, wirst auch du kapieren, dass gerade auf Autobahnen oftmals Ewigkeiten vergehen, bis Rettungskräfte eintreffen.

Ich habe mal gelernt, dass mit jeder Minute, die die Rettungskräfte später am Unfallort eintreffen, sie Überlebenschance für schwer Verletzte, eingeklemmte Personen um 10% sinkt. Und was definitiv zutrifft, ist die Goldene Stunde. Denken wir nur mal an das erste drittel:

Notruf-Ausrücken der FFw-das nimmt mindestens 5 Minuten in Anspruch. 

Weg zur Unfallstelle-braucht nochmal 10 Minuten, wenn es schlecht läuft. 

Dann sind wir bei den 15 Minuten Hilfsfrist. Bis die Gerätschaften aufgebaut sind und die Person geborgen ist, braucht es jedoch mindestens weitere ~5 bis 10 Minuten. Bei modernen Autos länger als bei alten. Hier liegt es einfach an der Situation.

Im Worst Case sind wir jetzt schon bei 25 Minuten-und da war noch keine Rettungsgasse eingeplant-also beziehungsweise das nicht Vorhandensein. Es gab schon Fälle, da war die Feuerwehr erst nach ner Halben Stunde da-wenn hier erst mit der Rettung begonnen werden kann, ist es oft zu spät. Wenn hier jedoch bereits Medizinisch geschultes Personal mit entsprechender Ausrüstung das Unfallopfer bereits im Wagen soweit versorgen konnten, dass es erstmal noch Schnauft, dann ist das schon ein riesiger Fortschritt-und kann mit § 34 StGB begründet werden. 

Jedoch würde auch ich nicht dazu raten. Natürlich können aber bestimmte Situationen das ganze verändern-Unfall ist in Sichtweite, man kann sich einen ersten Überblick über das Chaos verschaffen-sollte man nun zu dem Schluss kommen, dass es das beste ist, nach vorne zu fahren, und dem Unkoordinierten Haufen zu helfen, kann dies durchaus sinnvoll sein-ich sehe ich auch keinen Gesetzesverstoß-noch weniger würde irgendjemand auf die Idee kommen, das Anzuzeigen. 

Lange Rede kurzer Sinn:

Zwei Dinge finde ich Problematisch:

1: Die Aussage, es ist extrem schnell Hilfe da in Mitteleuropa. 

2: Diese Frage ist Rechtlich nicht so einfach zu beantworten von irgendwelchen Hobbyjuristen, die nur einen einzigen Paragraphen zur Hilfe ziehen ;)

LG

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ozz667 13.07.2017, 01:36
@roboboy

Mag ja sein, dass ich ein Hobbyjurist bin - aber, wer einen Profi haben will geht zum Anwalt und nicht zu GF. Du bist aber auf jefen Fall ein Hobbyretter. Einmal ist der Hauptgrund für verzögettes Eintreffen an der Einsatzstelle der, dass jeder macht was er will und nicht was er soll. Und derjenige, der sich mit einem Privatwagen - aus welchen Gründen auch immer - im Stau nach vorne drängelt ist ja wohl der Erste, der die Rettungsgasse oder deren Bildung blockiert. Insofern kannst du ja nicht argumentieren, dass jemand mit der Begründung, dass die Retungskräfte zu lange brauchen, ein Fehlverhalten rechtfertigt, obwohl genau dieses Fehlverhalten erst dazu führt, dass die Retungskräfte so lange brauchen. 

Auch darfst du nicht das Eintreffen der Feuerwehr gleichsetzen mit dem Eintreffen qualifizierter medizinischer Hilfe.

Weiterhin bin ich gespannt auf deine Erläuterungen zur Versorgungsstrategie der Unfallopfer mittels der Ausrüstung in deinem Privatwagen.

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ozz667 13.07.2017, 01:43
@ozz667

Ach ja. Und die Geschichten aus der Bildzeitung,  Sanitäter laufen 800m weit bis zur Einsatzstelle. 

Erstens muss ich mich fragen, war dies die Besatzung des ersten RTW oder die eines Nachfolgenden. Weiterhin kann ich meinen RTW nicht einfach so auf der Autobahn abstellen. Ich schaffe so ein Hindernis für nachfolgende Einsatzkräfte und habe keine Transportkapazität mehr an der Einsatzstelle, was wiederum die Versorgungsmöglichkeiten stark einschränkt.

Insofern ist ein solches Vorgehen -wenn es überhaupt so stattgefunden hat- nicht gerade sinnvoll. 

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ozz667 13.07.2017, 01:57
@ozz667

Einen habe ich noch: Der 34StGB bringt dir gar nix. Entweder du stehst vorne und du siehst, was los ist - Dann gibt es keinen Grund für Dich gegen die STVO zu verstoßen. Oder du stehst hinten im Stau und fährst auf Verdacht nach vorne, weil da könnte vielleicht ein Unfall sein - oder auch eine Baustelle, ein Pannen-LKW etc. Dann kauf ich mir Popcorn und höre zu, wie du das rechtfertigst. Mit Paragraf 34 kannst du da jedenfalls nix anfangen. Dazu brauchst du kein Volljurist sein.

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LetsBene 23.07.2017, 15:08
@ozz667

Also ich sehe das so, wenn man jetzt im Stau steht und man sieht das sich der Unfall ereignet, ist man meiner Meinung nach zum Erstversorgen und absichern der Unfallstelle verpflichtet. Wieso also dann Notstand? Es ist auch nicht schlecht wenn man jemanden hat der sich evtl auskennt und selbst RD fährt. Das erspart den eintreffenden Kräften schon mal einiges an Arbeit wenn die schon viele Infos direkt bekommen (Wie viele, grün - rot). Selbst behandeln würde ich aber nicht da man selbst nicht allzu viel Ausrüstung mit hat und eher die Unfallstelle absichern sollte bevor die Polizei eintrifft. Auch im weiteren verlauf hab ich schon erlebt das solche leute sehr hilfreich sein können, ich hab mal nen früheren Kollegen angetroffen, er hat sich dann um die Betreuung einiger leicht verletzten gekümmert, dass macht vieles einfacher. 

Aber sowas wie einfach mal durch den Stau fahren ohne zu wissen was los ist oder zu weit weg zu sein macht natürlich keinen Sinn.

LG

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ozz667 23.07.2017, 16:22
@LetsBene

Das meine ich ja. Wenn du sicher mitbrkommst, dass deine Hilfe benötigt wird, stehst du soweit vorne im Stau, dass du nicht durchfahren musst - du stehst vorne. 

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Gar nicht.

Die Nutzung der Rettungsgasse ist nur Rettungs (daher der Name) und Bergungsfahrzeugen und Fahrzeugen mit hoheitlichem Auftrag (Polizei) gestattet.

zakcunningham 03.07.2017, 21:19

Wie kann ich denn dann helfen, weil es ist A) unterlassene Hilfeleistung wenn raus kommt, dass ich professionell helfen konnte
B) ein scheiß Gefühl ist nicht zu helfen wenn jemand hilfe braucht. 

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GoodFella2306 03.07.2017, 21:22

Neine es ist keine unterlassene Hilfeleistung. Und wie soll das jemand erfahren? Meinst du die Bullen gehen durch dir Staureihen und fragen, ob jemand zufällig ausgebildeter Sanitäter ist, um dich anzuzeigen? Mir scheint du hast ein kleines Helfersyndrom oder möchtest unbedingt den Helden spielen...

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Gar nicht... du hast keine Sonder- und Wegerechte. Du darfst dir keine Blinkleuchten oder Schilder anbauen. (Das müsstest du eigentlich wissen)

Es ist natürlich keine Frage, natürlich hilfst du, wenn du zufällig irgendwo bist und ein Unfall passiert ist. Du hast Ahnung und kannst andere zeugen anweisen. Du bist aber privat unterwegs!

Typischer Fall von Rettungsrambo...

Wenn außer Dienst, einfach mal die Kollegen ranlassen 

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