Wie kann ich als Lehrer einem adoptierten Kind erklären, dass Blut nicht dicker als Wasser ist?

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12 Antworten

Lieber meeresatem,

ich würde sagen, Familie ist, wo man sich zu Hause fühlt, geborgen, verstanden.

Familie ist kein Ort; Menschen ziehen um.

Familie muß nicht der leibliche Vater und die leibliche Mutter sein; Waisenkinder wachsen in Familien auf und spüren keinen Mangel.

Entscheidend ist die Verbundenheit und die Liebe zwischen den Menschen, die an Eltern statt stehen, und dem Kind. Eine Frau ist Mutter, wenn sie so fühlt und ihr Kind sie so sieht. Dito Vater. Elternschaft basiert auf Vertrauen, Zuneigung und Liebe. Es ist nicht so wichtig, wer das Kind zeugte oder es austrug. Es gibt Leihmütter, bei Vätern erübrigt sich der Gedanke. Leiheltern gibt es in dieser Weise nicht; wen ich Vater/Mutter nenne und bei wem ich mich zu Hause/geborgen fühle, den nenne ich zu Recht Eltern...

Diese Gedanken würde genauso unterschreiben. Danke für die Antwort.

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ich würde erstmal nicht davon ausgehen, dass die leiblichen eltern das kind nicht wünschten! wer weiss das schon. den meisten eltern fällt die entscheidung schwer, ihr kind wegzugeben. das kann durchaus aus liebe passieren, weil die eltern wollen, dass es dem kind gut geht und denken, sie könnten das selbst nicht fertigbringen. das würde ich dem kind auch so sagen. ich finde es wichtig, bei kleinen kindern nicht das gefühl aufkommen zu lassen, dass sie nicht gewollt waren. ich denke auch, dass dies die beziehung zu den adoptiveltern schützt, weil sich das kind dann nicht als weggegeben und damit als 2. wahl fühlt, die man aufnimmt, wenn man selber keine kinder bekommen kann.

Ich weiß nicht, ob ein Kind in der Lage wäre, das zu verstehen, aber du könntest ihm ja den entscheidenen Unterschied zwischen der a) (biologischen) Verwandschaftsbeziehung zu seinen Eltern und b) dem (familiären) Verhältnis zu seinen Pflegeeltern erklären. Worauf ich hinaus will: Könnte man einem Drittklässler nicht schon erklären, dass dafür, wer tatsächlich seine "Eltern" sind, weniger die wirkliche Verwandschaft ausschlaggebend ist, sondern viel mehr, wer sich tatsächlich als "Eltern" um ihn/sie kümmert. Das Kind müsste doch merken, wie viel Liebe ihm von der Pflegefamilie (Im Gegensatz zu seinen leiblichen Eltern?) entgegengebracht wird und das annehmen können. Kinder sind andererseits eben in dem Alter logischerweise stark an die Eltern gebunden, aber du bist der mit der pädagogischen Ausbildung, du kennst dich da mehr aus als ich. So was ist natürlich immer schwierig und hängt vom Einzelfall ab. Da du auch nach der persönlichen Meinung fragst: Ich denke, dass manche Kinder aus schlimmen Verhältnissen bei anderen Familien deutlich besser aufgehoben wären, eben meist solche Fälle, in denen das Jugendamt einschreitet und genau das veranlasst. Denn am Ende des Tages zählt, dass das Kind Vertrauen und Zuneigung erfahren kann, und dazu braucht es keine biologische Verwandschaft.

Dieser Ansicht bin ich ebenfalls. Vertrauen und Zuneigung gegenüber der biologischen Verwandtschaft sind gute Argumente.

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Ich denke ein Kind in der 3. Klasse kann mit einem Spruch wie "Blut...." noch nicht viel anfangen. Wahrscheinlich kann man ihm lediglich immer und immer wieder sagen, dass es ein absolutes Wunsch- und Herzenskind seiner Adfoptiveltern ist und seiner leiblichen Eltern eben nicht für sie/ihn sorgen konnten. Sie werden wohl ihre Gründe gehabt haben. Aber auch ihnen lag am Herzen ein liebevolles Zuhause und die besten Eltern der Welt für sie/ihn zu finden, wenn sie es selbst nicht sein konnten.

Ich selbst sehe das genauso.Nur weil ich mit jemandem verwandt bin, muss ich mich nicht gleich gut mit ihm verstehen. Ich such mir meine Vertrauenspersonen und die Menschen die mir wichtig sind ganz gerne selbst aus.

Für Adoptierte geht es aber gar nicht unbedingt darum die Adoptiveltern in Frage zu stellen, sondern vielmehr um die Frage wo sie herkommen und wo ihre wurzeln liegen.

Einem Kind in diesem Alter so etwas zu erklären, ist meiner Meinung nach fast unmöglich. Ich denke auch, dass sie als Lehrer nicht ganz die richtige Ansprechperson sind. Nicht persönlich. Das braucht Zeit, viel Zeit. Vielleicht wäre ein/e Kindertherapeut/in die bessere Wahl.

Ich denke eben, dass nahestehende Menschen dem Kind das erklären sollten, nicht schon wieder eine "fremde" Person.

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Blut ist nicht dicker als Wasser, zumindest nicht immer. Ich selbst wurde adoptiert und muss sagen, dass ich zu meinen Adoptiveltern ein gespaltenes Verhältnis und im Moment gar keines habe. Allerdings habe ich über meinen Mann eine Familie, die ich sehr liebe. Meine Schwiegereltern stehen mir näher, als meine Adoptiveltern mir je gestanden haben. Ich bin der Auffassung, dass es immer auf die Familiensituation ankommt, ob dieser Spruch sich bewahrheitet oder nicht. Es gibt Familien, die sich absolut nicht verstehen und einer gegen den anderen kämpft und dann gibt es Familien, wo keiner etwas auf den anderen kommen lässt.

Es ist auch ein fataler Irrtum zu meinen, dass man als Adoptivkind immer "geliebt" wird. Manchmal ist es so, dass sich Adoptiveltern alles anders vorgestellt haben und am Ende alles mehr Last als Glück ist. Ebenso kann es sein, dass ein Adoptivkind sich den neuen Eltern einfach nicht öffnen kann, weil es zuvor schon negative Erfahrungen gemacht hat und schwer oder gar nicht mehr vertrauen kann.

An deiner Stelle würde ich erst mal sanft vorfühlen, in welchem Verhältnis deine Schülerin sich zu ihren Adoptiveltern befindet und danach dann zu entscheiden ob und wie du ihr das erklärst.

Bei dem Thema ist viel Feingefühl gefragt.

Danke für die Stellungnahme. Deine Schwiegereltern sind jedoch ebenso Wahlverwandte. Ich bin nicht von der Adoption als solche ausgegangen, sondern suche Argumente, warum die Bluts-Familie nicht wichtiger ist als geliebte Wahlfreunde.

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@meeresatem

Ich sehe das eher wie obihörnchen. "Blutsverwandtschaft" ist in dem Alter meistens noch gar nicht nachvollziehbar, das Kind entscheiden nach der (vorhandenen oder eben nicht vorhandenen) gefühlsmässigen Bindung und der Situation, in der es gerade jetzt lebt. Und es gibt auch jede Menge Kinder, die ungewollt in ihrer Blutsverwandten Familie leben, nur weil es den Eltern zu peinlich war, oder sie zu stur waren, das Kind adoptieren zu lassen.

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Das Kind sollte geistig reif und erwachsen sein um das normal verkraften zu können. Für einen Drittklässer find ich es zu früh, sonst kann es, wenn er seelische Sachen nicht verkraften kann, ihm ein Trauma zubereiten, dass ihn bis als Erwachsener verfolgt. Okay, wahrscheinlich hört sich das von mir zusammen gewürfelte ziemlich dämlich an, aber egal.

Das hört sich nicht dämlich an, aber ich denke ein Grundschulkind hat schon ein Recht zu erfahren, wer seine Eltern sind. Erfährt der Mensch es mit 15 oder 16 Jahren wird er es als Vertrauensbruch wahrnehmen, dann verschiebt man es in der Pubertät und als Volljähriger bekommt er einen Schock. Irgendwann muss man sich diesem zarten Thema eben widmen.

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Mit dem Sprichwort kann ich nicht viel anfangen und ich finde es auch nicht sonderlich kindgerecht.

Außerdem sind Adoptivkinder der lebende Beweis dafür, dass leiblich Verwandte nicht immer so zu einem halten, wie das Sprichwort nahe legt.

Vor allem anderen ist es aber die Aufgabe der Eltern mit ihrem Kind über das Thema zu sprechen. Ich wäre als Adoptivmutter schwer irritiert, wenn eine Lehrerin meinem Kind erklärt, dass es wegen der Adoption nicht traurig sein muss.

Ich würde das als Grenzüberschreitung empfinden.

Ist dieses Kind denn überhaupt traurig? Wenn ja warum? Das könnte viele Gründe haben.

Mich würde interessieren, warum Du mit dem Kind darüber sprechen möchtest.

Also ich würde bei einem so jungen Kind nicht so sehr ins Detail gehen ... und schon gar nicht mit diesem "Sprichwort" ... das ich sowieso nicht für so toll halte.

Ich persönlich würde sicher nicht zwischen einem leiblichen oder adoptierten Kind unterscheiden ... es wären beide meine Kinder und ich hätte beide gleich gern und beide würden gleich gehandelt werden.

Ich glaube nicht, dass man sich automatisch in der Verwandtschaft wohler fühlt, als unter Leuten, mit denen man nicht verwandt ist. Bei mir ist es sogar eher umgekehrt ... ich komme mit manchen meiner Verwandten gar nicht so gut zurecht.

Ja, genau, da gehen mir die Worte auch aus. Es ist einfach so. Ich fühle mich unter selbstgewählten Freunden und magischen Orten auch wohler als in meiner Blutsverwandtschaft.

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über allem steht die Liebe! die ist dicker als Blut und Wasser, sag ihr das!

Wer "ihr" jetzt ist, weiß ich nicht, aber die Aussage ist naturgemäß sehr wahr. Danke.

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Vllt kann man ihm die Frage stellen, wer es "besser" mit ihm meint- die, die ihn nicht wollten, oder die, die in in ihre Obhut nahmen. Und denen darf dieser junge Mensch wohl vertrauen und seine Dankbarkeit zeigen....

Also man sollte einem Kind sicher nicht sagen, dass die leiblichen Eltern es NICHT wollen! Das wäre doch grauenhaft! Das Kind würde sich doch dann sofort die Frage stellen, warum es nicht gewollt wurde! Was an ihm so schlecht ist, dass die Eltern es nicht wollen!!!

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@andrea2405

das war auch etwas exemplarisch gemeint. Der Lehrer wird schon wissen was ich mein

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@andrea2405

Da gebe ich Andrea recht. Keinem Kind darf jemals gesagt werden es sei nicht gewollt worden! Die leiblichen Eltern haben viel für dieses kind getan....sie haben durch die Adoption ein liebevolles zuhause ermöglicht, was sie selbst nicht bieten konnten.

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Die meisten Eltern müssen nehmen, was sie bekommen, aber DEINE Eltern haben Dich AUSGESUCHT :)

Man sucht sich i.d.R. aber das Kind aus ohne es zuvor zu kennen, anders als bei einem Freund. Aber Danke.

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@meeresatem

Ja, das ist DIR klar. (und mir auch, ich kenne etliche Pflegekinder schon von klein auf).

Dem Kind hift das aber gar nicht, und ein Kind in dem Alter ist auch nicht in der Lage, irgendwelche Erwachsenen-Gefühle nachzuvollziehen. Die kannst Du ihm erklären, aber Sprüche mit Blut und Wasser und Verwandtschaftlichen Beziehungen sind - imho, sry - völliger Nonsens, das ist keine kindgerechte Erklärung, sondern eine typisch erwachsenengerechte.

Überleg mal, in welchem Alter Du ein Kind darüber aufklärst, woher die Kinder überhaupt kommen...

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Ja sind wir denn hier auf dem Jahrmarkt, wo man sich neuerdings Kinder aussuchen kann? Also so was blödes habe ich noch nie gehört! Man kann nichtmal das Geschlecth wählen!!!! Das ist auch gut so, denn das kann eine Schwangere auch nicht! Aber sowas würde ich doch nie einem Kind sagen, das fühlt sich ja total "ausgesucht"!?! Ich würde eher sagen - sie haben viel länger auf Dich gewartet als "normale" Eltern, hatten damit viel mehr Stress und haben sich von ganzem Herzen Dich gewünscht - was ja nicht jeder von sich behaupten kann!

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@mimihanni

und haben sich von ganzem Herzen Dich gewünscht - was ja nicht jeder von sich behaupten kann!

nein, genau das kannst Du dann ja eben nicht sagen, sondern bestenfalls: sie wollten unbedingt irgendein Kind, egal was für eins und egal welches.

Und eben das hilft dem KIND in so einer Situation gar nicht - da kannst Du dann auch gleich sagen: uns war es völlig egal, was sie uns da geben, hauptsache es war klein genug und hat sich nicht gewehrt (was ältere Kinder durchaus dürfen!).

Nochmal: es geht imho in so einer Situation nicht darum, dem Kind zu erklären, wie das Deutsche Adoptionsgesetz aussieht, wie die Eltern sich gefühlt haben oder meinetwegen ob der Liebe Gott denen ein Kind gegönnt hat oder nicht, es geht einzig darum, eine kindgerechte Erklärung zu finden, die dem Kind über eine problematische Zeit hinweghilft.

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